Montag, 30. September 2013

Rezension: Das Geheimnis der weißen Mönche von Rainer M. Schröder



Genre: Historischer Krimi / Jugendbuch
empf. Alter: 12 - 15 Jahre

Verlag: Arena
Taschenbuch: 6,00 €

1. Auflage: Juni 1999
ISBN: 978-3401500348

Website des Autors










Ich wollte schon lange wieder etwas Historisches lesen. Ich bin ja viel in den phantastischen Welten unterwegs und mache immer wieder Ausflüge in andere Genre. Einige historische Romane / Krimis sind mir ans Herz gewachsen und dieser hier hat mich nach längerer Abstinenz wieder auf den Geschmack gebracht!

Worum geht’s

Mitte des 17. Jahrhunderts, in der Nähe der Eifel

In einer finsteren Gewitternacht verschlägt es den 16jährigen Jakob Tillmann in das alte Klostergemäuer der Abtei Himmerod. Auf einem Karren bringt er den todkranken Anselm von Picoll zu seinen Klosterbrüdern, doch schon nach zwei Tagen stirbt der alte Abt.
Jakob, wegen dem stürmischen Wetter zum Ausharren im Kloster verdammt, muss vielerlei seltsamer Fragen über sich ergehen lassen. Vor allem der Subprior des Klosters, Bruder Tarzisius, hat großes Interesse daran herauszufinden, was der alte Anselm auf ihrem Weg mit ihm zu besprechen hatte.
Aber auch die seltsamen Gäste des Klosters, Bruder Basilius und sein schwedischer, bewaffneter Begleiter Henrik Wassmo, der sich nur mit Psalmversen verständigt, sind Jakob nicht geheuer – auch sie stellen Fragen und geben sich geheimnisvoll. Es scheint schwer, hier Freund und Feind zu unterscheiden.
Einzig Bruder Isenbard und der einfältige Bruder Liffard sind ihm freundschaftlich gesinnt, aber erfahren kann er durch die beiden auch nichts über das merkwürdige Rätsel, das Bruder Anselm mit in sein Grab genommen hat. Immer mysteriöser werden die Beobachtungen des Jungen, die umso mehr seine Neugier wecken.
Als plötzlich auch noch der einflussreiche, hohe Domherr von Drolshagen in dem Kloster ankommt und ihn ebenfalls mit Fragen zu dem Verstorbenen Abt bedrängt, ahnt Jakob nicht, wie sehr er in dieses dunkle Geheimnis verwickelt ist …
Meine Meinung

Mit den ersten Sätzen ist man sofort in der Geschichte drin. Der Sprachstil ist nicht einfach, spiegelt aber wunderbar die mittelalterliche Epoche wider. Durch das langsame Erzähltempo entsteht der Eindruck, die Vorkommnisse zusammen mit Jakob zu durchleben. Während die winterliche Atmosphäre die bedrückende Handlung im Kloster bestimmt, wandelt sie sich im Lauf der Ereignisse in eine lebhaftere und an Spannung zunehmende Entwicklung.
Etwas schwierig zu lesen für das empfohlene Alter von 12 – 15 Jahren, ich würde es eher für ein Alter ab 14 ansiedeln; es werden öfters Psalmen zitiert und es tauchen viele mittelalterliche Begriffe des Klosterlebens auf. Letztere kann man allerdings im Anhang in einem Wortregister nachschlagen und auch von dem Kloster Himmerod gibt es dort einen Grundriss.

Man erhält sehr anschauliche Einblicke in das damalige, klösterliche Leben. Vor allem aber erhält man verschiedene Eindrücke der Glaubensrichtungen unterschiedlicher Orden, die in den Gesprächen zwischen Jakob und Bruder Basilius zum Ausdruck kommen und nachdenklich stimmen.
Auch fehlen nicht kleine, hintergründige Andeutungen mit leisem, feinsinnigem Humor.

Die Namen der Mönche sind anfangs gewöhnungsbedürftig, aber der Autor versteht es geschickt, durch detaillierte und anschauliche Charakteristika, die Figuren deutlich hervorstechen zu lassen. Jeder von ihnen scheint etwas zu verbergen – auch wenn die Rollen von „gut“ und „böse“ klar verteilt zu sein scheinen, ist man sich lange nicht sicher, wer welche Absichten verfolgt.
Jakob selbst ist einfach gestrickt: ein junger Bursche, der schon viel Schlimmes hinter sich gelassen hat und nun versucht, sich mit seinen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln durchs Leben zu schlagen. Seine Neugier und jugendliche Gedankenlosigkeit bringen in aber alsbald in große Schwierigkeiten, die nicht nur ihm das Leben kosten können.

Das Geheimnis, das der tote Bruder Anselm mit ins Grab genommen hat, ist ein beständig schlummerndes Rätsel und wie Jakob fragt man sich, hinter was die einflussreichen Kirchenmänner eigentlich her sind. Eine ineinander verwobene, in sich logische Handlungsfolge, die nach vielen Wendungen schließlich zu einem gelungenen Ende führt.
Fazit: Ein mittelalterlicher Krimi, in einer altertümlichen und bedächtigen Weise erzählt. Immer nah am Geschehen und bis zum Schluss schlummert das Geheimnis zwischen den Zeilen, bis es sich am Ende in einem spannenden Finale auflöst.

© Aleshanee
Bewertung


Meine liebsten Textstellen, aus den zahlreichen, tiefsinnigen Dialogen:

„… Wenn man durch Blut watet, vorbei an hunderten von zerfetzten, hingeschlachteten Soldaten, dann können nur ganz einfältige und ganz hochmütige und grausame Menschen noch an Ruhm und Ehre glauben – und solch ein Gemetzel für einen verdienstvollen Kampf zum Ruhme Gottes halten.“ S. 223

„… Hat der Regenbogen nicht auch viele wunderschöne Farben? Und wer kann schon sagen, dass die Rose schöner ist, als die Lilie oder die Blüte einer Weißdornhecke? Gottes Schöpfung ist vom ersten Tag an auf wunderbare Vielfalt angelegt, Jakob. Und Weisheit ist das Ende der Schwarzweißmalerei.“ S. 231

„Fanatisch sein heißt die Wahrheit nicht suchen zu wollen, sondern sich in unbedenklicher Überheblichkeit schon im voraus für den Besitzer der Wahrheit zu halten.“ S. 232

„Worte haben schöpferische oder zerstörerische Kräfte, sie können Engel gebären – oder Dämonen.“
S. 306

„Die beste Art, sich zu rächen besteht darin, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten“, erwiderte der Mönch. S. 314

„ … Nur ignorieren wir gerne, dass die erste Pflicht der Freiheit ist, dass sie sich Grenzen setzt, damit sie die Freiheit des Nächsten nicht stranguliert. Denn Freiheit ohne Verantwortung ist und bleibt Willkür.“ S. 321
 

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