Montag, 16. September 2013

Rezension: Der Wolkenkratzerthron von Tom Pollock



Genre: Urban-Fantasy

Verlag: Ueberreuter
Seitenzahl: 464
Hardcover: 16,95
ebook: 12,99 €

1. Auflage: Juli 2013
ISBN: 978-3764170073



Zur Handlung

London:  Beth ist 16 und seit dem Tod ihrer Mutter vor ein paar Jahren ist ihr Vater kaum noch ansprechbar. Als sie wegen einer Spray-Aktion von der Schule geschmissen wird, kann sie von ihm keine Hilfe erwarten. Von ihrer besten Freundin Pen will sie nichts mehr wissen – denn sie war es, die sie in der Schule verraten hat …

Beim Herumstromern gerät sie in eine gefährliche Situation, in der sie einen seltsamen Jungen mit grauer Haut trifft, Filius Viae. Nachdem die beiden Jugendlichen sich gegenseitig das Leben gerettet haben, will sie mehr von seiner Welt erfahren – denn hinter den Londoner Mauern steckt eine ganz andere, phantastische Welt.
Aber jemand trachtet nach dem Leben von Filius; es ist kein geringerer als Reach, der König der Kräne, der ärgste Widersacher von Filius Mutter, welche die Königin der Straßen ist. Doch Filius Mutter ist schon seit langer Zeit verschwunden und Beth muss ihre ganze Überzeugungskraft aufbringen, denn der junge Kronprinz sieht keine Chance, sich gegen seinen Feind zu wehren. Zusammen versuchen sie, Verbündete in der geheimnisvollen Welt zu finden, um dem Kran-König entgegen treten zu können.


Meine Meinung

Die Handlung wird zum einen aus der Sicht von Beth und zum anderen von Filius in der Gegenwartsform beschrieben. Der Anfang war für mich etwas verwirrend und ich musste mich erst mit der ungewöhnlichen Idee des Autors für seine phantastische Welt anfreunden. Es passiert viel in der Handlung, aber ich hatte oft den Eindruck, dass es diese trotzdem nicht wirklich voranbringt. Ich bin bisweilen an Inhalte gestoßen, die ich nicht verstanden habe bzw. nicht logisch nachvollziehen konnte – das war sehr schade.

Der Schreibstil fordert Aufmerksamkeit, ist aber schön zu lesen. Die vielen kursiven Hervorhebungen haben mich manchmal ein bisschen gestört – weniger hätten auch gereicht. Die besondere Wort- und Satzbaukonstruktion fand ich wirklich super, trotzdem waren sie teilweise auch anstrengend und haben mich abgehalten, der Handlung und den Charakteren näher zu kommen.
 
Die Idee mit den energetischen Wesen ist sehr ungewöhnlich und völlig neu; in der handelnden Beschreibung sehr gut umgesetzt.  Auch der Kampf zwischen der „alten Welt“ (den Gesichtern und Seelen der Stadt in den alten Gemäuern) und der „neuen“ (die gläsernen Neubauten des Krankönigs), sozusagen den alten Elementen und Bauweisen gegenüber der heutigen, ist besonders und liefert Diskussionsstoff, wirkt mir aber zu abstrakt. Als „Gesichter der Stadt“ oder „Seelen der Gebäude“ habe ich von den Wesen einen gewissen Eindruck bekommen, aber leider nicht wirklich greifbar. Mir fehlten die Zusammenhänge, die Erklärungen wirkten diffus und haben mich dieser Welt nicht wirklich näher gebracht.

Den direkten Bezug zu London habe ich vermisst, die Stadt wäre auch austauschbar gewesen.
Die Charaktere fand ich sehr gut herausgearbeitet. Keiner von ihnen ist nur schwarz oder weiß, sie haben vielfältige Facetten. Einzig die unmotivierte Haltung von Filius am Anfang fand ich etwas unpassend, er wirkte die meiste Zeit auf mich eher passiv und schwach. Dass Beth sich, als sie sich von allen  verlassen fühlt, in diese phantastische Welt stürzt und und Filius nicht mehr von der Seite weicht ist nachvollziehbar. Auch die wörtliche Rede der Jugendlichen wirkt lebendig und authentisch.

Gossenglas – genialer Name! – aber ein „Müllgeist“ als Aufpasser für den Sohn der Königin empfand ich etwas merkwürdig. Auch die fehlende respektvolle Haltung der verschiedenen „Geister“ gegenüber Filius hat mich gewundert, dass keiner sich darum schert, was mit ihm passiert bzw. dass Reach sich in der Stadt breitmacht, war für mich nicht einleuchtend.

Die verborgene Welt bleibt für mich verborgen, es ist sehr anstrengend, sich dort zurecht zu finden – vor allem, da es mir an Erklärungen fehlt (vielleicht blick ja auch nur ich nicht durch). Man kann in das Geschehen nicht wirklich eintauchen, bleibt ein außenstehender Beobachter; sehr schade, da ich die Idee an sich wirklich gut finde.

 Bewertung



Vielen Dank an den Ueberreuter Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares und die interessante Leserunde bei Lovelybooks

© Aleshanee

Kommentare:

  1. Hm, das klingt ja sehr durchwachsen. Allerdings hat mich die Beschreibung auch direkt neugierig gemacht. Ich glaube, ich werde mir eine eigene Meinung bilden :-)

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  2. Ja, das Buch war wirklich etwas schwierig - zu lesen und zu beurteilen. Ich habe auch einige gehört, die begeistert waren von dem Buch. Die Idee ist ja an sich wirklich super, aber Schreibstil und Umsetzung empfindet ja jeder anders :)

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