Sonntag, 22. September 2013

Rezension: Die Eistoten von Christian Buder



Genre: Krimi

Verlag: aufbau TB
Seitenzahl: 384

Taschenbuch: 12,99 €
ebook: 7,99 €

1. Auflage: Aug 2013
ISBN: 978-3746629957








Zum Inhalt

Der "Grangerl" geht um im allgäuischen Hintereck, ein kleines Dorf in den Bergen. Es beginnt, als in der Nacht alle Hunde verstummen und die elfjährige Alice das tote Mädchen entdeckt.

Alice´s Mutter ist vor vier Jahren gestorben, nur 100 Meter vom Haus entfernt, aber niemand glaubt Alice, dass ihre Mutter einem Mord zum Opfer gefallen ist. Ihr Vater ist zwar Polizist, doch er vermutet hinter Alice kriminalistischer Neugier den unverarbeiteten Tod ihrer Mutter. Alice´s ältere Schwester Amalia ist auch keine große Hilfe und der Großvater, der in der Hütte nebenan wohnt, hüllt sich in Schweigen.

Als Alice versucht, mithilfe ihres Freundes Tom den Mord an dem Mädchen aufzuklären, der, wie sie glaubt, auch mit dem Tod ihrer Mutter zusammen hängt, kommen sie einer Verbrechensserie auf die Spur, die ihre Wurzeln tief in der Vergangenheit des Dorfes vergraben hat. Und mit ihrer altklugen und neugierigen Art kommt Alice dem Verbrecher tatsächlich so nahe, dass sie nicht nur ihr eigenens Leben in Gefahr bringt.

Und dann ist da auch noch Wittgenstein, der tote Philosoph, der immer wieder auftaucht und versucht, ihr mit seinen philosophischen Sinnsprüchen zu helfen ...

Meine Meinung

Das erste kurze Kapitel gibt gleich einen Vorgeschmack auf das geheimnisvolle Verbrechen, das den Ursprung in diesem verschneiten Dorf hat.
An den Schreibstil musste ich mich erst gewöhnen, er ist sehr eigenwillig und wirkt mir manchmal zu abgehackt - die Sprünge zwischen den Absätzen und auch zwischen den Zeilen sind oft zu abrupt, das stockt etwas den Lesefluss.

Alice ist mir sehr sympathisch. Das Mädel hat schon einiges mitmachen müssen und hat auf ihre Art gelernt, damit umzugehen. Mit ihren 11 Jahren ist sie altklug und sehr schlau, erkennt Zusammenhänge schnell und gibt auch wörtlich gut  Kontra. Für das Alter war mir das trotz der Hintergründe etwas zu viel. Auch weiß ich immer noch nicht, wie der tote Philosoph Wittgenstein in das Köpfchen von Alice passt. Ist das ein fantastisches Element, um die Philosophie dem Leser näherzubringen oder ist er tatsächlich "nur" ein Hirngespinst einer psychisch labilen 11jährigen, die den Tod ihrer Mutter nicht verkraftet hat?
Die Gefühle bei Alice kommen mir auch etwas zu kurz, obwohl das natürlich auch eine Begleiterscheinung ihrer Hintergrundgeschichte sein kann.

Über ihre Schwester Amalia erfährt man nicht viel, außer dass sie eine typische "Tussi" ist. Ihr Großvater hat mir als Charakter sehr gut gefallen, er hat trotz allem, was passiert ist, immer zu Alice gehalten. Was man von ihrem Vater leider nicht sagen kann. Dessen Verhalten hat mich manchmal etwas genervt: Einerseits will er seiner Tochter helfen und sie sogar in eine Psychatrische Klinik einweisen lassen - auf der anderen Seite hat er nie Zeit, ihr mal zuzuhören bzw. wenn sie mit ihm über wichtige Dinge sprechen will, schneidet er ihr das Wort ab und will davon nichts hören.

Alles in allem ein sehr spannender, vorantreibender Thriller. Die Lösung des Rätsels war vielleicht etwas zu naheliegend und es gab einige kleinere Ungereimtheiten, aber ich habe mich sehr gefreut zu hören, dass es eine Fortsetzung geben soll! Vielleicht werden dort ja die offenen Fragen weiter aufgeklärt, die Alice und ihr Gefühlsleben in mir aufgeworfen haben.

Bewertung
 

Besonders gefallen haben mir auch die vielen mehr oder wenig versteckten, aufgeworfenen philosophischen Fragen :)

"Auch Bücher starben, dachte Alice, nur viel langsamer. Und selbst sterbend hatten sie noch viel zu erzählen." Zitat S. 24

"Du siehst durch die Bücher. Du siehst durch sie hindurch in die Zeit, in der sie geschrieben wurden. Jedes Mal, wenn du ein Buch aufmachst, öffnet sich eine Welt." Zitat S. 131

"Es war die Praktik der Vernunft, die zur gesellschaftlichen Norm geworden war, die das Andere absonderte. Das Abgesonderte war der "Wahnsinn", und dieser wurde zum Schweigen gebracht. Nach dem Motto: Erkläre deinen Nachbarn für verrückt, wenn du selbst für gesund gelten willst." Zitat S. 143

"Für Wittgenstein waren diese eigentlich keine Fragen, sondern versteckte Wünsche. Der Wunsch, dass das Leben einen Sinn hat. Und so wie das Leben keinen hatte, hatte auch der Tod keinen." Zitat S. 174

"Das meiste Wissen, das man als Allgemeinwissen beherrschen sollte, war nutzlos. Damit stopfte man die Köpfe der Menschen zu, damit sie nicht auf eigene Gedanken kamen. In der Schule bringt man Leuten alles bei, nur nicht das Denken, hatte Wittgenstein zu ihr gesagt. Ein Staat aus lauter denkenden und kritischen Bürgern wäre ja unkontrollierbar." Zitat S. 290


Vielen Dank an den Aufbau Verlag für das Rezensionsexemplar und die interessante Leserunde bei lovelybooks.

© Aleshanee

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