Sonntag, 6. April 2014

Rezension: Razorland (1) Die Enklave von Ann Aguirre


Genre: Postapokalypse
Band 1 der Razorland Trilogie
Originaltitel: "Razorland"

Verlag: Blanvalet
Seitenzahl: 349
Taschenbuch: 14,00 €
ebook: 10,99 €

1. Auflage: Mai 2011

Website der Autorin




"Es sind die Handlungen, die den Wert eines Menschen ausmachen." S. 221


Zum Inhalt


Irgendwann in der Zukunft ...

"Es war seltsam, ein Echo dessen zu sehen, wie die Menschen einmal gelebt hatten." S. 68

Jahrzehnte nach einem vernichtenden Holocaust ist New York eine verfallene, verwahrloste Stadt. Nur wenige Menschen haben überlebt und fristen ihr Dasein zurückgezogen von den Seuchen und dem sauren Regen in den weitläufigen U-Bahn Schächten und der Kanalisation. 
In großen Gruppen leben sie in sogenannten Enklaven zusammen und ihr System gründet auf dem Leitsatz, dass nur der Stärkere überlebt.
Zwei ist eine von ihnen.

Die Anführer ihrer Enklave sind noch jung, gerade mal Anfang 20, denn das Überleben in den finsteren Katakomben ist geprägt von Hunger, Degeneration und Kämpfen. Jede Enklave muss ihr Territorium verteidigen – nicht nur gegen die anderen Überlebenden, sondern auch gegen die Freaks: mutierte Wesen, die durch die dunklen Gänge streuen und alles jagen und töten, das ihnen über den Weg läuft.

Zwei hat sich gerade ihren Namen und den Status als Jägerin verdient.  Ihr Stolz darauf währt allerdings nicht lange, denn ihr neuer Partner, der ihr zur Seite stehen soll, ist alles andere als das, was sie sich erhofft hat. Sein Name ist Bleich und er ist anders. Er hat jahrelang allein in den düsteren Tunneln überlebt und hält sich nur aus Zwang an die Gesetze und Regeln, die die Anführer aufgestellt haben. Und er behauptet, er kam von Oben …

Meine Meinung

Als erstes muss ich leider (mal wieder) anmerken, dass der Klappentext viel zu weit vorausgreift und somit der ersten Hälfte des Buches die Spannung genommen hat. Darum habe ich in meiner Inhaltsangabe nur auf den Anfang zurückgegriffen.

In die Geschichte hab ich mich eingewöhnen müssen. Es fiel mir nicht leicht, obwohl ich gar nicht so genau sagen kann, warum. Der Schreibstil ist gewöhnungsbedürftig, aber nach einiger Zeit kam ich gut rein und die Handlung hat mich immer tiefer in diese düstere Atmosphäre gezogen. Manche Szenen wirkten „abgehandelt“, die hätte man noch weiter ausbauen können – dafür zieht es sich aber an keiner Stelle und es war eine fortlaufende unterschwellige Spannung spürbar.

Die Handlung wird geprägt von einer trostlosen Stimmung, die nur von Kämpfen und dem konventionellen Zusammenhalt Einzelner unterbrochen wird. Das Sagen in der Enklave von Zwei haben der Anführer Dreifuß, der Worthüter Zwirn und die Jägerin Seide. Ihr Wort ist Gesetz und jede Missachtung wird mit Verbannung und damit dem Tode bestraft. Es gibt Schaffer, die für die handwerklichen Fertigkeiten zuständig sind, die Zeuger, die für das Fortbestehen ihrer kleinen Bevölkerung sorgen und die Jäger, die Nahrung beschaffen und die nahe Umgebung sichern. Die Kinder werden einfach nur „Bälger“ genannt und haben eine Nummer – ihren Namen erhalten sie erst, wenn sie sich in einem der Posten ausreichend bewährt haben. Die Namensgebungen wirkten anfangs seltsam, woran ich mich aber schnell gewöhnt habe.

Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Zwei. Dadurch kommt man ihr sehr nahe und erlebt ihre rationale, eher von Instinkten gezeichnete Natur. Sie wirkt stolz, ausdauernd, aber auch abgestumpft durch die grausamen Regeln, derer sie sich ihr ganzes Leben lang unterordnen musste. Aber auch in ihr regen sich Gefühle, die sie  nicht einordnen kann - Mitgefühl und Unrechtsbewusstsein kratzen an ihrem Weltbild und die gemeinsamen Streifzüge mit Bleich stellen ihre ganzen Überzeugungen auf den Kopf. 

"Die Wahrheit hatte es manchmal schwer, wenn sie nicht unseren Erwartungen entsprach." S. 123

Der Charakter von Bleich kristallisiert sich im Laufe der Handlung immer sympathischer und überzeugender heraus und es ist spannend zu verfolgen, wie Zwei mit diesen neuen Erfahrungen und Gefühlen umgeht. Die brutale Welt, in der sie aufwachsen, zwingt sie dazu, alles aufzugeben, was einen "guten" Menschen ausmacht - doch Bleich hat erkannt, dass diese Art zu überleben keine Berechtigung hat.

War ich anfangs noch skeptisch, hat mich das Buch Seite um Seite mehr mitgerissen. Vor allem die überraschenden Wendungen im zweiten Teil, die schlüssigen Entwicklungen und die düstere Atmosphäre haben mich überzeugt. Ich habe hier sehr zwischen 4 und 5 Sternen geschwankt, möchte mich aber dann doch für die volle Punktzahl entscheiden.

Fazit

Die Autorin hat hier eine düstere Postapokalypse beschrieben, die die Wahrheit in einem grotesken, beängstigendem Bild erscheinen lässt. Ein grausames, gefühlloses Leben, dem sich die Protagonisten stellen müssen, verlangt alles von ihnen ab und die Entwicklungen nehmen spannende, überraschende Wendungen. Wenn man sich auf diese Welt einlassen kann, kann ich es auf jeden Fall weiterempfehlen!

Bewertung

Cover: 5
Handlung: 5
Charaktere: 5
Spannung: 4
Umsetzung: 4

© Aleshanee


Über die Autorin:  Ann Aguirre, geboren 1970, ist eine amerikanische Bestseller-Autorin mit einem Abschluss in Englischer Literatur. Bevor sie sich ganz der Schreiberei widmete, arbeitete sie als Clown, Buchhalterin, Synchronsprecherin und als Retterin von streunenden Kätzchen, wenn auch nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge. Sie schreibt vor allem Science-Fiction- und Fantasy-Romane und lebt mit ihrem Mann, Kindern, zwei Katzen und einem Hund in Mexiko.
Quelle: Blanvalet Verlag

Band 2 - *klick* zur Rezi

Kommentare:

  1. Guten Morgen, meine Liebe!
    Wieder einmal eine sehr schöne Rezi:) Ich hatte das Buch auch schon im Auge, aber mich würden wahrscheinlich die Namen stören. Hört sich vielleicht blöd an, aber da hab ich immer so meine Probleme mit. Vor allem, wenn ich mit den Namen etwas anderes verbinde. Und bei "Zwei", "Zwirn" und "Seide" könnte es etwas schwierig werden...

    Einen schönen Sonntag und lg,
    Claudia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dafür gibts aber eine sehr konkrete und nachvollziehbare Erklärung im Buch, die ich noch nicht vorausnehmen wollte ;)
      Ich hab mich recht schnell daran gewöhnt ^^

      Löschen
  2. Oh wie sich sehe wieder ein typischer Fall von "der Klappentext verrät zu viel" ich mag solche Bücher normalerweise nicht so gerne, weil ich mich immer furchtbar ärgere, wenn nichts Unvorhersehbares passiert.
    Die Bücher selbst kannte ich nocht nicht, aber die Cover finde ich sehr schön, auch wenn mich der Titel nicht wirklich anspricht.
    Sehr schöne Rezi!
    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag

    AntwortenLöschen
  3. Ich glaube, das werde ich mir auch mal besorgen.

    AntwortenLöschen
  4. Schöne Rezi! Das Buch behalte ich mal im Hinterkopf, das klingt zwar düster aber auch interessant :).
    LG Insi

    AntwortenLöschen
  5. Das Problem mit den Klappentexten kenne ich nur zu gut... Aus dem Grund lese ich die eigentlich gar nicht mehr. Insbesondere bei Büchern, die mir von Freunden empfohlen werden. Teilweise weiß ich gar nicht so genau, worum es geht. Ich halte mich lieber an die Meinungen / Beschreibungen von Rezensenten. Die verraten eigentlich nie zu viel :)

    Du hast mir mit deiner Rezi jedenfalls richtig Lust auf das Buch gemacht. Vielen Dank dafür.

    Liebe Grüße,
    Enni

    AntwortenLöschen
  6. Wolfram Winkler02 Juli, 2014 21:29

    Die erste Hälfte war in Ordnung, danach flachte die Erzählung ab.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Findest du? Ich fands echt toll, und den zweiten auch ♥

      Löschen

Ich würde mich über dein Feedback zu meinem Beitrag freuen! Ich beantworte die Kommentare immer direkt oder schreibe dir gerne auf deinem Blog zurück :)

Die aufgeführten Cover und Bilder sind das Eigentum des jeweiligen Verlages bzw. Schriftstellers
oder Rechteinhabers und dienen nur zur Veranschaulichung.

____________________ Meine Bilder auf Instagram ___________________

_______________________ FACEBOOK NEWS _______________________