Sonntag, 27. Juli 2014

Rezension: Die Gossen von Farefyr (1) von Temper R. Haring


Genre: Fantasy
Teil 1 der Farefyr Reihe

Verlag: Eigenverlag
Seitenzahl: 560
Taschenbuch: 13,90
ebook: 4,99

1. Auflage: 2013
Neuauflage: Juli 2014

Website der Autoren




"Eine Türe zur Flucht? Es war wohl eher das Tor zur Hölle, welches er aufgetreten hatte! 
Nur die Ruhe. Es gab immer einen Ausweg." Pos 9348


Zum Inhalt

Die Gossen von Farefyr - ein gefährliches Pflaster. Es tummeln sich Raufbolde, Säufer, Adlige und Auftragskiller, kaum zu bändigen durch die korrupten Gesetzeshüter. 
Inmitten dieses illustren Schauplatzes wird der junge Viscount Lord Wentworth Opfer eines brutalen Verbrechens, aus dem ihn in letzter Sekunde ein rettender Engel befreien kann. Dieser entpuppt sich als scheinbar zartes Geschöpf, ein Mädchen - und doch so viel mehr. Nachtschatten werden sie in Farefyr genannt, eine Auftragskillerin, die sich den Peinigern des jungen Lords annehmen will.
Zur gleichen Zeit ist der Holzfäller Nath auf dem Weg in die Stadt. Eine Begegnung mit einem Zauberer hat seiner Frau Rosi eine unglückliche Zukunft beschert und so ist Nath auf der Suche, sie zu erlösen.
Auch das kleine Waisenmädchen Sin ist auf der Suche und gleichzeitig auf der Flucht, vor ihrer Vergangenheit, vor ihrem Leben.

Meine Meinung

Also dieses Buch hat es wirklich in sich und die Rezension dazu ist mir nicht leicht gefallen. So viele Eindrücke, bei denen es mir schwerfällt, sie hier nur kurz in Worte zu fassen.
Nach dem ersten Viertel des Buches war ich noch desorientiert. Die Erzählperspektiven springen ständig hin und her und der Schreibstil ist sehr gewöhnungsbedürftig. Am Anfang der Kapitel und der Absätze ist meist erst einmal nicht klar, um wen es gerade geht - was einen gewissen Reiz hat, aber das Eintauchen in die Handlung erschwert. Die Sätze wirken oft umständlich, zu viele unnötige Kommas stören den Lesefluss und ich hab keinen roten Faden in der Geschichte finden können. Die vielen Figuren waren zu Beginn verwirrend - ich war sogar soweit, das Buch erstmal zu unterbrechen, hab mich dann aber selbst überredet, weiter zu lesen.
Zum Glück!
Je weiter ich kam, desto mehr konnte ich mich an den eigenwilligen Schreibstil gewöhnen und habe meinen Rhythmus gefunden, die Charaktere haben sich mehr und mehr aus der dicht gedrängten Handlung heraus geschält und haben einen sehr authentischen, faszinierenden Charme entwickelt, dem ich mich nicht mehr entziehen konnte.

Nath, der dumme Bauer, der durch seine Schlichtheit zur Philosophie inspiriert.
"... aber er vertraute eben in das Gute im Menschen. Jeder hatte positive und negative Seiten und manchmal sah man von seinem Standpunkt aus nur eine davon." Pos 4518

Der Nachtschatten, die Auftragsmörderin, deren Leben von Gewalt geprägt ist, obwohl sie nur Liebe sucht.
"Ihr Vater hatte immer gesagt, auch wenn einen Nachtschatten niemals jemand bei Tageslicht sehen wird, sollte man trotzdem stets ordentlich und gepflegt aussehen. Immerhin ist man für viele Menschen das letzte, das man sieht." Pos 919

Der geschlagene Lord Wentworth, dem eine einzige Nacht sein Leben geraubt hat
"Seine blutverschmierten Hände zitterten, als er sich etwas Wein eingießen wollte. 
Die Flasche entglitt ihm und zersprang mit einem lauten Knall in tausend Scherben - 
wie sein Leben" Pos 1901

und die junge Waise Sin, die zu sich selbst finden muss.
"Die Erinnerungen überfluteten sie, während sie das große, seelenfressende Monster anblickte, 
das sich vor Jahrhunderten am Meer niedergelassen hatte und seitdem immer größer 
geworden war." Pos 1408

Sie alle müssen in dieser rauen Welt überleben, in den Gossen von Farefyr, die geprägt sind von Gewalt und Korruption. Was sie erleben sind grausame, brutale Ereignisse, mit denen sie sich auf ihre Art arrangieren müssen. Ich kann das sehr schwer in Worte fassen, weil es so völlig anders ist, wie ich erwartet habe. Die Protagonisten sind wirklich außergewöhnlich, da sie so gar nicht in ein gängiges Bild passen.
Ab der Mitte wird das Buch dann richtig interessant und viele Puzzleteilchen fügen sich zusammen. Jedes Detail wirkt authentisch, auch wenn man einiges (vor allem aus der ersten Hälfte) hätte streichen können.
Eine derbe Ausdrucksweise an den passenden Stellen, der skurrile Humor und die zunehmende Intensität der Beziehungen der Protagonisten untereinander haben das Geschehen mehr und mehr intensiviert. Und obwohl es teilweise anstrengend war zu lesen, war ich einfach nur noch fasziniert.

Dazu kam noch eine Liebesgeschichte, oder auch zwei, die sich erst spät entwickelt haben, aber dafür umso rühender und berührender waren. Die zarten Gefühle inmitten dieser rauen Welt haben der Geschichte eine ganz neue Note gegeben, die mich amüsiert und bewegt haben.

Das neue Cover finde ich passend und sehr schön, obwohl das alte auch etwas für sich hatte. Vorne im Buch gibt es Karten zur Stadt Farefyr und Umgebung und die dramatis personae, im Buch selbst findet man einige gezeichnete Skizzen.

Die Bewertung ist mir hier doch schwer gefallen, da es mich jetzt im Rückblick gefesselt, amüsiert und gut unterhalten hat - aber durch den etwas mühsamen Weg am Anfang muss ich doch etwas abziehen.


Zusammengefasst

Thematik: "Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen"
Schreibstil: etwas umständlich, anfangs anstrengend, man muss sich konzentrieren
Charaktere: sehr gut ausgearbeitet, passen in kein Klischee
Spannung: in der ersten Hälfte durchwachsen, danach hat mich alles gefesselt
Umsetzung: wirkt etwas überladen und undurchsichtig, steigert sich dann aber sehr

Fazit

Wer eine typische Fantasygeschichte erwartet, ist hier völlig fehl am Platz. Die Magie spielt hier nur eine kleine, wenn auch bedeutende Rolle; dafür wird man überhäuft mit einem sehr dicht gesponnenen Abenteuer, dessen Figuren so ungewöhnlich und originell sind, dass sie einem einfach ans Herz wachsen müssen. Ich war sehr überrascht, wie sich die Handlung im Laufe der Seiten doch noch so positiv entwickeln konnte und freue mich jetzt sehr auf den nächsten Teil!

Bewertung


© Aleshanee

Vielen Dank an die beiden Autoren für das Rezensionsexemplar!



© Temper R. Haring
Über die Autoren: Temper Richard Haring ist das Pseudonym eines jungen Indie-Autorenehepaares aus Österreich. Im Jahr 2013 erschien der gemeinsame Debütroman 'Die Gossen von Farefyr'. Der Nachfolger dieses Fantasywerkes ist in Arbeit und wird voraussichtlich Mitte 2014 erscheinen.
Unter dem Pseudonym 'Tharah Meester' veröffentlicht der weibliche Part dieses Duos erotisch-romantische Romane und Kurzgeschichten.
Quelle: amazon



Coming soon: Band 2 "Die Sterne von Farefyr"






Kommentare:

  1. Ich finde das Cover schon total super und deine Rezi auch. Nach "Gemeinsam Lesen" hab ich erstmal auf deine Rezi gewartet, bevor ich das Buch auf meine Wunschliste gesetzt hab. Jetzt ist es drauf :)
    Ich finde es immer gut, wenn die Charaktere nicht so klischee-mäßig sind.
    Lg Kerstin

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    1. Das freut mich! Bin sehr gespannt, wie es dir gefallen wird! ;)

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  2. Habe es auf dem Reader gelesen ist schon eine recht abgefahrene Geschichte.

    LG..Karin..

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    1. Ja, und die Entwicklung ist echt klasse!
      Am Anfang war ich ja noch etwas skeptisch, aber am Ende war ich dann doch begeistert! :)

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