Montag, 1. September 2014

Rezension: Der Krähenturm von Kerstin Pflieger



Genre: Historischer Fantasy-Krimi

Band 2 der Reihe um Icherios Ceihn

Verlag: Goldmann
Seitenzahl: 480
Taschenbuch: 12,- €
ebook: 9,99 €

1. Auflage: Dez 2011





"Kontrolle unterschied den Mensch vom Tier. 
Kontrolle über Instinkte, die zum Töten verleiten." S. 175


Klappentext

Heidelberg 1771: Ein Hexenjäger, ein Halbvampir und eine mysteriöse Mordserie, die den Menschen das Blut in den Adern gefrieren lässt
„Wenn du dieses Buch findest, bin ich vermutlich tot.“ Als Icherios Ceihn das Tagebuch seines ermordeten Freundes in den Händen hält, ist er entsetzt. Hatte Vallentin gewusst, dass man es auf ihn abgesehen hat? Warum hat er verheimlicht, dass er für den geheimen Orden der Rosenkreuzer arbeitete? Hat dieser etwas mit seinem Tod zu tun? Icherios entschließt sich, im Auftrag des Ordens nach Heidelberg zu gehen und nach Vallentins Mörder zu suchen. Was ihn dort allerdings erwartet, hätte er nie für möglich gehalten.

Zum Inhalt

Der junge Gelehrte Icherios Ceihn ist nach seinem nervenaufreibenden Auftrag wieder nach Karsruhe zurückgekehrt. Von Ausruhen kann aber keine Rede sein, denn Freyberg, der Leiter des Ordo Occulto, einem geheimen Nebenzweig des Ordens der Rosenkreuzer, schickt ihn wieder auf die Reise: Icherios soll nach Heidelberg, um dort sein Medizinstudium zu beginnen. Damit erfüllt sich für ihn ein lang gehegter Traum, wären da nicht die seltsamen Vorkommnisse, die das geschäftige Heidelberg überschatten. Mysteriöse Vorfälle, die vielleicht sogar etwas mit dem Tod seines besten Freundes Vallentin zu tun haben, dessen Umstände immer noch ungeklärt sind.
Die Warnung seines Mentors schlägt Icherios in den Wind und begibt sich in das Magistratum, ein weiterer Standort des Ordo Occulto, dessen Vorsitz der geheimnisvolle Auberlin führt. Dieser hat mit Freyberg einen alten Streit offen und Icherios gerät zusehends zwischen die Fronten. Seine Neugier treibt ihn jedoch an und er kommt dem Rätsel um den Tod seines Freundes immer näher ...

Gleichzeitig macht sich der Hexenjäger Silas auf nach Heidelberg. Seine adlige Herkunft tarnt er gut, um sich vor den Spionen seiner Stiefmutter zu verbergen. Als ihn jedoch eine Nachricht von ihr erreicht, dass sein Halbbruder in Heidelberg verschwunden ist, ahnt er Schlimmes und er macht sich sofort auf die Suche - schließlich ist er der einzige Verwandte, dem er sich noch nahe fühlt ...

Meine Meinung

Die Handlung steigt kurz nach den Ereignissen des ersten Bandes ein, jedoch nicht mit dem jungen Gelehrten Icherios Ceihn, sondern mit dem Hexenjäger Silas, der noch eine große Rolle spielen wird ;)
Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr ausladend und passt wunderbar in diese Zeit, die düster und von Aberglauben geprägt ist. Erzählt wird aus mehreren Perspektiven. Hauptsächlich aus Sicht von Icherios, der wieder auf Mörderjagd ist, aber auch von anderen, deren Motive lange im Hintergrund bleiben.

Für Icherios Ceihn geht ein Traum in Erfüllung, als er endlich an die Universität in Heidelberg darf, um Medizin zu studieren. Auch hier gibt es eine "Niederlassung" des Ordo Occulto - hier darf er in einem gemütlichen Zimmer wohnen und hat sogar einen Raum für seine Experimente zur Verfügung. Allerdings läuft nicht alles, wie er es geplant hat. Der Unterricht an der Universität gestaltet sich monoton und veraltet und der Auftrag aus Karlsruhe lässt sein Misstrauen aber auch seine Neugier wachsen.
Natürlich ist auch wieder sein treuer Freund dabei, seine Ratte Maleficium. Diese hatte beim Aufenthalt in Dornfelde vom Unsterblichkeitstrank genascht und entwickelt merkwürdige Eigenarten. Aber auch Icherios ist davon nicht verschont, denn auch wenn er kein Vampir ist, geht doch eine grausige Veränderung mit ihm vor. Überraschend war auch ein Besuch, den er aus Dornfelde erhält - ob er sich darüber freuen darf, verrate ich mal nicht ;)
Ich hab Icherios gerne auf seinen Nachforschungen begleitet, auch gefällt mir sein Markenzeichen: die gelbe Sonnenbrille und der Kastorhut. Im realen Leben würden wir wahrscheinlich keine Freunde sein, als Prota war er mir trotzdem sympathisch! :)

Auberlin, der Leiter des Magistratums in Heidelberg, ist ein freundlicher, älterer Herr, der jedoch einen uralten Streit mit dem Vorstand des Ordens in Karlsruhe hegt. Raban, Icherios Mentor, befürchtet, dass dieser zwischen die Fronten gerät, aber Auberlin stellt sich als sehr umgänglich heraus. Ansonsten sind in dem Ordenshaus nur Franz anzutreffen, ein offenherziger junger Mann, der sich beständig um das leibliche Wohl kümmert und die wunderschöne, aber spöttische Gismalda, die Icherios von Anfang an misstrauisch begegnet.
Der Hexenjäger Silas ist durch seine Vergangenheit verbittert und hart geworden. Auch die Jagd und das Töten von Hexen haben ihn verändert, doch als er vom Verschwinden seines Bruders hört, ist er sofort zur Stelle. Mit ihm hat er schöne Erinnerungen und ihm hat er auch immer vertrauen können. Auf seiner Suche nach Hinweisen muss er manches Opfer bringen, aber sein Sarkasmus und seine Hartnäckigkeit bringen ihn tatsächlich auf die Spur des Mörders.

Ja, das Buch hat mich nicht ganz so umgehauen wie der erste Band. Die Handlung war eine kleine Berg und Talfahrt: mal ging es rasant voran, und dann ist man wieder einige Zeit auf der Stelle getreten. Es gab sehr viele Hinweise, die ich nicht zuordnen konnte und ich hab immer gewarter, dass des Rätsels Lösung nach und nach aufgedeckt wird. Das ganze wurde meiner Meinung nach etwas zu lange rausgezögert: bei einem Puzzle freue ich mich ja auch über jedes Teil, das passt, das Zusammensetzen macht ja den Spaß aus! Dafür kam die Aufklärung am Ende recht geballt, aber mit ganz viel Action und Spannung.

Zusammengefasst

Thematik: Leben und leben lassen, Unterdrückung und Macht
Schreibstil: tolle Metaphern und passend zu der Zeit, in der es spielt
Charaktere: nicht immer sympathisch, aber sehr greifbar und spezifisch
Unterhaltung: manche Stellen etwas langwierig, aber unterhaltsam mit einem dramatischen Ende
Umsetzung: Stimmungsvoll, anschaulich, brutal - mit kleinen Längen

Fazit
 

Es hat Spaß gemacht, in die düstere, sagenumwobene Zeit im 18. Jhd einzutauchen, in der das Leben des Icherios Ceihn von der Begegnung mit Vampiren, Werwölfen und Hexen geprägt ist. Der passende Schreibstil hat mich wieder in diesen Schauplatz eintauchen lassen, an der Spannung hat es leider manchmal etwas gefehlt. 

Bewertung


© Aleshanee




© Bildschön - Das schnelle Bild-Netzwerk GmbH
Über die Autorin: Kerstin Pflieger lernte schon früh durch Reisen an die Küsten Europas, Afrikas und Asiens unterschiedliche Kulturen und Denkweisen kennen und entdeckte so auch ihre Liebe zum Schreiben. Nach dem Abitur studierte sie Biologie in Heidelberg und arbeitet unter anderem für ein Institut zur biologischen Stechmückenbekämpfung. Für ihren Roman »Die Alchemie der Unsterblichkeit« wurde sie in der Kategorie »Bestes deutschsprachiges Debut« mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet. Kerstin Pflieger lebt mit ihren Hunden im Landkreis Heilbronn.
Quelle: Goldmann Verlag



*klick* für Rezi zu Band 1

Kommentare:

  1. Ich finde das Cover total ansprechend, ich glaub die Story wäre auch etwas für mich :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich finde die Cover auch total super, wegen dem bin ich überhaupt auf die Bücher gekommen ;)

      Löschen
    2. das Cover hat mich jetzt auch gleich total angelacht :)

      Löschen
  2. Hallo Aleshanee,
    trotz mancher Makel hört sich das Buch recht gut an. Ich werde es mir mal näher anschauen.
    Liebe Grüße,
    Nicole

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Mir hats auch wirklich gut gefallen, war halt nicht perfekt, aber was ist das schon :)
      Ich hoffe nur, dass es noch eine Fortsetzung geben wird ... es ist zwar schon in sich abgeschlossen, aber hätte noch Potenzial für mehr!

      Löschen

Ich würde mich über dein Feedback zu meinem Beitrag freuen! Ich beantworte die Kommentare immer direkt oder schreibe dir gerne auf deinem Blog zurück :)

Die aufgeführten Cover und Bilder sind das Eigentum des jeweiligen Verlages bzw. Schriftstellers
oder Rechteinhabers und dienen nur zur Veranschaulichung.