Mittwoch, 28. Januar 2015

Rezension: Der Name des Windes von Patrick Rothfuss


Genre: Fantasy

Band 1 der Königsmörder Chronik
Original: The name of the wind
übersetzt von Jochen Schwarzer

Verlag: Klett-Cotta
Seitenzahl: 864
Hardcover: 24,95 €
ebook: 12,99 €

1. Auflage: Dez 2008




"Der Tag, an dem wir beginnen, uns Gedanken über die Zukunft zu machen, 
ist der Tag, an dem wir unsere Kindheit hinter uns lassen." S. 114

Zum Inhalt

Seit einem halben Jahr führt Kote die Wirtschaft in dem kleinen Dorf. Er ist noch jung, noch nicht mal 30 und doch umgibt ihn eine Aura von Geheimnissen.
Gerüchte über die Skrael verunsichern die Menschen, denn kaum einer überlebt einen Überfall dieser spinnenartigen Wesen, die mit ihren rasiermesserscharfen Klauen einen schnellen Tod verheißen. Auch der Krieg im fernen Resavek ebnet Wegelagerern und Deserteuren den Weg und in diesen unsicheren Zeiten macht sich Der Chronist auf den Weg, um einen Mann zu finden: Kvothe. Dieser Name ist legendär und viele Geschichten ranken sich um ihn. Viele glauben, er sei tot, doch dem Gerede darf man nicht trauen. Der Chronist ist auf der Suche nach der Wahrheit und diese werden wir erzählt bekommen - von niemand anderem als der Legende selbst.

Meine Meinung

Das ist echt schwer in Worte zu fassen. Es ist wirklich so, als bekommt man in den über 800 Seiten eine Geschichte erzählt; von einem sehr begnadeten Erzähler, der es weiß, mit Worten umzugehen. Der Protagonist Kvothe erzählt hier aus seiner Vergangenheit und Patrick Rothfuss lässt ihn fabulieren, plaudern und abschweifen, als säße man tatsächlich in seiner Wirtschaft und würde seinen Abenteuern lauschen. Der Schreibstil ist wirklich sehr einnehmend. Wort- und bildgewaltig hat mich die malerische Sprache total gefangen genommen und ich fühlte mich dem Protagonisten immer sehr nah. Kvothe erzählt in der Ich-Form, das aktuelle Geschehen ist in der personalen Perspektive geschrieben; gerade dieser Mix macht es sehr authentisch und gibt einem das Gefühl "dabei zu sein".

Obwohl das ganze Buch sich um den "Werdegang" des Protagonisten Kvothe dreht, ist er mir immer noch fremd geblieben. Damit meine ich den jetzigen Kvothe, der die Geschichte erzählt, denn er ist noch lange nicht am Ende seiner Erzählung und noch viel muss passiert sein, um ihn zu dem zu machen, der er jetzt ist. Er hat viel erlebt und durchgemacht, musste schon früh dem Tod ins Auge sehen, sich alleine durchschlagen, sich gegen Neider wehren und gegen seine ständige Armut kämpfen, um seine Ziele zu erreichen. Dabei ist er immer getrieben von seinem Drang, dem Ursprung der schrecklichen Ereignisse aus seiner Kindheit auf die Spur zu kommen. Dass es sich dabei um einen Mythos handelt schreckt ihn nicht ab und auch wenn er manchmal an sich selbst zweifelt, hält er an seiner Absicht fest.
Selbst jetzt weiß ich noch nicht, wo das ganze hinführen wird und Patrick Rothfuss hat es geschafft, genau dem Motto entgegen zu wirken:

"Wir wissen praktisch schon am Anfang, wie es ausgehen wird. Das gefällt uns so an Geschichten. Sie sind so klar und einfach, wie unser wahres Leben das niemals ist." S. 398

Man darf hier kein temporeiches Fantasyabenteuer erwarten, sondern eine Lebensgeschichte, die mich stellenweise fasziniert und gefesselt, manchmal aber auch etwas gebremst hat. Es war ein leichtes Auf und Ab, wobei die unterhaltsamen Passagen überwiegt haben.

Die Magie spielt hier eine große Rolle, denn Kvothe hat scheinbar eine natürliche Begabung, sich das Wissen anzueignen und auch umzusetzen. Trotzdem ihm in dieser Hinsicht alles zufliegt hat er es nicht leicht, sich gegen das Leben durchzusetzen. Die Welt ist mittelalterlich geprägt - es gibt Dörfer mit Bauern, Städte mit reicher Gesellschaft und Bettlern, aber auch eine Universität für Arkanisten, in der der Umgang mit Magie gelehrt wird. Die Idee, wie die Zauber möglich sind, ist sehr detailreich und anschaulich erklärt und hat mich total begeistert. Wie der Titel "Der Name des Windes" schon andeutet, geht es auch darum, den (wahren) Namen der Dinge zu kennen und dadurch Macht über sie zu erlangen. Aber auch hier bleibt noch einiges offen und ich bin sehr gespannt, was mich in den Fortsetzungen noch erwartet.

Vorne im Buch gibt es eine Karte der "zivilisierten Welt" und hinten ein kleines Verzeichnis über den Kalender und die Währungen, denn die Tage und Zahlungsmittel haben besondere Namen, was dem ganzen einen "exotischen" Flair gibt, genauso wie manche Pflanzen, deren Wirkung und mythischen Wesen: der Autor hat hier eine Welt mit ihren eigenen Märchen und Geheimnissen entworfen - mit ihrer eigenen Geschichte.

Was mich ein bisschen gestört hat waren die kleinen Durchhänger, die sich etwas gezogen haben. Auch hat mich das Geldproblem manchmal etwas irritiert, denn Kvothe schwankt sehr oft zwischen viel Geld und Mittellosigkeit, das ich nicht immer nachvollziehen konnte. Ein paarmal hat mich die Wortwahl irritiert, was aber - denke ich - an der Übersetzung liegt (Automat, Inkassoabteilung, Apfelschorle oder angetüddelt haben für mich einfach nicht in diese magische Welt gepasst)

Zusammengefasst

Thematik: "Steh immer einmal mehr auf, als du hinfällst"
Schreibstil: flüssig und sinnbildlich, ein Genuss zum Lesen
Charaktere: individuell und überraschend
Spannung:  hält sich in Grenzen
Umsetzung: ausgereift und mit viel Liebe zum Detail, mit einer ganz besonderen Atmosphäre

Fazit
 

Ein wunderbarer Schreibstil führt durch eine magische Welt, in der der Protagonist Kvothe aus seinem Leben erzählt. Abenteuer und Schicksalsschläge formen seinen Charakter und weisen den Weg, der ihn zur Legende gemacht hat. In ruhigem Tempo erzählt, unterhaltsam und sehr gut durchdacht.

Bewertung

 © Aleshanee



Über den Autor: Patrick Rothfuss, geboren 1973 in Wisconsin, unterrichtet als Englisch-Dozent am 2007 wurde Patrick Rothfuss für seinen Roman »Der Name des Windes« mit dem Quill Award sowie dem Pulishers Weekly Award für das beste Fantasy-Buch des Jahres ausgezeichnet, 2009 hat das Buch den Deutschen Phantastik Preis als bester internationaler Roman erhalten. 
Stevens Point College in Wisconsin. Die ersten beiden Bände der Königsmörder-Chronik wurden weltweit bei Kritikern und Fantasylesern begeistert aufgenommen und belegten schon bald die vorderen Plätze der Bestsellerlisten.
Quelle: Klett Cotta Verlag

Website des Autors

Königsmörder Chronik

1) The name of the wind (Der Name des Windes)
2) The wise man´s fear (Die Furcht des Weisen - 2 Bände)
3) Doors of stone (noch nicht erschienen)

Kommentare:

  1. Huhu :)
    Das Buch steht ungefähr seit tausend Jahren auf meiner Wunschliste, wobei ich es mir zweimal schon ausgeliehen und reingelesen habe. Aber irgendwie war es nie das Richtige für den Moment. Der Autor schreibt klasse, da kann man nichts bemäkeln, allerdings war es für mich zu langatmig und unspannend.
    Vielleicht probiere ich es irgendwann erneut :)

    Liebe Grüße und sehr schöne Rezension!

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  2. Hallo und guten Tag,

    ja der Autor schreibt schöne Bücher..leider finde ich sie einfach etwas zu lang geraden.

    Sorry...LG..Karin..

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  3. Huhu ^^

    Wie immer eine wunderbare Rezension! Das Buch ist auch Dauergast auf meiner Wunschliste, dann kommt es drauf, dann nehme ich es doch wieder runter, dann habe ich dich wieder Lust drauf usw. ^^'
    Ich kann mich nicht entscheiden.... Nachdem ich deine Rezi gelesen habe, mag ich es wieder auf die WuLi setzen, mal schauen, ob es diesmal da bleibt (und vielleicht sogar gekauft wird) ^^'.

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Ich hoffe nur, dass auch der letzte Band noch übersetzt wird ...

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  4. Hi Aleshanee,

    das Buch hört sich wirklich gut an, deine Rezi auch. Nur die Seitenanzahl schreckt etwas ab xD
    Aber ich glaube, irgendwann werde ich es auch einmal lesen müssen =)

    Lg
    Micha

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  5. AHHHHH!
    ALEX! WARUM HAB ICH DAS NICHT GESEHEN?

    Ich bin ja ein rieeeeeeesen Fan von Kvothe (das Poster zum zweiten Band hängt hier bei mir rum :-D), dass einzige, was mich stört, ist die Wartezeit, bis es weiter geht. Und nachdem wir geklärt haben, wie die Aufteilung ist und nachdem ich deine Rezi gelesen habe, bin ich am überlegen, die Bücher noch mal zu lesen. :-D
    Ich finde,das diese Reihe zu den kleinen Geheimtipps gehört.Klasse geschrieben und keiner weiß es. ^^
    Bin schon gespannt, was du zu den nächsten Bänden sagst! :-)

    LG
    Tilly

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