Montag, 16. Februar 2015

Rezension: Ein König für Deutschland von Andreas Eschbach



Genre: Gesellschaftskritischer Roman
über die Macht der Wähler und die Leichtigkeit der Manipulation

Verlag: Bastei Lübbe
Seitenzahl: 491

Taschenbuch: 9,99 €
ebook: 8,49 €

1. Auflage: Juni 2011







Klappentext

Wir schreiben das Jahr 2009. Im Dom zu Aachen soll ein neuer deutscher König gekrönt werden. Und niemand versteht, wie es soweit kommen konnte.

Einmal König sein - die Macht haben, Dinge zu verändern. Mit gesundem Menschenverstand die Welt geraderücken. Was wäre, wenn man tatsächlich plötzlich die Möglichkeit dazu hätte?

Könnten Sie der Versuchung widerstehen?

Kann Simon König es? Die Frage stellt sich ihm, als er in den Besitz eines Computer-Programmes kommt, mit dem sich die Resultate von Wahlmaschinen manipulieren lassen. Was dann geschieht, hätte er sich in seinen wildesten Träumen nicht vorzustellen gewagt ...





Meine Meinung

Der Klappentext greift hier schon etwas vor, denn eigentlich beginnt die Handlung im Jahr 2000 - und nicht in Deutschland, sondern in den USA: Der junge Amerikaner Vincent Wayne Merrit kommt mit 20 Jahren zum ersten Mal mit dem Gesetz wegen Betrügereien in Konflikt. Durch einen von ihm programmierten Trojaner konnten Kreditkartennummern geknackt und viele Menschen um ihr Geld betrogen werden. Er sitzt seine Haftstrafe ab und kommt danach an einen Job, den er sich immer erträumt hat.

Die Herausforderungen als Programmierer sind sein Steckenpferd und so gerät er schon bald an den Auftrag eines Regierungsabgeordneten. Dass es darum geht, wie man ein Programm für die Präsidentschaftswahl, also die Wahlcomputer, manipulieren kann, bereitet Vincent dennoch ein schlechtes Gewissen, denn welche Auswirkungen das Ganze hat, wird ihm erst bewusst, als es schon zu spät ist. Seine Ängste, dass ihm oder seiner Firma jemand auf die Schliche kommt, scheint jedoch unbegründet – bis eines Tages jemand vor seiner Tür steht, der das Ganze groß aufziehen möchte; und zwar in Deutschland. Hier wird der Geschichtslehrer Simon König in die ganze Sache verwickelt und findet sich plötzlich als "Anwärter" auf den Thron von Deutschland wieder.

Ich finde es immer unglaublich, wie Andreas Eschbach fundierte Tatsachen so geschickt in seine fiktiven Geschichten einflicht, dass man am Ende glaubt: Ja, das könnte tatsächlich so gewesen sein! Anfangs musste ich mich ein bisschen durchbeißen, weil es viele Infos zum Thema Wahlpolitik und vor allem dem Programmieren und Manipulieren von Daten geht, alle Quellen dazu findet man in den Fußnoten. Trotzdem war es nicht langweilig und ein guter Aufbau zur Geschichte, die in Teil 2 dann so richtig Fahrt aufnimmt.

Die Handlung gliedert sich in vier Teile
1 - Das Programm, das Vincent entwickelt
2 - Das Spiel, das in Deutschland damit beginnt
3 - Die Wahl, die das Programm herausfordert
4 - Der König, der das Spiel gewonnen hat

Kurze Kapitel und die schnörkellose Schreibweise trösten schnell über die Detailverliebtheit weg, die der Autor hier vor allem in der ersten Hälfte auslebt. Für PC-Freaks sicher interessant, für mich ein aufschlussreicher Einblick. Der komplette erste Teil wird aus Vincents Perspektive beschrieben, ab dann wechseln sich die Sichtweisen ab. Ein weiterer Hauptprotagonist ist natürlich Simon König, Mitte 50 und Geschichtslehrer eines Gymnasiums. Durch eine unbedachte Aktion steht er plötzlich im Mittelpunkt eines Wahlkampfes zum König für Deutschland, der eigentlich für ganz andere Zwecke ins Leben gerufen worden war. Zusammen mit einem bunt zusammen gewürfelten Haufen junger "Rebellen" lebt er plötzlich einen Traum, den er so nie erwartet hatte.

Eschbach greift hier wieder sehr gekonnt gesellschaftliche und politische Probleme auf, die sich durch die ganze Entwicklung von Bildung, Computer und Machtspielchen ziehen. Mich hat es auf jeden Fall fasziniert, obwohl, oder vielleicht gerade weil ich mich damit bisher kaum beschäftigt habe.

Fazit

Ein gelungenes Gedankenexperiment über die Möglichkeiten der Manipulation und der Glaubwürdigkeit der Reformen. Mit sympathisch echten Charakteren und einem unglaublich glaubwürdigen Clou, über den man erstmal nachdenken muss.

Bewertung

© Aleshanee


Andreas Eschbach - Autor
© Olivier Favre
Über den Autor: geboren am 15.09.1959 in Ulm, ist verheiratet, hat einen Sohn und schreibt seit seinem 12. Lebensjahr. Er studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete zunächst als Softwareentwickler. Von 1993 bis 1996 war er geschäftsführender Gesellschafter einer EDV-Beratungsfirma. Als Stipendiat der Arno-Schmidt-Stiftung "für schriftstellerisch hoch begabten Nachwuchs" schrieb er seinen ersten Roman "Die Haarteppichknüpfer", der 1995 erschien und für den er 1996 den "Literaturpreis des Science Fiction-Clubs Deutschland" erhielt. Bekannt wurde er vor allem durch den Thriller "Das Jesus-Video" (1998), das im Jahr 1999 drei literarische Preise gewann und zum Taschenbuchbestseller wurde. ProSieben verfilmte den Roman, der erstmals im Dezember 2002 ausgestrahlt wurde und Rekordeinschaltquoten bescherte. Mit "Eine Billion Dollar", "Der Nobelpreis" und zuletzt "Ausgebrannt" stieg er endgültig in die Riege der deutschen Top-Thriller-Autoren auf.
Nach über 25 Jahren in Stuttgart lebt Andreas Eschbach mit seiner Familie jetzt seit 2003 als freier Schriftsteller in der Bretagne.
Quelle: Bastei Lübbe Verlag


Kommentare:

  1. Hm, interessanter Sache.

    LG..Karin..

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  2. Schöne Rezension. Eschbach gehört zu meinen Lieblingsautoren - ich mag seine Art, aktuelle Themen anhand eines fiktiven Szenarios "durchzudenken". Habe "Ein König für Deutschland" vor kurzem gelesen und fand es auch sehr interessant, mit vielen Denkanstößen :-). LG Birthe

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    1. Absolut, das kann er wirklich! Kennst du auch "Eine Billion Dollar" - ein Wirtschaftsroman, den hätte ich ja nie in die Hand genommen, wenn nicht Eschbach draufstehen würde, und ich fand ihn genial!

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    2. "Eine Billion Dollar" war mein erstes Buch von ihm und hat mir zusammen mit "Ausgebrannt" bisher am besten gefallen - Einfach GENIAL! Aber sie sind alle super :-).

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    3. "Ausgebrannt" kenne ich noch nicht, liegt aber auf dem SuB bereit, genauso wie "Herr aller Dinge"
      Aber ich fand auch "Quest", "Die Haarteppichknüpfer" und die Reihe "Marsprojekt" sehr gut, allerdings ist das Science Fiction

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    4. In "Ausgebrannt" spielt Eschbach das Ende des Ölvorkommens durch - das ja bereits vor zig Jahren vorhergesagt wurde. Klasse, kann ich nur sagen! Die Science-Fiction Bücher werde ich nicht lesen, ist nicht so "meins" ;-). LG Birthe

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  3. Vielen Dank für diese Rezension. Hab den Titel gelesen in einer Buchhandlung und irgendwie sprach er mich nicht an. Klang zu fiktiv. Aber dank deiner Rezi landet es nun auf meinem Wunschstapel! Gruß Martin

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    1. Hihi, das ist grad seine Stärke, das klingt sehr fiktiv und er schafft es dennoch, alles so mit Fakten zu hinterlegen, dass es tatsächlich wahr sein könnte!

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  4. Cool, das Buch liegt schon seit längerem auf meinem SUB herum, denn sollte ich wohl etwas schneller von da entfernen :P

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  5. Ich finde die Bücher von Eschbach auch immer wieder richtig genial, noch vor ein paar Jahren habe ich jedes Buch von ihm verschlungen. Ich fand das Gedankenspiel auch sehr interessant, eben weil man so oft das Gefühl hatte "Ja, so könnte es wirklich laufen".

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  6. Hey,

    ich hab von dem Autor noch nie etwas gelesen, aber vielleicht sollte ich das doch mal machen.

    Teilweise klingt es schon ein bisschen nach trockener Lektüre, aber andererseits spricht mich dieses Gemisch aus Fiktion und Tatsachen sehr an.

    Ich muss mal schauen, was mich von Eschbach interessieren könnte.

    Liebe Grüße,
    Julia

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  7. Huhu,

    auch hier eine schöne Rezi. Das Buch kenne ich noch nicht, aber ich liebe Andreas Eschbach auch. Er hat interessante Themen und Szenarien und ich mag sowieso Bücher, die einen realen Hintergrund mit einer fiktiven Geschichte mischen. Und der erwähnte Clou macht mich nun richtig neugierig. Ich muss endlich mal wieder was von ihm lesen. Ahhh wo ist meine Zeit.

    Liebe Grüße, Julia

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