Samstag, 7. Februar 2015

Rezension: Traumdeutung für Aufgeweckte von Dietmar Schlau


Genre: Sachbuch

Geschichte der menschlichen Psyche und ihre Auswirkungen in der Gegenwart

Verlag: Perlboot
Seitenzahl: 320
Taschenbuch: 12,80 €

1. Auflage: Nov 2014






Klappentext

Unser seelisches Geschehen schreibt nicht nur das Drehbuch unserer Träume, sondern prägt auch unsere Kulturen. Das ist der Schlüssel zum Geheimnis der Traumsymbole – anhand archäologischer Funde und alten Mythen können sie entschlüsselt und bestätigt werden.
Humorvoll, tiefsinnig und kompetent nimmt der Autor Sie mit auf eine packende Reise durch vergangene Kulturen und zu rätselhaften Phänomenen. An heiligen Kultstätten und uralten Schauplätzen legen Sie zusammen das Fundament der Traumsymbolik frei.
Dieses Buch lehrt Sie die Kunst der Traumanalyse. Sie erkennen das ›dahinterliegende Prinzip‹ der Traumsprache. Sie werden verstehen, was die Psyche mitteilt. In Ihren eigenen Träumen, und in denen Ihrer Kinder und Mitmenschen. Nutzen Sie die Kraft der Träume für Ihre Gesundheit, Ihre Lebensplanung und Ihr Wohlbefinden.

Meine Meinung

Zu dem Thema muss ich etwas weiter ausholen: Ich selber glaube an einen sinnvollen Nutzen von Träumen, damit man Erlebnisse und Probleme besser verarbeiten kann. Es ist schon länger her, als ich mich intensiver mit Träumen und ihrer Deutung beschäftigt hatte und hab dabei auch einige Bücher über Traumdeutung gelesen - meist mit den üblichen Symboltabellen. Dabei war es aber meist ähnlich wie in Horoskopen: Die Auslegung war sehr kurz gehalten und man konnte sehr viel reininterpretieren.
Ich hab mich schon länger nicht mehr damit beschäftigt, bis mir jetzt der "Zufall" dieses Buch in die Hände gespielt hat. An dieser Stelle ein Dankeschön an den Autor Dietmar Schlau für dieses tolle Rezensionsexemplar!

"Der Code ist entschlüsselt" steht auf dem Cover, das hat mich erstmal skeptisch gemacht, aber wie gesagt stehe ich dem Thema sehr offen gegenüber, und offen muss man bei diesem Buch wirklich sein. Ich war sehr neugierig und habe mit hohen Erwartungen angefangen zu lesen. Dabei glaube ich nicht blind alles, was mir in diesem Bereich vorgesetzt wird, aber ich merke recht schnell, ob es mit meiner inneren Überzeugung übereinstimmt, oder nicht.

Ich war dann doch etwas überrascht, auf welcher Grundlage hier an die Traumdeutung herangegangen wird, denn anfangs findet man keine Deutungen oder Ratschläge, sondern erfährt erstmal eine Basis, mit der ich überhaupt nicht gerechnet hätte: Die Entwicklungsgeschichte der Menschheit und unserer Gesellschaft und wie sie auf unsere Persönlichkeit und unseren Charakter Einfluss nimmt (und dadurch natürlich auch auf unsere Träume).
Der Autor ist sehr von seinem Standpunkt überzeugt und hat es mit seiner lockeren Schreibweise geschafft, mich seiner Reise in die Vergangenheit anzuschließen. Die Thematik hat mich ein bisschen an das Buch "Ishmael" von Daniel Quinn erinnert und dessen Sicht der Menschen als "Lasser" und "Nehmer", also den Naturvölkern (von früher) und der einbrechenden Zivilisation. Offen, ehrlich und glaubwürdig erzählt der Autor auf eine witzige Art seine Analysen und war mit mir oft auf einer Wellenlänge.

Am Anfang weiß man noch nicht, wie alles zusammenhängt, aber nach und nach erkennt man, worauf Dietmar Schlau hinauswill. Vieles war mir schon bekannt, hat meine (spärlichen) Kenntnisse aber mit seinen erarbeiteten Kenntnissen nochmal untermauert. Ich hab mich wiederkannt und konnte alles sehr gut nachvollziehen.
Es geht hier hauptsächlich um den Jung´schen Traum, "also den klassischen Konflikt, zwischen dem was wir tun wollen, und dem was wir tun müssen. Das Dilemma zwischen Herz und Verstand." S. 173
Laut den Analysen des Autors steckt die Veränderung unserer Gesellschaft dahinter, aber er greift weit zurück, sehr weit - sogar bis in die Steinzeit. Man muss hier wirklich einen offenen Geist haben und sich darauf einlassen, denn viele Dogmen werden hier über den Haufen geschmissen. Für mich war es nicht schwer, weil ich wie gesagt etwas in der Richtung schon gelesen hatte und damit sehr gut klar kam.
Ich kenne viele Menschen, die sich mit der Thematik unserer Entwicklung und vor allem unserer "vergessenen" Naturverbundenheit noch nie auseinandergesetzt haben und die sich auch gar nicht dafür interessieren, weil sie es nicht für wichtig halten. Für diese kann es schwierig werden oder aber ein komplettes Umdenken erzeugen. Meine Probleme mit unserer "zivilisieren" Welt sind mir ja schon bekannt und alleine zu sehen, dass ich anscheinend mit meiner Meinung nicht alleine dastehe, hat mir beim Lesen sehr gut getan. Ich wäre gerne ein sehr naturverbundener Mensch und komme in unserer erfolgsorientieren, disziplinierten Gesellschaft diesen "Zwängen" leider nicht aus. Dass es hier um das Gewissen geht, das wir uns angeeignet haben, führt der Autor sehr gut aus.

Viele Thesen haben mir aus dem Herzen gesprochen, bei anderen bin ich mir noch unsicher. Ob wirklich in jedem (Jung´schen) Traum dieses Schema des Autors zugrunde liegt, kann ich nicht beurteilen, auf jeden Fall klingt alles schlüssig und ich werde es sicher in der nächsten Zeit an mir selbst ausprobieren. Ich hatte, seit ich das Buch angefangen habe, auf jeden Fall wieder mehr Erinnerungen an meine Träume und sie wurden auch intensiver. Träumen tun wir ja jede Nacht, aber wenn man sich nicht damit beschäftigt, erinnert man sich ja meist nicht daran. Das hat sich bei mir definitiv geändert.

Das Deutungsmuster für Träume, das hier sehr schön mit einer Traumtafel dargestellt wird, ist mir noch nicht 100% schlüssig, aber ich werde es auf jeden Fall damit versuchen. Hier fehlt mir leider doch auch ein bisschen die Symbolsprache; man kann anhand des Buches zwar einiges herauslesen, aber viele Sinnbilder bleiben trotzdem im dunkeln. (Da sich der Autor bewusst auf die Bedeutung für die matriarchalischen und patriarchalischen Seite fixiert, bleibt der Rest etwas hängen)

Fazit

Keine Symboltabellen sondern eine Reise in die Vergangenheit, eine Reise zu sich selbst. Die Entwicklung der Menschheitsgeschichte aus einer elementaren Perspektive, verständlich und in den Worten von Samweis: ein Augenöffner. Auf jeden Fall lesenwert, um seine persönlichen Bedürfnisse und Einstellungen zu überdenken!



Bewertung

 © Aleshanee




© Dietmar Schlau
Über den Autor: Dietmar Schlau studierte Informatik und führte 15 Jahre lang einen eigenen Betrieb für Automation. Doch im profitorientierten Klima in der Industrie konnte er seine Vorstellung von humaner Lebensführung nicht verwirklichen. Konsequenter Weise wechselte er in die Heilkunde. Heute ist er Heilpraktiker für Psychotherapie in eigener Praxis und Dozent für klientenzentrierte Ge­sprächs­therapie.
Zur Traumarbeit kam er während des Studiums, Mitte der 1980er Jahre. Er war Mitglied der Forschungsgruppe um Dr. Birk und unternahm mehrere Reisen um die Erforschung der Traumsymbole voran zu treiben. Traumarbeit ist auch ein Schwerpunkt seiner therapeutischen Tätigkeit.
Quelle: Perlboot Verlag

Website des Autors

Kommentare:

  1. Eine sehr interessante Rezension, auch wenn ich von dem Thema eher weniger halte.
    Es mag sein, dass vieles leicht zu erklären ist, aber das Wort "Deutung" missfällt mir allgemein, weil sowas einfach zu subjektiv ist.

    Liebe Grüße,
    Tascha

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    1. Das ist gerade das interessante an dem Buch, dass es eben nicht zu diesen typischen Symboltabellen greift ... hier gehts um grundlegende Wert, die jeder Mensch in sich hat und sich im Traum ausdrücken - zumindest laut dem Autor ;)

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    2. Hi Tascha,
      Ich mag den Begriff 'Deutung' auch nicht, da gehe ich mit dir vollkommen konform. Deshalb verwende ich im Buch 'Analyse'. Was war das für ein Gewissenskonflikt, das Wort 'Traumdeutung' im Titel zu nennen. Aber - der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler - nach 'Traumanalyse' sucht im Internet keiner.
      Liebe Grüße
      Dietmar, der Autor

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  2. Seit wann wird bei dem Titel für ein Buch die Häufigkeit von Suchbegriffen im Internet berücksichtigt? Und wird "Aufgeweckte" öfter gesucht als z.B. "Langschläfer"? Ich habe nachgesehen, "Langschläfer" wird öfter gesucht. Also, das Buch sofort umbenennen in "Traumdeutung für Langschläfer"!

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  3. Hi Michael,

    danke für deine Anmerkung. Tja, wenn man ein Buch verkaufen will - und nicht für die Schublade oder die eigene Psychohygiene schreibt -, dann muss man vor allem an den LESER denken. Sonst wird das Buch nicht gefunden, so einfach ist das. Und wenn sich jemand für Träume interessiert, ist der umgangssprachliche Begriff eben 'Traumdeutung'. Kaum jemand kommt auf die Idee 'Traumanalyse' einzutippen, ich habe da natürlich recherchiert.
    Deine Frage:
    "Seit wann wird bei dem Titel für ein Buch die Häufigkeit von Suchbegriffen im Internet berücksichtigt?" lässt sich also so beantworten:
    "Seit Bücher im Internet verkauft werden."
    Klar, gefällt ein Titel nicht jedem. Deine Idee mit 'Langschläfer' ist übrigens ziemlich genial.
    Liebe Grüße, Dietmar

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