Samstag, 9. Januar 2016

[Kurz]Rezension: Der Besuch der alten Dame von Friedrich Dürrenmatt

Unterwegs in
Genre: Klassiker
Tragische Komödie

Verlag: Diogenes
Neufassung von 1980

Seitenzahl: 160
Taschenbuch: 9,90 €
ebook: 7,99 €

1. Auflage: 1955
Uraufführung im Schauspielhaus Zürich 1956





Klappentext

Claire Zachanassian kehrt als steinreiche Frau in ihr Heimatdorf Güllen zurück, wo ihr einst das Herz gebrochen und die Ehre geraubt wurde. Nun will sie sich rächen und bietet der Güllener Bevölkerung eine Milliarde dafür, dass ihr damaliger Liebhaber Ill für sein Vergehen mit dem Tod bestraft wird. Ein Angebot, das die Bürger entrüstet zurückweisen. Zunächst.

Meine Meinung
 

Solche Theaterverschnitte bzw. Klassiker lese ich ja sehr selten, aber hier hat mich der Klappentext gereizt und natürlich die Auflösung der Frage: Geht das Dorf auf den Deal mit der alten Lady ein, oder nicht?

Es ist jetzt etwas schwierig für mich zu beurteilen, da ich kaum Vergleichsmöglichkeiten habe. Anfangs war es etwas komisch, weil die drei Akte immer damit beginnen, wie die Bühne aussieht, es wird kurz angerissen, wie die Schauspieler aussehen, welche Geräusche zu hören sind etc. Aber ich bin ganz gut reingekommen und das Ganze hatte dadurch auch einen besonderen Flair.

Alles was gesprochen wird, wirkte etwas knapp, hat aber trotzdem die Regungen der Figuren gut transportiert. Der Sprachstil ist natürlich dem Jahrgang entsprechend, war flüssig zu lesen, aber nicht gerade das, worin ich richtig eintauchen könnte - aber dafür ist es ja auch nicht gemacht ...

Die Stadt Güllen ist bankrott, als die alte Dame kommt und ihnen dieses unmoralische Angebot macht - und auch wenn anfangs natürlich jeder entrüstet ablehnt, erkennt man schnell, wie sich das Gewissen verabschiedet, bzw. sich so zurecht biegt, um den Vorschlag tatsächlich zu überdenken. Zumindest soweit, dass sie plötzlich anders handeln, weil in ihnen die Hoffnung geweckt wurde, dass sich vielleicht doch noch alles zum Guten wendet, auch wenn der Einzelne selbst sich natürlich nicht versündigen will. Sie hoffen alle auf einen Weg aus ihrer Armut und so zeigt sich hier wieder einmal, wie sehr die Macht des Geldes den Menschen verführen kann.

Und nicht zu vergessen: die alte Dame, die aus ihrer Verbitterung gelernt hat, dass man mit Geld wirklich "alles" kaufen kann, auch die Illusion von Seelenfrieden.

Fazit
 

Als ganzes ist es wohl eher nicht so das richtige für mich. Mir fehlen die Gefühle, die Emotionen, das "Erzählen" der Handlung. Es war ein unterhaltsamer Zeitvertreib und mit 160 Seiten auch nicht so lang, dass es mich gelangweilt hätte. 

Bewertung


© Aleshanee



Auf dieser Webside findet ihr eine Biografie des Autors
Friedrich Dürrenmatt verstarb 1990


Lest ihr denn gerne auch mal Klassiker? 
Könnt ihr mir einen empfehlen?


Kommentare:

  1. Ave,
    mir ist "Der Besuch der alten Dame" vor fast einem Jahr als Schullektüre begegnet. Und nachdem ich Panther-Jagd und Co. auseinandernehmen musste, ist mir das Buch wohl nicht als Liebling in Erinnerung geblieben. Allerdings gibt es weitaus schlimmere Lektüren.
    Falls du dich nochmal an Dürrenmatt versuchen willst, kann ich dir "Die Physiker" empfehlen. Denn dort wird eine Frage gestellt, die wir uns auch in Zukunft noch immer wieder stellen müssen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

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    1. Danke! Das werd ich mir direkt mal anschauen - will ja gerne was neues ausprobieren und so grundlegende Fragen mag ich ja immer gerne :)

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  2. Hallo Alexandra :)

    "Der Besuch der alten Dame" war auch bei mir Schullektüre, genauso wie "Die Physiker". Beide fand ich, auch rückblickend betrachtet, sehr gut (auch, was die Thematiken angeht). Sie sind auf jeden Fall ein nochmaliges Lesen wert.

    Ich habe in der Schule auch noch "Der Verdacht" von ihm gelesen, "Der Richter und sein Henker" ist davon, wenn ich mich nicht irre, der Vorgänger.

    Der Klassiker ist in der heutigen Zeit ja ein weit ausgedehnter Begriff geworden... Du kannst natürlich bei den alten griechischen und römischen Schriftstellern anfangen (die drei großen Tragiker in Griechenland waren Aischylos, Sophokles und Euripides); ansonsten fallen mir da spontan Namen wie Shakespeare, Brecht, Lessing, Fontane, Tolstoi, Tolkien oder Orwell ein.
    Ein weites Feld :)

    LG Jana

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    1. Die Physiker scheinen anscheinend viele gut zu finden, vielleicht schau ich mir das tatsächlich noch an. Bin ja immer offen für neues :)

      Ja, Klassiker ist natürlich sehr weitläufig, ich geh da eher in die Richtung Shakespeare oder Emily Bronté, oder Orwell ... das andere ist mir dann glaub ich doch einen Tick to much :D

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  3. Huhu,
    ich lese gerne die gelben Relam Bücher...wie zum Beispiel Bahnwärter Thiel oder ähnliches.
    Klar die Sprache/Gefühlswelt eine andere als heute, aber die Themen sind immer noch brandaktuell und das erstaunt mich immer wieder.

    Vielleicht wäre das auch etwas mal für Dich.

    LG..Karin...

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    1. von den Themen her ist da sicher viel dabei, was mich interessiert, ich finds für mich persönlich nur einfach oft schwierig mit dem Sprachstil, weil ich damit oft nicht zurecht komme - vielleicht sollte ich da wirklich öfter mal was lesen ;)

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  4. Hallo Aleshanee,

    ich mag die Geschichte total gern und kann deine Meinung trotzdem gut verstehen. Theaterstücke (?) lese ich auch nicht gern, denn du hast Recht - da kommen Emotionen irgendwie nicht richtig rüber und es wirkt auf mich immer abgehackt.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Das war glaub ich das erste "in dieser Art", oder ist nicht auch "Ein Sommernachtstraum" so ähnlich geschrieben? Das hatte ich mal gelesen, ist aber schon ewig her. Allerdings weiß ich noch, das mir das gut gefallen hatte.
      Hier war halt wirklich vieles abgehackt und es ging einfach nur um die Thematik. Auch mal ganz nett, aber mehr halt auch nicht :)

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  5. Hey Alex!

    Klassiker ist ja schon ein Begriff, den man weit dehen kann. Ich hab mich an dem Buch auch mal versucht, aber für mich ist diese Text"aufmachung" rein gar nichts, da komme ich einfach nicht rein. :-/
    Für mich wären Klassiker eher was von Bronte, Austen, Orwell, Defeo, London, Wilde, Hesse, Tolkien, Ende und Dickens. Sicherlich gibt es da ncoh viele, viele mehr, aber da hörts dann bei mir auf. :-D

    Falls du es noch nicht gelesen hast, empfehle ich dir "1984" von George Orwell!

    LG
    Tilly

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    1. Danke Tilly! 1984 hab ich gelesen ;)
      Ich denke da auch eher in eine ähnliche Richtung wie du, schrecke aber trotzdem immer wieder davor zurück ^^ Ich sollte mir da selber mal einen Tritt in den Hintern geben :D

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  6. Huhu Aleshanee,

    das Buch "Der Besuch der alten Dame" war damals auch eine Schullektüre bei mir. Dafür fand ich es echt nicht schlecht, denn da ist mir schon gruseligeres begegnet, und es lies sich wirklich einigermaßen schnell durchlesen. Eintauchen konnte ich genauso wenig wie du, aber bei mir war das ja kein so freiwilliges lesen und dafür, war ich sehr zufrieden mit dem Buch. Deiner Bewertung kann ich also eigentlich nur zustimmen! =)

    Liebe Grüße
    Leni =)

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