Dienstag, 8. März 2016

Rezension: Die Wand von Marlen Haushofer

Die Wand
von Marlen Haushofer

Genre: fiktionaler Roman


Verlag: List
Seitenzahl: 288
Taschenbuch: 8,95 €
ebook: 7,99 €

Aktuelle Ausgabe: 2004
1. Auflage: 1963




"Denn ich fürchte mich. Von allen Seiten kriecht die Angst auf mich zu, 
und ich will nicht warten, bis sie mich erreicht und überwältigt." S. 8



Klappentext
 

Eine Frau will mit ihrer Kusine und deren Mann ein paar Tage in einem Jagdhaus in den Bergen verbringen. Nach der Ankunft unternimmt das Paar noch einen Gang ins nächste Dorf und kehrt nicht mehr zurück. Am nächsten Morgen stößt die Frau auf eine unüberwindbare Wand, hinter der Totenstarre herrscht. Abgeschlossen von der übrigen Welt, richtet sie sich inmittten ihres engumgrenzten Stücks Natur und umgeben von einigen zugelaufenen Tieren aufs Überleben ein. 


Filmtrailer



Meine Meinung
 

Tja, wo fange ich da an - ich bin bei diesem Buch irgendwie selber gegen eine Wand gelaufen ...
Ein Literaturklassiker, dem ich nicht wirklich viel abgewinnen konnte.
Die Handlung klang für mich total interessant, denn wie reagiert man, wenn man plötzlich von der Gesellschaft abgeschnitten wird und isoliert von der Außenwelt auf sich allein gestellt ist?
Die Protagonistin, deren Namen man nicht erfährt, erzählt aus der Ich-Perspektive, wie sie ums Überleben kämpft. Es ist ein Bericht und auch genauso abgefasst, eine Aneinanderreihung von Ereignislosigkeit, die natürlich sehr gut die Einsamkeit widerspiegelt und die Hoffnungslosigkeit, die sich immer mehr einschleicht - die mich aber leider nicht erreicht hat.
Die Gefühle bleiben hier völlig auf der Strecke.

Da die Geschichte im Rückblick erzählt wird zeigt es vielleicht auch einfach den Versuch einer Frau, irgendetwas von sich noch zu erhalten, bevor sie sich völlig verliert und die mittlerweile verlernt hat, ihre Gefühle auszudrücken oder auch zu empfinden. Mir war es einfach zu objektiv und nüchtern und hat zu wenig von dem transportiert, was ich mir erwartet hatte.

Sie beschreibt oft, dass sie den Gedanken an "die Welt da draußen" aus dem Weg gehen möchte, was ich sehr gut nachvollziehen kann, aber diese Gedanken kommen und die wären ja gerade das interessante gewesen! Zumindest hab ich das erwartet, nachdem das Buch aufgrund seiner Einsichten auf die menschliche Psyche so gelobt wird. Vielleicht hab ich es auch einfach nicht verstanden ...

Einige kleine Lichtblicke gab es, die aber fast schon zwischen der Eintönigkeit versteckt waren:
  • Die Verdrängung der Ängste
Ein Phänomen, das wahrscheinlich jeder von uns kennt. Da sind wir teilweise ja wahre Meister, um alles, was uns Angst macht, in die verstecktesten Winkel unserer Unterbewusstseins zu verdrängen in der irrationalen Hoffnung, ihnen damit aus dem Weg zu gehen.
  • Was ist Freiheit?
Ob es eine körperliche oder geistige Freiheit gibt, da haben sich ja schon viele ihren Kopf darüber zerbrochen ... aber kann man wirklich jemals frei sein, als Mensch? Oder sind wir nicht von Geburt an den vielen Vorurteilen, Moralvorstellungen, gesellschaftlichen Regeln und Zwängen ausgesetzt, aus denen wir uns sowieso nie vollständig befreien können?
  • Was ist wirklich wichtig im Leben? 
Was braucht man tatsächlich zum Überleben? Reichen Wärme und Nahrung aus oder brauchen wir Gesellschaft - und welcher Art davon? Hier zumindest wird der Bezug zu den Tieren, die die Protagonistin durch ihre Einsamkeit begleiten, sehr deutlich gemacht. Und sehr oft hat man den Eindruck, dass ein treues Tier an seiner Seite einen sehr höheren Wert hat - denn es akzeptiert einen so, wie man ist, mit all seinen Stärken und Schwächen.

Zu dem Punkt gehört auch, dass die Protagonistin immer versucht, sich ihre Menschlichkeit zu bewahren und einen gewissen Grad an "Ordnung" beizubehalten, der ihr Leben strukturiert - wie ein roter Faden, an dem sie sich festklammert, der aber jeden Moment reißen kann, wenn sie nicht aufpasst.

Zitate
 


"Nicht dass ich fürchte, ein Tier zu werden, das wäre nicht sehr schlimm, 
aber ein Mensch kann niemals ein Tier werden, 
er stürzt am Tier vorüber in einen Abgrund." S. 44

 "Lieben und für ein Wesen zu sorgen ist ein sehr mühsames Geschäft und viel schwerer, 
als zu töten und zu zerstören." S. 161

 "Ich hatte nur dieses eine kleine Leben, und sie ließen es mich nicht in Frieden leben." S. 222


Fazit
 

Vielleicht liegt es an der Zeit und dem Stil, in dem es geschrieben wurde - das Denken funktionierte damals zwar gleich, aber auch anders, mich hat es leider nicht wirklich erreicht. Meine Erwartungen waren höher und hab wohl einfach nicht in die Gedankengänge gefunden, durch die mich Marlen Haushofer führen wollte. Auch wenn manche kleinen Momente mich aus der Lethargie dieser eher monotonen Erzählung gerissen haben.

Bewertung


© Aleshanee



Über die Autorin: Marlen Haushofer wurde 1920 im oberösterreichischen Frauenstein geboren. 1946 veröffentlichte sie ihren ersten Text. Sie zählt heute mit Ingeborg Bachmann zu den Vorläuferinnen der modernen Frauenliteratur. Marlen Haushofer wurde mit zahlreichen Literaturpreisen geehrt. Sie starb 1970 in Wien.
Quelle: Ullstein Buchverlage




Kommentare:

  1. Hey,
    ich kann Dich gut verstehen. Ich hab mir die Verfilmung angeschaut und hatte am Ende irgendwie immer noch ein große Fragezeichen.
    Liebe Grüße,
    Ela

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    1. Hmmm, ich hatte mir eigentlich erhofft, dass der Film besser ist? Eigentlich wollte ich mir den schon anschauen - eigentlich könnte man den recht gut machen, wenn man sich diese monotone SChreibweise wegdenkt :)

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    2. Schau ihn Dir einfach mal an, vielleicht gefällt er Dir ja auch besser als mir :)

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  2. Hey :)

    Ich erinnere mich, dass ich das Buch in der Schule im Deutsch-Unterricht lesen "durfte". Für mich war es damals eines der besseren Bücher - im Vergleich zu anderer Schullektüre. Trotzdem kann ich mich nicht mehr erinnern, wie es ausging, da ist irgendwie keine Erinnerung mehr da. Nur noch daran, wie sich die Protagonistin in ihrem neuen Leben einzurichten beginnt ... Ich weiß nicht genau, ob ich es heute noch ansprechend finden würde, wahrscheinlich eher nicht, denke ich.

    Liebe Grüße
    Ascari

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    1. Es kommt schon auch auf den Zeitpunkt an - dafür muss man in der richtigen Stimmung sein. Ich war es wohl definitiv nicht ^^
      Allerdings hab ich mich schon auf dieses Szenario gefreut, aber es ist einfach nichts passiert. Und zum nachdenken war es mir auch zu wenig; oder ich habs nicht kapiert, was da genau ausgesagt werden wollte ...

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    2. Tja, wer weiß schon, was die Autorin wirklich mit dem Buch sagen wollte ;) ... Aber vielleicht werde ich mir mal den Film ansehen und schauen, wie er mir gefällt. Die Drehorte dazu kenn ich jedenfalls sehr gut, da war ich gerade erst voriges Jahr im Frühjahr für ein paar Tage Urlaub :)).

      Liebe Grüße
      Ascari

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