Samstag, 21. Mai 2016

Rezension: Die Allee der verbotenen Fragen von Antonia Michaelis


Die Allee der verbotenen Fragen
von Antonia Michaelis

Genre: Roman

Verlag: Knaur
Seitenzahl: 384
Hardcover: 19,99 €
ebook: 14,99 €

1. Auflage: April 2016







Klappentext
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Ihr Spiegelbild in einer Schaufensterscheibe öffnet Akelei die Augen: Sie ist nicht mehr das junge Mädchen, dem die ganze Welt offen steht, sondern eine pummelige, mittelalte Frau im pastellgrünen Mantel. Als Finn, ihre Sandkastenliebe, als Spiegelung in der Scheibe hinter ihr auftaucht, kann sie es nicht glauben. Denn auf mysteriöse Weise verschwand er vor 18 Jahren aus Akeleis Leben. Sie erkennt ihre letzte Chance – auf Abenteuer, auf Glück, auf Liebe – und folgt Finn, ohne nachzudenken. Ohne zu wissen, wohin. So geht sie auch einen Weg zurück: in ihre Kindheit, in die Erinnerung und in die Allee der verbotenen Fragen.


Meine Meinung
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Ich bin wieder Mal erstaunt wie die Autorin es schafft, eine scheinbar so verworrene und auf den ersten Blick unglaublich abstruse Geschichte mit so viel Raffinesse am Ende zu einem großen Gesamtbild zusammenzufügen. 

Alleine schon die im Klappentext erwähnte Akelei - was für ein Charakter! Zuerst konnte ich mich ja nicht so recht mit ihr "anfreunden", denn sie ist so ein Mensch, mit dem ich mich selber eigentlich überhaupt nicht identifizieren kann. 

Akelei ist Ende 30, seit 17 Jahren verheiratet und hat keine Kinder. Ihren Mann liebt sie nicht, ja eigentlich mag sie ihn gar nicht; aber sie möchte sich auch nicht beschweren, denn ihr fehlt es finanziell an nichts. Beschweren tut sie sich eh nie, weil sie ja sowieso immer macht, was man von ihr erwartet - denn das hat sie so gelernt. Alles muss korrekt sein, perfekt und vor allem den Schein wahren: vor den anderen. 

Und dann ist da noch der junge Mann aus England: Johann. Gerade 18 geworden hat er erstmal eine große Rundreise geplant, die ihn zu seinen Wurzeln führen soll. In seinen ersten 5 Lebensjahren ist er nämlich an der Ostsee aufgewachsen und so führt ihn seine erste Etappe nach Greifswald, wo die schicksalhafte Begegnung stattfindet - mit Akelei, die ihn in einer Spiegelung eines Schaufensters wiedererkennt.

Erzählt wird aus beiden Perspektiven.
Zuerst weiß man wirklich nicht, was man von der Geschichte halten soll. Johann sieht nämlich Fin ähnlich, einem Freund von Akelei aus Kindertagen, doch dieser ist vor 18 Jahren spurlos verschwunden. Der Anblick von Johann rührt jedoch in der einsamen Frau etwas wach, das lange verschüttet war, weshalb sie alles andere hinter sich lässt, um ihre Erinnerungen wieder zu finden. Mit nichts als dem, was sie bei sich trägt (u. a. ein lebendiges Huhn, das als Abendessen herhalten sollte), folgt Akelei dem Jungen wie ein Schatten - und scheint dabei nicht die einzige zu sein.
Johann selber bemerkt zunächst nichts von der seltsamen Frau, die sich an seine Fersen heftet, denn auch er macht eine bizarre Entdeckung: ein Grab und ein alter Koffer schicken ihn auf einen Streifzug in die Vergangenheit, auf der Spur seines mysteriösen Doppelgängers, der ihn nicht mehr loslässt.

Der Schreibstil von Antonia Michaelis ist hier wieder wunderschön zu lesen - klar aber auch verspielt, mit einer leichten Traurigkeit, die immer mitschwingt und die eine einzigartige Atmosphäre zaubert.
Erinnerungen, Träume, Wunschdenken ... welche Wahrheiten zeigt uns unser Gedächtnis und was davon wurde verdrängt, vergraben, so tief, dass man kaum eine Chance hat, daran zu kommen. Wir alle tragen eine Vergangenheit in uns, aber manches davon verändert sich oder geht im Laufe der Zeit verloren ...

"Es kann gefährlich sein, Dinge zu finden. 
Manche verlorenen Dinge haben scharfe Kanten. 
Man kann sich an ihnen verletzen." S. 128

Die Erzählung wechselt sich ab und hält auf diese Weise eine unterschwellige, aber dennoch konstante Spannung aufrecht mit Johanns Suche, Akeleis Verfolgung und den Erinnerungen an die Allee, in der noch so viele Antworten auf die beiden warten. Ich wusste lange nicht, wohin das ganze führt und welche Erklärung am Ende die beiden verbindet. Man rätselt unwillkürlich mit und sammelt die vielen Hinweise, die nach und nach Licht ins Dunkel bringen. Das Tempo nimmt gegen Ende immer mehr zu und der Schluss lässt schließlich keine Fragen mehr offen. 

Fazit
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So verwoben und scheinbar verworren diese Geschichte am Anfang wirkt, so faszinierend und berührend entwickelt sie sich zu einer verhängnisvollen Reise in die Vergangenheit, deren Erinnerungen endlich die Wahrheit ans Licht bringt. Wunderschön geschrieben hat sie mich von der ersten Seite an gefesselt und bis zum Ende auch nicht mehr losgelassen.

Bewertung
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© Aleshanee


Über die Autorin: Antonia Michaelis, 1979 geboren, begann bereits als Kind zu schreiben. Sie ist eine renommierte Autorin von zahlreichen Büchern und Theaterstücken für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihr Roman „Der Märchenerzähler“ wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis und den Buxtehuder Bullen 2012 nominiert. Antonia Michaelis lebt mit ihrer Familie in einem Dorf nahe der Insel Usedom.
Quelle: Droemer Knaur Verlag

Webside der Autorin

Ebenfalls von ihr gelesen und sehr empfehlen kann ich

Niemand liebt November
Der Märchenerzähler
Solange die Nachtigall singt







Kommentare:

  1. Hallöchen :)

    Das klingt nach einem fantastischen Buch ö.ö!
    Allein das Cover und der Titel haben mich angesprochen aber so wie du es beschreibst muss es echt unglaublich gut geschrieben sein! Ich hab oft das Problem, wenn mich die Protagonistin nicht anspricht, dass es die Geschichte sehr runter zieht. Immerhin liest man ja in ihrer Sicht.
    Ich muss mir jetzt unbedingt das Buch holen xD Ich bin gespannt, wie ihr Schreibstil ist.
    Liebe Grüße

    Alisia

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    1. Hi Alisia! Die Protagonistin hier ist schon eine sehr gewöhnliche Frau, die sich aber äußerst ungewöhnlich entwickelt - vor allem, je mehr man dahinter kommt, was in der Vergangenheit passiert ist!
      Aber erzählt wird aus beider Sicht, also von Akelei und Johann, was dem ganzen nochmal einen besonderen Reiz gibt ;)

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  2. Hallo :)

    Zu Antonia Michaelis habe ich persönlich ein eher gespaltenes Verhältnis. "Der Märchenerzähler" habe ich mehr oder weniger an einem Abend verschlungen und weil ich einfach so gefesselt von der Geschichte war. "So lange die Nachtigall singt" war für mich ein kompletter Fehlgriff - ich fand es schrecklich. Und dann habe ich noch "Nashville" gelesen, das war dann so ein Mittelding.
    Der Schreibstil von ihr ist wirklich toll, aber ich zögere noch, weitere Bücher von ihr zu lesen.

    Liebe Grüße
    Alke

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    1. Da ist es wirklich schwierig, wenn man so unterschiedlicher Meinung ist - ich würde vielleicht mal in eine Leseprobe reinlesen von den Büchern von ihr, die dich vom Klappentext her ansprechen?

      "Solange die Nachtigall singt" ist ein besonderer Fall - ich glaub, entweder liebt mans, oder man kanns gar nicht leiden :D

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  3. Huhu Aleshanee!
    Das Buch liegt bei mir schon als nächste Lektüre bereit und nach deiner tollen Rezension freue ich mich nun noch umso mehr darauf! Dann bin ich mal gespannt, wie ich mit Akelei warm werde;-)
    Liebe Grüße, Petra

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    1. Ach, das wirst du bestimmt! Alleine schon weil das ganze so verfahren und strange ist, bleibt man an dieser Geschichte hängen und je mehr man eintaucht, desto näher kommen einem die Figuren :) Zumindest mir ging es so.

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  4. Oh wie schön, dass es auch Dich begeistern konnte :)
    Mir gefiel es auch sehr gut, unter anderem gerade der melancholischen und poetischen Atmosphäre. Du hast recht, es ist wirklich beeindruckend wie sie diese Geschichte aufgebaut hat.
    Liebe Grüße
    Ela

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    1. Ja, das hat sie echt drauf. In einigen Büchern (so viele kenne ich ja auch noch nicht von ihr) lässt sie so eine geniale Stimmung entstehen, das ist wirklich beeindruckend!
      Solche Geschichten (in dem Genre) wie diese hier lese ich ja höchst selten, aber bei ihr muss ich das ausprobieren weil ich mir sicher bin, dass das wieder was ganz besonderes ist ;)

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    2. Vielleicht gefällt Dir ja auch "Paradies für alle" von ihr?
      Ebenfalls ein Roman von ihr aus dem Knaur, der mich wahnsinnig beeindruckt hat und sehr viel Tiefgang besitzt :)

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    3. Das Buch hatte ich mir auch schonmal näher angeschaut, war mir aber nicht so sicher ... da hatte ich aber glaub ich auch erst ein Buch von ihr gelesen. Ich werds mal auf meine Wunschliste packen :)

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