Freitag, 13. Mai 2016

Rezension: Sieben Minuten nach Mitternacht von Patrick Ness

Sieben Minuten nach Mitternacht
von Patrick Ness
nach einer Idee von Siobhan Dowd

Originaltitel: A Monster Calls
Aus dem Englischen von Bettina Abarbanell 

Verlag: Goldmann
Seitenzahl: 192
Hardcover (illustr.): 16,99 €
Taschenbuch: 8,99 €
ebook: 7,99 €

1. Auflage: Aug 2011



"Es gibt nicht immer einen Guten. Genauso wenig, wie es immer einen Bösen gibt.
Die meisten Menschen sind irgendwas dazwischen." S. 67



Klappentext
 

Wir müssen die, die wir lieben, manchmal gehen lassen, um sie im Herzen zu behalten

Es ist sieben Minuten nach Mitternacht. Wie jede Nacht erwartet Conor den Alptraum, der ihn quält, seit seine Mutter unheilbar an Krebs erkrankt ist. Doch diesmal begegnet er einem Wesen, das seine geheimsten Ängste zu kennen scheint. Und schon bald begreift Conor, dass es der einzige Freund ist, der ihm in den Stunden der Not zur Seite steht. Denn er wird zerrissen von der einen Frage, die er nicht einmal zu denken wagt. Darf er seine Mutter, die er über alles liebt, loslassen? Oder muss er es sogar, um nicht selbst verloren zu sein?

Meine Meinung
 

Schon das Vorwort des Autors war sehr berührend. Mit diesem Buch hat er versucht, die Idee von Siobhan Dowd weiterzuspinnen, die viel zu früh aus dem Leben geschieden ist, ohne ihre Geschichte beenden zu können. Aber er wollte sie dabei nicht nachahmen, sondern ein eigenes Werk zu ihrem Gedenken schaffen und ich finde, das ist ihm gelungen!
Patrick Ness schreibt hier aus der Perspektive von dem Jungen Conor, der sich mit seinen 13 Jahren so stark geben muss und sich gleichzeitig so schwach fühlt, da er nicht weiß, wie er sich seiner Situation stellen soll. 

Ich wusste schon vorher, dass mich hier ein besonderes Buch erwartet durch die tolle Rezension von Insi Eule, die mich total neugierig gemacht hat.
Dadurch konnte ich mich von Anfang an sehr gut auf die Geschichte einlassen, die mich sonst zu Beginn vielleicht nicht gleich überzeugt hätte. Einerseits recht einfach erzählt, zeigt sie andererseits aber viel Tiefgang, versteckt in vielen kleinen Andeutungen oder auch sehr direkt. Es wird einem viel bewusst, was man oberflächlich bei anderen oder auch an sich selbst oft nicht wahrnimmt, obwohl man es direkt vor Augen hat.

Das Verhalten von Conor hat mich berührt, denn der Junge ist sehr einsam und hat sich in die fixe Idee versteift, alles alleine schaffen zu können. Das treibt ihn allerdings ins abseits und aus dieser Spirale kommt er alleine nicht mehr heraus. Dabei wirkt er selbständig und er regelt auch alles sehr gut, hat aber natürlich auch Angst. Und diese Angst besucht in jede Nacht in seinem schlimmsten Albtraum, bis ihn schließlich ein Monster heimsucht. Doch Conor hat keine Angst davor, denn in seinem Leben gibt es ganz andere Dinge, die viel bedrohlicher sind und ihn um den Schlaf bringen.

Warum das Monster zu ihm kommt ist ihm anfangs nicht klar; er sträubt sich und möchte der Wahrheit nicht näher kommen. Die Geschichten, die das Monster ihm erzählt, führen ihn aber schrittweise näher heran, bis ihm schließlich kein anderer Ausweg mehr bleibt.

"Geschichten sind wichtig", sagte das Monster. 
Sie können wichtiger sein als alles andere.
Wenn sie die Wahrheit in sich tragen." S. 133

Besonders betroffen hat mich gemacht, dass ihm wirklich niemand voll und ganz zur Seite zu stehen scheint, bis auf seine "alte" Schulfreundin Lily, mit der er lange Jahre eine innige Freundschaft hatte. Alles entgleitet ihm und so klammert er sich an eine Hoffnung, die er einfach nicht loslassen will.

Gleichzeitig sucht er verzweifelt jemanden oder etwas, dem er die Schuld geben kann; eine Wut wächst in ihm, die kein Ventil findet und er dadurch alles über sich ergehen lässt. Unfähig, irgendetwas dagegen zu tun.

Diese ganzen Gefühle werden hier beeindruckend und eher behutsam, manchmal aber auch sehr offen vor Augen geführt und ich war an manchen Stellen zu Tränen gerührt, weil man direkt in der Situation drinsteckt. Vor allem, als Conor endlich die Wahrheit zulässt und sie annimmt, denn nicht die Gedanken sind das, was wichtig ist, sondern das, was wir tun! 

Fazit
 

Eine berührende Geschichte um einen Jungen, der sich hilflos einer Situation ausgeliefert fühlt, der er nicht gewachsen ist. Uns allen geht der Tod eines lieben Menschen sehr nahe und nicht jeder ist bereit, loszulassen. Die Gedanken, die uns dabei begleiten, sind nicht immer leicht zu verarbeiten, aber wir Menschen denken einfach nicht in einem schwarz-weiß Schema und wir dürfen auch negative Gedanken zulassen, solange wir immer hinter dem stehen, was wir tun.

Bewertung
 
http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/4%2F5%20Sonnen

© Aleshanee



Über den Autor: Patrick Ness wuchs in den Vereinigten Staaten und auf Hawaii auf. Seit Ende der 90er-Jahre lebt er in London und ist dort als Literaturkritiker für die Tageszeitung The Guardian tätig. Für seine Kinder- und Jugendbücher wurde er mehrfach ausgezeichnet, er gewann unter anderem den renommierten Costa Children's Book Award und war auf der Auswahlliste für die Carnegie Medal.

Für »Sieben Minuten nach Mitternacht« erhielt er als erster Autor gleichzeitig die Carnegie Medal und den Kate Greenaway Award sowie neben unzähligen anderen Auszeichnungen den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012.

In »Sieben Minuten nach Mitternacht« schreibt Patrick Ness eine Idee seiner mit der Carnegie Medal ausgezeichneten Schriftstellerkollegin Siobhan Dowd weiter. Ihr früher, tragischer Krebstod verhinderte die Umsetzung ihrer Idee in eine eigene Geschichte.
Quelle: Goldmann Verlag


Der Film zum Buch kommt am 10. November 2016 ins Kino
Filmtrailer






Kommentare:

  1. Huhu Alex,

    tolle Rezi! Ich freue mich, dass es dich genauso überzeugen konnte wie mich ^^. In der Tat ein sehr besonderes Buch. Ich bin auf den Film gespannt.

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Auf den Film freue ich mich auch schon! Der Trailer sieht auf jeden Fall vielversprechend aus.
      Schön, durch dich mal wieder so ein tolles Buch gefunden zu haben :)

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  2. Huhu,

    schade das der Film so spät ins Kino kommt, bis dahin habe ich den Roman wahrscheinlich schon wieder vergessen.

    LG..Karin..

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    1. Es gibt doch immer Werbung, bevor ein Film rauskommt ... dann kannst du dir das Buch direkt vorher holen ;)

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  3. Guten Morgen,

    das scheint ein Buch zu sein was einem wirklich nahe geht. Eine sehr schöne Rezension.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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    1. Dankeschön Vanessa! Es regt auf jeden Fall zum Nachdenken an und macht einem bewusst, wie widerstreitend Gefühle sein können und dass Gedanken einfach natürlich sind, in welcher Richtung auch immer. Und dass man sie akzeptieren sollte - denn wie man dann schließlich handelt steht ja wieder auf einem ganz anderen Blatt ...

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  4. Huhu Aleshanee,
    ich habe das Buch damals verschenkt. Allein die Zeichnungen, der Klappentext und der kurze Blick in die Rezensionen hat mir gezeigt, dass das eine ganz besondere Geschichte sein muss. Ich wollte das Buch schon längst selbst gelesen haben. Deine Rezension spiegelt all das wieder, was ich mir davon erhoffe.

    Ich denke, dass man viel darüber nachdenken kann. Besonders deine Worte, dass der Junge größtenteils alleine mit seinen Gedanken klarkommen muss, haben mich bewegt. Ich denke es ist oft so im Leben, dass viele Menschen keine Unterstützung in schweren Momenten erhalten und lernen müssen, wie sie diese Zeit irgendwie durchstehen. Das mag dem einen gelingen, dem anderen weniger.
    Schön, wenn dieses Buch auch ein wenig wachrüttelt (?) gegenüber anderen Menschen etwas mehr Mitgefühl und Verständnis zu entfalten.

    Sehr schöne Rezension.

    Ganz liebe Grüße Tanja :o)

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    1. Ja, es rüttelt definitiv wach, vor allem, um ein bisschen sensibler zu werden im Umgang mit anderen Menschen (und vor allem auch Kindern), die in schwierigen Situationen oftmals widerstreitende Gefühle in sich haben, die sie nicht einordnen können bzw. nicht zurecht kommen oder sich sogar schuldig fühlen. Da sollte man schon etwas besser drauf achten!

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  5. Huhu,
    ich habe das Buch schon vor einiger Zeit gelesen. Ich habe noch lange über die Geschichte Nachgedacht und war absolut berührt. Ein zu tiefst trauriges Buch. Ich freue mich schon auf den Film und bin auf die Umsetzung gespannt.

    Liebe Grüße

    Nona

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    1. Der Trailer schaut ja auf jeden Fall schon mal gut aus! Ein bisschen ist es ja noch hin.
      Das ist wirklich eine Geschichte, die einem nicht so leicht aus dem Kopf geht ...

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  6. Huhu Alex
    eine tolle Rezi
    Das Buch landet auf meiner WuLi

    Liebe Grüße
    Lilly

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