Sonntag, 3. Juli 2016

Rezension: Stolz und Vorurteil von Jane Austen

 
Stolz und Vorurteil
von Jane Austen

Klassiker der englischen Literatur
Übersetzt von Karin Schwab

Verlag: Anaconda
Seitenzahl: 368
Hardcover: 6,95 €

1. Auflage: 1813





Im England des ausgehenden 18. Jahrhunderts steht die junge und schöne Elisabeth Bennet vor einer großen Lebensentscheidung: der Wahl eines geeigneten Heiratskandidaten. Ihr allzu stolzes Wesen jedoch vernebelt ihr ein ums andere Mal den Blick, bis sie nach vielen Verwicklungen schließlich doch die Liebe ihres Lebens findet.




Das Buch stand lange auf meiner Wunschliste, aber ich hab mich nie so recht rangetraut. Da war die Leserunde auf dem Blog Buchmomente eine schöne Gelegenheit, endlich zuzugreifen. Ihr könnt auch gerne mal *hier* reinschnuppern, was auch die anderen so dazu gesagt haben ;)

Wirklich schön anzusehen finde ich die Ausgabe, die ich erwischt habe, zwar nicht, denn das Cover trifft überhaupt nicht meinen Geschmack, aber es kommt ja schließlich auf den Inhalt an.

Ich hab mich anfangs etwas schwer getan mit dem Schreibstil. Es ist schon ziemlich gewöhnungsbedürftig, vor allem für jene wie mich, die solche Klassiker aus dieser Zeit eher weniger lesen, aber mit der Zeit bin ich ganz gut reingekommen.

Was ich genau erwartet hatte ... ich weiß nicht. Ich hab mich extra vorher nicht erkundigt, worum es genau geht, denn ich wollte mich überraschen lassen - und das ist durchaus gelungen. Der Fokus liegt hier hauptsächlich auf den Charakteren, ihren Familien und deren gesellschaftlicher Stellung bzw. ihre Beziehungen zueinander.
Dabei kommen viele Namen ins Spiel, die ich manchmal nicht so recht zuordnen konnte, obwohl die meisten der Figuren wirklich gut skizziert sind. Ich hatte sogar an einigen Stellen das Gefühl, gar nicht zu wissen, wer gerade spricht und wie die Beziehung untereinander ist; vielleicht einfach auch deshalb, weil ich diesen Schreibstil so gar nicht gewöhnt bin.

Gerade aber bei Elisabeth und Darcy hat es schon eine Weile gedauert, bis ich ihnen näher gekommen bin und kann die Vorstellung aus dem Klappentext nicht so ganz nachvollziehen, dass gerade ihr der "Stolz" im Wege steht. Sie ist eine der wenigen, die genau hinschaut und die Menschen hinterfragt. Das ändert sich aber im Laufe der Geschichte, denn sie muss einiges revidieren, was sie sich in gutem Glauben zusammengereimt hat. Die Menschen sind nicht alle so, wie sie glaubt und die Vorurteile nehmen ihr tatsächlich die wahre Sicht auf die Dinge. Was aber durchaus nachzuvollziehen war. 
Witzig fand ich jedenfalls das Gemüt von Elisabeths Vater, der ja alles in einer recht stoischen Ruhe ertragen hat, was in seinem "Weiberhaushalt" so vor sich geht. Vor allem die Aufreger seiner Frau waren extrem überspitzt und hätten mich total genervt, aber er hat meist einfach seine Witze darüber gemacht und sich schließlich in seine Bibliothek verkrochen.
Darcy dagegen konnte ich anfangs gar nicht einschätzen, hab ihn nur als höchst unsympathisch empfunden. Was natürlich auch so gewollt ist (oder auch nicht, so ganz blicke ich hier nicht durch), aber erst sehr spät kommt seine Person wirklich zur Geltung. 

Es zieht sich überhaupt alles ziemlich hin, denn viel passiert nicht, außer den kleinen Sticheleien und viel Gerede über gesellschaftliche Anlässe - und natürlich, wie man seine Töchter am Gewinn bringensten unter die Haube kriegt. Ab der Hälfte kommt aber eine Wendung, bei der endlich die beiden Hauptfiguren etwas mehr ins Licht gerückt werden. Die Passagen mit Elisabeth und Darcy waren für mich am interessantesten, aber ich muss gestehen, dass ich mit dem Rest nicht viel anfangen konnte. Klar, man bekommt einen guten Eindruck, wie schwierig es damals war, wenn man wenig Geld oder keinen guten Stand hatte. Wie "peinliches" oder "nicht gesellschaftsfähiges" Verhalten schwerwiegende Konsequenzen hervorgerufen hat; alles aber eher eine Aneinanderreihung von Vorkommnissen, die mich nicht wirklich fesseln konnte. 

Die Themen Stolz, Hochmut, Vorurteile ... die waren schon ein großer Bestandteil in diesen ganzen Verwicklungen und zeigen, wie leicht man sich täuschen lassen kann: durch andere, aber auch durch einen selbst. Leider hab ich den Zugang zu diesem hoch geschätzten Werk nicht finden können.

Einige schöne Textstellen hab ich dennoch gefunden

Zitate
 

"... man kann stolz sein, ohne eitel zu sein. 
Der Stolz bezieht sich mehr auf unsere eigene Meinung von uns selbst, 
die Eitelkeit jedoch auf die Meinung, die wir gern 
von anderen über uns hören möchten." S. 22

"Glück in der Ehe ist sowieso nur von Zufälligkeiten abhängig. 
Zwei Leute können sich noch so gut gekannt haben, können noch so viel 
miteinander gemein gehabt haben, auf das Glücklichwerden 
hat das nicht den geringsten Einfluß." S. 24

"Je mehr ich von der Welt zu sehen bekomme, umso unzufriedener 
werde ich mit ihr; jeder Tag bestätigt von neuem meine Überzeugung, 
daß die Menschen wankelmütig sind und daß man sich weder auf die Vernunft, 
noch auf die Verdienste anderer verlassen kann." S. 129

"... aber der wahre Lebenskünstler gibt sich eben mit wenigem zufrieden, 
wenn mehr nicht zu erreichen ist." S 221


Fazit
 

Ein Klassiker, den ich endlich gelesen und hinter mich gebracht habe. Der allgemeinen Begeisterung kann ich mich leider nicht anschließen, denn diese ganzen gesellschaftlichen Spitzfindigkeiten und Ränkeschmiede wecken einfach nicht mein Interesse. Die Entwicklung von Elisabeth und Darcy war zwar schon spannend zu verfolgen, hat aber erst sehr spät eingesetzt. So richtig warm werden konnte ich leider nicht mit dem Buch.

Bewertung
 
http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/2%2F3%20Sonnen


© Aleshanee




Über die Autorin: Jane Austen (* 16. Dezember 1775 in Steventon, Basingstoke and Deane; † 18. Juli 1817 in Winchester) war eine britische Schriftstellerin aus der Zeit des Regency, deren Hauptwerke Stolz und Vorurteil und Emma zu den Klassikern der englischen Literatur gehören.
Quelle: Wikipedia


Kommentare:

  1. Ach schade, dass es dir nicht gefallen hat. Aber du hast es ausprobiert und bist nun schlauer. :)
    Die Hardcover vom Anaconda Verlag finde ich auch nicht wirklich schön..

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    1. Jap :D Zumindest weiß ich jetzt, dass ich die anderen Bücher von ihr nicht mehr lesen brauche. Ist wohl einfach nicht meine Welt ^^

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  2. Huhu,

    Danke für den schönen Klassiker, auch wenn er Dir nicht so gefallen hat.

    Schönen Sonntag...LG..Karin..

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  3. Hey. :)
    Oh wie schade. Ich hab das Buch vor ca. 7 oder 8 Jahren gelesen. Ich glaube da kam gerade der neue Film mit Kiera raus. Ich war ganz hin und weg und liebe das Buch immer noch. Und ja das Cover ist suuuper hässlich. Aber ich glaube es gibt ganz neue Blumencover von einem anderen Verlag. Weiß aber nicht genau welcher das war. Mhh.

    Liebe Grüße,
    Liss ♥

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    1. Bei dtv gibt es Blumencoverausgaben. Von 'Stolz & Vorurteil' habe ich eine zuhause. Das Cover ist wirklich zauberhaft. :) ♥

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    2. Ich hab grad mal geschaut, also das von dtv mit dunklem Hintergrund und rot/rosa Blumen find ich ganz okay. Ich hab aber auch mal ein anderes gesehen (auf lovelybooks) mit Blumen, das hat mir auch gar nicht gefallen. Grade diese Klassiker sind oft sehr hässlich gemacht, warum auch immer ^^

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  4. Huhu liebe Aleshanee! :)

    Wirklich schade dass dir das Buch nicht gefallen hat. Ich bin total verliebt in die wunderschöne Liebesgeschichte zwischen Mr. Darcy & Elisabeth und finde auch die gesellschaftliche Situation zu dieser Zeit sehr interessant. (: Du meintest dass du das mit dem Stolz der Elisabeth im Weg gestanden ist, nicht so ganz verstanden hast. Deshalb eine kurze Erklärung: In der damaligen Zeit war es so dass das Erbe der Eltern nur an die männliche Verwandtschaft (und sei dies auch ein entfernter Cousin wie es in Stolz und Vorurteil der Fall ist) weitergegeben werden kann. Deshalb ist es wichtig dass die Töchter einen Ehemann finden, sonst haben sie einfach keine Zukunft. Elisabeth hat die Möglichkeit den reichsten Mann der Gegend, Mr. Darcy, zu heiraten, doch ihr Stolz dass sie ihn unfreundlich findet und denkt dass sie jemand besseren verdient hat, steht ihr hier im Wege. Sie ist allerdings so intelligent, dass sie Darcy schließlich sogar dazu bringt ihr den Hof zu machen, was in der damaligen Zeit überhaupt nicht der Fall ist. Wie du bei ihren Schwestern gut siehst ist es immer das Mädchen das sich bemüht einen Mann zu finden, aber bei Elisabeth ist es Mr. Darcy der wirbt und sich schließlich sehr um sie bemüht. :))
    Was den Vater betrifft kann ich dir nur zustimmen! Er ist wirklich sehr lustig. xD Ein Ruhepool in dem ganzen Chaos. Obwohl ich die Mutter ja noch fast lustiger finde als den Vater, einfach weil sie so aufgedreht ist und für sie immer alles gleich in einer Krise endet. :D

    Alles Liebe,
    Jasi ♥

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    1. Hmm, okay ^^ Also erstmal danke für die ausführliche Erklärung!

      Aber als "Stolz" hab ich das nicht empfunden, dass sie ihn ablehnt. Wahrscheinlich, weil ich das in der heutigen Zeit anders empfinde, wenn ich jemanden nicht mag, sag ich halt nein ... das hat ja nix mit Stolz sondern mit Sympathie zu tun.
      Aber wenn das in der damaligen Zeit natürlich nicht üblich war, kann man es so interpretieren bzw. hat es die Autorin so gemeint.

      Haha, ja die Mutter war schon auch cool xD Ich würd ja durchdrehen mit so jemandem *lach*

      Ist halt schwer für mich, weil ich "solche" Geschichten und Themen ja gar nicht lese ... aber ich bin ja immer offen und probiere es gerne mal aus :)

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  5. Huhu Alex,

    wir haben ja schon kurz darüber geredet und ich selber habs ja noch nicht gelesen wie du weißt. Habe ich aber immer mal vorgehabt. Keine Ahnung ob ich das nun noch tun werde, da du meine Befürchtungen ein wenig bestätigst.
    Auf jeden Fall aber eine wundervolle Rezension von dir und die Zitate die du gewählt hast, finde ich auch sehr ansprechend. Vielleicht probiere ich es irgenwann doch nochmal mit dem Buch. Mal schauen.

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Ja ... da weiß ich echt nicht, was ich dir raten kann ^^ Vielleicht gefällt es dir ja auch. Das ist, glaub ich, recht schwierig abzuschätzen. Es hat ja schon eine Aussage und einen Hintergrund das ganze, aber wie das umgesetzt ist und der Fokus mit diesen ganzen Heiratssachen etc. das ist einfach nicht meins ;)

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  6. Recht freizügig das Cover, irgendwie unpassend für einen Austen Roman.
    Von "Stolz & Vorurteil" kenne ich nur die zwei Filmadaptionen (BBC TV & Kinofilm mit Keira Knightly) die ich sehr mag, und die wunderbare Bollywoodversion "Bride & Prejudice".

    Bei Austen habe ich mich nur mal an ihrem "Lady Susan" versucht, aber auch nicht meins.

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    1. Den Film möchte ich auf jeden Fall noch anschauen (mit K. Knightly) Einfach schon aus Prinzip, weil ich das halt immer mache, wenn es eine Buchverfilmung gibt :) Und dadurch, dass die Handlung da sicher prägnanter ist, vielleicht gefällt er mir ja ...

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  7. Ich habe gestern "Sinn und Sinnlichkeit" beendet und könnte dafür ganze Teile deiner Rezension einfach übernehmen, weil sie exakt passen. Die Romane der Autorin scheinen sich also sehr ähnlich zu sein. Viel passiert ist auch dort die meiste Zeit über nicht, ich hatte keinen Überblick über die ganzen Charaktere und die Sprache war zwar anstrengend, aber trotzdem super schön. Ich fand es aber auch recht interessant, wie das damals so abgelaufen ist und dadurch hat es mir im Endeffekt doch relativ gut gefallen, aber begeistert bin ich leider nicht. An Stolz und Vorurteil werde ich mich hoffentlich trotzdem bald mal wagen. :)
    Schöne Rezension, die es genau auf den Punkt bringt!

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    1. Dankeschön! Ist mir gar nicht leicht gefallen, ehrlich gesagt, das in Worte zu fassen. Und auch schwierig zu bewerten, da ich Klassiker aus dieser Zeit einfach zu wenig kenne und eigentlich kaum Vergleiche habe. Aber das ist wohl auch einfach nicht meine Welt :)

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  8. Ja wirklich schade, dass Du nicht so den richtigen Zugang zum Buch finden konntest. Ich liebe es sehr. Es ist ein Zeitdokument und vielleicht bist Du zu sehr in der Gegenwart verwurzelt!
    Lies es doch mal auf Englisch wenn ein paar Jahre ins Land gegangen sind, vielleicht liegt Es Dir mehr??
    LG
    Caroline

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