Mittwoch, 6. Juli 2016

Rezension: Von Schatten und Licht von Anne-Laure Bondoux

Von Schatten und Licht
von Anne-Laure Bondoux

Genre: Modernes Märchen - Jugendbuch
empfohlen ab 14 Jahren
Im Original: Tant que nous sommes vivants
aus dem Französischen übersetzt von Maja von Vogel

Verlag: Carlsen
Seitenzahl: 352
Hardcover: 17,99 €
ebook: 12,99 €

1. Auflage: Jan 2016




Eine ungewöhnliche und berührende Geschichte, die in ein modernes Märchen verpackt ist
und vielen Botschaften, die uns verlorene Werte wieder bewusst machen 



Klappentext

Hama und Bo arbeiten in derselben Fabrik, und als sie sich begegnen, ist es die große Liebe. Obwohl sie sich nicht oft sehen – Hama steht tagsüber an ihrer Maschine, Bo arbeitet nachts –, erleben sie ein unbeschwertes Glück. Doch ein Unfall ändert alles und sie müssen aus der Stadt fliehen. Es beginnt eine abenteuerliche, lange Reise ins Unbekannte, mit seltsamen Begegnungen und unerwarteten Hindernissen. Und irgendwann müssen sich Hama und Bo fragen: Kann die Liebe auch dann bestehen, wenn der gemeinsame Weg immer steiniger wird, wenn die Schatten das Licht verdrängen?

Meine Meinung
 

Ich habe während dem Lesen immer wieder hin und her überlegt, ob ich hierzu überhaupt eine Rezension schreiben soll. Es fällt mir wirklich schwer, diese Geschichte in Worte zu fassen, aber ich wollte unbedingt zumindest den Eindruck schildern, denn das Buch hat etwas ganz besonderes.

Erzählt wird aus einer ungewöhnlichen Perspektive, von einem Dritten, der über die Ereignisse berichtet, aber sich auch selbst mit in das Geschehen einbringt, dazu möchte ich aber noch nicht mehr verraten. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen, hat aber einen gewissen Anspruch und lehnt sich auch an die früheren Märchen an.
Der Prolog stimmt jedenfalls schon sehr gut darauf ein, was den Leser erwartet und skizziert in wenigen Worten die Welt, in der die beiden Protagonisten um ihre Liebe kämpfen müssen.

Im Fokus stehen damit Hama und Bo, die in einer Zeit leben, die von Arbeit und Abhängigkeiten geprägt ist und an einem fiktiven Ort und in einer fiktiven Zeit spielt - somit überall auf der Welt genauso passieren könnte: Eine Fabrik für Waffen, von der alle Arbeiter abhängig sind, eine Regierung die viel redet und nichts tut und einfache Menschen, die sich in ihrer Verzweiflung nicht für das Licht, sondern den Schatten entscheiden. 
Hier wird allerdings immer, egal um welche Personen es sich handelt, sehr genau differenziert, warum sie so handeln - und damit das Verständnis geschürt, dass eben jeder Mensch seine innere Schwäche und seine Beweggründe hat. Das ist nicht immer einfach zu verstehen, aber uns selbst geht es ja genauso.

"Es ist nicht leicht, seine wahren Wünsche herauszufinden,
schon gar nicht, wenn man Angst vor den Antworten hat ..." S. 32

Die Gegensätze ziehen sich durch das ganze Buch, denn die Kapitelüberschriften wie "Ordnung und Chaos", "Leere und Fülle" etc. sprechen immer wieder darauf an und geben den Passagen eine bestimmte Bedeutung. Unterstützt wird das auch von einer der Figuren: Melkior. Ein alter Mann, der sogar von einigen gefürchtet wird, weil er mit seinen dahin gestammelten Worten immer wieder Zukünftiges voraussieht. Überhaupt findet man in diesem fast schon wehmütigen Märchen viel Symbolik und Metaphern, die mich oft zum Nachdenken angeregt haben.
Die zahlreichen Kontraste, die wir als völlig getrennt in unseren Köpfen verinnerlicht haben, werden hier subtil und doch sehr deutlich unter die Lupe genommen. Ohne Schatten gäbe es eben kein Licht, ohne Kälte keine Wärme und ohne Hass keine Liebe? So oft sind die Grenzen verwischt und wir übertreten sie, ohne es zu merken.

"Glaubst du wirklich an Magie?", fragte ich ehrlich erstaunt.
"Es gibt alles", sagte er. "Man muss nur hinter die Oberfläche der Dinge blicken." S. 271

Vier Abschnitte führen uns durch wichtige Stationen, die Hama und Bo durchlaufen müssen. Beide sind sehr eigen in ihren Bedürfnissen und Ängsten, aber sie verbindet eine ganz besondere und bewundernswerte Verbundenheit. Ob sie jedoch den äußeren Widrigkeiten stand hält, ist noch nicht entschieden, denn ihre Vergangenheit kämpft sich immer wieder durch die Schatten ans Licht.

Fazit
 

Das Leben ist ein steiniger Weg, den wir nur meistern können, wenn wir ihn gehen und nicht vor jedem Hindernis zurückschrecken - Hama und Bo haben die Herausforderungen angenommen und ihr bestes gegeben, um sich selbst treu zu bleiben. Märchenhaft erzählt mit etwas Wehmut und vielen Sinnbildern, die unser Leben wunderschön widerspiegeln.


Bewertung
http://blog4aleshanee.blogspot.de/search/label/4%2F5%20Sonnen



© Aleshanee


Über die Autorin: Maja von Vogel, geboren 1973, studierte Deutsch und Französisch. Sie verbrachte ein Jahr in Paris und arbeitete mehrere Jahre als Lektorin in einem Kinderbuchverlag, bevor sie sich als Autorin und Übersetzerin selbstständig machte. Heute lebt Maja von Vogel mit ihrer Familie in Norddeutschland.
Quelle: Carlsen Verlag



Kommentare:

  1. Hallöchen!
    Klingt ja genau nach meinem Geschmack ❤
    Vielleicht schau ich mir das mal genauer an ;)

    Viele Grüße
    Susanne

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    1. Würde mich freuen! Das Buch scheint ja eher unbekannt zu sein ... ist eigentlich schade

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  2. Okay, überzeugt. Kommt auf die Wunschliste ;D.

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Für mich war es sehr ungewohnt, aber mich hat es total gepackt :)
      Dann hoff ich sehr, dass es dich auch so begeistern kann!

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