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Dienstag, 6. Oktober 2026

Die Donnerkönigin von Maja Lunde und Lisa Aisato

Isabella führt mit ihrer exzentrischen Mutter ein unstetes Leben an wechselnden Wohnorten. Ihre eigenen Gefühle kann sie nur schwer kontrollieren. Kocht die Wut hoch, wird sie handgreiflich – dann ist sie eine »Donnerkönigin«. 

Als sie in den kleinen Ort Eikedalen ziehen, werden sie herzlich von einem älteren Mann namens Abel aufgenommen und Isabella knüpft schnell erste Freundschaften. Erwartungsvoll blickt sie auf das Fest der Toten, das am 31. Oktober gefeiert wird. Doch als ihre Mutter mal wieder Streit vom Zaun bricht, fürchtet Isabella sich vor ihrer Willkür. 

Zum Glück trifft Isabella auf einem Spaziergang die geheimnisvolle Waldhüterin Elsi, die sie ermutigt, für ihre eigenen Wünsche einzustehen ― unabhängig von den Erwartungen ihrer Mutter. Ein poetisches Märchen für Kinder und Erwachsene über Selbstbehauptung, familiäre Bindungen und den Mut, auf sich selbst zu hören.


Die Donnerkönigin von Maja Lunde - Illustriert von Lisa Aisato


Im Original Tordendronningen
aus dem Norwegischen übersetzt von Ina Kronenberger  

Die Herbstgeschichte aus dem Jahreszeiten-Quartett
Berührende Coming of Age Geschichte
Schauplatz Eikedalen in Norwegen

Verlag btb | Seitenzahl 176 | 1. Auflage September 2026


 
Meine Meinung
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Wütend bin ich in meinem Leben immer gewesen, solange ich zurückdenken kann.
Erster Satz

Mit diesem Satz startet die Geschichte um Isabella. Ein junges Mädchen, das nicht so recht weiß, was sie von der Welt zu erwarten hat.
Isabella sieht sich selbst als „Donnerkönigin“. Wenn die Wut sie packt, verliert sie die Kontrolle und lässt es auch zu. Denn es hilft ihr, alle anderen Gefühle auszublenden. Gefühle, die vielleicht zu schmerzhaft sind, um sie zuzulassen. Damit spürt man auch direkt, dass sich die Autorin nicht scheut, offen über genau darüber zu schreiben, was so oft leider unterdrückt und aberzogen wird. Denn auch unangenehme Gefühle haben ihre Berechtigung und statt sie zu verdrängen, sollte man lieber schauen, woher sie kommen.

Die düsteren ersten Seiten, die Bilder mit Wut verzerrtem Gesicht, dem ängstliche andere Kinder gegenüberstehen, lässt diese Gefühle sehr anschaulich werden! Und da sind wir auch schon bei den Bildern, denn diese begleiten uns durch das ganze Buch! Jede Seite ist mit farbigen Illustrationen untermalt und damit hat sich Lisa Aisato wieder selbst übertroffen. Wie sie die Figuren darstellt, die Mimik, die Gestik, die Farben und das Drumherum transportieren so unglaublich viel, dass das Lesen hier auf vielen Ebenen erlebt wird.

Auch unter dem Schutzumschlag haben wir übrigens die gleiche Abbildung und
wieder mit einer wunderschönen, hochwertigen Leinenbindung


Gerade mal eine Woche und zwei Tage ist Isabella jetzt hier in diesem Ort. In Eikedalen in Norwegen.
Sie ist es gewohnt, immer wieder neu anzufangen, denn ihre Mutter liebt es, ständig weiter- und umzuziehen, neue Abenteuer zu erleben, neue Städte und Menschen kennen zu lernen. Alles andere wäre langweilig. Tauchen Probleme auf, werden einfach die Sachen gepackt und alles hinter sich gelassen. Ein einfaches, sorgenloses Leben, wie ihre Mutter immer betont - aber auch ein ungewisses, bei dem man nie weiß, was morgen ist und man weder ein Gefühl von Verlässlichkeit noch Sicherheit entwickeln kann.
Außerdem hat Isabella das Gefühl, nirgends dazu zu gehören – was logisch ist, wenn sie nie lange genug bleibt… 



In Eikedalen jedenfalls ziehen sie zu ihrem Onkel Abel, dem Bruder ihrer Mutter. Das ist völlig neu für Isabella und nur schwer kann sie sich aus ihrer frühen Kindheit an ihn erinnern, so lange waren sie schon nicht mehr bei ihm.

Maja Lunde beschreibt wunderschön aus der Sicht von Isabella, deren Alter zwar nicht genannt wird, sie aber wohl gerade in der Pubertät steckt. Denn sie fühlt sich selbst als zwischen Kindheit und Erwachsen sein - und sie ist zutiefst berührt über die Menschen, die ihr mit Offenheit und Wärme begegnen.


Sie behandelte mich so, als wäre ich ein ganz normales Kind. Keine Unruhestifterin, kein Störenfried. Und weil sie mich so behandelte, fühlte ich mich auch so.
Zitat Seite 44


Verständnis. Das kann so ungeheuer viel Gutes auslösen! Kein Schimpfen, kein Anprangern, sondern versuchen, zu verstehen was los ist. Eine Reaktion ist immer eine Folge von etwas und es gibt so viele Missverständnisse, die vermieden werden könnten, wenn wir mehr hinterfragen.
Das unstete Leben und die Unsicherheit überträgt sich bei Isabella leider auf alles mögliche – und was man eigentlich nicht von den Eltern übernehmen wollte, schleicht sich still und heimlich ein, ohne dass man es merkt.

Isabella muss schon sehr früh lernen, eine Rolle zu übernehmen, für die sie noch viel zu jung ist. Dazu wird ihr vorgelebt, vor Problemen wegzulaufen, anstatt  sich ihnen zu stellen. Ich muss auch sagen, dass mir ihre Mutter extrem unsympathisch ist. Ihr ganzes Wesen und vor allem ihr Verhalten gegenüber ihrer Tochter Isabella ist höchst fragwürdig. Auch wenn ich weiß, dass hier auch eine traurige Geschichte dahintersteckt, war das anfangs schwer, dahinter zu blicken und nicht ebenso eine Wut zu entwickeln wie ihre Tochter.

Es ist immer schwierig, wenn Eltern denken, so wie sie ihr Leben am liebsten hätten, wäre es auch perfekt für die Kinder. Doch Kinder gehen ihre eigenen Wege – haben ihre eigenen Träume und Wünsche und Vorstellungen. Hier hat man die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass es den Kindern gut geht und sie den Weg finden und beschreiben können, den sie sich für ihr Leben erhoffen. Und als Erwachsene muss man damit zurechtkommen lernen – oder sich Hilfe suchen.
Isabella allerdings muss damit selbst und alleine zurecht kommen und und ihre Hilflosigkeit wächst sich dann leider immer in Wut aus. 

Denn wenn ich kämpfte, spürte ich nichts anderes. Dann musste ich nicht nachdenken. Dann spürte ich nur die Schläge, die ich einstecken musste, und die Schläge, die ich austeilte.
Wenn mich jemand schlug und es äußerlich weh tat, tat es innerlich nicht so weh.
Zitat Seite 96 


Auch der Kreislauf des Lebens spielt eine Rolle. Es ist ja das Herbstbuch aus der Jahreszeitenreihe und bei Isabella ist in 2 Wochen Halloween, das Fest der Toten. Hier ist viel verstrickt, auch wenn es nur angeschnitten wird: Verletzungen von früher, das Verzeihen um Loslassen zu können, einen Lebensweg finden, Verwurzeln um Wachsen zu können, Verbundenheit spüren ... und die Liebe zum Leben :) 

Auch das Vorsatzblatt ist wunderschön herbstlich 
und ich hätte euch am liebsten jede Seite ab fotografiert!


Ich bin absolut begeistert von diesem vierten Band und obwohl mir jeder wirklich gut gefallen hat, bekommt der noch eine Krone auf, die Donnerkrone sozusagen :) Es ist eine so bezaubernde und berührende Geschichte, bei der mir auch die Tränen gekommen sind. 
Wie dieses Mädchen hier über ihre Unsicherheit hinauswächst, wie sich eine Zukunft plötzlich vor ihr ausbreitet, weil sie Mut fasst: den Mut zu sagen, was sie sich wünscht und wie sie sich fühlt und gleichzeitig merkt, dass jemand hinter ihr steht und sie nicht allein ist! 

Absolut bezaubernd und eine neue Herzensgeschichte für mich! Dazu versinkt man nebenbei regelrecht in den farbenfrohen Bildern von Lisa Aisato, die den herbstlichen Wald, die Charaktere und Atmosphäre wieder aufs genialste getroffen hat! 

💭 Thema★★★★★Erwachsen werden und für sich selbst einstehen
✍️ Schreibstil★★★★☆Schön geschrieben und sehr anschaulich
👥 Figuren★★★★★Vielschichtig mit einer Menge Botschaften
⚡ Dynamik★★★★★ Es kommt keine Langeweile auf
❤️ Emotionen★★★★★Leise Zwischentöne und sehr berührende Momente


Meine Bewertung
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Frühling: Die Sonnenwächterin
Sommer: Die Windmacherin
Herbst: Die Donnerkönigin
Winter: Die Schneeschwester




1 Kommentar:

  1. Ich hab bisher nur die Schneeschwestern gehört. Und da war ich schon begeistert. Die anderen müssen auch noch einziehen.

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