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Dienstag, 25. Januar 2022

[Para-Roman] Levi von Melanie Meier

Levi nimmt Dinge wahr, die andere nicht wahrnehmen. Als er dreizehn Jahre alt ist, diagnostizieren Ärzte eine Psychose, er kommt in psychiatrische Behandlung. Doch Levi ist überzeugt: »Ich bin nicht krank. Was ich sehe, ist tatsächlich da.«

Was sind das für Wesen, die ihm erscheinen und Ratschläge geben? Was hat es mit den Schatten auf sich, die an Menschen »saugen«? Warum kann er manchmal Dinge voraussehen?

Als Teenager und als Erwachsener steht Levi im stillen Kampf mit den gesellschaftlichen Normen. Er bewegt sich im Schattenbereich der »Normalität«. Alle, die mit ihm in Berührung kommen, müssen sich fragen: Was ist wirklich und was nicht?
 
 
 
 
 
 
 Meine Meinung
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Die Bücher der Autorin greifen immer tief - tiefer als man auf den ersten Blick erkennen mag, vor allem, da ich bisher ihre Mystery Krimis und Fantasy Reihe gelesen habe. 
Levi ist allerdings ein Roman der Gegenwart. Levi, der Protagonist, ein junger Mann, der im Schattenbereich der Normalität lebt. Ich muss hier tatsächlich den Untertitel zitieren, weil er einfach perfekt passt. 

Wir erleben Levi im Alter von 29 im Jetzt, im Jahr 2012 und in Rückblicken seine Erfahrungen in der Kindheit und Jugend, die sehr einschneidende Wirkungen auf ihn hatten. 

Zu Anfang wirkt Levi schlicht wie ein abgewrackter, kaputter Mensch. Er raucht, besäuft sich gerne, hat kaum soziale Kontakte und nur flüchtige Bettgeschichten - hat einen sarkastischen Blick auf die Welt und scheint sehr verbittert. Auf den ersten Blick für viele sicher erstmal unsympathisch, könnte ich mir vorstellen, aber grade bei diesen Menschen ist es wichtig, einen zweiten Blick zu riskieren. 
"... Wenn du trinkst, bist du grob."
"Das ist der Grund, warum ich trinke."
"Um grob zu werden?"
"Um die Wahrnehmung grober werden zu lassen."
Zitat Seite 67
Eine Sucht ist zum einen ja immer eine Suche nach etwas - aber auch eine Flucht; der Ausweg aus einer Realtität, deren Wirklichkeit man nicht mehr ertragen kann. Bei Levi geht es noch einen Schritt weiter, denn seine Sicht auf die Welt und die Menschen ist schon immer anders, schon immer mehr, beängstigend mehr. Doch statt Unterstützung zu erfahren hat er früh lernen müssen, die Wahrheit anderer zu bestätigen und seine eigene zu unterdrücken.

Seine Leidensgeschichte beginnt schon sehr früh - und zwar einfach deshalb, weil er anders ist. Er hat eine Fähigkeit, die andere Menschen nicht begreifen können, sie fällt aus der "Norm"alität und deshalb muss Levi schon in jungen Jahren den Zwang erfahren, den das gesellschaftliche System für psychisch kranke Menschen festgelegt hat. 
Die Autorin beschreibt im Nachwort, dass sie hier nicht auf eigene Erfahrungen zurückgreift, sondern sich die Informationen darüber zusammen gelesen hat. Was ihr sehr gut gelungen ist - auch wenn es hier vielleicht "nur" die Schattenseiten aufgreift, denn sicher gibt es in dem Bereich wirkliche Hilfe für viele Patienten. 
Dennoch, da ich selbst durch die Familie Erfahrungen habe mit Psychologen, Psychiatern und Kliniken, muss ich schon sagen, dass in diesem Bereich vieles falsch läuft. Das ist kein Vorwurf an die Menschen, die sich engagieren und auch nur "ihr" Bestes versuchen, sondern schlicht ein völlig ausrangiertes System, das zu sehr in seinen Bahnen festgefahren ist.
Es war auch nicht einfach für mich diese Passagen zu lesen, da vieles Gefühle hochgeschwemmt hat, an die ich nicht so gerne erinnert werde. 
 
Dieses Ohnmachtsgefühl und das Ausgeliefertsein löst sehr tiefgreifende Ängste aus - grade weil Levi sich nicht als krank sieht und es an sich auch nicht ist. Er ist gefangen in den Maßstäben einer Gesellschaft, die nichts anderes zulassen möchte, was sie nicht begreifen kann. Dabei gibt es so viele Menschen - zu viele, als dass man sie ausschließen könnte, denn auch sie gehören dazu. Der Begriff "normal" ist sehr, sehr dehnbar, wenn man sich so umschaut, denn an sich gibt es diese Begrenzung nicht.

Besonders erschüttert hat mich Levi´s Beziehung zu seiner Mutter. Die sehr bemüht ist und nur versucht, das richtige zu tun, wie Eltern natürlich immer bemüht sind: doch was sie mit ihm macht und wie sie ihn behandelt hat mich tief getroffen. 
Gerade das Verständnis, auf die Kinder zu hören, fehlt mir leider oft, denn sie wissen (fast) immer sehr genau, was gut für sie ist - wenn man sie auf einer Basis zur Selbständigkeit erzieht. Man muss nicht immer auf andere hören, sondern sollte mehr seinem Kind und dem eigenen Bauchgefühl vertrauen. Von Anfang an.
 
Genial ist hier wieder die Besonderheit, wie die Autorin die Gefühls- und Gedankenwelt beschreibt. Die Beziehungen von Levi zu seiner Mutter, zu seinem Freund Phil und schließlich dem Mädchen, das plötzlich in seinem Leben auftaucht; das alles erlebt man sehr eindringlich und empfindet sehr stark mit. 

In den Gesprächen tauchen auch immer wieder wichtige Themen auf. Obwohl alles nur kurz angeschnitten wird klingen die Botschaften nach und arbeiten in einem weiter...
"Mit einer Beziehung überwindet man die Einsamkeit aber nicht. Man kann zusammen genauso einsam sein wie allein. Einsamkeit ist ein innerer Zustand, der mit dem äußeren nicht viel zu tun hat."
Zitat Seite 49
Wieder einmal ein großartiges Buch, eine ungewöhnliche Geschichte, über einen jungen Mann, der für viele Schicksale steht, die neben uns leben ohne oft die Chance zu haben, mit uns zu leben. 
Der Schluss lässt Spielraum für eigene Interpretationen, was ich hier tatsächlich passend finde.
 

Meine Meinung 
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Levi - von Melanie Meier

 
Genre Para-Roman
 
Selfpublishing --- Seitenzahl 214
Überarbeitete Neuauflage von 2021 --- Erstauflage 2012



 

8 Kommentare:

  1. Hallo du Liebe,

    was für eine interessante Buchvorstellung! Danke! Von alleine hätte ich wohl nie zu dem Buch gegriffen, nun habe ich es notiert.
    Ja, so wie man schon im normalen Krankenhausalltag sieht, wie viel durch den Mangel an Zeit und Personal schiefläuft, so ist das in der Psychiatrie hoch x. Da kommt dann eben noch die oft mangelnde Qualifikation dazu. Wusstest du, dass manche Krankenschwestern auf die Psychiatrie versetzt werden, ohne dass sie das wollen? Da kannst du dir dann ja ausdenken, was da bei rauskommt. Und natürlich gibt es viele tolle Leute, aber was die schlechten kaputt machen, ist halt leider um so gravierender.

    Die Zitate gefallen mir sehr.

    Danke, für diese Rezension!
    Alles Liebe
    Petrissa

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    1. Das freut mich sehr dass ich dich darauf aufmerksam machen konnte!

      Natürlich gibt es überall Menschen, die gerne in ihrem Beruf arbeiten und ich möchte das diesen nicht absprechen, dass sie hier gegen Windmühlen kämpfen, aber leider läuft eben auch immer wieder viel schief - und das ist umso trauriger ...

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  2. Hi Aleshanee,
    das klingt nach einer interessanten Story. Nur, wird das Paranormale aufgeklärt? Zumindest das, was die Hauptfigur wahrnimmt?

    Das Buch wird etwas unglücklich bei Amazon gelistet. Das eBook ist von 2013 heißt dort aber schon "Levi: Schattenbereich der Normalität", Gleichzeitig heißt die andere Version von 2013 "Levi. Aus dem Leben eines Verrückten". Und dann gibt es eben das Taschenbuch von 2021, das auch über mehr Seiten verfügt. Kommt das nun durch die Layoutveränderung oder hat das Print tatsächlich mehr Inhalt als das eBook? Das wäre sehr unglücklich. Und zeigt ganz nebenbei, worauf Selfpublisher dringend achten müssen.
    Viele Grüße
    Frank

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    1. Hi Frank!
      Jein, also je nachdem wie derjenige, der das Buch liest schon eine Meinung zu bestimmten Themen hat. Das ist wirklich schwer zu sagen... oder zu erklären. Für mich war es schlüssig.

      Hm, ich kann Melanie mal fragen, das weiß ich nicht wegen dem Ebook bzw. der Seitenanzahl.
      Aber auf Amazon stehen tatsächlich öfter mal komische Seitenzahlen und bei Verlagen andere ... das ist nicht nur bei SPlern so ;)

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    2. Melanie hat mir das geantwortet, ich solls dir hier direkt rein kopieren:

      Die unglückliche Listung kommt zustande, weil Amazon das neue Taschenbuch nicht mit der ursprünglichen Produkt-Seite verbindet (deshalb wird dort auch noch die alte, vergriffene Taschenbuch-Ausgabe mit dem alten Titel angezeigt). Amazon stellt die Verbindung mit dem neuen Buch absichtlich nicht her, weil die Neuausgabe nicht bei ihnen, sondern über einen anderen Distributor erschienen ist. Ich als Autor kann das leider nicht ändern.
      Die Neuauflagen von eBook und Taschenbuch von 2021 sind inhaltlich identisch. Die Seitenzahlen variieren, weil das eBook keine "festen" Seiten hat, das Taschenbuch hingegen schon, und womöglich auch aufgrund der besagten fehlenden Verbindung der Produkte.

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    3. Ah ja, solche Probleme gibt es manchmal, danke für die Info. Ist irgendwo verständlich, dass Amazon nicht zusammen mit einem Drittanbieter gelistet werden möchte, sieht in diesem Fall halt nur unglücklich aus.

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  3. Hey liebe Aleshanee

    Das klingt einer spannenden aber auch sehr fordernden Lektüre. Vielen Dank für die Buchvorstellung. Mich hast du auf jeden Fall sehr neugierig gemacht. Vor allem, weil ich das Buch bisher gar nicht auf dem Schirm hatte.

    Alles Liebe an dich
    Livia

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