Genre Mystery-Drama / Coming of Age
Schauplatz fiktiver Ort in den Bergen Deutschlands
Verlag Oetinger
Seitenzahl 384
1. Auflage September 2026
Natürlich gibt es den Hexer vom Berg nicht, da ist sich der 17-jährige
Jesper sicher. Doch wer streift dann nachts um die abgelegene Hütte, in der
er und seine Mutter Abstand vom Großstadtleben suchen? Was hat es mit den
beklemmenden Bildern auf sich, die Jesper zusammen mit vergilbten
Zeitungsartikeln über einen Mord in den Schubladen findet? Und wer ist das
seltsame Mädchen, das im Wald lebt und über Regen und Wind zu gebieten
scheint? Wohin geht sie, wenn sie verschwindet, und weshalb kann Jesper
nicht aufhören, an sie zu denken?
Als ein plötzlicher Wintereinbruch es unmöglich macht, den Berg zu
verlassen, und Jespers Mutter krank wird, weiß er nicht mehr, wem er trauen
kann ... Doch diese Frage entscheidet über Leben und Tod.
Meine Meinung
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Es ist November.
Eine blutige Beute, eine junge Frau in der Einsamkeit der Wälder - und
wieder mal beweist die Autorin schon mit den wenigen Sätzen am Beginn, wie
man sofort eintauchen und alles um sich herum vergessen kann, weil die
Atmosphäre und Stimmung einen total einfangen...
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Die Perspektiven wechseln und meist sind wir mit Jesper unterwegs.
Er lebt zusammen mit seiner Mutter Lisa in einer Großstadt. Zurzeit ist er
Single und nächstes Jahr steht sein Abitur an. Er fühlt sich nicht wirklich
einsam, aber allein, und er spürt, dass viele Menschen auf der Welt genau
dieses Gefühl teilen. Dieses Abgeschiedenheit inmitten der Menge.
Wie auch seine Mutter. Nach ihrem Zusammenbruch soll sie abschalten. Mal
Urlaub machen. Denn Stress aus der Arbeit hinter sich lassen. Aber statt
Ferien am Meer entscheidet sie sich für eine Berghütte im Wald. Entscheidet
sich wieder für die Einsamkeit.
Jesper möchte aber zur Einsamkeit nicht auch noch das Alleinsein verkraften
müssen und begleitet seine Mutter, um die er sich wirklich Sorgen macht. Sie
wirkt so kraftlos und erschöpft, so zerbrechlich. Und wie so oft hat er das
Gefühl, dass er für sie sorgen muss. Obwohl es sich andersherum richtiger
anfühlen würde.
Die Hütte ist nur zu Fuß zu erreichen und der Weg ist nicht leicht. Um der
Zivilisation zu entfliehen muss man einiges auf sich nehmen.
Weit und breit gibt es nichts als Berge, Wald und Natur. So scheint es
zumindest.
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Das Mädchen im Wald ist für Jesper manchmal ein Traum und manchmal
Wirklichkeit. Er weiß nicht, ob er den Geschichten aus dem Dort unten trauen
kann.
Diese alte Geschichte: über den Hexer vom Berg.
Und einen Todesfall, der vielleicht gar kein Unfall war.
Und eine Frau im weißen Kleid.
Alles vermischt sich, während die Natur ihr wahres Gesicht zeigt. Die
Kälte, die Unnachgiebigkeit, den Tod und den Kampf ums Überleben - aber
auch die Schönheit und die Ursprünglichkeit. Die Freiheit, die es aber nur
dort gibt, weit weg von allem und somit auch ein offenes Gefängnis
ist.
Er lachte beinahe. "Wohnungen. Häuser.""Nein. Eure Käfige sind unsichtbar. Ihr tragt sie mit euch herum. Manchmal sind sie Bildschirme, und manchmal sind sie nur Gedanken. Pflichten. Zwänge."Zitat
Durch die Gedanken von Jesper und dem Mädchen aus dem Wald erfahren wir
hautnah die Gefühle und Gedanken der beiden. So unterschiedlich ihr Leben
bisher auch war, beide tragen eine Sehnsucht in sich, der sie sich nicht
entziehen können.
Der Schreibstil ist wieder unglaublich einnehmend. die ganze Stimmung wird
super eingefangen und man kommt sich selbst ein bisschen verloren vor in
diesem Wald, so fernab jeglicher "Zivilisation" - ohne Strom, ohne
Handyempfang... mit Kaminfeuer zum Wärmen, mit Brunnenwasser und Gasofen.
Dazu die seltsamen Ereignisse, die so surreal wirken und man nicht weiß, ob
es tatsächlich real ist oder nur Einbildung.
Antonia Michelis spielt hier wieder sehr geschickt mit Täuschungen und
verflechtet alles zu einem großen Rätsel, mit vielen Ahnungen und Spuren und
obwohl ich zwischendurch einiges erkennen konnte, war die Auflösung am Ende
doch in einem spannenden Finale verpackt.
Es ist kein actionreiches Buch - keine große Love Story und keine Hommage an
das Leben in der Natur. Es ist ein leises Werk, ein Erinnern an das, was
wichtig ist. Man spürt die Kargheit und die unverfälschte Wahrheit hinter
den Dingen, die wir Leben nennen. Denn das Leben ist nicht fair und nicht
einfach, es stellt uns Hindernisse in den Weg die uns stärken, es gibt uns
Probleme und Rätsel, die wir lösen und daran wachsen - es lässt uns Verluste
durchleben, um wertzuschätzen was wir haben.
Ich hätte das Buch gerne im Winter gelesen. Wenn draußen alles weiß ist und
zugeschneit. Wenn all der Lärm zugedeckt wird und alles unberührt aussieht.
Rein und unverfälscht. Wenn ein Schneesturm uns hineintreibt ins Warme, und
wir dankbar sein können, ein Dach über dem Kopf zu haben, eine heiße Dusche
und eine Suppe die uns satt macht. Einfach so.
Diese Geschichte ist wirklich schwer in Worte zu fassen. Aber sie hat mich
tief berührt und wird mich noch lange begleiten.
"Wie hast du das gemacht? Wo hast du dich festgehalten?""An mir selbst", ...Zitat
| 💭 Thema | ★★★★★ | Leben mit der Natur ./. Zivilisation, Alleinsein ./. Einsamkeit |
| ✍️ Schreibstil | ★★★★★ | Atmosphärisch und intensiv, sehr anschaulich |
| 👥 Figuren | ★★★★★ | starke Bilder der Charaktere |
| ⚡ Dynamik | ★★★★☆ | Fließend, Surreal, Rätselhaft - viel zum Nachdenken |
| ❤️ Emotionen | ★★★★☆ | Eine beschwerliche Leichtigkeit, die mich stark berührt hat |
Meine Bewertung
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