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Dienstag, 29. September 2026

Never Leave the Path von Antonia Michaelis



Never Leave the Path von Antonia Michaelis


Genre Mystery-Drama / Coming of Age
Schauplatz fiktiver Ort in den Bergen Deutschlands

Verlag Oetinger
Seitenzahl 384
1. Auflage September 2026





Natürlich gibt es den Hexer vom Berg nicht, da ist sich der 17-jährige Jesper sicher. Doch wer streift dann nachts um die abgelegene Hütte, in der er und seine Mutter Abstand vom Großstadtleben suchen? Was hat es mit den beklemmenden Bildern auf sich, die Jesper zusammen mit vergilbten Zeitungsartikeln über einen Mord in den Schubladen findet? Und wer ist das seltsame Mädchen, das im Wald lebt und über Regen und Wind zu gebieten scheint? Wohin geht sie, wenn sie verschwindet, und weshalb kann Jesper nicht aufhören, an sie zu denken?
Als ein plötzlicher Wintereinbruch es unmöglich macht, den Berg zu verlassen, und Jespers Mutter krank wird, weiß er nicht mehr, wem er trauen kann ... Doch diese Frage entscheidet über Leben und Tod.


Meine Meinung
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Es ist November.
Eine blutige Beute, eine junge Frau in der Einsamkeit der Wälder - und wieder mal beweist die Autorin schon mit den wenigen Sätzen am Beginn, wie man sofort eintauchen und alles um sich herum vergessen kann, weil die Atmosphäre und Stimmung einen total einfangen...

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Die Perspektiven wechseln und meist sind wir mit Jesper unterwegs.
Er lebt zusammen mit seiner Mutter Lisa in einer Großstadt. Zurzeit ist er Single und nächstes Jahr steht sein Abitur an. Er fühlt sich nicht wirklich einsam, aber allein, und er spürt, dass viele Menschen auf der Welt genau dieses Gefühl teilen. Dieses Abgeschiedenheit inmitten der Menge. 

Wie auch seine Mutter. Nach ihrem Zusammenbruch soll sie abschalten. Mal Urlaub machen. Denn Stress aus der Arbeit hinter sich lassen. Aber statt Ferien am Meer entscheidet sie sich für eine Berghütte im Wald. Entscheidet sich wieder für die Einsamkeit.
Jesper möchte aber zur Einsamkeit nicht auch noch das Alleinsein verkraften müssen und begleitet seine Mutter, um die er sich wirklich Sorgen macht. Sie wirkt so kraftlos und erschöpft, so zerbrechlich. Und wie so oft hat er das Gefühl, dass er für sie sorgen muss. Obwohl es sich andersherum richtiger anfühlen würde.

Die Hütte ist nur zu Fuß zu erreichen und der Weg ist nicht leicht. Um der Zivilisation zu entfliehen muss man einiges auf sich nehmen. 
Weit und breit gibt es nichts als Berge, Wald und Natur. So scheint es zumindest. 

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Das Mädchen im Wald ist für Jesper manchmal ein Traum und manchmal Wirklichkeit. Er weiß nicht, ob er den Geschichten aus dem Dort unten trauen kann. 
Diese alte Geschichte: über den Hexer vom Berg. 
Und einen Todesfall, der vielleicht gar kein Unfall war.
Und eine Frau im weißen Kleid.

Alles vermischt sich, während die Natur ihr wahres Gesicht zeigt. Die Kälte, die Unnachgiebigkeit, den Tod und den Kampf ums Überleben - aber auch die Schönheit und die Ursprünglichkeit. Die Freiheit, die es aber nur dort gibt, weit weg von allem und somit auch ein offenes Gefängnis ist. 

Er lachte beinahe. "Wohnungen. Häuser."
"Nein. Eure Käfige sind unsichtbar. Ihr tragt sie mit euch herum. Manchmal sind sie Bildschirme, und manchmal sind sie nur Gedanken. Pflichten. Zwänge."
Zitat

Durch die Gedanken von Jesper und dem Mädchen aus dem Wald erfahren wir hautnah die Gefühle und Gedanken der beiden. So unterschiedlich ihr Leben bisher auch war, beide tragen eine Sehnsucht in sich, der sie sich nicht entziehen können. 

Der Schreibstil ist wieder unglaublich einnehmend. die ganze Stimmung wird super eingefangen und man kommt sich selbst ein bisschen verloren vor in diesem Wald, so fernab jeglicher "Zivilisation" - ohne Strom, ohne Handyempfang... mit Kaminfeuer zum Wärmen, mit Brunnenwasser und Gasofen. Dazu die seltsamen Ereignisse, die so surreal wirken und man nicht weiß, ob es tatsächlich real ist oder nur Einbildung. 
Antonia Michelis spielt hier wieder sehr geschickt mit Täuschungen und verflechtet alles zu einem großen Rätsel, mit vielen Ahnungen und Spuren und obwohl ich zwischendurch einiges erkennen konnte, war die Auflösung am Ende doch in einem spannenden Finale verpackt. 

Es ist kein actionreiches Buch - keine große Love Story und keine Hommage an das Leben in der Natur. Es ist ein leises Werk, ein Erinnern an das, was wichtig ist. Man spürt die Kargheit und die unverfälschte Wahrheit hinter den Dingen, die wir Leben nennen. Denn das Leben ist nicht fair und nicht einfach, es stellt uns Hindernisse in den Weg die uns stärken, es gibt uns Probleme und Rätsel, die wir lösen und daran wachsen - es lässt uns Verluste durchleben, um wertzuschätzen was wir haben. 

Ich hätte das Buch gerne im Winter gelesen. Wenn draußen alles weiß ist und zugeschneit. Wenn all der Lärm zugedeckt wird und alles unberührt aussieht. Rein und unverfälscht. Wenn ein Schneesturm uns hineintreibt ins Warme, und wir dankbar sein können, ein Dach über dem Kopf zu haben, eine heiße Dusche und eine Suppe die uns satt macht. Einfach so. 

Diese Geschichte ist wirklich schwer in Worte zu fassen. Aber sie hat mich tief berührt und wird mich noch lange begleiten.

"Wie hast du das gemacht? Wo hast du dich festgehalten?"
"An mir selbst", ... 
Zitat

💭 Thema ★★★★★ Leben mit der Natur ./. Zivilisation, Alleinsein ./. Einsamkeit
✍️ Schreibstil ★★★★★ Atmosphärisch und intensiv, sehr anschaulich
👥 Figuren ★★★★★ starke Bilder der Charaktere
⚡ Dynamik ★★★★☆ Fließend, Surreal, Rätselhaft - viel zum Nachdenken
❤️ Emotionen ★★★★☆ Eine beschwerliche Leichtigkeit, die mich stark berührt hat


Meine Bewertung
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