Samstag, 10. Oktober 2026

Novembersommer von Andreas Eschbach



Novembersommer von Andreas Eschbach


Near Future: Klimawandel und die Grenzen des Geo-Engineering

Verlag Bastei Lübbe
Seitenzahl 816
1. Auflage September 2026




Es ist bei Lippenbekenntnissen geblieben. Keine Maßnahme hat den Ausstoß von Kohlendioxid wirklich reduziert, die Temperaturen steigen weltweit immer weiter an. In Deutschland wird es im November mitunter so heiß wie früher im Sommer. Eine Umweltbewegung, angeführt von dem charismatischen Klimawissenschaftler Dr. Frederick Rookwerper, propagiert, dass nur Geo-Engineering den Hitzekollaps der Erde noch verhindern kann. In der Absicht, ein Umdenken zu bewirken, starten die Aktivisten einen Modellversuch. Sie ahnen nicht, worauf sie sich eingelassen haben ...

Was geschieht, wenn die Politik versagt und Aktivisten die Dinge selbst in die Hand nehmen? Was geschieht, wenn ein Experiment aus dem Ruder läuft und die Wirkung viel größer ist als berechnet?

Ein beeindruckender Roman über Klimawandel und Geo-Engineering, Wissenschaft und Populismus, Engagement und Instrumentalisierung


Meine Meinung
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Mittlerweile hab ich ein bisschen Angst - oder nennen wir es mal: Respekt vor den Büchern des Autors. Seine aktuellen Themen sind immer super recherchiert und ich weiß gar nicht, ob ich das immer alles wissen will, was Eschbach sich ausdenkt. Eben weil ich weiß, wie nah er dabei immer der Realität ist und wie gut er seine Hintergrundinfos ermittelt kann man hier auch im Nachwort lesen.

Und es wird auch direkt ungemütlich, als ein junger Mann über einen populären social media Kanal auf der ganzen Welt viral geht. Seine Unerschrockenheit und die drastische Inszenierung löst überall Entscheidungen aus, die nicht mehr aufzuhalten sind. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, um nicht zu spoilern. Aber es ist ein sehr gelungener Einstieg für das, was folgt.

Die weiteren Entwicklungen erfahren wir dann weltweit durch unterschiedliche Charaktere, die uns (fast alle) auch bis zum Ende begleiten:

  • Da wäre zum einen Clemens Arndt, von dem man lange nicht weiß, was er beruflich eigentlich macht. Alles was mit seiner Arbeit zusammenhängt, klingt wissenschaftlich und geheimnisvoll und bekommt auch noch eine wichtige Bedeutung.
  • Josephine Arndt ist seine Tochter und die Ex-Freundin von dem jungen Mann, dessen öffentlicher Auftritt so große Wellen schlägt.
  • Barbara Nguyen ist die beste Freundin von Josephine und möchte in der Politik Fuß fassen.
  • Dann haben wir natürlich Wim Rookwerper, der führende Aktivist bei GREENFORCE, einer NGO (Nichtregierungsorganisation), die sich für GEO-Engineering einsetzt und endlich etwas gegen das aufgeheizte Klima tun möchte
  • Henning Ewers, der in Afrika Solarzellen Energiefelder aufbaut, um irgendwann den kompletten Strom für die Menschheit aus der Sonne zu nutzen
  • Orlov, ein Handelsvertreter in Russland
  • Und der Sultan von Brunei, reichster Mann der Welt, dem eine außergewöhnliche Rolle zufällt.  

Eine ganze Menge Menschen, die hier involviert sind und damit auch das Ausmaß und die Auswirkungen aufzeigen, die die Klimaveränderungen auf der ganzen Welt bewirken aus verschiedenen Blickwinkeln. Natürlich gibts noch einige andere Figuren, aber das hätte hier jetzt den Rahmen gesprengt und sie werden auch so gut in die Geschichte verwoben, dass man hier keine Sorgen haben muss, den Überblick zu verlieren. 

Andreas Eschbach hat hier wieder mal bewiesen, wie gut er recherchiert. Ich hab einiges gegoogelt und war echt erschreckt - auch wenn es mich nicht wirklich überrascht hat - auf welchen Wahrheiten hier alles fußt und was man als "kleines Rad der Gesellschaft" schlicht nicht erfährt. 
Man merkt auch, das alles mit allem zusammenhängt. Jede Handlung bringt Veränderungen mit sich und damit Konsequenzen, die nicht immer sofort überschaubar sind.

Es wird sicher eine Menge geforscht - aber wenig getan. Den Eindruck hab ich und der spiegelt sich hier schon auch ein bisschen wieder. Der Autor hat es aber geschafft, einen Rundumblick zu schaffen. Er zieht hier keine Meinung der anderen vor, sondern lässt alle zu Wort kommen. Durch die verschiedenen "Parteien" (nenne ich sie jetzt mal), kann man verschiedene Standpunkte beleuchten und überlegen, welche davon sinnvoll ist und welche eher nicht.
Interessant ist ja definitiv auch der Aspekt, dass einige Zonen von einem sich erwärmenden Klima auch Vorteile haben werden. Nur mal so am Rande...

Auch dürfen wir einen kurzen Blick auf vergangene Warmzeiten und kleine Eiszeiten nehmen - und welche Auswirkungen diese hatten. Keine schönen Aussichten - weder in der einen, noch in der anderen Richtung. 

Ich war jedenfalls unglaublich gefesselt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Das Potpourri der Figuren, die interessanten Entwicklungen, die Hintergründe von Aktivisten, Staaten, Politikern sowie auch von scheinbar unbedeutenden Menschen - das alles ergibt einen spannenden Mix aus gesellschaftskritischem Roman, Klima-Thriller und der schlichten Hoffnung, das alles irgendwie zu überleben. 
Wichtig finde ich hier, dass uns bewusst ist, dass wir nicht überschauen können, in welchem Umfang sich alles verändert. Ob wir nun eingreifen, in welcher Art auch immer, oder nicht, die ganzen Forschungsinstitute haben immer noch nicht wirklich erfasst, wie das Klima hier auf unserer Welt funktioniert. Wie es so schön heißt: „Kann der Flügelschlag eines Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“
Ich hab immer das Gefühl: Im Grunde wissen wir gar nichts. Nur kleine Bröckchen - und damit sollten wir nicht herum experimentieren. 

Eine Lösung hab ich natürlich auch nicht parat, aber ich hab nach dem Lesen des Buches auch kein schlechteres Gefühl als vorher. Wie immer war es spannend, den theoretischen Gedankenfäden des Autors zu folgen und wie er sie verknüpft, um uns anzuregen, über das Thema nachzudenken. 


Meine Bewertung
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Das hat mich jetzt natürlich neugierig gemacht und ich hab
die KI gefragt, auf welcher realen Klimaforschung das ganze Szenario
hier beruht. Das scheint ein sehr umstrittener Bereich zu sein,
vor dem viele Wissenschaftler warnen:



Die Methode im Fokus: Der künstliche Vulkanausbruch (SAI)

Bei der realen SAI-Forschung wird untersucht, ob man mithilfe von Flugzeugen oder Ballons Schwefelpartikel in die Stratosphäre injizieren kann. Diese Partikel wirken wie ein globaler Sonnenschirm und reflektieren einen Teil des Sonnenlichts zurück ins All. Die Idee simuliert den natürlichen Kühleffekt von historischen Vulkanausbrüchen, gilt in der Realität jedoch als die riskanteste Form des Klimamanagements.

Warum die Wissenschaft vor realen SAI-Experimenten warnt: 

Der „Klima-Kippeffekt“
Genau wie im Roman befürchten Klimaforscher, dass die Wirkung viel schwerer zu kontrollieren ist als berechnet. Ein Eingriff könnte das Klima unvorhersehbar destabilisieren und von extremer Hitze in eine neue, unkontrollierbare Katastrophe stürzen. 

Der Abbruch-Schock (Termination Shock)
Würde man die Partikeleinspeisung über Jahre künstlich aufrechterhalten und das System bricht plötzlich ab (z. B. durch Sabotage, Kriege oder technisches Versagen), würde die aufgestaute Erderwärmung schlagartig freigesetzt. Die Erde würde sich in kürzester Zeit so rasant aufheizen, dass jegliches Leben überfordert wäre.

Radikale Wetterverschiebungen
Computermodelle zeigen, dass ein künstlicher Schwefelschirm globale Wettermuster massiv stören kann. Es drohen extreme Dürren oder die Verschiebung von Monsunregen, was die Nahrungsmittelversorgung von Millionen Menschen (z. B. in Asien und Afrika) gefährden würde.

Geopolitischer Zündstoff: Wer darf den globalen Thermostat kontrollieren? 

Wenn ein Staat oder eine Gruppe (wie im Buch) eigenmächtig handelt und dadurch andernorts Dürren ausgelöst werden, birgt das enormes Potenzial für internationale Kriege.




Andere Geoengineering-Methoden im Schnellcheck

Um das Klima künstlich zu beeinflussen, werden aktuell noch weitere Ansätze erforscht:
  • Marine Cloud Brightening (Wolkenaufhellung): Das Versprühen von Meerwasser soll tiefe Ozeanwolken heller machen, damit sie mehr Sonnenlicht reflektieren.
  • Cirrus Cloud Thinning (Zirruswolken-Ausdünnung): Hohe Schleierwolken sollen künstlich aufgelöst werden, damit die Wärmestrahlung der Erde leichter direkt ins Weltall entweichen kann.
  • Direct Air Capture (DACCS): Riesige Filteranlagen saugen CO₂ direkt aus der Luft, um es anschließend dauerhaft tief im Gestein zu versteinern.
  • Beschleunigte Verwitterung: Großflächig verstreutes Gesteinsmehl auf Feldern soll die natürliche chemische Bindung von CO₂ massiv beschleunigen.
  • Ozeandüngung: Das Einbringen von Nährstoffen wie Eisen in die Meere soll das Wachstum von CO₂-bindendem Plankton ankurbeln.


3 Kommentare:

  1. Hey Aleshanee,

    das klingt wieder richtig spannend, insbesondere weil es Dich dazu angeregt hat, selbst noch weiter zu recherchieren bzw. KI zu befragen.

    Seit einer Weile bin ich von dem Autor ein bisschen weggekommen. Es gibt einfach zu viele Lesepläne in meinem Leben :D

    Aber die Bücher, die ich von ihm gelesen habe, haben mich alle nachhaltig beeindruckt - insbesondere "Das Jesus Video" hat mich nie wieder losgelassen. Toll, wenn Bücher das schaffen!

    Liebe Grüße Melli

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    1. Ich weiß ja, dass der Autor immer sehr gut recherchiert zu seinen Themen. Und das ist ja ein wirklich hochaktuelles Thema, da war ich dann schon neugierig, inwieweit hier die Forschungen tatsächlich sind und ob das wirklich ausprobiert werden würde. Wobei die KI ja auch nur das ausspucken kann was im Netz zu finden ist ... da bleibt auch leider viel zu viel im geheimen. Und ich will ja auch keine Wochen mit Recherche verbringen ;) Aber definitiv interessant und von Eschbach wieder spannend umgesetzt.

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  2. Servus Aleshanee,
    der Beginn des Szenario, wie du den Einstieg beschrieben hast, erinnerte mich sehr an Marc Elsbergs letztes Buch "EDEN - wenn das Sterben beginnt" und deine Ausführung zum globalen Sonnenschirm an sein vorletztes Buch "°C - Celsius". Wir wissen ja, dass beide Autoren sich sehr mit diese Themen auseinandersetzen. Und beim Lesen wird einem wirklich Angst und Bange, weil so vieles bereits eingetreten ist oder man die furchtbaren Anzeichen für die nahe Zukunft sieht....nur die zuständigen Politiker und die Wirtschaft nicht. Aber alles Geld wird auch diesen Menschen nicht helfen, die heute die Augen verschließen.
    Ich halte das Buch im Hinterkopf, brauche aber die nötige Distanz dazu, um mich wieder mit dem Thema zu befassen.

    Liebe Grüße
    Martina

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