Genre Urban Fantasy
Schauplätze Deutschland, Nepal (Kathmandu)
Verlag Loewe
Seitenzahl 447
1. Auflage Januar 2008
Eine Geschichte von einer schlafenden Frau und einem Garten unter einer riesigen Glaskuppel, von Drachen, die in den Bergen lebten und Farben fraßen, von einem sterbenden Diener und von einem König, der sein Land vergessen hatte.Zitat Seite 41
Christopher ist 14, als sein älterer Bruder Arne verschwindet. Während seinem
Job in einem Waisenhaus in Nepal ist er zu einem Kurztrip aufgebrochen und
nicht mehr zurückgekehrt.
Die Königin von Nepal ist in einen tiefen Schlaf gefallen, seit sie vor 14
Jahren den Thronfolger zur Welt gebracht hat. Niemand weiß von ihm, denn der
Junge ist seit der Geburt unsichtbar - doch Jumar hat es satt, in den Mauern
des Palastes eingesperrt zu sein.
Während Christopher auf der Suche nach seinem Bruder ist und Jumar versuchen
möchte, die Missstände in Nepal aus dem Weg räumen - wie die Hungersnot der
Bauern und die drohende Gefahr der bewaffneten Maoisten - treffen sich die
beiden und versuchen, mit der Unterstützung des anderen ihr Ziel zu
erreichen.
Meine Meinung
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Diese Geschichte ist wirklich sehr merkwürdig. Ich kenne ja schon viele Bücher
der Autorin und sie schreibt sehr oft surreale und bizarre Geschichten, bei
denen man oft nicht weiß, was real ist und was nicht. Hier sind wir aber mit
den beiden Jungs auf einem sehr realen Pfad im Annapurna Gebirge unterwegs,
und müssen nicht nur auf die Rebellen achten, sondern auch auf die Drachen,
die seit kurzem immer wieder gesehen werden und Unheil verbreiten.
Den märchenhaften Stil, den ich von Antonia Michaelis gewohnt bin und den
viele Rezensenten erwähnen, hab ich hier nicht so spüren können. Es hat mich
nicht von Anfang an einsaugen können wie sonst, aber ich bin der Geschichte
dennoch mit Spannung gefolgt und es gab zwischendurch schon manche Sätze und
Passagen, die mit wunderschönen Wortspielen punkten.
Man weiß nicht so recht, wie das alles zusammenhängt: die Suche der beiden
Teenager, die schlafende Königin, die Farben fressenden Drachen und die
Rebellen ... das alles wirkt wie ein durcheinander gewürfelter Haufen von
Ereignissen, die kein klares Bild ergeben.
Christopher steht seit jeher im Schatten seines großen Bruders, den alle
kennen und anhimmeln, während er selbst kaum bemerkt wird.
Auch Jumar wird nicht beachtet; was seiner Unsichtbarkeit geschuldet ist,
natürlich, aber auch dem Kummer des Königs, der ihn mit Nichtbeachtung straft.
Aber wie so oft gewöhnt sich der Junge an dieses Leben und hinterfragt nicht
viel, bis er mit Christopher in den Bergen auf die Aufständischen trifft und
merkt, was tatsächlich falsch läuft.
Doch dann richtete er sich langsam auf, öffnete die Augen und ging weiter.Denn man kann alles, wenn es nicht anders geht.Zitat Seite 144
Das Mädchen Niya schließlich begleitet die beiden. Sie hat alles verloren und
manches wieder gefunden, doch die Angst und der Tod haben tiefe Narben in ihr
hinterlassen, die kaum heilen. Sie musste sich anpassen und geht ihren Weg,
wie sie es für richtig hält und stößt damit an ihre eigenen Grenzen, wie auch
an die von anderen.
Im Mittelpunkt stand für mich auf jeden immer die Aussage, dass es immer zwei
Sichtweisen gibt. Es gibt zwar einen "Bösewicht", aber all die anderen Figuren
und Entscheidungen, man spürt einfach dass nicht immer alles so ist wie man
denkt. Dass manche guten Absichten auch negative Konsequenzen haben können und
dass man schneller in einen Lebensrhythmus gezwungen werden kann, als man es
selbst merkt.
Und vor allem: es gibt zu wenig Aufmerksamkeit für das, was um einen herum
geschieht, für die Menschen, die einem begegnen und ja, auch für sich selbst.
Man sieht nicht hin, überfliegt nur und verpasst damit so viele wichtige
Momente - und leider ist das heute schlimmer denn je, denn immerhin hat die
Autorin das Buch vor knapp 18 Jahren geschrieben...
Der Krieg fließt hier durch die Seiten, das darf man nicht vergessen. Die
Macht des Königs, die Kaltblütigkeit der Truppen, die Unbeugsamkeit der
Rebellen ... das alles repräsentiert sich in einigen brutalen Szenen, die die
Grausamkeit deutlich machen, die jeden bewaffneten Konflikt begleiten. Ich
glaube, es war der Autorin ein Bedürfnis, diese harte Realität auch so
darzustellen. Es gibt nicht viele solcher Szenen, aber diese waren schon
einschneidend. Und vor allem zeigt sie vieles ungeschönt und ehrlich, so dass
es unbequem wirkt und zum Nachdenken anregt.
Gegen Ende zog es sich mal ein bisschen, was für mich die Spannung etwas
gebremst hat, aber es gab dennoch einen guten Abschluss. Nicht für alle, aber
das gibt es im echten Leben nie.
Es ist keine leichte Geschichte, sondern teilweise bedrückend - sie zeigt wie
wichtig Zusammenhalt ist, aber auch, dass man zu seinen eigenen Überzeugungen
steht. Dass es sich lohnt, etwas gegen Ungerechtigkeit zu tun und alles was du
tust, hat Konsequenzen. Denke nach, bevor du handelst und auch, bevor du
sprichst. Alles was andere verletzt, verletzt dich am Ende auch selbst.
"Es wird Zeit", sagte er, "Zeit für die Wahrheit, deretwegen ihr gekommen seid. Aber die Wahrheit erzählt sich schlecht. Alles, was erzählt wird, wird zu einer Erzählung, und es ist nicht länger wahr. Ich möchte, dass ihr es selbst seht."Zitat Seite 283
Meine Bewertung
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Weitere Bücher der Autorin, die ich gelesen und rezensiert habe:
- Das Blaubeerhaus
- Das Institut der letzten Wünsche
- Der Märchenerzähler
- Die Allee der verbotenen Fragen
- Die Nacht der gefangenen Träume
- Die Worte der weißen Königin
- Friedhofskind
- Hexenlied
- Im Auge des Leuchtturms
- Im Schatten des Märchenerzählers
- Jenseits der Finsterbachbrücke
- Mike und ich und Max Ernst
- Niemand liebt November
- Paradies für alle
- Solange die Nachtigall singt
- Tankstellenchips






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