Samstag, 22. August 2026

Drachen der Finsternis von Antonia Michaelis



Drachen der Finsternis von Antonia Michaelis


Genre Urban Fantasy
Schauplätze Deutschland, Nepal (Kathmandu)

Verlag Loewe
Seitenzahl 447
1. Auflage Januar 2008






Eine Geschichte von einer schlafenden Frau und einem Garten unter einer riesigen Glaskuppel, von Drachen, die in den Bergen lebten und Farben fraßen, von einem sterbenden Diener und von einem König, der sein Land vergessen hatte.
Zitat Seite 41

Christopher ist 14, als sein älterer Bruder Arne verschwindet. Während seinem Job in einem Waisenhaus in Nepal ist er zu einem Kurztrip aufgebrochen und nicht mehr zurückgekehrt.

Die Königin von Nepal ist in einen tiefen Schlaf gefallen, seit sie vor 14 Jahren den Thronfolger zur Welt gebracht hat. Niemand weiß von ihm, denn der Junge ist seit der Geburt unsichtbar - doch Jumar hat es satt, in den Mauern des Palastes eingesperrt zu sein. 

Während Christopher auf der Suche nach seinem Bruder ist und Jumar versuchen möchte, die Missstände in Nepal aus dem Weg räumen - wie die Hungersnot der Bauern und die drohende Gefahr der bewaffneten Maoisten - treffen sich die beiden und versuchen, mit der Unterstützung des anderen ihr Ziel zu erreichen. 

Meine Meinung
ᬲ᭚ᬲ᭚ᬲ᭚ᬲ᭚ᬲ᭚ᬲ

Diese Geschichte ist wirklich sehr merkwürdig. Ich kenne ja schon viele Bücher der Autorin und sie schreibt sehr oft surreale und bizarre Geschichten, bei denen man oft nicht weiß, was real ist und was nicht. Hier sind wir aber mit den beiden Jungs auf einem sehr realen Pfad im Annapurna Gebirge unterwegs, und müssen nicht nur auf die Rebellen achten, sondern auch auf die Drachen, die seit kurzem immer wieder gesehen werden und Unheil verbreiten. 

Den märchenhaften Stil, den ich von Antonia Michaelis gewohnt bin und den viele Rezensenten erwähnen, hab ich hier nicht so spüren können. Es hat mich nicht von Anfang an einsaugen können wie sonst, aber ich bin der Geschichte dennoch mit Spannung gefolgt und es gab zwischendurch schon manche Sätze und Passagen, die mit wunderschönen Wortspielen punkten. 
Man weiß nicht so recht, wie das alles zusammenhängt: die Suche der beiden Teenager, die schlafende Königin, die Farben fressenden Drachen und die Rebellen ... das alles wirkt wie ein durcheinander gewürfelter Haufen von Ereignissen, die kein klares Bild ergeben.

Christopher steht seit jeher im Schatten seines großen Bruders, den alle kennen und anhimmeln, während er selbst kaum bemerkt wird. 
Auch Jumar wird nicht beachtet; was seiner Unsichtbarkeit geschuldet ist, natürlich, aber auch dem Kummer des Königs, der ihn mit Nichtbeachtung straft. Aber wie so oft gewöhnt sich der Junge an dieses Leben und hinterfragt nicht viel, bis er mit Christopher in den Bergen auf die Aufständischen trifft und merkt, was tatsächlich falsch läuft. 

Doch dann richtete er sich langsam auf, öffnete die Augen und ging weiter.
Denn man kann alles, wenn es nicht anders geht.
Zitat Seite 144

Das Mädchen Niya schließlich begleitet die beiden. Sie hat alles verloren und manches wieder gefunden, doch die Angst und der Tod haben tiefe Narben in ihr hinterlassen, die kaum heilen. Sie musste sich anpassen und geht ihren Weg, wie sie es für richtig hält und stößt damit an ihre eigenen Grenzen, wie auch an die von anderen.

Im Mittelpunkt stand für mich auf jeden immer die Aussage, dass es immer zwei Sichtweisen gibt. Es gibt zwar einen "Bösewicht", aber all die anderen Figuren und Entscheidungen, man spürt einfach dass nicht immer alles so ist wie man denkt. Dass manche guten Absichten auch negative Konsequenzen haben können und dass man schneller in einen Lebensrhythmus gezwungen werden kann, als man es selbst merkt.
Und vor allem: es gibt zu wenig Aufmerksamkeit für das, was um einen herum geschieht, für die Menschen, die einem begegnen und ja, auch für sich selbst. Man sieht nicht hin, überfliegt nur und verpasst damit so viele wichtige Momente - und leider ist das heute schlimmer denn je, denn immerhin hat die Autorin das Buch vor knapp 18 Jahren geschrieben...

Der Krieg fließt hier durch die Seiten, das darf man nicht vergessen. Die Macht des Königs, die Kaltblütigkeit der Truppen, die Unbeugsamkeit der Rebellen ... das alles repräsentiert sich in einigen brutalen Szenen, die die Grausamkeit deutlich machen, die jeden bewaffneten Konflikt begleiten. Ich glaube, es war der Autorin ein Bedürfnis, diese harte Realität auch so darzustellen. Es gibt nicht viele solcher Szenen, aber diese waren schon einschneidend. Und vor allem zeigt sie vieles ungeschönt und ehrlich, so dass es unbequem wirkt und zum Nachdenken anregt.

Gegen Ende zog es sich mal ein bisschen, was für mich die Spannung etwas gebremst hat, aber es gab dennoch einen guten Abschluss. Nicht für alle, aber das gibt es im echten Leben nie. 

Es ist keine leichte Geschichte, sondern teilweise bedrückend - sie zeigt wie wichtig Zusammenhalt ist, aber auch, dass man zu seinen eigenen Überzeugungen steht. Dass es sich lohnt, etwas gegen Ungerechtigkeit zu tun und alles was du tust, hat Konsequenzen. Denke nach, bevor du handelst und auch, bevor du sprichst. Alles was andere verletzt, verletzt dich am Ende auch selbst.

"Es wird Zeit", sagte er, "Zeit für die Wahrheit, deretwegen ihr gekommen seid. Aber die Wahrheit erzählt sich schlecht. Alles, was erzählt wird, wird zu einer Erzählung, und es ist nicht länger wahr. Ich möchte, dass ihr es selbst seht."
Zitat Seite 283


Meine Bewertung
ᬲ᭚ᬲ᭚ᬲ᭚ᬲ᭚ᬲ᭚ᬲ
 




Weitere Bücher der Autorin, die ich gelesen und rezensiert habe:

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Ich würde mich über dein Feedback zu meinem Beitrag freuen! Ich beantworte die Kommentare immer direkt hier oder schreibe dir gerne auf deinem Blog zurück :)

Die zitierten Cover und Bilder sind Eigentum des jeweiligen Verlags bzw. Schriftstellers bzw. sonstigen Rechteinhabers und dienen nur zur Veranschaulichung. Bildquellen sind die jeweiligen Verlage, goodreads.com und pixabay.com