Near Future: Klimawandel und die Grenzen des Geo-Engineering
Verlag Bastei Lübbe
Seitenzahl 816
1. Auflage September 2026
Es ist bei Lippenbekenntnissen geblieben. Keine Maßnahme hat den Ausstoß von
Kohlendioxid wirklich reduziert, die Temperaturen steigen weltweit immer
weiter an. In Deutschland wird es im November mitunter so heiß wie früher im
Sommer. Eine Umweltbewegung, angeführt von dem charismatischen
Klimawissenschaftler Dr. Frederick Rookwerper, propagiert, dass nur
Geo-Engineering den Hitzekollaps der Erde noch verhindern kann. In der
Absicht, ein Umdenken zu bewirken, starten die Aktivisten einen
Modellversuch. Sie ahnen nicht, worauf sie sich eingelassen haben ...
Was geschieht, wenn die Politik versagt und Aktivisten die Dinge selbst in
die Hand nehmen? Was geschieht, wenn ein Experiment aus dem Ruder läuft und
die Wirkung viel größer ist als berechnet?
Ein beeindruckender Roman über Klimawandel und Geo-Engineering, Wissenschaft
und Populismus, Engagement und Instrumentalisierung
Meine Meinung
☀☀☀☀☀☀☀☀☀☀☀☀☀
Mittlerweile hab ich ein bisschen Angst - oder nennen wir es mal: Respekt
vor den Büchern des Autors. Seine aktuellen Themen sind immer super
recherchiert und ich weiß gar nicht, ob ich das immer alles wissen will, was
Eschbach sich ausdenkt. Eben weil ich weiß, wie nah er dabei immer der
Realität ist und wie gut er seine Hintergrundinfos ermittelt kann man hier
auch im Nachwort lesen.
Und es wird auch direkt ungemütlich, als ein junger Mann über einen
populären social media Kanal auf der ganzen Welt viral geht. Seine
Unerschrockenheit und die drastische Inszenierung löst überall
Entscheidungen aus, die nicht mehr aufzuhalten sind. Mehr möchte ich dazu
nicht sagen, um nicht zu spoilern. Aber es ist ein sehr gelungener Einstieg
für das, was folgt.
Die weiteren Entwicklungen erfahren wir dann weltweit durch unterschiedliche
Charaktere, die uns (fast alle) auch bis zum Ende begleiten:
- Da wäre zum einen Clemens Arndt, von dem man lange nicht weiß, was er beruflich eigentlich macht. Alles was mit seiner Arbeit zusammenhängt, klingt wissenschaftlich und geheimnisvoll und bekommt auch noch eine wichtige Bedeutung.
- Josephine Arndt ist seine Tochter und die Ex-Freundin von dem jungen Mann, dessen öffentlicher Auftritt so große Wellen schlägt.
- Barbara Nguyen ist die beste Freundin von Josephine und möchte in der Politik Fuß fassen.
- Dann haben wir natürlich Wim Rookwerper, der führende Aktivist bei GREENFORCE, einer NGO (Nichtregierungsorganisation), die sich für GEO-Engineering einsetzt und endlich etwas gegen das aufgeheizte Klima tun möchte
- Henning Ewers, der in Afrika Solarzellen Energiefelder aufbaut, um irgendwann den kompletten Strom für die Menschheit aus der Sonne zu nutzen
- Orlov, ein Handelsvertreter in Russland
-
Und der Sultan von Brunei, reichster Mann der Welt, dem eine
außergewöhnliche Rolle zufällt.
Eine ganze Menge Menschen, die hier involviert sind und damit auch das
Ausmaß und die Auswirkungen aufzeigen, die die Klimaveränderungen auf der
ganzen Welt bewirken aus verschiedenen Blickwinkeln. Natürlich gibts noch
einige andere Figuren, aber das hätte hier jetzt den Rahmen gesprengt und
sie werden auch so gut in die Geschichte verwoben, dass man hier keine
Sorgen haben muss, den Überblick zu verlieren.
Andreas Eschbach hat hier wieder mal bewiesen, wie gut er recherchiert. Ich
hab einiges gegoogelt und war echt erschreckt - auch wenn es mich nicht
wirklich überrascht hat - auf welchen Wahrheiten hier alles fußt und was man
als "kleines Rad der Gesellschaft" schlicht nicht erfährt.
Man merkt auch, das alles mit allem zusammenhängt. Jede Handlung bringt
Veränderungen mit sich und damit Konsequenzen, die nicht immer sofort
überschaubar sind.
Es wird sicher eine Menge geforscht - aber wenig getan. Den Eindruck hab ich
und der spiegelt sich hier schon auch ein bisschen wieder. Der Autor hat es
aber geschafft, einen Rundumblick zu schaffen. Er zieht hier keine Meinung
der anderen vor, sondern lässt alle zu Wort kommen. Durch die verschiedenen
"Parteien" (nenne ich sie jetzt mal), kann man verschiedene Standpunkte
beleuchten und überlegen, welche davon sinnvoll ist und welche eher nicht.
Interessant ist ja definitiv auch der Aspekt, dass einige Zonen von einem
sich erwärmenden Klima auch Vorteile haben werden. Nur mal so am Rande...
Auch dürfen wir einen kurzen Blick auf vergangene Warmzeiten und kleine
Eiszeiten nehmen - und welche Auswirkungen diese hatten. Keine schönen
Aussichten - weder in der einen, noch in der anderen Richtung.
Ich war jedenfalls unglaublich gefesselt und konnte das Buch kaum aus der
Hand legen. Das Potpourri der Figuren, die interessanten Entwicklungen,
die Hintergründe von Aktivisten, Staaten, Politikern sowie auch von
scheinbar unbedeutenden Menschen - das alles ergibt einen spannenden Mix aus
gesellschaftskritischem Roman, Klima-Thriller und der schlichten Hoffnung,
das alles irgendwie zu überleben.
Wichtig finde ich hier, dass uns bewusst ist, dass wir nicht überschauen
können, in welchem Umfang sich alles verändert. Ob wir nun eingreifen, in
welcher Art auch immer, oder nicht, die ganzen Forschungsinstitute haben
immer noch nicht wirklich erfasst, wie das Klima hier auf unserer Welt
funktioniert. Wie es so schön heißt: „Kann der Flügelschlag eines
Schmetterlings in Brasilien einen Tornado in Texas auslösen?“
Ich hab immer das Gefühl: Im Grunde wissen wir gar nichts. Nur kleine
Bröckchen - und damit sollten wir nicht herum experimentieren.
Eine Lösung hab ich natürlich auch nicht parat, aber ich hab nach dem Lesen
des Buches auch kein schlechteres Gefühl als vorher. Wie immer war es
spannend, den theoretischen Gedankenfäden des Autors zu folgen und wie er
sie verknüpft, um uns anzuregen, über das Thema nachzudenken.
Meine Bewertung
☀☀☀☀☀☀☀☀☀☀☀☀☀
Das hat mich jetzt natürlich neugierig gemacht und ich hab
die KI gefragt, auf welcher realen Klimaforschung das ganze Szenario
hier beruht. Das scheint ein sehr umstrittener Bereich zu sein,
vor dem viele Wissenschaftler warnen:
die KI gefragt, auf welcher realen Klimaforschung das ganze Szenario
hier beruht. Das scheint ein sehr umstrittener Bereich zu sein,
vor dem viele Wissenschaftler warnen:
Die Methode im Fokus: Der künstliche Vulkanausbruch (SAI)
Bei der realen SAI-Forschung wird untersucht, ob man mithilfe von Flugzeugen oder Ballons Schwefelpartikel in die Stratosphäre injizieren kann. Diese Partikel wirken wie ein globaler Sonnenschirm und reflektieren einen Teil des Sonnenlichts zurück ins All. Die Idee simuliert den natürlichen Kühleffekt von historischen Vulkanausbrüchen, gilt in der Realität jedoch als die riskanteste Form des Klimamanagements.
Warum die Wissenschaft vor realen SAI-Experimenten warnt:
Der „Klima-Kippeffekt“
Genau wie im Roman befürchten Klimaforscher, dass die Wirkung viel schwerer zu kontrollieren ist als berechnet. Ein Eingriff könnte das Klima unvorhersehbar destabilisieren und von extremer Hitze in eine neue, unkontrollierbare Katastrophe stürzen.
Der Abbruch-Schock (Termination Shock)
Würde man die Partikeleinspeisung über Jahre künstlich aufrechterhalten und das System bricht plötzlich ab (z. B. durch Sabotage, Kriege oder technisches Versagen), würde die aufgestaute Erderwärmung schlagartig freigesetzt. Die Erde würde sich in kürzester Zeit so rasant aufheizen, dass jegliches Leben überfordert wäre.
Radikale Wetterverschiebungen
Computermodelle zeigen, dass ein künstlicher Schwefelschirm globale Wettermuster massiv stören kann. Es drohen extreme Dürren oder die Verschiebung von Monsunregen, was die Nahrungsmittelversorgung von Millionen Menschen (z. B. in Asien und Afrika) gefährden würde.
Geopolitischer Zündstoff: Wer darf den globalen Thermostat kontrollieren?
Wenn ein Staat oder eine Gruppe (wie im Buch) eigenmächtig handelt und dadurch andernorts Dürren ausgelöst werden, birgt das enormes Potenzial für internationale Kriege.
Andere Geoengineering-Methoden im Schnellcheck
Um das Klima künstlich zu beeinflussen, werden aktuell noch weitere Ansätze erforscht:
- Marine Cloud Brightening (Wolkenaufhellung): Das Versprühen von Meerwasser soll tiefe Ozeanwolken heller machen, damit sie mehr Sonnenlicht reflektieren.
- Cirrus Cloud Thinning (Zirruswolken-Ausdünnung): Hohe Schleierwolken sollen künstlich aufgelöst werden, damit die Wärmestrahlung der Erde leichter direkt ins Weltall entweichen kann.
- Direct Air Capture (DACCS): Riesige Filteranlagen saugen CO₂ direkt aus der Luft, um es anschließend dauerhaft tief im Gestein zu versteinern.
- Beschleunigte Verwitterung: Großflächig verstreutes Gesteinsmehl auf Feldern soll die natürliche chemische Bindung von CO₂ massiv beschleunigen.
- Ozeandüngung: Das Einbringen von Nährstoffen wie Eisen in die Meere soll das Wachstum von CO₂-bindendem Plankton ankurbeln.






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