Dienstag, 20. Oktober 2026

Gretel von Stefanie Lasthaus

Die zwanzigjährige Margaret, genannt Mae, lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Jonathan am Rande des verbotenen Waldes. Der ist von Magie durchdrungen, flüstern die Leute, und wer damit in Berührung kommt, verliert den Verstand! 

Als Mae, die nicht an Dorflegenden glaubt, eines Tages einem halb verhungerten Jungen aus dem Wald begegnet, passiert das, wovor sich alle fürchten: Sie gerät in Kontakt mit dem durch Magie veränderten Gebiet. Daraufhin wird sie in den Wald verbannt, und Jonathan folgt ihr – wie früher, als er sie „Gretel“ nannte. 
Im Wald scheint es tatsächlich nicht mit rechten Dingen zuzugehen. Was heute wahr scheint, ist morgen verzerrt. Realität und düstere Träume verschwimmen miteinander. Dann stoßen Mae und Jonathan tief im Unterholz auf die Hütte einer Frau, die sich Mom nennt. Und das Grauen beginnt ...



Gretel von Stefanie Lasthaus


Genre Horror - angelehnt an Hänsel und Gretel

Verlag Heyne - Seitenzahl 477 - 1. Auflage Oktober 2026



Meine Meinung
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Hier tauchen wir schon mit den ersten Seiten in eine stimmungsvolle Atmosphäre ein, die das triste Leben von Mae widerspiegelt. Der Hunger treibt sich um in dem kleinen Dorf, in dem sie lebt. Die Menschen leiden unter Armut und Eintönigkeit, der Handel mit anderen Gemeinden ist längst eingeschlafen und nicht mal der Name des Dorfes hat noch Bestand. Als lebten sie unbemerkt wie Geister in dieser trostlosen Welt - und der nächste harte Winter steht bevor.


Vielleicht wäre es anders, wenn der Tod sich seltener zeigte oder das Leben mehr.
Zitat Seite 8



Der nahe Wald ist für alle verboten zu betreten. Es heißt, das böse Magie sich zwischen den Ästen verfangen hat und sogar die Soldaten sind immer wieder auf Patrouillen, damit niemand das Dickicht betritt. 
Doch Mae setzt sich darüber hinweg. 

Mae wirkt zwar manchmal ein bisschen naiv in ihren Hoffnungen und Wünschen (immerhin ist sie schon 21), aber dafür ist ist sie auch tapfer und kann sich aufs Überleben fokussieren, wenn es nötig ist.
Ihr Bruder Jonathan ist ein paar Jahre älter und wirkte etwas unbekümmert auf mich, obwohl Mae ihn anders beschreibt. Auf jeden Fall liebt er seine Schwester und steht ihr immer bei. Diese gesunde Art einer Geschwisterbeziehung zu finden fand ich großartig, das kommt ja wirklich extrem selten vor.

Das ungute Gefühl jedenfalls verstärkt sich Seite um Seite. Irgendwas ist mit dem Wald, in dem eine Magie-Explosion stattgefunden haben soll, die auch die Schlucht geformt hat, die die Grenze bildet. Es bleibt eine Weile unklar, ob es sich tatsächlich um eine Art Magie handelt und was diese überhaupt bewirkt. Dass man es nicht weiß, schürt umso mehr die unheilvollen Ahnungen, die einen immer wieder beschleichen; denn das hier was nicht mit rechten Dingen zugeht, ist schnell klar. Die Autorin spielt sehr gut mit den Vorstellungen, in dem sie immer kleine Häppchen hinwirft, mit denen man gerade so viel anfangen kann, dass sie beunruhigen und die Phantasie ankurbeln. 
Man weiß auch immer ein bisschen mehr als Mae, allerdings auch nur durch Vermutungen und Andeutungen - alles bleibt sehr diffus und dadurch  noch unheimlicher. Gerade wenn man es nachts liest und alleine kann es schon eine richtig beklemmende Atmosphäre erzeugen. Ich mach das ja gerne, weil wenn ich schon was gruseliges lese, möchte ich das nicht in der U-Bahn mit tausend Leuten um mich rum ;) Ich möchte dann schon auch das Umfeld so gestalten, dass es mich zumindest gruseln könnte. Manchmal war es dann fast schon soweit, dass ich mich umschauen wollte oder sich so ein unbehagliches Gefühl einschleicht. Das fand ich echt gut gemacht!

Die Bezüge zum Märchen von Hänsel und Gretel sind ebenfalls vorhanden. Es ist eine komplett eigene, wirklich super konstruierte Geschichte, in die aber dennoch viele Details aus dem Märchen mit eingebaut worden sind. Ebenfalls auf eine verstörende Weise die perfekt in dieses Horror Szenario gepasst hat. 

Die Protagonistin Mae hab ich ja anfangs als etwas naiv beschrieben, was an einer bestimmten Szene lag, aber das gibt sich dann. Die ganzen Charaktere sind teils recht zwielichtig und nicht so einfach zu durchschauen. In diesem Wald, mit der Angst im Nacken, ist jeder misstrauisch - was sich entweder in die erträgliche Variante des schweigsamen Beobachtens ausgewachsen hat, oder in die bedrohliche aggressive Haltung, bei der man ständig auf der Hut sein muss. 

Die Geschichte lebt von der ruhigen, unterschwelligen Anspannung, die beständig wächst. Es braucht kein großes Getöse oder viel Action, weil die ständige Unerklärbarkeit für das, was passiert, schon genug Grauen bereithält. 
Es wird dann auch alles logisch aufgelöst - was ja im Horrorbereich nicht immer der Fall ist. Oft wirkt das Ende diffus und und offen; oder man muss sich selbst entscheiden wie man es deuten soll. Hier ist das nicht der Fall und ich fand die Lösung sehr genial! 
Ich liebe es, wenn gerade in diesem Genre am Schluss noch ein Twist kommt. Denn ich hatte tatsächlich Bedenken: während dem Lesen hab ich ab und zu dran gedacht, wie schade es wäre, wenn diese gute Geschichte vom Ende einen Dämpfer bekommt, aber da hat die Autorin dem ganzen noch eine kleine Extra Krone aufgesetzt.

Ich bin wirklich sehr begeistert und kann es allen Freunden von übernatürlichem und psychologischem Horror absolut empfehlen!

💭 Thema ★★★★★ Hänsel und Gretel verliefen sich im Wald ... als geniale 
Horrorversion           
✍️ Schreibstil ★★★★★ Flüssig, eindringlich, sehr bildhaft und fesselnd
👥 Figuren ★★★★★ Jede hat ihre besondere Rolle und ist perfekt inszeniert
⚡ Dynamik ★★★★★ Geradlinig, aber mit vielen surrealen Momenten, die keine 
Langeweile aufkommen lassen
❤️ Emotionen ★★★★★ Nach wenigen Seiten völlig gefangen von der Atmosphäre und
die vielen verstörenden Momente packen bis zum Schluss


Meine Bewertung
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Weitere Bücher der Autorin

Die Saphirtür
Touch of Ink Dilogie

Frau Holles Labyrinth
Schneewittchens dunkler Kuss
Rapunzels finsterer Turm

Der Onyxpalast Trilogie





6 Kommentare:

  1. Guten Morgen Aleshanee!

    Ach auf Gretel bin ich neugierig und ich freue mich, dass es dir so gut gefallen hat.
    Ich finde ja, dass Stefanie Lasthaus so gut und atmosphärisch schreiben kann, und ich habe das Buch schon hier. Nach deiner Rezi denke ich, dass ich diese Art Horror lesen kann. 😁

    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Oh wie schön dass du es schon bereit liegen hast! Ich wünsch dir einen spannenden Ausflug in diesen unheimlichen Wald! :D

      Ich mochte Das Frostmädchen von ihr damals sehr! Das hatte sehr kritische Stimmen bekommen, aber ich fand es wirklich großartig. Ansonsten hab ich bisher leider nur Frau Holle von ihr gelesen ... aber der erste Onyx Band wartet, da freu ich mich schon drauf!

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    2. Ich fand Das Frostmädchen auch sehr gut! Ich hatte so den Eindruck, als hätten viele Leserinnen eine andere Art Geschichte erwartet, irgendwie leichter oder "gemütlicher".
      Ich habe von der Autorin auch noch Rapunzel, das möchte ich gerne im Winter lesen. Die Onyx-Trilogie kenne ich auch noch nicht.

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    3. Das kann durchaus sein. Den Eindruck hab ich tatsächlich öfter, wenn mal was nicht im (momentan) üblichen Romantasy Stil geschrieben ist, sondern im klassischen High Fantasy Vibe - das gefällt dann vielen nicht.
      Ich möchte tatsächlich alles von ihr ausprobieren :) Frau Holle fand ich auch gut, aber kein Highlight. Dafür hat sie mich jetzt mit Gretel so gepackt, da muss ich den anderen Büchern jetzt auch eine Chance geben :D

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  2. Hallo Aleshanee,
    uuh, das klingt richtig toll!
    Ja, das mit dem Ende stimmt leider, wie schön dass das hier anders ist, macht nochmal mehr Lust auf das Buch.
    Werde ich mir mal notieren.

    Hab dich im aktuellen Beitrag verlinkt, einfach weil ich mich so gefreut habe, denn nichtmal der Chatbot konnte weiterhelfen. Falls du das nicht möchtest, sag gern Bescheid.

    Liebe Grüße,
    Silver

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    1. Ich kann nur sagen dass es mich sehr begeistert hat! Diese unheimliche Atmosphäre war für mich sehr genial umgesetzt und das "leise Grauen" hatte hier eine wirklich tolle Komponente. Auch die Zusammenhänge waren super und der Schluss... richtig gut! Sowas lieb ich :)

      Oh absolut! Man freut sich immer wenn man erwähnt wird! Muss ich auch noch vorbeischauen :D

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