Band 1 des 4Teilers Die Legende des Tränenvogels
Im Original 심장을 적출하는 나가
aus dem koreanischen übersetzt von Hyuk-Sook Kim und Manfred Selzer
Genre High Fantasy
Verlag Heyne
Seitenzahl 550
1. Auflage im Original Januar 2003
Klappentext
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In einem einsamen Gasthaus am Rand der Punten-Wüste treffen drei Gestalten aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein könnten:
Der Lekon Tinahan ist ein mächtiger Krieger mit dem Kopf eines Hahns. Bihyung ist ein Dokebi, ein Feuerwesen, immer zu Scherzen aufgelegt. Und Kaygon Draka ist ein Mensch, der das legendäre Schwert eines Königs trägt und ein düsteres Geheimnis verbirgt.
Gemeinsam machen sie sich auf den Weg ins Reich der Nagas, schuppigen Gedankenlesern, die verborgen im Dschungel von Kiboren leben und sich die Herzen herausschneiden, um unsterblich zu werden. Sie folgen dem Ruf einer uralten Prophezeiung – doch kann ein Wesen ohne Herz wirklich der Retter der Welt sein?
Meine Meinung
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Wir befinden uns hier in einer zwei geteilten Welt, die im Norden ein typisches
Ambiente von Bergen, Wäldern und Ebenen aufweist und die drei Völker der
Menschen, Dokebi und Lekon beheimatet, während im Süden ein riesiger, heißer
Dschungel von den Nagas beherrscht wird. Dazwischen befindet sich ein
Wüstengürtel, der von beiden Seiten so gut wie nie überschritten wird.
Die Nagas haben keinen guten Stand bei den anderen Völkern, weil ihre Kriege
vor langer Zeit nur dadurch ein Ende gefunden haben, da sie nicht in die
kühleren Gefilde des Nordens vordringen konnten. Ihre wechselwarme
Konstitution erlaubt es ihnen nicht.
Auch sonst sind sie ein außergewöhnliches Volk: sie sehen unglaublich gut,
vor allem Temperaturunterschiede, dafür ist ihr Gehör eher unterentwickelt.
Ihre spezielle Besonderheit ist aber, dass sie als Initiationsritus zum
Erwachsenen ihr Herz entfernen lassen, was sie nahezu unsterblich macht.
Witzigerweise erfährt man recht wenig über ihr Aussehen (oder ich habs nicht
aktiv mitbekommen) jedenfalls weiß ich nur, dass sie Schuppen haben, und
Fingernägel.
Sie leben in einem Matriarchat, das die Männer hauptsächlich zur
Fortpflanzung nutzt, außer sie treten in ein Novizentum ein.
Ich fand es extrem spannend mehr über dieses Volk zu erfahren, ihre Eigenheiten, ihre speziellen Eigenschaften und Umgangsformen - man erfährt auch schon einiges über kleine Intrigen zwischen den Familien und große Verschwörungen, die aber erst nach und nach ans Licht kommen und mit dem Auftrag der drei Reisenden zusammenhängt.
Über die Menschen erfährt man noch recht wenig.
Die Dokebi können mit Feuer sehr gut umgehen, sind ein humorvolles Volk, das
nicht auf Konkurrenz aus ist und sich mit Späßen bei Laune hält. Ansonsten
sind sie sehr direkt und neugierig. Nach dem Tod kann ihre Seele in einen
anderen Körper wandern.
Die Lekon sind auch sehr speziell, allein ihre Größe mit bis zu 3 Metern ist
eindrucksvoll, ebenfalls ihr Hahnenkopf und ihr Federkleid. Sie sind eher
einfach gestrickt und einem guten Kampf nicht abgeneigt - haben allerdings Todesangst vor Wasser.
Ein geheimer Auftrag führt den Menschen Kaygon Draka, den
Dokebi Bihyung und den Lekon Tinahan in der "Letzten Taverne" zusammen.
Wie der Name schon vermuten lässt, der letzte Halt vor der südlichen Wüste,
die nach Kiboren führt, den von den Nagas beherrschten Dschungel.
(Die Namen der Völker und Charaktere wirken anfangs befremdlich, aber man gewöhnt sich recht schnell
daran.)
Kaygon Draka ist ein eher ruhiger Zeitgenosse, der ein Geheimnis mit sich
herumträgt. Geduld und Beharrlichkeit sind seine hervorstechenden
Eigenschaften, die sich bei ihm in beiden Richtungen zeigen. Sein einsames Dasein ist von einer sehr bizarren Lebensweise geprägt - im Umgang mit seinen Reisegefährten jedoch zeigt sich, wie sehr gerade seine Geduld und Ausdauer auch in gutem Sinne wirken können. Ich bin gespannt, was sich hinter seiner Person
verbirgt, denn dieses Rätsel bleibt noch geheim.
Bihyung ist eher zufällig in dieses Abenteuer hineingeraten und seine saloppe Art war erfrischend. Trotz seiner Liebe zu Scherzen und Schabernack hat er eine mitfühlende Seele. Apropos Seele - wenn er stirbt bleibt diese ja erhalten und kehrt als "Ahn" in seine Heimat zurück und lebt in einem anderen Körper weiter. Dementsprechend hat er keine Angst vor dem Tod.
Tinahan, der Verteidiger der Gruppe bleibt etwas blass. Allerdings fühlt er sich der Gruppe sehr verbunden, auch wenn ihr nur eine reiche Belohnung zu diesem Auftrag gelockt hat, ist er über die Zeit mit dem Schicksal seiner Gefährten zusammen gewachsen. Etwas schlicht, etwas naiv, aber ich mochte ihn.
Trotz der zielführenden Reise, wie sie so oft in dem Genre vorkommt, bleibt die Handlung nicht geradlinig. Viele Zwischenfälle und Ereignisse führen die Gefährten auf Umwege - und hier darf man nicht ungeduldig sein, denn der Autor erzählt auch diese mit viel Liebe zum Detail. Inwieweit diese alle wirklich von Bedeutung sind kann ich noch nicht einschätzen. Aber es gibt darin schon Situationen, die für das weitere Vorgehen wichtig sind bzw. auch die Hintergründe der Welt und der Völker beleuchten. Dadurch bekommt man einen immer tieferen Einblick, in dem alles gut durchdacht erscheint.
Ein paar Punkte waren für mich dennoch nicht so logisch - zum Beispiel die Kälte im Norden, die die Nagas anscheinend doch irgendwie überleben können. Zum anderen wie ein 3 Meter großer Lekon so einfach in ein Gästezimmer passt ^^
Ansonsten greift aber sehr gut alles ineinander und auch auch wenn vieles etwas emotionslos wirkt - gerade manche Kampfszenen, die durchaus blutig oder grotesk sind, hat mich die Erzählweise doch sehr gefesselt. Ein großes Auf und Ab an Spannung sollte man aber nicht erwarten... ein paar Momente gab es für mich, wo ich ein höheres Tempo bevorzugt hätte, aber insgesamt hat es mich großartig unterhalten. Auch durch die vielen originellen Ideen, die ich so noch nicht kannte.
Die ganze Welt fühlt sich durchdrungen an von Magie. Es gibt ja gewisse
Fähigkeiten, die die einzelnen Spezies besitzen, aber auch sonst wirkt
manches unwirklich oder bizarr. Der Autor hat ganz besondere Einfälle, die sich nicht in Zaubersprüchen, Runen, Elementen oder ähnlichem offenbaren, sondern wirklich sehr speziell und eigenartig: dadurch für mich erfrischend neu und ungewöhnlich.
Der Schreibstil wirkt ungewöhnlich und manchmal etwas umständlich. Das
Gefühl hab ich aber öfter bei Übersetzungen aus Asien - ich könnte mir
vorstellen, dass hier der Text nicht so einfach ins deutsche übertragbar
ist. Wenn man sich daran gewöhnt hat lässt es sich aber flüssig zu lesen.
Der Autor beschreibt sehr bildlich, hauptsächlich die Schauplätze, die
Atmosphäre und die Ereignisse werden lebendig beschrieben und haben mich
immer direkt am Geschehen teilhaben lassen. Die Figuren waren für mich vor
allem durch ihre Gefühle und Gedanken greifbar - vom Aussehen her hab ich
nur den Lekon mit dem Hahnenkopf vor Augen gehabt :D
Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht ->
- Wie entwickeln sich die Intrigen in den Familien der Nagas und was verbirgt der Herzturm?
- Wer steckt tatsächlich hinter Kaygon und welche dunklen Geheimnisse verbergen sich in seiner Vergangenheit?
- Und natürlich: Was hat es mit der Prophezeiung auf sich, für deren Erfüllung die Mönche der Menschen so viel investiert haben?
Meine Bewertung
🌢 🌢 🌢 🌢 🌢 🌢 🌢 🌢
Ebenfalls rezensiert von
Die Legende vom Tränenvogel
1 - Das Blut der Herzlosen
3 - Der Feuergeist
4 - Die Suche nach dem König







Hallo liebe Aleshanee,
AntwortenLöschendu stellst hier eine sehr interessante Buchreihe vor. Ich muss sagen, dass mich das Cover nicht direkt angesprochen hat. Ich hätte vermutlich alleine deswegen schon nicht näher hingeschaut. Ein Fehler, wie sich herausstellt. Denn es klingt so, als wäre das eine ja ... fast schon epische Geschichte.
Ich muss sagen, dass mich der Punkt, dass die Menschen hier nicht so tiefgehend thematisiert werden, erstmal nicht stört. Ganz im Gegenteil. Wie Menschen denken, fühlen, wie sie aussehen, wie ihre Beweggründe aussehen könnten, das wissen wir ja aus der eigenen Erfahrung heraus. Gerade bei den noch fremden Völkern wäre ich dann auch eher neugierig, mehr über sie zu erfahren.
Bei deinen Worten musste ich oft an Tolkien und HDR denken. Eine Reihe, die sich damals für mich sehr zäh angefühlt hat. Ich wusste, dass ich hier etwas großartiges lese und dennoch gab es so viele Stellen, bei denen Tolkien sehr ausschweifend gewesen ist. (So meine Leseerfahrung).
Du schreibst hier ebenfalls von Stellen, die d.M.n. etwas mehr Tempo hätten vertragen können und zugleich schwärmst du von vielen richtig guten Szenen.
Das klingt nach einer Reihe, die man gelesen haben sollte, die aber auch die passende Lesestimmung benötigt. Ich danke dir für diese wirklich interessante Buchvorstellung.
Ganz liebe Grüße
Tanja :o)
In Korea ist diese Reihe ein riesiger Erfolg gewesen - raus kam sie dort vor über 20 Jahren ... es hat also eine Weile gedauert, bis sich ein deutscher Verlag da heran gewagt hat. Zum Glück!
LöschenJa, ich würde schon sagen, dass hier die Vibes von Herr der Ringe mitschwimmen, aber nur in dem Hinblick dass es eher ruhig erzählt wird und ohne Action, Spice und alles mögliche auskommt, was momentan hier so gehypt wird :D
ABER: es ist nicht so zäh wie Herr der Ringe. Ich hab es sehr genossen, weil es ein intensives Lesen ist, wenn das Tempo so gedrosselt ist und man perfekt in diese Atmosphäre eintauchen kann. Für jeden wird das allerdings nicht sein, wenn man viel Tempo und Action gewöhnt ist. Es ist einfach komplett anders, ich denke auch weil ein Koreaner durch seine Erfahrungen anders schreibt, und das macht es sehr besonders.
Morgen kommt meine Rezension zu den restlichen drei Bänden ;)
Und Ende des Jahres kommt eine weitere Reihe von ihm auf deutsch raus, also Band 1, da freu ich mich sehr drauf!
Ich muss dazu sagen, dass ich HDR in einer Zeit gelesen habe, als ich im Allgemeinen eher selten zu Büchern gegriffen habe. Da ist das natürlich nochmal eine doppelte Herausforderung, wenn ein Buch etwas zäher/gemächlicher daherkommt.
LöschenGerade, dass es sich hier um eine koreanische Erzählung handelt, macht es natürlich umso spannender. Ich danke dir für dein Feedback und bin auch schon sehr gespannt auf deine Meinung zu den anderen Bänden der Reihe. Aber auch schon neugierig auf deinen Einblick zur neuen Reihe.
Ah ok, ja dann fällt es besonders schwer, wenn man eh grade nicht viel liest oder wenig Zeit hat, mag man weniger mit Muse lesen, da mag ich auch etwas mehr Tempo.
LöschenVielleicht siehst du es ja mal im Buchladen und kannst reinschnuppern. Ich denke man merkt recht schnell, ob der Stil passt oder nicht.