übersetzt von Elena Helfrecht
Genre Folk Horror
Schauplatz fiktive Küstenstadt in Kalifornien
Verlag Arctis
Seitenzahl 418
1. Auflage im Original Oktober 2025
"Wenn wir unseren Schmerz nicht gehen lassen, sucht er uns bis ans Ende unserer Tage heim."Zitat
Verlagsinfo
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Ein außergewöhnlich düsterer Fantasyroman trifft auf koreanische
Mythologie
Soojin kannte die Regeln: Bringe niemals etwas anderes als Kleintiere von
den Toten zurück. Aber das war, bevor Mirae letzten Herbst im Fluss ertrank.
Außer sich vor Trauer und Einsamkeit, nutzt Soojin die Magie ihrer
Vorfahren, um ihre Schwester zurückzubekommen. Doch wieder unter den
Lebenden wird Mirae es schnell leid, sich vor der Welt zu verstecken und
ihren wachsenden Hunger nach Rache zu bekämpfen, der sie von innen zu
verzehren droht …
Meine Meinung
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Bringe niemals etwas anderes als Kleintiere von den Toten zurück.
Bei diesem Satz im Klappentext: Wer denkt dabei nicht sofort an Friedhof der
Kuscheltiere? Mir hat es genau dieser Satz jedenfalls angetan, dazu die
Beschreibung von düsterer Fantasy und koreanischer Mythologie, da war ich
sofort neugierig!
Wir lernen auch direkt die 17jährige Soojin kennen, die zum ersten Mal
versucht, ihre Ratte selbst wieder ins Leben zurück zu holen. Das hat bisher
nämlich immer ihre Schwester Mirae gemacht, doch seit diese im letzten Jahr
ertrunken ist, ist nichts mehr wie zuvor.
Soojin wollte ihre Trauer gar nicht bewältigen. Denn sollte sie eines Morgens aufwachen, ohne dass ihr Miraes Fehlen das Herz zerriss, dann würde das bedeuten, dass die Erinnerung an ihre Schwester verblasste. Leiden ist besser als vergessen.Zitat
Soojin jedenfalls geht es gar nicht gut. Während anfangs alles noch recht
harmlos klingt, wird immer klarer, wie sehr sie leidet - was verschiedene
Ursachen hat, aber feinfühlig aber auch offen aufgezeigt wird. Die
Reaktionen von außen sind unterschiedlich, helfen ihr aber oft nicht weiter;
da sie so sehr in ihrem eigenen Dilemma feststeckt, kann sie auch keinen
Nutzen daraus ziehen oder einen Weg in eine Veränderung finden.
Die kleine Küstenstadt lebt stark vom Tourismus. Außerhalb der Saison ist
es für die Einwohner schwierig, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, so
dass Soojins Vater unter der Woche in einer anderen Stadt arbeiten muss
und nur am Wochenende zuhause ist. Mit dem Sommer geht auch die
Lebendigkeit, die die Touristen mitbringen und zurück bleibt eine triste,
einsame Atmosphäre, die sich auf Soojins Gemüt niederschlägt.
Da hilft es auch nicht, dass ihr Kindheitsfreund Mark wieder Kontakt zu
ihr aufnimmt - deine eine kurze Abfolge von verletzenden und verstörenden
Ereignissen lässt Soojin schließlich die Entscheidung treffen, die ihr von
jeher verboten wurde. Da es aus dem Klappentext ersichtlich ist, denke ich
mal, nicht zu spoilern - denn natürlich holt sie ihre Schwester Mirae
zurück. Die Autorin beweist einen unglaublich anschaulichen Schreibstil,
bei dem alles wirklich vor sich sieht und spürt. Interessant hierbei sind
auch die Perspektivwechsel. Die kommen manchmal plötzlich mittendrin,
wirken aber nicht irreführend oder falsch, sondern passen sich perfekt dem
Moment an. Sehr ungewöhnlich und mal erfrischend anders!
Natürlich bleibt die Tat von Soojin nicht ohne Folgen.
Zwischen all den schönen Dingen, die ihr Leben plötzlich bereichern, spürt
man das dunkle, etwas bedrohliches, das wartet. Auf Rache, die geschmiedet
wird und viele Erinnerungen hervorruft, die ihren Zorn nur umso mehr
schüren.
Soojin war verletzt und verängstigt, und der Drang, diesen Schmerz weiterzugeben, wurde übermächtig - egal, wen sie damit traf.Zitat
Viele traurige Themen finden hier Gehör: Der Verlust, der Tod, die Trauer,
die Einsamkeit, Erwartungen und Verantworung, wie schwere
Schicksalsschläge zu traurigen Folgen führen und vor allem: die Angst vor
dem Loslassen. Geheimnisse und Missverständnisse - wie aus Schlechtem
Gutes wird - und wie aus dem Wunsch heraus, gutes zu tun, etwas
furchtbares entsteht.
Verschiedene Freundschaften werden hier sehr schön thematisiert. Auch wenn
ich es immer etwas schade finde, wenn Jungen und Mädchen anscheinend nur
Freunde sein können, wenn eine der beiden "Parteien" nicht hetero
ist. Dennoch ist hier vieles mit unglaublich viel Feingefühl und Offenheit beschrieben. Dinge, die nicht ausgesprochen werden, die sich festfressen und weiter schwären, die man überspielt und überlächelt, vor denen man sich versteckt und sie anderen nicht zeigt. Das hat die Autorin wirklich ganz außergewöhnlich und treffend gemacht und das ist auch der Punkt, weshalb ich hier die vollen Sterne vergebe.
Ich mochte hier wirklich vieles, hätte mir aber noch etwas mehr in Richtung Horror gewünscht, obwohl es hier schon einige Szenen gab, die für das Lesealter wahrscheinlich genügend gruselig sind. Ich kann es auch schlecht benennen, es ist einfach ein Gefühl, noch einen Tick mehr erwartet zu haben - aber durch die ganzen Gefühle, die hier so deutlich aufgezeigt wurden und die auch mich beim Lesen berührt haben, kann ich hier nur nach Bauchgefühl bewerten :)
Sie zeigte sich ihm hier von ihrer hässlichsten Seite - der, die sie sonst immer sorgsam versteckt hielt, sogar vor sich selbst.Zitat
Trigger: -> Verstorbene Familienmitglieder, Vernachlässigung, Depression,
Mobbing <-
| 💭 Thema | ★★★★★ | Verlust und Loslassen, Ehrlich zu sich selbst sein |
| ✍️ Schreibstil | ★★★★☆ | Sehr viel Atmosphäre und äußerst anschaulich |
| 👥 Figuren | ★★★★☆ | Sehr ausgefeilte Figuren, die viel Tragik in sich tragen |
| ⚡ Dynamik | ★★★★ | Durchgehende unterschwellige Spannung |
| ❤️ Emotionen | ★★★★★ | Viele Momente die das ganze Gefühlsspektrum betreffen |
Meine Bewertung
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Schauplatz ist eine fiktive Kleinstadt in Kalifornien







Hallo,
AntwortenLöschenWow, das klingt alles richtig gut! Ja man denkt direkt an Friedhof der Kuscheltiere (hast du übrigens die neue Verfilmung davon gesehen?)
Werde das Buch mal im Hinterkopf behalten.
Weiß aber nicht wann und ob ich dazu komme, das zu lesen.
Liebe Grüße und eine schöne Woche
Sikver
Ja, ich hab die neue Verfilmung gesehen :) War nicht schlecht, aber irgendwie kann ich mit den Neuverfilmungen nicht so viel anfangen.
LöschenWie wir letztens ja schon beide festgestellt haben, haben die älteren Versionen von der Atmosphäre her einfach ein bessere Stimmung.
Das Buch hier kann ich definitiv empfehlen, ich fand das super!
Ich finde es ja immer etwas nervig wenn dann bei der Neuverfilmung der Inhalt geändert wird.
LöschenEs hat zwar funktioniert und auch das Ende fand ich gut aber zuerst war ich empört..So, hä, das stimmt doch so nicht! Vor allem wurde das mit den Vorahnungen der Tochter (ich erinnere mich dunkel, dass sie die im Buch deutlicher hatte) völlig weggelassen, weil es ja nun anders verlief.
Na ja.
Ich hatte neulich Das Septemberhaus aufgetan und habe es begonnen, dann fand ich deine Rezension dazu (ich habe danach gesucht:)) und nun bin ich so gespannt.
Bisher finde ich es echt gut, schräg aber gut.
Liebe Grüße,
Silver
Ich finde es prinzipiell überaus nervig wenn der Inhalt geändert wird - also hauptsächlich natürlich bei Buchverfillmungen. Aber ja, natürlich auch bei Neuverfilmungen. So genau hatte ich es aber nicht mehr im Kopf - was dann ganz gut ist, da mir dann solche Details gar nicht auffallen xD
LöschenAm liebsten lese ich aber mittlerweile das Buch vorher (nochmal) und schau dann den Film oder die Serie.
Ohhh, sehr cool! Das Septemberhaus - ja das ist extrem schräg! Aber das wird echt krass! Da wünsch ich dir noch viel Spaß oder eher Spannung beim weiterlesen!
Liebe Aleshanee,
AntwortenLöschendeine Rezension hat mich gerade richtig gepackt, obwohl ich zugeben muss, dass ich um klassische Fantasy eigentlich meistens einen großen Bogen mache. Aber sobald Folklore und Mythen im Spiel sind und dann auch noch aus dem asiatischen Raum, bin ich gleich angefixt.
Dass Jihyun Yun die emotionalen Themen rund um Verlust und das schwere Loslassen so feinfühlig mit einer dichten Atmosphäre verknüpft, klingt nach einem echten Highlight. Schade, dass der Horror-Faktor für dich noch einen Tick intensiver hätte sein können, aber insgesamt scheint es dir gut gefallen zu haben.
Ein bisschen Sorge habe ich bei der Parallele zu "Friedhof der Kuscheltiere". Ich mag Stephen King eigentlich gar nicht, aber genau diese Geschichte reizt mich schon ewig und ich werde das Buch mal im Buddy-Read wagen.
"And The River Drags Her Down" wandert definitiv auf meine Merkliste.
Hab noch eine schöne Woche.
Ganz liebe Grüße
Mo
Also mit "klassischer Fantasy" hat das für mich ja jetzt gar nichts zu tun ;) Der Begriff ist ja dehnbar und ich weiß nicht, was du darunter verstehst. Ich denke da vor allem z. B. an Mittelerde :D
LöschenDas hier ist aber Horror mit ein wenig Mythologie - und lass dich nicht von Stephen King abschrecken. Der eine Satz hat einfach extrem an Friedhof der Kuscheltiere erinnert, ansonsten hat es damit gar nichts zu tun!
Eben weil es in Richtung Horror geht hab ich mir da noch etwas mehr erwartet, aber es passt an sich und für das angegebene Alter. Dennoch ein wirklich tolles Leseerlebnis; vor allem eben auch mit den Themen, die hier so offen und feinfühlig integriert wurden.