Samstag, 19. September 2026

Wait Till Helen Comes von Mary Downing Hahn



Wait Till Helen Comes von Mary Downing Hahn


Eine Geistergeschichte
empfohlen von 10 - 12 Jahren
Schauplatz Maryland (United States)

Verlag Clarion Books
Seitenzahl 195
1. Auflage September 1986




Damit ihr wisst, worum es geht, hab ich euch den Klappentext frei übersetzt:

Die zwölfjährige Molly und ihr zehnjähriger Bruder Michael haben ihre Stiefschwester Heather noch nie gemocht. Seit ihre Eltern geheiratet haben, macht die 7jährige Heather Mollys und Michaels Leben zur Hölle. Ihre Eltern sind mit ihnen aufs Land gezogen – in ein Haus, das früher eine Kirche war. In dem weitläufigen Grundstück hinter dem Haus entdecken sie einen Friedhof - und als wäre das noch nicht schlimm genug, beginnt Heather, mit einem Geist namens Helen zu sprechen. Sie warnt sogar Molly und Michael, dass Helen hinter ihnen her ist.

Molly ist sich sicher, dass Heather in irgendeiner Gefahr steckt, aber jedes Mal, wenn sie versucht zu helfen, dreht Heather die Dinge so, dass Molly selbst in Schwierigkeiten gerät. Es scheint, als könnten die Dinge nicht noch schlimmer werden.

Doch genau das passiert: als Helen kommt.


Meine Meinung
✥✥✥✥✥✥✥✥✥✥✥

Man sieht: die ganze Situation ist für die Geschwister schwierig. Molly und Michael sind bisher ein eingespieltes Team gewesen - aber seit ihre Mutter Dave geheiratet hat und sie damit eine Stiefschwester bekommen haben, ist nichts mehr so wie vorher. Molly versucht wirklich, eine große gute Schwester zu sein, doch Heather wehrt alles ab. Nicht nur, dass Heather sich zurückzieht oder nicht mit ihnen reden / spielen möchte, sie lügt und sagt gemeine Dinge, ist hinterhältig und spielt den Erwachsenen ständig etwas vor. 
Die Geschwister wissen, dass Heathers Mutter bei einem Brand ums Leben gekommen ist, als sie gerade mal drei Jahre alt war, aber die ständige Rücksichtnahme auf sie, während sie alle bemitleiden und Molly mehr oder weniger so hingestellt wird, als würde sie es sein, die lügt, ist nicht einfach zu ertragen.

Die beiden vergessen dabei, dass sie ja zu zweit sind, während Heather bisher völlig alleine auf sich gestellt war, bzw. alleine mit ihrem Dad - und es für sie sicher ebenfalls nicht einfach ist, ihn jetzt mit so vielen anderen Menschen zu teilen. Und dabei noch gegen ein Geschwisterpaar zu stehen, das so innig zusammenhält.
Mit Kinderaugen sieht man sowas einfach noch nicht - aber ich dachte mir schon, dass hier auch die Erwachsenen mal ein paar Worte sagen müssten. Sie sehen ja, dass es so nicht wirklich funktioniert und dann sollte man hier für Klärung sorgen. 
Das versuchen sie auch, irgendwie, obwohl sie schon sehr viel mit ihrer Arbeit beschäftigt sind und den Kindern freien Lauf lassen. Da muss man halt auch sehen: geschrieben wurde diese Geschichte 1986, und da waren die Kids einfach viel draußen unterwegs, ohne Beaufsichtigung. Was ihnen auch gut getan hat. Aber hier stellt es sich als Schwierigkeit heraus, weil die Eltern nie wirklich wissen, wem sie glauben können.

Das ganze wirkt von Anfang an nicht sehr glücklich, doch als die Patchwork Familie in dieser Abgeschiedenheit angekommen ist, auf dem Land, ohne nahe Nachbarn, wird es bald schon unheimlich. Die Autorin versteht es, eine ganz alltägliche Szene mit unheimlichen Komponenten zu füllen - nicht zu gruselig oder gar brutal, sondern eher diffus und unterschwellig. Das gelingt ihr durch die Atmosphäre, die entsteht, wenn Molly sich komplett missverstanden fühlt und niemand ihr glaubt und auch durch die tollen Beschreibungen, die durch die man alles bildlich vor sich sieht. Als stände man selbst inmitten einer einsamen Lichtung, im diffusen Licht, mit dem Wind, der durch die Blätter raunt und durch die Gräser streicht, während man nicht weiß, was sich noch hinter diesen Geräuschen verbirgt.

Es ist eine Geschichte voller Zweifel, Ängste und Schuldgefühlen. Sehr ernste Themen und es schwingt auch Traurigkeit mit - aber die wunderschöne Botschaft, dass man als Kind seinen Eltern vertrauen sollte. Ihnen erzählen sollte, wenn etwas vorgefallen ist, oder man etwas angestellt hat - denn man wird trotzdem geliebt. Ganz gleich was passiert ist. 
Leider muss ich in solchen Fällen immer auch daran denken, dass das in manchen Familien leider nicht der Fall ist. Aber ich hoffe, in den meisten und dass dieses Buch manchen Kindern vielleicht Mut macht, daran zu glauben und sich ihre Last von der Seele zu reden.

"That´s all I want to know. Do parents love their children no matter what they do?"
Mom put her arm around me and hugged me. "I´ll always love you, Molly, always - no matter what. You should know that by now."
Zitat Seite 178

Der Fall hier ist schon sehr heftig, nimmt den lesenden Kindern aber dafür die Sorgen. Mehr darauf eingehen kann ich jetzt nicht, um nicht zu spoilern, aber ich finde, die Autorin hat das toll gemacht. Vor allem da es ja auch noch in einer unheimlichen Gruselgeschichte eingebettet ist.

Molly möchte ich hier auch nochmal erwähnen, denn aus ihrer Perspektive wird das ganze erzählt. Obwohl sie Heather nicht wirklich ausstehen kann und sie keinen Grund hat, auf sie aufzupassen, spürt sie die Verantwortung. Spürt sie, dass das kleine Mädchen in Gefahr ist und möchte sie im Auge behalten. Ein sehr schöner Zug!
Vor allem, da Michael, ihr 10jähriger Bruder, sich sehr außen vor hält. Er ist natürlich auch erst 10 und hat andere Dinge im Kopf, so dass Molly die meiste Zeit auf sich allein gestellt ist. Dafür hat Michael etwas tolles gesagt:

There´s no sense in worrying about things yo u can´t change.
Zitat Seite 119


💭 Thema ★★★★☆ Geistergeschichte kombiniert mit emotionaler Schuld
✍️ Schreibstil ★★★★★ Einfach und dennoch sehr lebendig mit viel Atmosphäre
👥 Figuren ★★★★☆ Trotz der Kürze ein prägnantes Bild der Figuren
⚡ Dynamik ★★★★ Recht geradlinig, aber kann durch das Gesamtbild überzeugen
❤️ Emotionen ★★★★☆ Schöne Schauergeschichte und sehr bewegender Hintergrund

Meine Bewertung
✥✥✥✥✥✥✥✥✥✥✥








Weitere Bücher der Autorin - eine Auswahl,
denn da gibt es noch mehr :) 



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