Samstag, 12. September 2026

LeserStimmen: Welchem Trend folgt die Lesekultur?

 

Jetzt hab ich so lange keine Diskussionsbeiträge mehr geschrieben und das hier ist jetzt der zweite in diesem Jahr ^^ Immerhin :D 

Das Thema brennt mir aber auch schon länger unter den Nägeln, bzw. schwelt es so vor sich hin. Ich meide ja die ganzen Hypes und toxischen Vorwürfe, die auf den social medias grassieren, aber auch ich komme nicht daran vorbei, immer wieder mal etwas aufzuschnappen.

---> Wo stehen wir bei dem heutigen Lesetrend?

  • Wir freuen uns, dass wieder viel mehr Menschen zu Büchern greifen.
  • Es ist schön dass viele Menschen ihre Liebe zu Büchern öffentlich teilen. 

Aber es scheint eben wie meist auch seine Schattenseiten zu haben, denn manches widerspricht dabei völlig meinem Verständnis für Bücher und Geschichten. 
Ich möchte dabei niemandem etwas unterstellen, sondern zeige hier nur die Wirkung, die das ganze auf MEIN Empfinden hat. 

Und dabei stellt sich bei mir das Gefühl ein, dass Bücher zu zeigen eine Form angenommen hat, die einfach nur noch Prestige heißt und in dem üblichem Sumpf des Zeigens, Darstellens und Imponierens versinkt.

Es geht natürlich auch anders, aber ich sehe und höre sehr oft, vor allem auf insta - denn auf tiktok bin ich nicht:

-> viele Bücher, immer 5 Sterne, immer die 3 gleichen Sätze
-> schöne Bilder, keine Meinung
-> immer nur Neuerscheinungen, die sofort wieder in der Versenkung verschwinden
-> eine Überflutung der man mittlerweile nur nachhetzt

Das ist nicht meine Buchwelt. Vielleicht bin ich schon zu alt und da herausgewachsen und ich verstehe das Jungvolk nicht mehr, wie es damals auch meinen älteren Generationen ging. 

Für mich ist Lesen ein eintauchen, ein genießen, ein aufsaugen der Wörter und Geschichten, die mich unterhalten sollen, Spaß machen, die mich in Spannung versetzen sollen oder in Grusel - die mich den Alltag vergessen lassen und die mir fernab der allgemeinen Meinung entweder gefallen oder nicht. Denn natürlich erwische ich auch mal ein Buch, das mir nicht gefällt. 
Kein Konsum, kein Wettbewerb.

Das alles ist für mich bei vielen nicht mehr spürbar. 
Auf den Buchblogs schon. Deshalb trenne ich das auch schon immer ob jemand einen Blog hat oder einen social media Kanal. 
Ich bin allerdings niemand, der alle über einen Kamm schert. Ich weiß dass es viele gibt, die auch ihre social media Kanäle mit viel Liebe pflegen und füllen und wie jeder liest ist mir persönlich egal und kann jeder machen wie er möchte. Mir kommt es nur so vor als gingen diese schönen Blüten zwischen all dem sprießenden Unkraut unter ^^ 
Das klingt jetzt fies, aber die Metapher kam mir jetzt spontan und gefällt mir, die lasse ich jetzt einfach mal so stehen xD

Dazu kommt, dass ich immer wieder höre, wie Verlage von Autoren verlangen, alle 3-4 Monate ein Buch zu schreiben. Was soll das? Wo ist denn da der kreative Prozess? Und bei den Massen an Büchern, warum brauchen wir denn noch mehr Massen? Es gibt so viele Schreiberlinge da draußen, die auch Chancen verdient haben - warum lässt man denn anderen nicht ihre nötige Zeit, um etwas aus dem Herzen heraus zu schaffen? In der Zwischenzeit könnte man ja auch mal anderen die Chance geben? 

Wir werden so übersättigt und dieser negative Kreislauf wird auch noch gefördert - und nicht nur bei Büchern, das ist einfach etwas, das ich in meinem Leben nicht mehr verstehen werde. 

Früher hat sich ein Schreiner noch Zeit genommen um einen kunstvollen Schrank herzustellen - jetzt gibt es nur noch glatte, unpersönliche Massenware; ich finde das nicht schön. 

Zu dem "Massenware Schreiben" finden wir dann auch zum "Massenware Lesen"

Ich hab das in meinem letzten LeserStimmen Beitrag nur kurz gestreift, weil zu der Zeit wieder viele Anschuldigungen hochgekocht sind. 

Nochmal: Mir selber ist es völlig egal, wie jemand seine Bücher liest! 

Ich kann nur nicht nachvollziehen, wie man in eine Geschichte eintauchen und spüren kann, wenn man sie 
  • überfliegt
  • viele Passagen auslässt
  • querliest
  • nur die Dialoge liest
Das sind nicht meine Vermutungen sondern Aussagen von anderen

Ich selbst habe auch Tage, an denen ich ein Buch komplett lese. Auch eins mit 400 Seiten. Wenn es temporeich ist oder extrem spannend und ich Zeit habe passiert das schon mal. 
Ich weiß allerdings nicht, was ich davon halten soll, wenn jemand jeden Tag ein Buch liest. Ich gönne es jedem, denn es ist ein wunderbarer Zeitvertreib, aber für mich ginge da viel verloren. Ich habe ja jetzt schon das Problem, mich an viele Bücher nicht mehr zu erinnern. Mir ist es schon passiert, das ich ein Buch gekauft habe und beim lesen dann feststellte, dass ich es schon mal gelesen hatte vor Jahren. 

Wie gesagt: Jeder wie er mag, aber für mich hört sich das einfach nach Konsum an und nicht nach Genuss.

Jetzt bin ich gespannt auf eure Meinungen. Seid gerne ehrlich, ich kann Kritik vertragen, sonst hätte ich das nicht geschrieben ;) Ich schreibe hier meine persönliche Ansicht und mein Gefühl dazu, das aus meiner Wahrnehmung resultiert. Und ich bin immer offen für andere Meinungen und lasse mich auch gerne vom Gegenteil überzeugen.

Nachtrag: Tobi hat auf seinem Blog Lesestunden die Zahlen des Buchmarktes auseinander genommen - bzw. gezeigt, dass das Kaufverhalten zurückgeht. Was mich nicht wundert... da helfen halt auch keine schönen optischen Details oder ein farbiger Buchschnitt, wenn es einfach ein zu teures Hobby wird...


1 Kommentar:

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