Samstag, 13. Juni 2026

All die Finsternis inmitten der Sterne von Bryn Greenwood


 

All die Finsternis inmitten der Sterne von Bryn Greenwood


Im Original All the Ugly and Wonderful Things
übersetzt von Simona Turini
Genre Coming of Age Drama
Schauplatz USA

Verlag FESTA
Seitenzahl 506
1. Auflage August 2016




Meine Meinung
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Ich hab mich etwas vor diesem Buch gescheut muss ich gestehen. Es hat ja einige Diskussionen angefacht, denn das Thema ist schon sehr heikel und schürt die Gemüter. 

Die Geschichte beginnt im März 1975. Wavy ist 5 Jahre alt, als sie von ihrer Tante Brenda aufgenommen wird, da ihr Vater und ihre Mutter beide im Knast sitzen. Die Autorin verschafft uns Zutritt zum Leben dieses kleinen Mädchens, das unter den schlimmsten Bedingungen aufwachsen muss.
Nicht nur, dass ihr Vater drogensüchtig ist und dealt, auch ihre Mutter ist abhängig und dazu psychisch krank. 
Natürlich ist Wavys Verhalten extrem auffällig, was ihre Tante total überfordert. 
Dabei ist es nur ihr Überlebensinstinkt, weil sie schon früh lernen musste, mit den irrationalen Ängsten ihrer Mutter zu überleben. 

Mit 7 Jahren kommt sie wieder zurück zu ihrer Mutter - mittlerweile hat sie einen kleinen Bruder bekommen und es ist erschütternd und berührend, wie sie versucht, in dem Chaos von Verwahrlosung und Gewalt zurecht zu kommen. 

Dann begegnet sie Kellen. 
Zu ihm entsteht eine Verbindung, die sie endlich spüren lässt, dass jemand sich um sie kümmert, dass sie jemandem wichtig ist und sich um sie sorgt. Eine bizarre Freundschaft zwischen zwei Menschen, die einander brauchen. 

Ich war sehr hin- und hergerissen, denn ich mag es nicht, wenn man solchen Freundschaften von vornherein etwas unterstellt. Andererseits hatte ich auch manchmal ein ungutes Gefühl beim Lesen, weil ich wusste, worauf es irgendwann hinausläuft, aber ich wollte mich darauf einlassen und abwarten.

Dadurch, dass die Autorin aus verschiedenen Perspektiven erzählt und viele Figuren zu Wort kommen lässt, hatte ich einen guten Überblick über die Gefühlswelt von Wavy und Kellen, und all die anderen aus ihrem Umfeld und die Außenwirkungen. Es scheint nicht richtig zu sein - und doch gibt es Schicksale, über die wir kein Recht haben zu urteilen. Und ja, es gibt 13/14jährige, die sehr wohl entscheiden können. Gerade wenn sie so viel mitgemacht haben dass sie in manchen Belangen erwachsener sind als manche über 20jährige. 
Der Schreibstil ist ruhig und flüssig, kein Gerede um den heißen Brei, sondern nackte Tatsachen, die beklemmen, Mitgefühl wecken, Wut schüren, fassungslos machen und unglaublich tief greifen.

Bryn Greenwood hat hier ein sehr heikles Thema verarbeitet, dass eine Achterbahnfahrt an Gefühlen ausgelöst hat. Alleine die Situation wie Wavy aufwächst, was sie alles miterleben muss und wie sie damit umgeht; wie sie ihre Hilflosigkeit umwandelt und eine Stärke entwickelt, die ihr niemand zugetraut hat. 
Normalerweise mag ich es nicht, wenn die englischen Originaltitel im deutschen geändert werden, aber hier passt es einfach perfekt. Denn soviel Finsternis auch um Wavy herum ist, sie folgt den Lichtern der Sterne und kämpft für ihr eigenes Leben und ihre Liebe. 

Es passiert so unglaublich viel und ich war von Anfang bis Ende gefesselt von dieser düsteren Geschichte, auch weil sie so nah an der Realität ist wie sie leider viele Kinder durchleben müssen. Aber sie zeigt auch, dass man zusammenfinden kann, auch wenn alles dagegen spricht und auch wenn manche Szenen sehr an die Grenzen gehen, spiegelt es das wahre Leben, das oft seltsame Wege geht. 

Ich empfinde es unglaublich schwer, diese Geschichte zu beschreiben. Sie ist extrem aufwühlend und geht unglaublich nah. Und doch begleitet sie eine zarte Hoffnung, ein leises Licht in der Dunkelheit, das zwei Menschen durch all die schlimmen Momente führt in denen man Halt sucht. 
Ein beeindruckendes Buch, das sicher noch lange nachhallen wird.


Meine Bewertung
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5 Kommentare:

  1. Hallo liebe Aleshanee,

    ich habe mich damals auch sehr schwergetan, als es darum ging, eine Rezension zu dem Buch zu schreiben. Eben weil es gar nicht so leicht ist, seine Gedanken in Worte zu fassen.

    Dir ist die Rezension einfach perfekt gelungen. Du bringst genau das auf den Punkt, was ich beim Lesen auch empfunden habe.

    Ich habe die Autorin sehr dafür bewundert, wie treffend sie dieses komplexe Thema niedergeschrieben hat und wie realistisch die Geschichte wirkt.

    Deinen Worten kann ich eigentlich nichts mehr hinzufügen. Du hast es perfekt getroffen. Ich freue mich, dass dich die Geschichte genauso berührt hat wie mich.

    Ganz liebe Grüße
    Tanja :o)

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    1. Vielen Dank liebe Tanja! Das war wirklich nicht einfach hier all die Gedanken und Gefühle in die Rezension mit einfließen zu lassen, also so irgendwie zumindest, deshalb freut es mich umso mehr, dass es gelungen ist :)
      Es war nicht einfach zum lesen und es gab schon einiges, was ich hinterfragt habe - die Autorin hat das wirklich großartig gemacht.

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  2. Hallo Aleshanee,
    oh, ich erinnere mich an dieses Buch, also, dass es vorgestellt wurde.
    Kann gut nachvollziehen, dass dich das hin- und hergerissen hat.
    Ein schwieriges Thema.
    Ich weiß nicht ob 13/14jährige mit so einer Vergangenheit erwachsener sind, sie sind gerade weil sie sowas erlebt haben noch verletzlicher und vielleicht sogar schutzbedürftiger als andere. Gerade weil sie keine Liebe und Wärme erfahren haben und empfänglich dafür sind, beeinflussbar.
    Vielleicht können manche aber auch gut einschätzen, wie ein Mensch ist, ob vertrauenswürdig, ehrlich.. oder nicht, da sie gelernt haben, auf die kleinsten (unberechenbaren) Emotionen zu achten, den Raum zu lesen. Was letztendlich eine Folge des Traumas ist.
    Ich habe das Buch noch nicht gelesen
    aber du vermittelst einen echt guten Einblick, auch in die Kontroverse darum.

    Liebe Grüße,
    Silver

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    1. Da sind ja viele schwere Themen mit drin und ja, vielleicht ist das Wort "erwachsener" hier falsch gewählt, vielleicht "gereifter"? Jedenfalls ist jemand, der viel schweres durchlebt hat anders, und ja, natürlich auch verletzlicher und natürlich auch schutzbedürftig, doch wie weit kann man mit diesem Schutz gehen? Ich möchte dabei nämlich auch niemanden sozusagen "unmündig" machen.
      Das ist ja grade das schwierige, man weiß nicht, ob es gut ist, für was es gut ist. Tut es dem anderen wirklich gut, oder denkt er es nur bzw. redet es sich nur ein? Wir können nicht in andere reinschauen und oft wissen sie es selbst nicht. Die Autorin zeigt aber hier eben wirklich eindrucksvoll, dass alles auch komplett anders sein kann als es "von außen" aussieht.
      Und dass man Menschen auch ein Stück weit zutrauen kann, für sich selbst zu entscheiden - auch wenn sie noch jung sind.

      Ich müsste dafür noch viel weiter ausholen, denn das Thema hat ja so vieles, was da noch mit dranhängt... aber ich denke du weißt was ich meine und ich glaube auch, dass wir da ähnlich denken :)

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  3. Huhu Aleshanee,

    Wow, das klingt wirklich nach einem sehr aufwühlendem und intensiven Leseerlebnis. Ich muss ehrlich sagen, dass ich noch nie etwas von dem Buch gehört habe und deswegen auch die Diskussionen darüber nicht mitbekommen habe. Sind die beiden Protagonisten denn im selben Alter? Oder geht es da um einen extremen Altersunterschied oder einfach nur um ein Mädchen, das früh erwachsen wird?

    Ich habe auch das Gefühl, dass man, je mehr Dreck man als Kind schlucken musste, sehr früh eine gewisse Reife entwickeln kann. Gerade auxäch bei Mädchen, die sich früh um sich selbst kümmern mussten, ist das ja sehr oft so. Man wird viel schneller erwachsen.

    Ich finde das Buch auf jeden Fall interessant!

    Liebe Grüße
    Jessi

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