Stormdancer von Jay Kristoff
Band 1 der Lotuskrieg Trilogie
übersetzt von Aimée de Bruyn Ouboter
Genre Science Fantasy / Steampunk / Mythologie
Schauplatz fiktives Japan in der Zukunft
Verlag Cross Cult
Seitenzahl 527
1. Auflage im Original August 2012
"Am Anfang war das Nichts. Jene unendlichen Möglichkeiten, ehe das Leben Atem holt."Zitat Seite 317
Meine Meinung
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Der Einstieg war gleich recht aufregend: Die Protagonistin Yukiko lernen wir direkt in einer Kampfsituation kennen, wenn auch nur für einen kurzen Moment, da es nur ein kleiner Einblick in die Zukunft ist. Sowas mag ich, denn es macht natürlich total neugierig, wie sie in diese Situation geraten ist!
Der Schauplatz ist aber erstmal die Hauptstadt Kigen.
Besonders beeindruckend fand ich die Welt, die Kristoff hier erschaffen hat. Sie ist asiatisch inspiriert von der Lage her, den Bezeichnungen und der Mythologie - gleichzeitig aber auch durchzogen von Steampunk-Elementen und dystopischen Motiven. Luftschiffe, Raffinerien, Schutzbrillen und mechanische Konstruktionen treffen auf eine Gesellschaft mit Clans, Kastensystem und mythologischen Anklängen. Das Stadtbild ist extrem düster, denn hier prägen Dreck, Armut, Hunger und Hoffnungslosigkeit den Alltag, während Rauch und Lotusabgase die Luft vergiften.
Die Lotus-Pflanze scheint dabei das Herz dieser Welt zu sein – Energiequelle, Suchtmittel und gleichzeitig Ursache vieler Probleme. Besonders interessant ist der Gedanke, dass die Bevölkerung durch Unterhaltung und Ablenkung von der Wahrheit ferngehalten wird. Dieser Aspekt der Geschichte spielt auf die aktuelle Lage an und lässt diese Zukunft erschreckend real erscheinen.
Herrscher über das Inselreich Shima ist der Shogun Yoritomo. Ein selbstgerechter und naiver Charakter, bei dem man schnell merkt, dass die Macht ihn komplett korrumpiert hat. Aus Gerüchten und Träumen heraus ist er überzeugt, dass ein
mythischer Donnertiger – ein Greif – tatsächlich immer noch existiert und beschließt kurzerhand,
ihn besitzen zu wollen. Auf ihm will er in dem lange währenden Krieg seine Heere endlich in den Sieg führen.
Durch Yukiko schließlich lernen wir die Stadt aus der Sicht der Bewohner kennen. Trotz der vielen fremdartigen Begriffe und Namen, die am Anfang etwas überwältigend sein können, gelingt es dem Autor, eine sehr lebendige Welt zu erschaffen. Anderen scheint das alles etwas zu lange gedauert zu haben - ich fands super, da man auf diese Weise alles spürbar miterleben konnte.
Hinten im Buch gibt es auch ein Glossar für die Fremdwörter.
Mit ihr lernen wir jedenfalls eine Protagonistin kennen, die sich in dieser Welt
behaupten muss. Sie hat wenig Respekt vor Autoritäten und trägt eine große
Verantwortung, besonders gegenüber ihrem Vater Masaru, der von Lastern
geprägt ist. Trotz seiner Schwächen merkt man jedoch schnell, dass er
glaubt, das Richtige zu tun – vor allem, um das Überleben seiner Tochter zu
sichern. Diese Beziehung ist kompliziert und offenbart nach und nach die tieferen Gründe.
Ein besonders faszinierender Aspekt ist Yukikos Gabe: Sie kann mit Tieren
kommunizieren und ihre Gedanken berühren. In einer Welt, in der Tiere
beinahe ausgestorben sind, ist diese Fähigkeit etwas Kostbares – und
gleichzeitig gefährlich. Menschen mit solchen „Unreinheiten“ werden gejagt,
was Yukiko zwingt, ihre Kräfte zu verbergen.
Die eigentliche Handlung setzt dann doch schneller ein, als ich erwartet hatte.
Der Auftrag, einen Donnertiger zu fangen, führt Yukiko mit ihrem Vater und einer Crew rasch zu dem
mythischen Wesen – und hier wird es sehr actionreich und spannend!
Nebenbei entfaltet sich eine größere politische Ebene. Widerstandsgruppen
treten auf den Plan, Fragen nach Moral und Opferbereitschaft werden
gestellt: Wer entscheidet, was für das „größere Wohl“ gerechtfertigt ist?
Wie weit darf man gehen, um ein tyrannisches System zu bekämpfen?
Diese Themen machen deutlich, dass Stormdancer mehr sein möchte als nur eine
Abenteuergeschichte. Kristoff greift gesellschaftliche Fragen auf –
etwa Manipulation durch Unterhaltung oder die Macht von Propaganda und
spinnt das ganze weiter auf unsere Zukunftsaussichten. Es ist ja doch ein
frühes Werk von ihm und ich glaube, dass er diese Themen heute etwas
undurchschaubarer mit einfließen lassen würde. Manchmal mag ich es nicht so
gerne, wenn es so deutlich genannt wird, aber es passte und es sind einfach
auch wichtige Denkanstöße dabei.
Aber auch auf zwischenmenschlicher Basis:
„Es ist nicht schwer, sich in der Vorstellung zu verlieren, die man von einem Menschen hat, und ihm selbst gegenüber blind zu sein.“Zitat
Insgesamt passiert im ersten Teil der Handlung zwar gar nicht so viel im
klassischen Sinne – die Mission wird gestartet, Figuren werden eingeführt –,
aber gleichzeitig erfährt man unglaublich viel über die Welt, ihre Regeln
und ihre Konflikte. Dadurch entsteht schnell ein klares Bild davon, was noch
alles passieren könnte.
Eine spannende Mischung aus Fantasy, Steampunk und
dystopischer Gesellschaftskritik - das ganze im asiatischen Setting, mythologischen Wesen und einer rebellischen Heldin; durchsetzt von actionreichen Szenen und ein paar Überraschungen war es wie erwartet ein Vergnügen zu lesen und ich freu mich auf die Fortsetzungen!
Meine Bewertung
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Der Lotuskrieg
1 - Stormdancer
2 - Kingslayer
3 - Endsinger






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