Science Fiction: Cli-Fi
Schauplatz Frankreich
Verlag Lübbe
Seitenzahl 232
1. Auflage April 2026
Klappentext
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Seit Jahren brennt die Sonne erbarmungslos vom Himmel. Die Hitze ist
unerträglich, der Süden unbewohnbar, der Staat nur noch Fassade. Wer es sich
leisten konnte, ist rechtzeitig nach Nordschottland, Grönland, Kanada oder
Sibirien gezogen. Nur wenige Menschen sind in ihrer Heimat geblieben. Fausto
ist einer von ihnen. In einem weitgehend aufgegebenen Dorf kämpfen er und
einige wenige Nachbarn ums Überleben. Der Alltag ist hart und wenig
abwechslungsreich. Bis eines Tages eine schöne, schweigsame junge Frau
auftaucht, der die Hitze beneidenswert wenig auszumachen scheint. Fausto
verliebt sich und schöpft Hoffnung. Er ahnt nicht, welch unerhörtes
Geheimnis mit Valérie verbunden ist ...
Meine Meinung
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Diese Geschichte spielt ein Szenario durch, an dass viele von uns sicher schon
einmal gedacht haben - aber wie so viele Zukunftsaussichten verdrängt werden,
weil wir sie nicht wahrhaben wollen. Natürlich kann niemand genau wissen,
welche Klimaveränderungen auf uns zukommen, aber dass sie kommen kann keiner
mehr abstreiten. Egal an was genau es liegt ... das Klima hat sich schon immer
verändert, aber das Tempo gerade ist doch schneller als man aus der
Vergangenheit sehen kann.
Fausto Tardillon lebt jedenfalls in einer Welt, die ausdörrt. Die Temperaturen
auf der Erde sind in dieser Zukunft innerhalb weniger Jahre extrem
angestiegen. Obwohl die Vorzeichen da waren, kam dieser Wechsel zu schnell, um
sichere Vorkehrungen zu treffen, dazu kam eine Seuche, die zusätzlich eine
Menge Menschenleben gekostet hat.
Die Flucht in den Norden hat Fausto verpasst. Anfangs war das noch möglich,
als alles noch unsicher war - mittlerweile jedenfalls ist eine Reise dorthin
nur noch mit viel Geld und Glück möglich.
Fausto hat sich in dem (fiktiven) Dorf Saint-Aumarec in Frankreich ein
Quartier eingerichtet. Ein verlassenes Haus, dass er mit Solaranlagen, einem
Sonnenofen und einem Kühlschrank ausgestattet hat. Für alles andere unternimmt
er nachts immer wieder Streifzüge in die verlassenen Dörfer in der Nähe, wo er
immer wieder etwas nützliches finden kann.
Außer ihm wohnt nur noch die alte Madame Mareceaux in der kleinen Gemeinde
sowie der Pfarrer, der ebenfalls schon in die Jahre gekommen ist. Der wenige
Kontakt mit den beiden hilft ihm zumindest ein wenig über das Gefühl der
Einsamkeit hinweg, das er beständig verdrängt. Er lebt nur für das Heute und
Morgen, denn eine Zukunftsperspektive sieht er nicht mehr für sich.
Andreas Eschbach beschreibt von Anfang an eine Stimmung, die einen schon eine
leichte Gänsehaut bescheren kann. Die verlassenen Häuser und Straßen, die
immer mehr verfallen; das Fehlen von Pflanzen und Tieren, in dieser sengenden
Hitze nicht überleben können, die gespenstische Stille während die Sonne
unbarmherzig niederbrennt und die ständige Angst, dass eines Tages doch
Menschen auftauchen könnten, die nichts gutes im Sinn haben.
Sowie auch die Bauernfamilie, die nicht weit vom Dorf entfernt lebt und die
sich ihre ganz eigene Art des Lebens zurecht gelegt haben.
Plötzlich taucht jedoch eine junge Frau auf, die alles was Fausto sich über
seine Zukunft ausgemalt hat, über den Haufen wirft. Die Einsamkeit die er
verdrängt hat, die kurzfristigen Zukunftspläne von Tag zu Tag, das
überleben... alles wird plötzlich an andere Stelle gerückt und was er tut und
glaubt und hofft wirkt irreal und rein impulsiv.
Aber es ist verständlich, denke ich. Wenn man so lange alleine ist, keine
Chancen mehr sieht auf eine Veränderung und man nur darauf achtet, den
nächsten Tag zu überleben, klammert man sich an jede Hoffnung, die sich einem
bietet.
Das beflügelt ihn zum einen - zum anderen ruft es aber auch unberechenbare
Nachbarn hervor. Auf welche Gedanken die Menschen in diesen Zeiten kommen ist
grausam und erschreckend. Allerdings fand ich es aber auch etwas befremdlich
wie Fausto sich weigert, sich das bewusst zu machen. Und vielleicht auch zu
helfen. Wobei schon klar ist, dass das in dieser Situation kaum möglich ist.
Aber insgeheim hatte ich schon gehofft, dass er noch so viel Mitgefühl in sich
trägt, dass er zumindest kurz darüber nachdenken könnte.
Sein Festhalten an dem, was er glauben möchte, ist wohl einfach seinem
Überlebensinstinkt geschuldet und dass Menschen weiterleben und nicht aufgeben
wollen.
Fausto zeigt mit seiner Figur, wie jemand in all dem Schrecken und der
Hoffnungslosigkeit dennoch eine gewissen Menschlichkeit bewahrt. Durch ihn und
seine Rückblicke in die Vergangenheit erfahren wir auch, wie es soweit kommen
konnte und welches weltweite Ausmaß diese Katastrophe nach sich zieht.
Eschbach bietet aber auch eine Lösung an, die mich allerdings eher erschreckt
als ermutigen würde. Die vielen Forschungen bieten natürlich einiges an
Potenzial und wohin das ganze hier führt, spiegelt nicht meine eigenen
Erwartungen. Ich bin am überlegen, warum der Autor in diese Richtung gegangen
ist, ob es tatsächlich schon Forschungen in dieser Richtung gibt und ob es
tatsächlich möglich wäre. Eine sehr befremdliche Aussicht für mich, die ich
mir nicht so gerne genau vorstellen mag.
Das Buch ist mit etwas mehr als 200 Seiten nicht recht lang und der Fokus liegt auf dem
Protagonisten und seine kleine Welt, die aus nicht mehr viel besteht, als den
nächsten Tag zu überleben. Seine schlimmen Erlebnisse, die er hinter sich hat,
die zarte Hoffnung, die aufkeimt und das Ende, das einen neuen Anfang nehmen
könnte. Eine interessante Novelle, die nachdenklich macht - und wohl schon
eine kleine Vorbereitung auf das neue Buch "Novembersommer", das im September
erscheint. Auch hier wird es um die Klimaerwärmung gehen in Verbindung mit Geo
Engineering; eine Seitenzahl zu dem Buch hab ich noch nicht gefunden, habe
aber gehört, dass es schon etwas mehr sein sollen und dadurch auch eine
größere Tiefe zu diesem Thema. Ich bin gespannt :)
Meine Bewertung
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