Im Original Near the Bone
übersetzt von Sigrun Zühlke
Genre Drama / Mystery / Thriller
Verlag Penhaligon
Seitenzahl 368
1. Auflage April 2021
Die junge Mattie lebt mit ihrem Ehemann William allein in einer entlegenen
Berghütte. Er ist ein gewalttätiger Mensch, den Mattie niemals verärgern darf.
Doch als Mattie im Wald die verstümmelte Leiche eines Fuchses entdeckt, weiß
sie, dass die Eheleute nicht alleine in der Wildnis sind. Wer – oder was –
stößt jene seltsamen Schreie in der Nacht aus? Wessen krallenbewehrte
Fußabdrücke sind im Schnee um die Hütte zu sehen? Als drei Fremde auf dem
Berggipfel auftauchen und im Wald nach einer geheimnisvollen Kreatur suchen,
weiß Mattie, dass die Neuankömmlinge William verärgern werden. Und wenn
William wütend ist, passieren wahrlich schreckliche Dinge …
Meine Meinung
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Der Anfang hier hat mich schon mal positiv überrascht. Mattie (Martha)
stolpert im Wald im Schnee über einen toten Fuchs, während sie eigentlich nach
den Fallen Ausschau halten soll. Die kurzen Momente, in denen sie sich darüber
wundert und die seltsamen Spuren entdeckt reichen aus, um ihren wartenden Mann
misstrauisch zu machen. Mit ihm lebt sie in einer einsamen Berghütte in den
Wäldern, versteckt vor anderen, da William keine Fremden um sich mag. Und auch
keine, die Freunde werden könnten.
Oftmals spoilert ja der Klappentext und greift der Handlung weiter voraus,
aber hier haben wir direkt auf den ersten Seiten schon genau das Szenario. So
mag ich das.
Die winterliche Atmosphäre, die mysteriösen Spuren im Schnee und dieses
einsame Pärchen, das von Williams Dominanz beherrscht wird war ein guter
Einstieg um mich neugierig zu machen.
William ist streng gläubig, kontrollsüchtig und brutal, während er gleichzeitig nicht laut wird oder unbeherrscht, was besonders fatal ist, da es ihn unberechenbar macht. In dieser stillen Einöde kann er seine Vorstellungen sehr gut ausleben, nämlich Mattie klein zu halten und sich selbst als Herr aller Lagen fühlen.
Das Frauen wie Mattie nicht fliehen oder sich wehren ist leider immer wieder der Fall. Leider finden gerade solche Paare immer wieder zusammen, denn diese "typischen Opfer" haben wenig Selbstwert und es fehlt ihnen die Kraft, dagegen aufzubegehren. Mattie fragt sich nämlich sehr wohl, warum William gerade mit ihr verheiratet ist, da er so vieles an ihr auszusetzen hat und sie bestraft -> ja, Mattie, genau deshalb.
Was mit Mattie genau los ist, kann man anfangs gar nicht so recht einschätzen. Manchmal kommen Erinnerungen in ihr hoch, an ein Mädchen, Heather, und an eine Melodie... aber sie weiß nicht mehr genau, was sie damit anfangen soll. Es scheint dass sie Gedächtnislücken hat und nur das einsame und strenge Leben hier mit ihrem Mann real für sie ist. Die Zeit verstreicht auch sehr fließend und so schätzt sie sich selbst auf Anfang 20 Jahre, während William schon etwas älter ist. Sie ist so in ihrer Rolle als brave Ehefrau gefangen und eingesponnen in ihr Ängste und Zweifel, dass sie sich nicht traut, sich von ihm zu lösen.
Das mag manche nerven, aber solche Menschen gibt es eben leider auch, und sie benötigen dringend Beistand und keine Herablassung. Mir geht natürlich auch durch den Kopf, dass sie gefälligst endlich ihren Mut zusammen nehmen soll und einfach gehen oder ihn von mir aus erschießen wenn er sie schlägt; aber ich weiß wie das ist, wenn man in seinen Gefühlen festsitzt und der Funke fehlt, der zündet, so dass man in Gang kommt.
Allerdings merkt man, wie ihr die Fluchtgedanken schon immer wieder hochsteigen, auch wenn sie sie sich immer wieder verbietet, weil es "schlechte Gedanken" sind.
Ich kann schlecht einschätzen, in welcher Zeit es spielt. Es gibt auf jeden Fall Zeitungen und Kameras - ansonsten kann der Rest durchaus noch heute so passieren, irgendwo in einer Einöde. Es kommt erst nach und nach ans Licht, wie die beiden hierher gekommen sind.
Diese Kargheit und Einsamkeit beflügeln die Atmosphäre von Trostlosigkeit, die Mattie umgibt und die ihre jede Hoffnung geraubt hat, die sie jemals verspürt hat. Die Spannung verliert sich manchmal, durch Wiederholungen oder auch weil manche Szenen etwas in die Länge gezogen werden. Aber gerade das ist es auch, was mich sehr berührt hat und was deutlich macht, zu welchem Menschen Mattie geworden ist und welche Zweifel sie quälen. Immer wieder versucht etwas, an die Oberfläche durch zu brechen, aber die Angst lässt es erstmal nicht zu. Angst lässt uns viele Dinge tun, und denken, denn auch die Gedanken können in dieser Furcht erstarrt sein und eingesperrt; bis das, was verschüttet war so viel Wut und Kraft aufbringt, um sich zur Wehr zu setzen.
Hier sieht man auch sehr schön, wozu die Wut eigentlich da ist: aus einer Starre ausbrechen zu können, sich zu wehren, sich zu verteidigen und die Angst zu überwinden!
In diesem Schicksalsdrama hat die Autorin aber noch eine mysteriöse Komponente eingeflochten, die sehr gut mit hinein gepasst hat, die ich aber nie so wirklich greifen konnte. Bzw. verstehen warum und weshalb das jetzt hier mit hingehörte. Man kann zwar einen weiten Bogen schlagen zur Geschichte um Mattie, aber der Sinn erschließt sich mir trotzdem nicht so ganz. Außer sie wollte einfach noch einen gruseligen und irrealen Aspekt noch dazu packen.
Ein sehr gutes und äußerst trauriges Beispiel dafür, wie Machtmissbrauch und Indoktrinierung einen Menschen geistig verkümmern und verstümmeln können. Ein berührendes Drama, ein packender Thriller und ein unheimliches Monster - ob Mensch oder mysteriöse Bestie müsst ihr selbst herausfinden :)
Meine Bewertung
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Guten Morgen Aleshanee,
AntwortenLöschenDas klingt ganz nach einem Buch, das mir auch gefallen könnte. Ich lese relativ häufig über Frauen, die unter einem Mann zu leiden haben und sich in eine gewisse Rolle begeben. Leider ist das ja heute immer noch sehr aktuell, obwohl man denken sollte, dass sich das Bild der Frau langsam mal geändert haben sollte.
Auf jeden Fall danke für diesen Buchtipp, das werde ich mir mal merken, vielleicht fällt mir das Buch in die Hände.
Liebe Grüße
Jessi