Der Waisenjunge Kay Harker lebt in einem riesigen alten Landhaus und wird
von der launischen Sylvia Daisy Pouncer betreut und ab und an von dem
ungemütlichen und flatterhaften Sir Theopompous besucht.
Er führt kein schlechtes Leben, auch wenn er ständig die Maßregelungen
erdulden muss und die Langeweile ihn erdrückt - bis aus einem alten
Familienporträt Kays Urgroßvater, ein Kapitän, heraustritt, der der Legende
nach mit einem sagenhaften Schatz geflohen ist.
Bald schon begibt sich Kay auf eine spannende Suche, die jeden Abend um
Mitternacht beginnt und ihn in die verzauberte und gefährliche Welt der
Mitternachtspiraten, Wegelagerer, sprechenden Tiere und einer Bande von Hexen
führt.
The Midnight Folk von John Masefield
Band 1 des Urban Fantasy Abenteuers von Kay Harker
mit Illustrationen von Quentin Blake
Schauplatz England - Kinder / Jugendbuch Klassiker
Verlag Egmont Books - Seitenzahl 300 - 1. Auflage Januar 1927
Meine Meinung
๘๘๘๘๘๘๘๘๘๘๘
Wie immer häufiger bin ich über diesen Buchtitel in einem anderen Buch
gestolpert - und zwar in der Reihe um die Uralte Metropole von Christoph
Marzi. Sowas macht mich immer neugierig, weil ich hier das Gefühl hatte, dass
dieses Buch bzw. diese Dilogie dem Autor wirklich selbst wichtig war oder eine
schöne Erinnerung hatte, die er hier gerne mit eingebracht hat.
Jedenfalls bin ich neugierig geworden und war erstaunt, wie unterschiedlich
der Stil sich von damals bis heute gewandelt hat.
Kay hat kein einfaches, aber auch kein sehr schweres Leben. Als Waise wächst
er bei der strengen Mrs Pouncer auf, wird in verschiedenen Fächern
unterrichtet und fühlt sich vor allem recht einsam. Nicht mal seine
Spielsachen hat er noch, doch als ihn mitten in der Nacht plötzlich der Kater
Nibbons durch einen Geheimgang führt, beginnt ein spannendes Abenteuer.
Der alte Stil war wieder etwas schwieriger zu lesen in englisch. Trotzdem hab
ich mich nach einiger Zeit gut zurecht gefunden und man spürt hier wieder sehr
gut die Atmosphäre der damaligen Zeit. Auch dass Kay überhaupt keine
Überraschung zeigt, als der Kater plötzlich mit ihm spricht, Hexen durchs Haus
wandeln und sie auf Besen fliegen ist typisch für die damaligen
Geschichten.
Kay selbst ist anfangs gar nicht so greifbar. Er lauscht den Erzählungen
anderer und erfährt so viele Geheimnisse - natürlich auch über die Gerüchte
des verschwundenen Schatzes, den sein Ur-Großvater geklaut und versteckt haben
soll. Er hat viel Spaß dabei, die kleinen Puzzlestückchen zusammen zu setzen
und den Weg des Schiffes mit der kostbaren Ladung zu verfolgen - es soll ja
gesunken sein und deshalb war ich schon neugierig, wo der Schatz am Ende dann
doch auftauchen wird.
Auch ist nicht er alleine auf der Suche, denn viele wissen über den Schatz
Bescheid und sind schon lange auf der Suche danach.
Heutzutage wird nicht mehr auf diese Art erzählt und ich muss gestehen, dass
ich mich damit schon ein bisschen schwer getan habe. Kay erhält die Hinweise
durch die Erzählungen anderer, die auf sehr unterschiedliche und kuriose Art
aus dem Nähkästchen plaudern und aus ihrer Sicht erzählen, was in der
Vergangenheit passiert ist. Meist in einem recht langen Monolog ohne viel
Interaktion oder einem richtigen Gespräch.
Das ändert sich ab ca. der Hälfte des Buches und da kommt dann für mich auch
etwas mehr Schwung in die Geschichte. Die Ideen sind sehr kurios und die
Schatzsuche bringt letztendlich für Kay einige positive Veränderungen mit
sich.
Ich hatte mir hier etwas mehr erwartet, könnte mir aber gut vorstellen, dass
es für Kids ein ganz anderes abenteuerliches Feeling ist! Dadurch, dass Kay
recht "austauschbar" bleibt und einfach eine große Abenteuerlust mitbringt und
Geheimnisse aufdeckt, kann sich da wohl jedes Kind super hineinfühlen
:)
Ich kenne mittlerweile schon zu vieles und gerade die Erzählweise wirkt hier
auf mich einfach veraltet und nicht so mitreißend, wie ich es gewohnt bin.
Den zweiten Band um Kay Harker: The Box of Delights - hab ich direkt im
Anschluss gelesen. Das war im Dezember, denn hier gibt es einen Bezug zu
Weihnachten, weshalb ich diese zwei Bände auch in der Adventszeit lesen wollte
:)
Kay ist tatsächlich auf dem Heimweg in die Weihnachtsferien mit dem Zug. Beim
Umsteigen lernt er kurz einen alten Mann mit einem Hund kennen, der ihm eine
seltsame Botschaft aufträgt.
Zuhause angekommen trifft er auf die Geschwister Jones: Jemima, Maria, Susan
und Peter, die die Weihnachtstage mit ihm zusammen verbringen werden. Es stellt sich heraus, dass der alte Mann ein Puppenspieler ist, der abends bei ihnen vorbeischaut und eine Vorstellung gibt. Er hat ein Kästchen bei sich, die "Box of Delights", die magische Kräfte hat.
Wie meist bei solche wertvollen Dingen sind noch andere hinter ihm her und so trifft Kay auf alte Bekannte, mit denen er sich schon einmal auseinander setzen musste.
Diesen zweiten Band fand ich etwas einfacher zu lesen. Vielleicht, weil ich den Stil durch Band 1 schon gewohnt war, zum anderen aber auch weil hier mehr Interaktionen und Dialoge integriert waren. Von Anfang an war viel Abwechslung im Spiel und kuriose Gestalten, vor denen sich Kay in Acht nehmen muss.
Allerdings hat mich die Handlung dann irgendwie verloren im Verlauf der Geschichte ... ich hab das Buch bei der Hälfte abgebrochen. Ich hab das Gefühl, dass das tatsächlich eher für Kinder funktioniert, die noch nicht so viel Leseerfahrungen haben und Geschichten kennen, die sich noch auf die vielen Kinderabenteuer, wie sie hier erzählt werden, einlassen können. Bei vielen Kinderbüchern hab ich definitiv auch Spaß, aber hier hatte ich mir mehr von der "Box" und ihrer Magie versprochen und hatte es mir einfach insgesamt packender erhofft.
Schade, aber wieder um eine Erfahrung reicher :)
Mit älteren Werken in englisch werde ich erstmal abwarten, bis mein Leseverständnis noch etwas besser geworden ist, denn auch hier hab ich gemerkt, dass viele alte Wörter und der Stil mir in englisch doch noch schwer fallen.
The Box of Delights von John Masefield
Band 2 des Urban Fantasy Abenteuers von Kay Harker
mit Illustrationen von Quentin Blake
Schauplatz England - Kinder / Jugendbuch Klassiker
Verlag Egmont Books - Seitenzahl 300 - 1. Auflage Januar 1935







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