Montag, 26. Oktober 2026

Orakel von Thomas Olde Heuvelt



Orakel von Thomas Olde Heuvelt


Im Original Orakel
übersetzt von Julian Haefs

Genre Übernatürlicher Horror (Supernatural)
Schauplatz Niederlande

Verlag Heyne
Seitenzahl 653
1. Auflage im Original März 2021





Ein großartiges Buch, das mit einem leisen, unheimlichen Szenario beginnt 
und im Verlaufe der Handlungen Dimensionen annimmt, 
die weit über unsere Vorstellungen hinausreichen. 


Wir befinden uns in den Niederlanden, in Noordwijk um genau zu sein. Einem kleinen Ort in der Nähe der Küste. An einem extrem nebligen Morgen taucht im Tulpenfeld eines Blumenbauern ein Schiff auf. Ein altes Segelschiff, das mitten im Feld im aufgeweichten Boden liegt, als wäre es über Nacht hier gestrandet. Entdeckt wird es von zwei Jugendlichen auf dem Weg zur Schule. 
Und während die alte Schiffsglocke läutet und die Neugierigen durch die offene Luke steigen, verschwinden sie spurlos...

Schon auf den ersten Seiten hat mich der Autor hier direkt in die Geschichte gesogen. Die ganze Idee finde ich einen perfekten Einstieg; es ist mysteriös, ein bisschen unheimlich und macht neugierig, was wohl dahinter steckt. Und man merkt auch gleich, dass der Autor sich nicht scheut, harte Konsequenzen zu ziehen - das kennt man aber schon aus seinen anderen Büchern.

Dann treffen wir auch recht bald auf Robert Grim. Wer Hex gelesen hat, weiß, von wem ich rede und mit seinen mittlerweile 67 Jahren ist er ein zurückgezogener Einsiedler geworden, der seine Erinnerungen in Alkohol ertränkt. Doch plötzlich steht der Geheimdienst vor seiner Tür, denn er ist der einzige, der sich mit übersinnlichen Phänomenen auskennt. 
Es kommen auch kleine Andeutungen zu den Ereignissen in Black Spring vor 9 Jahren, aber die stehen mit diesem Buch hier nicht wirklich im Zusammenhang.

Die Regierung hat hier jedenfalls auch einen festen Fokus in dem Szenario: nämlich alles unter Verschluss zu halten um eine Massenpanik zu verhindern. Da das Schiff hier mitten auf einem Feld nicht zu übersehen ist, müssen sie einige Strategien anwenden, die nicht wirklich ehrlich und auch nicht vertrauenserweckend sind. Ich würde sie sogar übergriffig und rücksichtslos jedweder Fürsorge und Menschlichkeit nennen und natürlich nimmt dadurch das Drama seinen Lauf. 
Da die Geheimhaltung hier oberste Priorität hat, haben mich einige etwas laxe Verhaltensweisen gewundert, aber ich hab mir auch gar nicht so viele Gedanken gemacht, weil mich die Handlung konsequent weiter gezogen hat. 

Mit Luca haben wir einen sehr jungen Protagonisten von 13 Jahren, der hier zwischen die Mühlen der Ereignisse gerät und in einen Strudel, der sein ganzes Leben auseinander zu reißen droht. Er bekommt übrigens auch eine Freundin an seine Seite, die mit ihrer Logik und ihrem festen Glauben an ihn so einige Hindernisse aus dem Weg zu räumen weiß und deren Rolle ich sehr gut durchdacht finde. Ich hatte nämlich zwischendurch so meine Zweifel, was ich von ihr halten soll; ein taffes Mädchen und absolut sympathisch - aber schon etwas strange ...

Dagegen ist Robert Grim schon ein Senior und während er anfangs noch etwas im Hintergrund bleibt, wird seine Rolle später noch zu einem wichtigen Bestandteil. Ich mochte ihn, wie er zum einen versucht, sich treu zu bleiben und gleichzeitig den schmalen Grat entlangwandert, den Geheimdienst bei Laune zu halten. Er hat seine Prinzipien und denen möchte er treu bleiben.

Das Buch hat schaurige, unheimliche und auch ein paar eklige Szenen, setzt aber vor allem auf unterschwelliges Gruseln. Zumindest für mich. Es ist eine gute Mischung aus verschiedenen Elementen des Grauens, die eine düstere Atmosphäre schaffen. 
Die Handlung geht dabei ohne viel Trubel zügig voran und wirft immer mehr Fragen auf, während auch vieles schlüssiger wird. Bis plötzlich ein Moment kommt, in dem ich schon dachte, dem großen Showdown gegenüber zu stehen und ein actionreiches Spektakel ganz schön Tempo entfacht. Aber der Autor setzt noch einen drauf, denn was uns hier am Ende erwartet hat viel mit tief verwurzelten Glauben zu tun, mit alten Mythologien und bündelt alle Fäden auf engstem Raum: Ein epischer, fast schon kosmischer Kampf zweier Naturgewalten, bei dem die Charaktere nur Spielfiguren sind.

Es gab auch witzige Nebenfiguren und amüsante Augenblicke, bei denen man kurz zum Durchschnaufen kam. Ansonsten ist hier mit den meisten nicht zu spaßen und Grim sowie Luca müssen einiges aufbieten, um sich aus der Schusslinie zu bringen. Dazu kommt das unheilvolle Grauen aus dem mystischen Hintergrund, das immer greifbarer wird. 
Sehr genial fand ich auch einige Momente, die sehr an Szenen aus Stranger Things erinnert haben. Es wirkte aber keineswegs so konstruiert oder abgekupfert, sondern der Vibe ist hier einfach mit reingeschwappt und hat nochmal zusätzlich einen übernatürlichen Touch gegeben.

Der ganze Aufbau war einfach richtig gut gemacht. Am Ende jedes Abschnitts gabs ein kleines "Intermezzo", das durch Ereignisse andernorts oder zu anderer Zeit Einblicke gewährt, die wieder Puzzleteile für das Gesamtbild geliefert haben. Überhaupt gibt es viele kleine oder größere Verbindungen, die man leicht übersehen kann, da sollte man wirklich genau aufpassen ;) Gerade das hat großen Spaß gemacht neben all der Spannung und dem Rätselhaften. Ich war insgesamt wirklich begeistert!

Thema ★★★★★ Uralte Mysterien und Flüche, tief im Glauben verwurzelt - dazu die unantastbare
Wirksamkeit des Militärs verbunden mit
Mystery und Horrorelementen
Schreibstil ★★★★★ Sehr auf den Punkt, anschaulich und flüssig
zu lesen
Figuren ★★★★★ Glaubwürdig und vielschichtig trifft man
auf die unterschiedlichsten Charaktere
Dynamik ★★★★★ Guter Mix aus ruhigem Suspence,
unheimlichen Momenten und Actionszenen
Emotionen ★★★★ Viele rätselhafte Fragen die mich mit
fiebern ließen; gerade auch einzelne
Schicksale der Figuren

Meine Bewertung




Ebenfalls rezensiert bei

July Bookish 4.5/5


Robert Grim Bände
1 - Hex
2 - Orakel



Kleine Info am Rande, weil vielen das nicht bewusst ist - und hier etwas erwähnt wurde, weswegen ich dann mal genauer nachgeschaut habe:

Ein Kreuzfahrtschiff verbraucht im durchschnittlichen Durchschnitt 200.000 Liter Benzin pro Tag. Teilt man den täglichen Schiffskraftstoff durch den Bedarf eines Autos, ergeben sich beeindruckende Dimensionen:

Minimaler Schiffstank (150.000 Liter): Reicht für rund 61.000 Autos.
Maximaler Schiffstank (250.000 Liter): Reicht für rund 102.000 Autos.

Gesamte Fahrtstrecke: Würde man den Kraftstoff eines Tages (im Schnitt 200.000 Liter) in ein einziges Auto tanken, könnte dieses damit ca. 2,8 Millionen Kilometer weit fahren. Das entspricht etwa 70 Runden um die Erde.






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