»The Traveler« ist ein spannender Zukunftsthriller mit genialer Prämisse:
Ein Zeitreisender, der mit exponentieller Geschwindigkeit in die Zukunft
springt.
Jeden Morgen um genau 07:52 Uhr beginnt Scott Treder eine ungewollte Reise
in die Zukunft. Beim ersten Mal vergehen in einem Augenblick plötzlich 24
Stunden, doch dann werden die Zeitsprünge länger - und das exponentiell.
Zuerst vergeht ein Tag, dann zwei, dann vier, bis schließlich Wochen an ihm
vorbeiziehen. Jahre. Es dauert nicht lange, bis seine Frau Amy die Belastung
nicht mehr aushält. Oder bis Lyle, sein genialer kleiner Junge, älter ist
als er. Und je länger die Sprünge werden, desto gefährlicher werden sie
auch. Die Welt verändert sich dramatisch und Scott begreift, dass er
letztlich auf das Ende des Universums zusteuert.
The Traveler von Joseph Eckert
Übersetzt von Bernd SambaleGenre Science Fiction - Zeitreisen
Verlag Fischer TOR - Seitenzahl 525 - 1. Auflage Oktober 2026
Es waren die kleinen Dinge, aber sie bedeuteten mir alles. Die vielen Alltäglichkeiten, aus denen ein Leben bestand.Zitat Seite 97
Meine Meinung
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Das Konzept fand ich hier schon sehr faszinierend ➡Ein Zeitreisender, der mit
exponentieller Geschwindigkeit in die Zukunft springt. Zeitreisen sind immer
ein cooles Thema, auch wenn die Logik natürlich widersprüchlich ist und es nie
wirklich schlüssig klingt, egal, wie es erklärt wird. Es ist und bleibt
paradox.
Genau aus diesem Grund gehe ich ohne große Vorstellungen an so eine Geschichte
und lasse mich überraschen.
Der Autor lässt uns anfangs nicht viel Zeit, über die Situation nachzudenken. Schon auf den ersten Seiten springen
wir mit Scott direkt einen Tag vorwärts. Und während seine Frau und sein
7jähriger Sohn noch zu begreifen suchen, warum er einen kompletten Tag
verschwunden ist, ist er auch schon wieder weg. Für 2 Tage.
Eckert bricht erfrischend mit den typischen Paradoxien des Genres. Inspiriert von einem mathematischen Gedankenexperiment aus seiner Kindheit – dem Prinzip der exponentiellen Verdopplung –, schickt er seinen Protagonisten auf eine unerbittliche Einbahnstraße ausschließlich in die Zukunft. Ohne die Möglichkeit, Fehler der Vergangenheit nachträglich zu korrigieren, entfaltet die Handlung eine tragische, unausweichliche Konsequenz.
Scott zweifelt während dieser Reise beständig sich selbst. Weiß nicht, was los ist - trifft aber direkt eine gute, logische Entscheidung: Er geht zu Leuten, die sich auskennen
sollten und ihm vielleicht weiterhelfen können. Dabei ist ihm und seiner
Familie klar: aus einem, zwei, dann vier Tagen, werden schnell zwei Wochen,
Monate oder Jahre werden. Für Scott eine Katastrophe, weil er sich
nicht erklären kann, was mit ihm passiert. Und warum. Und warum ausgerechnet ihm?
Diese Verzweiflung ist sehr stark spürbar, auch die Hilflosigkeit gegenüber
der Situation; mir manchmal tatsächlich etwas zu viel. Wenn man vor so einem
erdachten Szenario steht und darüber liest, kann man sich natürlich Gedanken machen, wie
man selbst reagieren würde. Scott will nichts sehen oder erleben oder auserwählt sein; er will einfach nur sein Leben zurück.
"... Aber was ist Glück überhaupt? Ist das überhaupt ein eigenständiges Gefühl, etwas, das man dauerhaft empfinden kann? Oder ist es eher das Fehlen negativer Gefühle, die Abwesenheit von Sorge. [...] Glücklich kann ich mich nicht wirklich nennen. Aber zufrieden? Klar. Und vielleicht kann man auf mehr ohnehin nicht hoffen. ..."Zitat Seite 208
Seine Frau verhält sich etwas merkwürdig. Es ist klar, dass das ganze abstrus
ist und kaum zu glauben, aber trotzdem fand ich ihre Reaktionen trotz ihrer
Vergangenheit nicht sehr teilnahmsvoll. Auch hier kann ich nur von mir selbst
ausgehen, aber verstanden hab ich ihre Entscheidungen nicht.
Das alles passiert übrigens schon auf den ersten 50 Seiten - was ich super
fand, denn so kommt man direkt ins Geschehen ohne langes Vorgeplänkel.
Allerdings hab ich mich gefragt: ich hab noch knapp 500 Seiten vor mir - was
passiert hier denn alles noch? Wie wird es aufgeklärt und wird es auch
irgendwie logisch sein?
Zumindest die ersten wissenschaftlichen Vermutungen zeigen, dass der Autor zu
dem Thema schon gut recherchiert hat. Die Sprünge werden aber ja alle um so
viel länger - was für eine Zukunft erwartet mich hier?
Überrascht hat mich, dass mich hier keine große Action oder ein
Abenteuergefühl erwartet hat, sondern eher ein nüchternes, bedrückendes Gefühl
des Verpassens. Dem Verfliegen der Zeit, nur Augenblicke in Jahren, die
vorbeiziehen, während man selbst nur einzelne Tage erlebt.
Ich denke, hier spielt auch die 15-jährige Entstehungsgeschichte des Buches mit. Als Joseph Eckert den ersten Entwurf schrieb, identifizierte er sich emotional noch mit dem Sohn Lyle. Als der Roman 2026 schließlich erschien, war Eckert selbst Vater geworden. Dieser reale Perspektivwechsel im Leben des Autors ist auf jeder Seite spürbar: Der Schmerz, das Aufwachsen des eigenen Kindes unaufhaltsam im Zeitraffer zu verpassen, wird hier nicht als bloßes Sci-Fi-Gimmick ausgespielt, sondern als radikales, zutiefst menschliches Familiendrama inszeniert.
Eine Allegorie an unser Leben, dem Hetzen durch die Tage, die an uns
vorbeifliegen und von vielen kaum noch wahrgenommen werden.
So oft hört man, "die Zeit rast", die Monate ziehen an einem vorbei ... umso
wichtiger ist es, immer wieder innezuhalten. Den Moment zu erleben, die
Freude, die Trauer, die Angst und das Glück. Jeder Moment ist wichtig und
schenkt uns eine Erinnerung. Schenkt uns Erfahrung aus der wir Wachsen können.
"... Aber vielleicht solltest du dich fragen: Unterscheidet sich dein Leben so sehr von dem des Reisenden? Hast du dir je die Zeit genommen, innezuhalten, zu atmen und dich umzublicken, oder springst auch du nur vorwärts, Tag für Tag?"
Aber auch die Veränderung, die sozusagen während einem Wimpernschlag passiert
- die Struktur der Städte, der Menschen, die Technik. Ich fand super welche
Ideen der Autor einbringt. Nichts neues, wenn man schon Dystopien oder
Zukunftsgeschichten gelesen hat oder sich informiert hat, wie es weitergehen
wird mit der Erde - das hatte eine Sogwirkung wie auch Scott im weiter gezogen
wurde!
Manchmal hätte ich mir ein bisschen mehr Einsicht von Scott gewünscht, oder
eine andere Momentaufnahme von bestimmten Tagen. Es ist schwer zu beschreiben,
es gab einige Szenen beim Lesen, die mich nicht ganz so mitreißen konnten.
Insgesamt aber konnte ich es schwer aus der Hand legen, einfach weil ich immer
wissen wollte: wie geht es weiter? Was passiert als nächstes? Wie sieht die
Zukunft aus?
Und natürlich: wie wird es enden.
An sich hatte ich vier Sterne im Visier, aber mit dem genialen Schluss, der
hat dem ganzen wirklich ein passendes Finale geschaffen und eine Erklärung,
die kein Feuerwerk bei mir entzündet hat, aber ich war eh schon die ganze Zeit
so gebannt. Ich hab am Ende einfach nur gedacht: wtf! O.O
Tolle Idee, viele wichtige Botschaften, spannende Zeitreise und faszinierende
Ideen für die Zukunft! Ein ganz tolles Debüt!
| Thema | ★★★★★ | Zeitreisen, das Leben im Augenblick, Achtsam- keit, Zukunftsaussichten |
| Schreibstil | ★★★★ | Es wirkt recht nüchtern, zieht einen aber gut in die Geschichte und ist flüssig zu lesen |
| Figuren | ★★★★★ | Manche Entscheidungen und Gedanken wirken spröde; fühlen sich dadurch aber auch echt an |
| Dynamik | ★★★★★ | Der Zeitstrahl ist vorgegeben und geht gerade-wegs voraus; überrascht aber immer wieder |
| Emotionen | ★★★★ | Bleiben bei mir weitgehend neutral, aber gerade gegen Ende wird es höchst packend! |
Meine Bewertung
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