Freitag, 6. November 2026

Schweigsame Nonnen plaudern gern von Alan Bradley

Die bezaubernde Flavia ermittelt in ihrem letzten Fall

Im Orden der Mildreichen Schwestern stirbt eine Nonne. Doch bei der Leichenwaschung stellt sich heraus: Sie war keine Frau, sondern eigentlich ein Mann! Und der Körper weist noch dazu verheilte Schusswunden auf. Um einen Skandal zu verhindern, bittet die ehrwürdige Mutter Oberin Flavia und ihren Vertrauten Dogger um Hilfe bei den Ermittlungen: Wer war die Person unter dem Habit? Und warum musste sie ihre wahre Identität jahrelang verbergen? Ein spannender neuer Fall für die raffinierte und findige Detektivin Flavia.







Schweigsame Nonnen plaudern gern von Alan Bradley


der 12. und letzte Fall für Flavia de Luce in der historischen Krimireihe
Im Original Numb Were the Beadsman's Fingers 
übersetzt von Katharina Orgaß
Schauplatz ländliche englische Grafschaft unweit des 
fiktiven Dorfes Bishop's Lacey in den 1950er bzw 60er Jahren

Verlag Penhaligon - Seitenzahl 224 - Erste Auflage Oktober 2026



Meine Meinung
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Mit diesem Band schließt die Reihe um die kuriose Flavia de Luce, die wir jetzt über Jahre bei ihren Ermittlungen begleiten durften. Aus dem jungen Mädchen ist eine junge Dame geworden, doch die Leidenschaft fürs Morbide und chemische Experimentieren ist ihr geblieben.

Der Autor ist leider im Mai 2026 im Alter von 88 Jahren verstorben.
Sich in diesem Alter noch ans Schreiben zu setzen finde ich sensationell. Vor allem mit so einer jungen, aufmüpfigen Protagonistin, die sich gerne in alles einmischt und mit ihrer Klugheit nicht hinterm Berg hält. Dazu passt hervorragend ein Zitat von Seneca, das er im Nachwort erwähnt und das ihn wohl sein ganzes Leben begleitet hat:


"Bewahre dir deine jugendliche Begeisterungsfähigkeit. 
Wenn du alt bist, wirst du sie brauchen können."
Zitat


Dieses Mal werden wir direkt mit dem Tod einer Nonne konfrontiert. Allerdings stellt sich heraus, dass diese ein Mann war und sich in das Kloster eingeschlichen und dort gelebt hat. Ob er sich nun dort versteckt gehalten hat, vor etwas geflohen ist oder andere Gründe hatte, wird Flavia zusammen mit Dogger herausfinden müssen!

Mit dem alten Kriegsveteran und Hausdiener der Familie de Luce hat die junge Frau ja mittlerweile eine Art Detektiv Unternehmen gegründet, so dass sie bei ihren Ermittlungen jetzt immer eine gute Unterstützung dabei hat. 
Ihre erfrischend nüchterne Art gegenüber dem Tod behält sie sich jedoch bei. Für sie ist es nichts dramatisches, sondern offen und versöhnlich. Und ja, natürlich auch pragmatisch.


"Vielleicht war es kein Kummer", erwiderte ich. "vielleicht war es eine Erleichterung."
"Vielleicht", sagte Dogger. "Beides kann schmerzhaft sein."
Zitat Seite 37


Alan Bradley bedient sich ja meist einer recht einfallsreichen Art, Metaphern einzusetzen, aber hier sind wirklich viele blumige Vergleich mit eingeflossen, die höchst amüsant zu lesen sind :) Alleine der Geruch, als Flavia eine Bibliothek betritt, füllt eine ganze Seite und trifft es so ungemein gut! 
Überhaupt ist es sehr schön und auch flüssig zu lesen. Ich erinnere mich, dass ich den Stil in manchen Bänden der Reihe etwas nüchtern fand, aber hier geht es zügig und anschaulich voran.
Natürlich gibt es auch wieder Wissenswertes über Chemie und andere Bildungslücken - da lässt sich Flavia nichts vormachen und hält sich auch nicht zurück mit ihrer Prahlerei ^^

Der Fall selbst ist sehr undurchsichtig und führt Flavia bis nach Klondike. Also nicht physisch, sondern in einem Reisebericht eines ihrer Vorfahren, der dort sein Glück mit der Goldsuche finden wollte. Wie immer forscht Flavia auf eigene Faust - und erfährt Hintergründe und das ein oder andere Detail. So wirklich trägt das ganze aber nicht zur Aufklärung bei und ich muss sagen, dass der Fall selbst nicht der Rede wert ist. Das war schon etwas schade.
Hier hat auch der deutsche Titel falsche Erwartungen geschürt, denn plaudernde Nonnen hab ich vergeblich gesucht. Es ging in eine völlig andere Richtung.

Was dafür aber wirklich herausgestochen hat ist der Schreibstil. Das war ein absolut amüsantes Lesevergnügen! Wie ich anfangs schon geschrieben habe, verwendet der Autor eine Menge Vergleiche, Metaphern und blumiger Redewendungen - es hat einfach Spaß gemacht zu lesen, da ist die Handlung manchmal etwas in den Hintergrund gerückt. 

Flavia ist jedenfalls im Leben angekommen. Sie weiß wer sie ist und was sie will. Sie ist ein gutherziger Mensch mit kleinen Marotten, wie wohl jeder sie hat und auch mit ihren Schwestern findet sie Frieden, mehr oder weniger. Mit Dogger hat sie einen verlässlichen, großartigen Freund an ihrer Seite, der ihr immer beistehen wird.
Und es fühlt sich auch wie ein Abschiednehmen an, als hätte er geahnt, dass er Flavia nach diesem Buch sich selbst überlässt - und dass er das guten Gewissens tun kann.

Thema★★★★Ein mysteriöser Fall um eine tote Nonne - gleichzeitig wird Flavia jetzt erwachsen
Schreibstil★★★★★Ein Traum zu lesen! Wortspielereien und perfekt eingesetzte 
Figuren★★★★Flavia steht wie immer im Mittelpunkt, und Dogger - 
Dynamik★★★Guter Mix aus ruhigem Suspence,
unheimlichen Momenten und Actionszenen
Emotionen★★★Viele rätselhafte Fragen die mich mit
fiebern ließen; gerade auch einzelne
Schicksale der Figuren

Meine Bewertung
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Ich wusste, dass der Autor schon recht alt ist, aber mir war noch nie bewusst aufgefallen, dass er 1938 geboren wurde - die Zeit der 50er und 60er Jahre, in der wir uns hier befinden, also bestens miterlebt hat und sozusagen aus seinen Erinnerungen erzählt!

Wobei das nicht für den Schauplatz England gilt, denn dort ist er tatsächlich erst im Alter von 69 Jahren hingereist, um in London den Debut Dagger Award der britischen Crime Writers' Association für die ersten 15 Seiten seines Manuskripts zu The Sweetness at the Bottom of the Pie (dt. „Mord im Gurkenbeet“) entgegenzunehmen. 

Er kannte England nur aus Büchern und sah seine Eindrücke bei seinem Besuch bestätigt. Danach reiste er noch öfter dorthin, um Kulissen wie Kathedralen, Landschaften oder alte Herrenhäuser noch plastischer beschreiben zu können. Schließlich zog er sogar auf die britische Isle of Man, wo er schließlich verstarb.
Info aus Wikipedia



Flavia de Luce Reihe

12 - Schweigsame Nonnen plaudern gern


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