Montag, 13. April 2015

Rezension: Mord im Gurkenbeet von Alan Bradley

Genre: All Age Kriminalroman

Originaltitel: The Sweetness at the Bottom of the Pie
Band 1 der Flavia de Luce Reihe

Verlag: Blanvalet
Seitenzahl: 384
Hardcover: nur gebraucht erhältlich
Taschenbuch: 8,99 €
ebook: 7,99 €

1. Auflage: Sept 2009

Website zur Reihe



»Ich würde gerne behaupten, dass ich mich gefürchtet hätte, aber das stimmt nicht. Ganz im Gegenteil. Es war das mit Abstand Spannendste, was ich je erlebt hatte.« S. 37


Klappentext

Die junge Flavia de Luce staunt nicht schlecht, als sie im ersten Morgenlicht eine Leiche im Garten entdeckt – ausgerechnet im Gurkenbeet! Jeder hält ihren Vater für den Mörder, denn Colonel de Luce hat sich noch tags zuvor mit dem Verblichenen gestritten. Nur ein einziger Mensch glaubt felsenfest an die Unschuld des Colonels – seine neunmalkluge Tochter Flavia. Schließlich ist der Ermordete vergiftet worden, und – ganz im Gegensatz zu Flavia, die eine begnadete Giftmischerin ist – ihr Vater hat nie Interesse an der Chemie des Todes gezeigt. Also fragt Flavia in vermeintlich kindlicher Unschuld sämtlichen Zeugen Löcher in den Bauch. Hartnäckig folgt sie jeder noch so abwegigen Spur – bis sie einsehen muss, dass ihr Vater tatsächlich ein dunkles Geheimnis hütet. Und so befürchtet Flavia, dass sie vielleicht eine zu gute Detektivin ist …

Meine Meinung
 

Das Buch hatte ich vor einigen Jahren schon mal angetestet und hatte nicht wirklich reingefunden. Jetzt wollte ich ihm aber nochmal eine Chance geben und siehe da: manchmal erwischt man einfach den richtigen Zeitpunkt :)

Flavia de Luce ist 11 Jahre alt und alles andere als ein gewöhnliches Mädchen. Sie lebt mit ihrem Vater, Colonel de Luce und ihren beiden älteren Schwestern Ophelia und Daphne auf einem Anwesen nahe des Dorfes Bishop´s Lane im England des Jahres 1950. 
Flavias Mutter starb beim Bergsteigen, als das Mädchen erst 1 Jahr alt war. Dass ihr das sehr zu schaffen macht, verdrängt die 11jährige sehr gut, doch die gehässigen und arroganten Schwestern rufen es ihr immer wieder nur zu gerne in Erinnerung. Das Verhältnis zwischen den Geschwistern ist wirklich sehr fragwürdig, denn es kommt schon mal vor, dass die beiden Älteren Flavia im Schrank auf dem Dachboden einsperren - gefesselt und geknebelt versteht sich. Doch wie aus vielen anderen brenzligen Situationen windet scih die junge Flavia mit ihrem logischen Verstand wieder heraus. 
Bei ihrem Vater hat sie leider auch kaum Rückhalt. Als ehemaliger Berufssoldat ist er zwar tapfer, unbeugsam und dabei unerschütterlich britisch; aber in vielen Situationen auch angespannt, jähzornig und trübsinnig. Familiäre Liebe wird in diesem Haushalt nie wirklich gezeigt, da anscheinend jeder Angst hat, sich vor den anderen zu öffnen; ein kaltes, eher ungemütliches Heim.

Doch Flavia lässt sich davon nicht unterkriegen, denn sie hat für sich einen Rückzugsort gefunden, der sie sogar ihrer toten Mutter näherbringt: das alte Chemielabor eines Vorfahren, das im Ostflügel des Anwesens vor sich hingestaubt hat. Für ihr Alter ist sie sehr belesen und hat sich die Grundlagen und auch einiges weitere über chemische Zusammensetzungen selbst beigebracht und experimentiert dort am liebsten mit Giften jeglicher Art. 

Die Handlung ist einerseits ein nebulöser Kriminalfall, dessen Lösung das Mädchen mit entschlossenem Eifer und unerschütterlichem Ehrgeiz verfolgt - aber andererseits auch die Geschichte eines einsamen Kindes, das auf seine eigene Art irgendwie versucht, mit ihrem Leben klarzukommen. Sehr oft wirkt Flavia altklug und sie kompensiert ihr Gefühl der Verlorenheit mit einem (zu) gesunden Selbstvertrauen, dass mich überraschenderweise nicht wirklich genervt, sondern einen erfrischend positiven Eindruck gemacht hat. Allerdings gab es manchmal Stellen, die mir zu sehr mit chemischen oder anderen Fachbegriffen überfüllt waren, das war dann doch etwas zu viel des guten. 

Stückweise war es sehr amüsant und hat mich gut unterhalten, dann war es wieder etwas ausschweifend und gerade der Schluss hat sich ganz schön hingezogen. Insgesamt war die Schreibweise aber angenehm spielerisch, komplex und flüssig zu lesen. Der Autor lässt die Geschichte von Flavia aus der Ich-Perspektive erzählen; das hat mich Flavia und ihren Gedanken sehr nahegebracht, war aber auch ungewöhnlich mit den vielen Wortspielereien, wenn man das Alter der Protagonistin bedenkt. Aber sie ist ja auch alles andere als gewöhnlich ;)

Zusammengefasst
 

Thematik: Niemals aufgeben
Schreibstil: teilweise flüssig, komplex, manchmal überfrachtet, intensiv
Charaktere: gut ausgearbeitet, außergewöhnliche Protagonistin
Spannung: kein großer Spannungsbogen aber doch fesselnd, absehbares Ende
Umsetzung: etwas "überfüllt" und langgezogen, gut zum miträtseln, originell überraschend

Fazit

Eine sehr ungewöhnliche Protagonistin, die ich ins Herz schließen konnte und eine recht untypische Ermittlung, die manchmal doch einige Längen hatte. Insgesamt hat es mich aber gut unterhalten und ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

Bewertung
 


© Aleshanee


Über den Autor: Alan Bradley wurde 1938 geboren und ist in Cobourg in der kanadischen Provinz Ontario aufgewachsen. Nach einer Karriere als Elektrotechniker, die schließlich in der Position des Direktors für Fernsehtechnik am Zentrum für Neue Medien der Universität von Saskatchewan in Saskatoon gipfelte, hat Alan Bradley sich 1994 aus dem aktiven Berufsleben zurückgezogen, um sich nur noch dem Schreiben zu widmen. »Mord im Gurkenbeet« ist sein erster Roman und der in England, USA und Kanada bereits viel umjubelte Auftakt zur Serie um die außergewöhnliche Detektivin Flavia de Luce. Alan Bradley lebt zusammen mit seiner Frau auf Malta.

Website des Autors

Flavia de Luce Reihe

1 - Mord im Gurkenbeet
2 - Mord ist kein Kinderspiel
3 - Halunken, Tod und Teufel
4 - Vorhang auf für eine Leiche
5 - Schlussakkord für einen Mord
6 - Tote Vögel singen nicht

Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    nette mitunter ziemlich abgefahren Geschichte, wie mir scheint oder? Der Preis für das TB kommt mir als Leseratte auch sehr entgehen.

    Danke für den Tipp..LG..Karin..

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  2. Hallo Alex,

    sehr fein, du hast Bekanntschaft mit Flavia gemacht. ;-) Ich mag die kleine Giftmischerin total gern, habe aber auch erst den 1. Teil gelesen. Angeblich wird's ab den 2. Band auch von der Handlung her interessanter.

    Und natürlich - wie immer - schön rezensiert.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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  3. Tolle Rezi :-)
    Ich habe den ersten Band noch auf meinem SuB liegen. Die Geschichte hört sich super interessant an. Aber es gibt mittlerweile schon so viele Teile :-/

    Liebe Grüße

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  4. Hey Alex ;)

    Ich finde es immer wieder toll wie gut du recherchierst und uns damit richtig klasse informierst. Einfach nur top :*

    LG Sassi <3

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  5. Hey,
    witzig auch ich habe das Buch mal angetestet, es dann aber nach 60 Seiten oder so sein lassen. Habe aber vor es noch mal zu probieren. Ist ja auch immer einer Sache der Laune und so^^
    Liebe Grüße

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    1. Ich würds nochmal versuchen - ich bin jetzt mit dem zweiten Band fertig und den fand ich richtig super!
      Komischerweise waren zwar Kleinigkeiten, die mich eigentlich stören würden, aber das war so amüsant geschrieben, dass es mir gar nichts ausgemacht hat ^^ Rezi dazu kommt noch ;)

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  6. Ich reihe mich in die Zweiter-Anlauf-Riege mit ein! ;) Habe das Buch 2011 schon einmal gelesen und fand es jetzt nicht soooo packend, wollte eigentlich aber schon noch in den zweiten Band reinlesen, hab dann aber die Reihe aus den Augen verloren. Jetzt wollte ich es also erneut wagen und so hab ich mir den ersten Band nochmal geschnappt und Wiedersehen macht Freude, mir hat das Buch diesmal um Längen besser gefallen als damals. :) Hab nun auch Band 2 und 3 schon vorsorglich hier liegen, damit es jetzt Monat für Monat weitergehen kann, ein bisschen was aufzuholen hab ich ja jetzt. :D

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    1. Ist schon komisch oder, dass es einem beim 2. Mal dann doch gefällt, und die Kleine hat auf jeden Fall was, die muss man einfach gern haben :)

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