Neuerzählung von Hans Christian Andersens Die Schneekönigin
Die Autorin bedient sich hier vielerlei Details aus dem Original und ich war
sofort von der eisigen Atmosphäre berührt, die hier zwischen den Zeilen
lebt.
Kay und Gerta sind auch hier Nachbarskinder - doch Kay, mit frostig blauen
Augen geboren, hat schon von Anfang an Eigenschaften, die es Gerta schwer
machen. Sie hat warme, braune Augen und ist ein liebes Mädchen, dass in ihm
den besten Freund auf der Welt sieht.
Er jedoch behandelt sie je nachdem, wie es ihm beliebt - mal besser, mal
schlechter; und trotzdem bleibt sie ihm eine treue Freundin. Sie ist
regelrecht fixiert auf Kay und würde alles tun, um seine Aufmerksamkeit zu
bekommen und schließlich auch seine Liebe.
Zeitlich befinden wir uns hier irgendwo in der Vergangenheit. Die kleine
Stadt wird ständig mit Schnee zugedeckt und die Pferde werden meist nicht
vor Wagen, sondern vor Schlitten gespannt.
Kay liebt dieses Wetter, wenn das Weiß alles zudeckt, der Frost unter den
Füßen knirscht und er das Gefühl hat, ganz allein auf der Welt zu sein. Von
ihm bekommt man nicht viel mit, außer dass er von Anfang an unsympathisch
ist.
"I should have known. Things come when they´re called." (Zitat)
Ich mochte den Stil sehr gerne, der an Märchen erinnert und Gertas Gefühle
und was sie erlebt sehr lebendig erzählt. Sie hat einige Abenteuer zu
bestehen, um Kay zu retten und wächst dabei über sich hinaus. War sie
anfangs ein schüchternes Mädchen, dass sich zurückzieht und sich hinter
ihrer Schwärmerei versteckt, lernt sie durch ihre Fehler dazu.
Auch bekommt sie ihren ersten "richtigen" Kuss, der sie sehr verwirrt und
man spürt, dass Kay dabei plötzlich in den Hintergrund rückt. Sie muss sich
regelrecht selbst überzeugen, für ihn diese Reise auf sich genommen zu
haben.
Der Rabe Mousebones erfüllt hier die witzigen Parts - seine Sprüche sind
lustig und lockern das ganze immer wieder auf. Ihn hab ich direkt ins Herz
geschlossen!
"In all the old stories, the only thing that ever won was love.
And occasionally a good sharp knife." (Zitat)
Janna mochte ich auch sehr! Eine taffe Räuberbraut, die auf ihre Art für
einiges Chaos sorgt und vor allem Gerta zum Nachdenken bringt und für
wichtige Entscheidungen sorgt.
Natürlich darf auch das Rentier nicht fehlen, dessen Rolle einiges an Tragik
mitbringt.
Etwa ab der Hälfte verfolgt die Autorin zwar weiterhin die Spuren des
Originals, bringt aber eigene (Ab)Wege ein, die mir sehr gut gefallen haben
und die Geschichte auf andere Weise aufgepeppt und mir sehr gut gefallen
haben.
Zwischendurch gab es zwar Momente, die sich etwas schleppend angefühlt
haben, was aber durchaus an der Sprache liegen kann. Ich hab es ja in
englisch gelesen (eine deutsche Übersetzung gibt es momentan noch nicht) und
da kann ich noch nicht so unterscheiden ob es evtl. daran lag, aber
insgesamt fand ich diese Nach / Neuerzählung wirklich gelungen. Die
winterliche Stimmung hat man in jeder Zeile gespürt, die eisige Kälte, die
verzweifelte Besessenheit von Gerta, der Charme des verschrobenen Raben und
der gelungenen Variation dieses Märchens.
Meine Bewertung
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The Raven and the Reindeer von T. Kingfisher
Märchen Adaption von Die Schneekönigin
Verlag Red Wombat Tea Co
Seitenzahl 226
1. Auflage Februar 2016
Weitere Bücher von T. Kingfisher
The Hollow Places
(auch in dt)
Thornhedge (auch in dt: Dornenhecke)
Nettle & Bone (auch in dt: Wie man einen Prinzen tötet)
A Wizard's Guide to Defensive Baking (auch in dt: Mehl, Magie und Machenschaften)
A Sorceress Comes to Call
Paladin's Grace
The Twisted Ones
Swordheart
Hemlock & Silver
Nine Goblins
Sworn Soldier
1 What moves the dead (auch in dt: Was die Toten bewegt)
2 What Feasts at Night
3 What Stalks the Deep






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