Samstag, 7. Februar 2026

The Raven and the Reindeer von T. Kingfisher

Neuerzählung von Hans Christian Andersens Die Schneekönigin

Die Autorin bedient sich hier vielerlei Details aus dem Original und ich war sofort von der eisigen Atmosphäre berührt, die hier zwischen den Zeilen lebt. 
Kay und Gerta sind auch hier Nachbarskinder - doch Kay, mit frostig blauen Augen geboren, hat schon von Anfang an Eigenschaften, die es Gerta schwer machen. Sie hat warme, braune Augen und ist ein liebes Mädchen, dass in ihm den besten Freund auf der Welt sieht.
Er jedoch behandelt sie je nachdem, wie es ihm beliebt - mal besser, mal schlechter; und trotzdem bleibt sie ihm eine treue Freundin. Sie ist regelrecht fixiert auf Kay und würde alles tun, um seine Aufmerksamkeit zu bekommen und schließlich auch seine Liebe.

Zeitlich befinden wir uns hier irgendwo in der Vergangenheit. Die kleine Stadt wird ständig mit Schnee zugedeckt und die Pferde werden meist nicht vor Wagen, sondern vor Schlitten gespannt.
Kay liebt dieses Wetter, wenn das Weiß alles zudeckt, der Frost unter den Füßen knirscht und er das Gefühl hat, ganz allein auf der Welt zu sein. Von ihm bekommt man nicht viel mit, außer dass er von Anfang an unsympathisch ist.

"I should have known. Things come when they´re called." (Zitat)

Ich mochte den Stil sehr gerne, der an Märchen erinnert und Gertas Gefühle und was sie erlebt sehr lebendig erzählt. Sie hat einige Abenteuer zu bestehen, um Kay zu retten und wächst dabei über sich hinaus. War sie anfangs ein schüchternes Mädchen, dass sich zurückzieht und sich hinter ihrer Schwärmerei versteckt, lernt sie durch ihre Fehler dazu. 
Auch bekommt sie ihren ersten "richtigen" Kuss, der sie sehr verwirrt und man spürt, dass Kay dabei plötzlich in den Hintergrund rückt. Sie muss sich regelrecht selbst überzeugen, für ihn diese Reise auf sich genommen zu haben. 

Der Rabe Mousebones erfüllt hier die witzigen Parts - seine Sprüche sind lustig und lockern das ganze immer wieder auf. Ihn hab ich direkt ins Herz geschlossen!

"In all the old stories, the only thing that ever won was love.
And occasionally a good sharp knife." (Zitat)

Janna mochte ich auch sehr! Eine taffe Räuberbraut, die auf ihre Art für einiges Chaos sorgt und vor allem Gerta zum Nachdenken bringt und für wichtige Entscheidungen sorgt. 
Natürlich darf auch das Rentier nicht fehlen, dessen Rolle einiges an Tragik mitbringt. 

Etwa ab der Hälfte verfolgt die Autorin zwar weiterhin die Spuren des Originals, bringt aber eigene (Ab)Wege ein, die mir sehr gut gefallen haben und die Geschichte auf andere Weise aufgepeppt und mir sehr gut gefallen haben. 
Zwischendurch gab es zwar Momente, die sich etwas schleppend angefühlt haben, was aber durchaus an der Sprache liegen kann. Ich hab es ja in englisch gelesen (eine deutsche Übersetzung gibt es momentan noch nicht) und da kann ich noch nicht so unterscheiden ob es evtl. daran lag, aber insgesamt fand ich diese Nach / Neuerzählung wirklich gelungen. Die winterliche Stimmung hat man in jeder Zeile gespürt, die eisige Kälte, die verzweifelte Besessenheit von Gerta, der Charme des verschrobenen Raben und der gelungenen Variation dieses Märchens.


Meine Bewertung
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The Raven and the Reindeer von T. Kingfisher


Märchen Adaption von Die Schneekönigin
Verlag Red Wombat Tea Co
Seitenzahl 226
1. Auflage Februar 2016



Weitere Bücher von T. Kingfisher

The Hollow Places (auch in dt)
Thornhedge (auch in dt: Dornenhecke)
Nettle & Bone (auch in dt: Wie man einen Prinzen tötet)
 A Wizard's Guide to Defensive Baking (auch in dt: Mehl, Magie und Machenschaften)
A Sorceress Comes to Call
Paladin's Grace
The Twisted Ones
Swordheart
Hemlock & Silver
Nine Goblins

Sworn Soldier
1 What moves the dead (auch in dt: Was die Toten bewegt)
2 What Feasts at Night
3 What Stalks the Deep



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