Arthur Opp, einst Literaturprofessor, wiegt mittlerweile 250 Kilo und hat
sein Haus in Brooklyn seit über einem Jahrzehnt nicht mehr verlassen. Die
wenigen Schritte zur Haustür, um Lieferungen entgegenzunehmen, sind seine
tägliche Herausforderung.
Nur 30 Kilometer entfernt kämpft der siebzehnjährige Kel um seinen
Schulabschluss und die Chance auf ein besseres Leben: ein Sportstipendium.
Doch während er um seine Zukunft ringt, hält ihn die Sorge um seine kranke
Mutter in Atem. Arthur und Kel sind zwei Menschen, die unterschiedlicher
kaum sein könnten - und doch etwas Entscheidendes teilen: ihre
Einsamkeit.
Als sich Kels Mutter, einst Arthurs Studentin, nach Jahren der Funkstille
mit einem verzweifelten Hilferuf an ihn wendet, nimmt eine Geschichte ihren
Lauf, die alte Wunden aufreißt, aber auch neue Wege freilegt und
eindrücklich zeigt, wie in der Fürsorge für andere die eigene Rettung liegen
kann.
Der andere Arthur von Liz Moore
Im Original Heft - übersetzt von Cornelius Hartz
Genre - Schauplatz New York City
Verlag C. H. Beck - Seitenzahl 377 - 1. Auflage Januar
2026
Meine Meinung
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Zuerst erzählt uns Arthur Opp seine Geschichte. Eine Geschichte über Einsamkeit
und die Verkettung von unglücklichen Umständen, die zusammen mit seiner
Unfähigkeit, für sich einzustehen, zu einem abgeschiedenen Leben ohne Kontakte
geführt haben. Mittlerweile ist er 58 Jahre alt, stark übergewichtig und kann
kaum ein paar Schritte gehen, ohne aus der Puste zu kommen. Sein einziger
Kontakt ist eine Studentin, die er vor knapp 20 Jahren kennengelernt hat und
die, ohne es zu wissen, erheblichen Einfluss auf sein Leben genommen hat.
Gesehen haben sie sich schon ewig nicht mehr, halten aber an ihrem schriftlichen Kontakt fest: dass dieser Briefwechsel aus vielen Unwahrheiten bestanden hat macht ihn nicht
weniger wichtig - für beide Seiten. Denn auch wenn sie manches über ihr Leben
nicht erzählt haben, haben sie sich doch über eine Menge austauschen können,
so dass das Gefühl, sich gut zu kennen, über die Jahre erhalten geblieben ist.
Liz Moore erzählt mit sehr viel Einfühlungsvermögen und Offenheit. Arthur hat
sich durch seine Ess-Sucht in diesen Zustand hinein manövriert und schämt sich
sehr dafür. Die wenigen Begegnungen mit Menschen, vor allem vom Lieferservice,
beschränken sich auf wenige Worte und selbst da versucht er, sich anders
darzustellen als er ist. Doch auch er hatte Träume, hat sie immer noch, auch
wenn er weiß, dass nichts davon real werden wird. Er ist klug, aber auch naiv
auf eine Art und Weise, die sehr anrührend ist und man spürt, wie sehr er
leidet, aber einfach nicht aus seiner kleinen Welt ausbrechen kann.
Schließlich wechseln wir zu Kel. Der jugendliche Sohn der Studentin von
damals, mit der Arthur regelmäßig Briefkontakt hatte. Er hatte es in seinem Leben bisher nicht leicht, hat aber immer versucht, das beste daraus zu machen und ist an sich auf einem guten Weg. Doch aktuell gerät alles aus den Fugen und die Ereignisse lassen
ihn verzweifeln und zu folgenschweren Taten hinreißen.
Er möchte nichts an sich heranlassen, was ihn verletzen könnte. Außer seiner Mutter hat er keine
Familienangehörigen und mit ihr läuft es auch nicht wirklich gut. Aber er hat
Freunde und er liebt Baseball - in dem Sport ist er richtig gut und am
liebsten würde er Profispieler werden.
Auch Kel beschreibt die Autorin sehr gut, die ganzen inneren Zerwürfnisse, die
man in dieser Lebensphase hat, die Unsicherheiten, die Ängste, aber auch die
Hoffnungen und Träume. Ein bisschen viel hat mir hier manchmal der Sport Raum
eingenommen - aber man erfährt auch viel über Kels Gefühlsleben und sein
Umfeld.
Ich muss gestehen, dass ich eine andere Erwartungshaltung an diese Geschichte hatte, wie sie mir dann Seite um Seite mehr erschlossen hat. Durch den Klappentext hatte ich die falsche Vermutung, dass die beiden Protagonisten bald aufeinander treffen und ich war sehr neugierig, welchen Einfluss sie gegenseitig aufeinander nehmen würden.
Die Autorin geht hier aber einen völlig anderen Weg, wovon ich nicht zu viel verraten möchte.
Was ich sagen kann ist, dass sie sehr gute Einblicke in ihre Figuren gibt und wie das Leben für unvorhersehbare Wendungen sorgen kann, die manche in eine Rolle drängen, die sie eigentlich nie gewollt haben. Das Wort Einsamkeit ist hier immer zwischen den Zeilen mitgeschwungen - und hier schlägt Liz Moore die Brücke, die daraus herausführt. Denn es gibt immer Menschen, die einem beistehen und helfen, wenn man es nur zulässt. Wenn man eine Tür öffnet, in einem selber, oder symbolisch oder auf sonst jedweder Art, damit andere überhaupt näher kommen können.
Es ist kein Versagen, Hilfe anzunehmen. So wie man selbst gerne hilft, tun das auch andere und man schenkt damit auch ihnen ein gutes Gefühl, wenn man sie lässt.
Oft sind es die kleinen Schritte, die einen weiter bringen, denn sie sind leichter und haben dadurch einen längeren Atem, der an weitere Ziele führen kann.
Die Autorin hat hier zwei völlig unterschiedliche Charaktere vorgestellt, einen Einblick in ihre Leben ermöglicht, das mir manchmal zwar etwas zu distanziert blieb, von meinem Gefühl her, ich aber dennoch sehr nah mitempfinden konnte. Was die beiden verbindet, werdet ihr selbst beim Lesen herausfinden müssen.
Meine Bewertung
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Es ist August 1975, ein Sommer, der das Leben vieler Menschen in den Adirondack Mountains für immer verändern wird.
Als Barbara eines Morgens nicht wie sonst in ihrer Koje im Sommercamp liegt, beginnt eine panische und groß angelegte Suche nach der 13-Jährigen. Das Verschwinden einer Jugendlichen im Naturreservat ist unter allen Umständen eine Katastrophe, aber Barbara ist keine gewöhnliche Camperin: Sie ist die Tochter der reichen Familie Van Laar, der das Camp und das umliegende Land in den Wäldern gehören. Und sie ist die Schwester von Bear, dem Jungen, der seit 14 Jahren vermisst wird.
Kann das Zufall sein? Was wissen die anderen Kinder im Camp über Barbaras Verschwinden, und was verheimlichen die Angestellten, die im Schatten der Van Laars ihr Dasein fristen? Was hat der aus dem Gefängnis entflohene «Schlitzer» mit all dem zu tun und welche Geheimnisse hütet die Familie selbst?






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