Darum gehts:
1998: Mit ihren drei Töchtern reist Liv zu einem abgelegenen
Leuchtturm auf den schottischen Inseln. Der überhastete Aufbruch hierher
scheint tiefere Gründe zu haben, die sich nach und nach entfalten.
Der Empfang an der einsamen Küste ist herzlich, der Turm selbst aber wirkt
verwahrlost und unheimlich. Ebenso seltsam wie das Wandbild, dass Liv in dem
Gebäude malen soll - könnte man doch ein stimmungsvolles Bild mit maritimen
Szenen erwarten, zeigt der Entwurf ein sehr ausgefeiltes Pentagramm mit
zahlreichen Runen und Symbolen, das so gar nicht zu dem Schauplatz zu passen
scheint und eine Verbindung herstellt zu den Hexenverbrennungen damaliger
Zeit, die vielen Frauen und Familien auf dieser Insel das Leben gekostet
haben.
23 Jahre später
2021: Luna, mittlerweile 32 und schwanger, ist die einzig übrige von
ihrer Familie, die seit dem Besuch des Leuchtturms verschwunden gilt. Da
erreicht sie ein Anruf aus Schottland: ihre Schwester ist aufgetaucht! Als
Luna Hals über Kopf zu ihr fährt ist das Wiedersehen befremdend: denn Clover
ist immer noch 7 Jahre alt...
Meine Meinung
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Dieser Buchtipp von der lieben Ronja Oceanlove(r) hat mich sehr
angesprochen:
ein alter Leuchtturm, mysteriöse und unheimliche Vorkommnisse, Mythen um
Hexenverfolgung, eine schaurige Atmosphäre - und eine Familie aus der fast
alle verschwunden sind und auf rätselhafte Weise plötzlich wieder jemand
davon auftaucht.
Die Autorin erzählt aus verschiedenen Perspektiven und springt dabei
auch zwischen den beiden Zeiträumen hin und her. Dadurch bekommt man einen
guten Einblick, was damals passiert ist und wie sich das auf die Gegenwart
auswirkt - aber auf eine geheimnisvolle und spannende Art, ohne zu
verwirren. Und natürlich rätselt man mit, was geschehen sein mag und taucht
immer mehr in die seltsamen Ereignisse ein, die mit dem einsamen Leuchtturm
zusammenhängen.
Ich hab es in englisch gelesen (eine deutsche Übersetzung gibt es momentan
noch nicht) und ich musste mich teilweise schon sehr konzentrieren, konnte
aber erfreulicherweise
sehr gut die Atmosphäre spüren, die in manchen Szenen wirklich unheimlich
ist!
Überhaupt trägt die Geschichte eine tragische Stimmung mit sich - ob es die
Figuren betrifft, die alle mit ihren Ängsten und Sorgen zu kämpfen haben,
wie auch die mysteriösen Vorgänge und die schaurigen Einblicke in die
Vergangenheit aus dieser Gegend.
Luna hat nur noch wenig Erinnerungen an ihre Kindheit. Sie hat vieles
unbewusst verdrängt - und das Auftauchen ihrer Schwester Clover trägt dazu
bei, dass manches davon wieder an die Oberfläche kommt.
He doesn´t get that truth and memory can be too complex, too tentacled, to boil down to a linear narrative. That sometimes, silence is a form of survival.Zitat Seite 77
Luna möchte so gerne, dass es wahr ist, dass Clover ihre verschollene
Schwester ist und mit ihr zumindest ein Teil der Familie zu ihr zurückkehrt.
Doch das merkwürdige Verhalten wirkt beängstigend und der Altersunterschied
ist ein Merkmal, das nicht abzustreiten ist: und der die Tatsache absolut
unmöglich macht.
Aus der Vergangenheit erfahren wir hauptsächlich durch Liv. Als
Mutter von drei Mädchen, ohne festen Job und mit ständig wechselnden
Wohnungen und immer in Geldnot hat sie es extrem schwer. Die Angst, weiter
für ihre Kinder sorgen zu können, sitzt ihr ständig im Nacken und sie hatte
gehofft, einige Monat auf der schottischen Insel mit ihrer Arbeit etwas zur
Ruhe zu kommen.
Von Anfang an trüben aber die unheimlichen Erscheinungen, merkwürdigen
Botschaften und erschütternden Verbindungen zur Vergangenheit ihren
Aufenthalt. Einige Bewohner der Insel sind fest verankert in ihrem Glauben
bzw. Aberglauben an alte Flüche und übersinnliche Einflüsse, deren
Konsequenzen lebensbedrohlich sind.
Auch die 15jährige Saffy erlebt diese Zeit als sehr prägend, hat aber
mit anderen Widrigkeiten zu kämpfen. Herausgerissen aus ihrem Umfeld und
ihren Freunden entwickelt sie einen Hass auf ihre Mutter und versucht, in
dieser neuen Umgebung zurecht zu kommen, Freunde zu finden und rebelliert
auf vielerlei Art.
Sie entdeckt in dem alten Haus, in dem sie dort wohnen, auch ein altes
Tagebuch, in dem sie eine erschreckende Geschichte liest und die uns vieles
preisgibt über die abergläubischen und unbarmherzigen Taten der
Vergangenheit, die sich bis in die Gegenwart erstrecken.
Wie C. J. Cooke diese ganzen Ereignisse verbindet, wie sie jede der Figuren
ihren Platz einräumt mit all ihren Sorgen, ihrer Verzweiflung und ihren
Hoffnungen - zusammen mit einem beunruhigenden Schauplatz durchdrungen von
alten Mythen und Vorurteilen und der Angst vor dem, was man nicht
kennt.
Nachdem ich eh schon total gebannt durch diese Geschichte gestrauchelt bin,
fasziniert, voller Unbehagen und Faszination hat mich das Ende dann total
überrascht und einen wirklich genialen Bogen über diese ganze Farce
gespannt! Ein absolut gelungenes Gespinst aus Erzählperspektiven das zum
Schluss einer (fast) perfekten Lösung, die ich nicht vorausgesehen habe. Ein
paar Details waren mir zwar noch unklar, was aber auch daran liegen kann,
dass ich im englischen vielleicht manches Wort oder einen Absatz nicht so
verstanden habe um alles fehlerlos zu verstehen.
Trotzdem kann ich sagen, dass ich immer mehr in das Englische hereinfinde
und mich unglaublich freue, nicht nur "den Inhalt" zu lesen, sondern
mittlerweile auch die Figuren zu spüren, die Atmosphäre, den Stil schon
besser einschätzen kann und im Verlauf auch einfach "nur zu lesen" und nur
noch bei schwierigen Absätzen konzentrierter sein muss oder auch mal
nachschlagen.
Meine Bewertung
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The Lighthouse Witches von C. J. Cooke
Genre Mystery Horror Drama
Schauplatz Schottische Insel
Verlag Harper Collins - Seitenzahl 417 -
1. Auflage September 2021





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