Dienstag, 6. Januar 2026

The Lighthouse Witches von C. J. Cooke

Darum gehts:

1998: Mit ihren drei Töchtern reist Liv zu einem abgelegenen Leuchtturm auf den schottischen Inseln. Der überhastete Aufbruch hierher scheint tiefere Gründe zu haben, die sich nach und nach entfalten.

Der Empfang an der einsamen Küste ist herzlich, der Turm selbst aber wirkt verwahrlost und unheimlich. Ebenso seltsam wie das Wandbild, dass Liv in dem Gebäude malen soll - könnte man doch ein stimmungsvolles Bild mit maritimen Szenen erwarten, zeigt der Entwurf ein sehr ausgefeiltes Pentagramm mit zahlreichen Runen und Symbolen, das so gar nicht zu dem Schauplatz zu passen scheint und eine Verbindung herstellt zu den Hexenverbrennungen damaliger Zeit, die vielen Frauen und Familien auf dieser Insel das Leben gekostet haben.

23 Jahre später
2021: Luna, mittlerweile 32 und schwanger, ist die einzig übrige von ihrer Familie, die seit dem Besuch des Leuchtturms verschwunden gilt. Da erreicht sie ein Anruf aus Schottland: ihre Schwester ist aufgetaucht! Als Luna Hals über Kopf zu ihr fährt ist das Wiedersehen befremdend: denn Clover ist immer noch 7 Jahre alt...


Meine Meinung
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Dieser Buchtipp von der lieben Ronja Oceanlove(r) hat mich sehr angesprochen: 
ein alter Leuchtturm, mysteriöse und unheimliche Vorkommnisse, Mythen um Hexenverfolgung, eine schaurige Atmosphäre - und eine Familie aus der fast alle verschwunden sind und auf rätselhafte Weise plötzlich wieder jemand davon auftaucht. 

Die Autorin erzählt aus verschiedenen Perspektiven und springt dabei auch zwischen den beiden Zeiträumen hin und her. Dadurch bekommt man einen guten Einblick, was damals passiert ist und wie sich das auf die Gegenwart auswirkt - aber auf eine geheimnisvolle und spannende Art, ohne zu verwirren. Und natürlich rätselt man mit, was geschehen sein mag und taucht immer mehr in die seltsamen Ereignisse ein, die mit dem einsamen Leuchtturm zusammenhängen. 

Ich hab es in englisch gelesen (eine deutsche Übersetzung gibt es momentan noch nicht) und ich musste mich teilweise schon sehr konzentrieren, konnte aber erfreulicherweise sehr gut die Atmosphäre spüren, die in manchen Szenen wirklich unheimlich ist! Überhaupt trägt die Geschichte eine tragische Stimmung mit sich - ob es die Figuren betrifft, die alle mit ihren Ängsten und Sorgen zu kämpfen haben, wie auch die mysteriösen Vorgänge und die schaurigen Einblicke in die Vergangenheit aus dieser Gegend.

Luna hat nur noch wenig Erinnerungen an ihre Kindheit. Sie hat vieles unbewusst verdrängt - und das Auftauchen ihrer Schwester Clover trägt dazu bei, dass manches davon wieder an die Oberfläche kommt.
He doesn´t get that truth and memory can be too complex, too tentacled, to boil down to a linear narrative. That sometimes, silence is a form of survival.
Zitat Seite 77
Luna möchte so gerne, dass es wahr ist, dass Clover ihre verschollene Schwester ist und mit ihr zumindest ein Teil der Familie zu ihr zurückkehrt. Doch das merkwürdige Verhalten wirkt beängstigend und der Altersunterschied ist ein Merkmal, das nicht abzustreiten ist: und der die Tatsache absolut unmöglich macht. 

Aus der Vergangenheit erfahren wir hauptsächlich durch Liv. Als Mutter von drei Mädchen, ohne festen Job und mit ständig wechselnden Wohnungen und immer in Geldnot hat sie es extrem schwer. Die Angst, weiter für ihre Kinder sorgen zu können, sitzt ihr ständig im Nacken und sie hatte gehofft, einige Monat auf der schottischen Insel mit ihrer Arbeit etwas zur Ruhe zu kommen. 
Von Anfang an trüben aber die unheimlichen Erscheinungen, merkwürdigen Botschaften und erschütternden Verbindungen zur Vergangenheit ihren Aufenthalt. Einige Bewohner der Insel sind fest verankert in ihrem Glauben bzw. Aberglauben an alte Flüche und übersinnliche Einflüsse, deren Konsequenzen lebensbedrohlich sind. 

Auch die 15jährige Saffy erlebt diese Zeit als sehr prägend, hat aber mit anderen Widrigkeiten zu kämpfen. Herausgerissen aus ihrem Umfeld und ihren Freunden entwickelt sie einen Hass auf ihre Mutter und versucht, in dieser neuen Umgebung zurecht zu kommen, Freunde zu finden und rebelliert auf vielerlei Art. 
Sie entdeckt in dem alten Haus, in dem sie dort wohnen, auch ein altes Tagebuch, in dem sie eine erschreckende Geschichte liest und die uns vieles preisgibt über die abergläubischen und unbarmherzigen Taten der Vergangenheit, die sich bis in die Gegenwart erstrecken. 

Wie C. J. Cooke diese ganzen Ereignisse verbindet, wie sie jede der Figuren ihren Platz einräumt mit all ihren Sorgen, ihrer Verzweiflung und ihren Hoffnungen - zusammen mit einem beunruhigenden Schauplatz durchdrungen von alten Mythen und Vorurteilen und der Angst vor dem, was man nicht kennt. 

Nachdem ich eh schon total gebannt durch diese Geschichte gestrauchelt bin, fasziniert, voller Unbehagen und Faszination hat mich das Ende dann total überrascht und einen wirklich genialen Bogen über diese ganze Farce gespannt! Ein absolut gelungenes Gespinst aus Erzählperspektiven das zum Schluss einer (fast) perfekten Lösung, die ich nicht vorausgesehen habe. Ein paar Details waren mir zwar noch unklar, was aber auch daran liegen kann, dass ich im englischen vielleicht manches Wort oder einen Absatz nicht so verstanden habe um alles fehlerlos zu verstehen. 

Trotzdem kann ich sagen, dass ich immer mehr in das Englische hereinfinde und mich unglaublich freue, nicht nur "den Inhalt" zu lesen, sondern mittlerweile auch die Figuren zu spüren, die Atmosphäre, den Stil schon besser einschätzen kann und im Verlauf auch einfach "nur zu lesen" und nur noch bei schwierigen Absätzen konzentrierter sein muss oder auch mal nachschlagen. 


Meine Bewertung
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The Lighthouse Witches von C. J. Cooke


Genre Mystery Horror Drama
Schauplatz Schottische Insel

Verlag Harper Collins - Seitenzahl 417 - 1. Auflage September 2021





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