Dienstag, 20. Januar 2026

Das Septemberhaus von Carissa Orlando

Von den Wänden des Hauses rinnt wieder das Blut. Wieso auch nicht, es ist schließlich September.

Als Margaret und ihr Mann Hal das große viktorianische Haus in der Hawthorn Street kaufen, können sie nicht glauben, dass sie endlich ein eigenes Heim besitzen.
Doch dann offenbart sich der Spuk. Jedes Jahr im September tropft Blut von den Wänden und die Geister früherer Bewohner tauchen auf. Sie fürchten sich vor etwas, das im Keller lauert.
Die meisten Menschen würden fliehen. Doch Margaret ist nicht wie die meisten Menschen. Sie bleibt. Es ist ihr Haus.
Nach vier Jahren, als der September wieder bevorsteht, hält es Hal nicht länger aus und flüchtet … Oder verschwindet?
Je länger Margaret versucht, Hal zu finden, desto schlimmer wird der Spuk, denn es gibt einige Geheimnisse, die das Haus bewahren will …




Das Septemberhaus von Carissa Orlando


Im Original The September House - übersetzt von Claudia Rapp
Genre Horror Thriller / Mystery

Verlag Festa - Seitenzahl 432 - 1. Auflage März 2025



Meine Meinung
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Margaret und Hal träumen von einem eigenen Zuhause - einem Heim, wo sie endlich Wurzeln schlagen und zusammen alt werden können. Als sie das Haus in der Hawthorn Street kaufen sind sie sicher, das perfekte Domizil gefunden zu haben. 

Soweit der Prolog. 
Wir erleben diese Geschichte aus Margarets Perspektive und schon in Kapitel 1 wird klar, dass wir es hier mit einem Spukhaus zu tun haben. Immer im September ist es soweit: die Wände bluten, nächtliche Geräusche bringen das Ehepaar um den Schlaf und Geister tummeln sich wie selbstverständlich in den Räumen - und sprechen sogar mit ihnen. 

Ich war etwas erstaunt, mit welcher Selbstverständlichkeit Margaret erzählt, wie sie den Umgang mit den schaurigen Elementen gelernt hat. Nach und nach erfährt man, wie geschickt sie hinter manches Geheimnis gekommen ist und wie sie gewisse Regeln einhält und Verhaltensweisen anpasst, um die ruhelosen Geister möglichst nicht zu stören oder von ihnen behelligt zu werden. 
Regeln - etwas wovon Margaret regelrecht besessen zu sein scheint, weil sie schon ihr ganzes Leben prägen. 

Gerade diese Selbstverständlichkeit des Grauens, das sie umgibt, hat mir leider anfangs auch das Gefühl genommen, schaurige Momente zu erleben. Das hat mich zuerst gestört, da ich meine Erwartungen hier anders waren; doch die Andersartigkeit hab ich hier auf eine völlig ungewohnte Art kennengelernt, deren Genialität erst am Ende so richtig eingeschlagen hat. 
Für Margaret ist alles alltäglich und erträglich. Ihre fixe Idee, dieses Haus zu ihrem perfekten Heim zu machen lässt sie alles erdulden und macht sie zu einer extrem starken Persönlichkeit. Dabei ist sie so gefangen in ihrem kleinen Umfeld, fixiert auf das Haus, das sie nur für Einkäufe verlässt und in ihrem Bestreben, für sich und ihren Mann Hal das perfekte Leben zu gestalten.
Teilweise mag sie schwach wirken und sie sagt selbst von sich, dass sie sich ständig verbiegt, um den Anschein zu wahren und anderen gerecht zu werden, aber wenn man erkennt, was sie durchmacht und wie sie wie eine Löwin verteidigt, was ihr am Herzen liegt, dann stellt man fest, was für eine ausdauernde Kraft sie aufbringen muss.

Über Hal erfahren wir durch sie erstmal wenig. Wir wissen nur, dass er verschwunden ist, da er mit der Situation der Geistererscheinungen nicht klarkam. Je mehr wir aber aus der Vergangenheit erfahren, umso mehr wird klar, welches Grauen Margaret tatsächlich durchlebt, das für sie der ganz normale Wahnsinn geworden ist. 

Die Anspielung darauf, dass sich manches im Alltag einschleicht, sehr kleine Dinge oder geringe Veränderungen, die man gar nicht bemerkt und die man irgendwie umgehen oder wegstecken kann oder andere Möglichkeiten findet, damit umzugehen, fand ich sehr interessant. Es wirkte auf mich, als wäre hier der Bezug zu diesen abstrusen Leben mit dem Horrorhaus und den Geistern eine Analogie zu unserem Alltag. Auch wir erleben Veränderungen oft nur schleichend und passen uns an - bis sie uns eines Tages über den Kopf wachsen oder plötzlich eskalieren. Und erst im Rückblick erkennt man, dass diese Überraschung sich schon vor langer Zeit angekündigt hat und man den Dreck so lange unter den Teppich gekehrt hat, bis man auf einmal drüber stolpert.

Eine Szene fand ich allerdings sehr cool, als sie über den Film Der Exorzist reden. Was die Hintergründe der Thematik sein könnten hab ich so tatsächlich noch nie betrachtet und das fand ich echt interessant!

Als schließlich ihre Tochter Katherine auftaucht, scheint langsam alles aus dem Ruder zu laufen. Die schwierige Beziehung droht immer wieder zu eskalieren und während immer mehr Hintergründe aufgeschlüsselt werden entpuppt sich das ganze zu einem verstörenden Familiendrama.

Die Autorin hat es geschafft, eine Spukhausgeschichte zu schreiben, die lange Zeit weniger gruselig als irrwitzig wirkt. Die gesamte Situation hat trotz der unheimlichen Ereignisse etwas skurril verstörendes, das völlig normal erscheint. Auch kommen Fragen auf, was tatsächlich real ist und an Wahnvorstellungen grenzt. 

Es mag etwas alles etwas träge wirken und es ist definitiv keine typische Horror- oder Geisterhausgeschichte, aber gegen Ende bekommt man dafür eine geballte Ladung an grausamen Erkenntnissen, Schockmomenten und schockierenden Wendungen, die man so gar nicht erwartet hatte. Hier waren einige Szenen dabei, die mich total in den Bann gezogen haben und die die Autorin mit viel Gespür und subtilen Feinheiten großartig in Szene gesetzt hat. 
Am Ende musste ich das alles erstmal auf mich wirken lassen, denn dann wird erst klar, wie genial diese Geschichte insgesamt konstruiert und aufgebaut wurde. 

Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass ich die Geschichte an sich schon sehr genial finde. Mit einem anderen Aufhänger -> und damit anderen Erwartungen hätte sie vielleicht auch anders gewirkt von Anfang an. 
Dieses Spiel mit dem schwarzen Humor, der in der Rückschau dann eigentlich sehr tragisch wirkt und der ständigen Frage, was nun real ist oder nicht, ist ihr schon sehr gut gelungen, aus meiner Sicht. 


Meine Meinung
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