Als Margaret und ihr Mann Hal das große viktorianische Haus in der Hawthorn
Street kaufen, können sie nicht glauben, dass sie endlich ein eigenes Heim
besitzen.
Doch dann offenbart sich der Spuk. Jedes Jahr im September tropft Blut von den
Wänden und die Geister früherer Bewohner tauchen auf. Sie fürchten sich vor
etwas, das im Keller lauert.
Die meisten Menschen würden fliehen. Doch Margaret ist nicht wie die meisten
Menschen. Sie bleibt. Es ist ihr Haus.
Nach vier Jahren, als der September wieder bevorsteht, hält es Hal nicht
länger aus und flüchtet … Oder verschwindet?
Je länger Margaret versucht, Hal zu finden, desto schlimmer wird der Spuk,
denn es gibt einige Geheimnisse, die das Haus bewahren will …
Das Septemberhaus von Carissa Orlando
Im Original The September House - übersetzt von Claudia Rapp
Genre Horror Thriller / Mystery
Verlag Festa - Seitenzahl 432 - 1. Auflage März
2025
Meine Meinung
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Margaret und Hal träumen von einem eigenen Zuhause - einem Heim, wo sie
endlich Wurzeln schlagen und zusammen alt werden können. Als sie das Haus
in der Hawthorn Street kaufen sind sie sicher, das perfekte Domizil
gefunden zu haben.
Soweit der Prolog.
Wir erleben diese Geschichte aus Margarets Perspektive und schon in Kapitel 1 wird klar, dass wir es hier mit einem Spukhaus zu
tun haben. Immer im September ist es soweit: die Wände bluten, nächtliche
Geräusche bringen das Ehepaar um den Schlaf und Geister tummeln sich wie
selbstverständlich in den Räumen - und sprechen sogar mit ihnen.
Ich war etwas erstaunt, mit welcher Selbstverständlichkeit Margaret
erzählt, wie sie den Umgang mit den schaurigen Elementen gelernt hat. Nach
und nach erfährt man, wie geschickt sie hinter manches Geheimnis gekommen
ist und wie sie gewisse Regeln einhält und Verhaltensweisen anpasst, um
die ruhelosen Geister möglichst nicht zu stören oder von ihnen behelligt
zu werden.
Regeln - etwas wovon Margaret regelrecht besessen zu sein scheint, weil
sie schon ihr ganzes Leben prägen.
Gerade diese Selbstverständlichkeit des Grauens, das sie umgibt, hat mir leider
anfangs auch das Gefühl genommen, schaurige Momente zu erleben. Das hat mich
zuerst gestört, da ich meine Erwartungen hier anders waren; doch die
Andersartigkeit hab ich hier auf eine völlig ungewohnte Art kennengelernt,
deren Genialität erst am Ende so richtig eingeschlagen hat.
Für Margaret ist alles alltäglich und erträglich. Ihre fixe Idee, dieses
Haus zu ihrem perfekten Heim zu machen lässt sie alles erdulden und macht
sie zu einer extrem starken Persönlichkeit. Dabei ist sie so gefangen in
ihrem kleinen Umfeld, fixiert auf das Haus, das sie nur für Einkäufe
verlässt und in ihrem Bestreben, für sich und ihren Mann Hal das perfekte
Leben zu gestalten.
Teilweise mag sie schwach wirken und sie sagt selbst von sich, dass sie
sich ständig verbiegt, um den Anschein zu wahren und anderen gerecht zu
werden, aber wenn man erkennt, was sie durchmacht und wie sie wie eine Löwin
verteidigt, was ihr am Herzen liegt, dann stellt man fest, was für eine
ausdauernde Kraft sie aufbringen muss.
Über Hal erfahren wir durch sie erstmal wenig. Wir wissen nur, dass er
verschwunden ist, da er mit der Situation der Geistererscheinungen nicht
klarkam. Je mehr wir aber aus der Vergangenheit erfahren, umso mehr wird klar,
welches Grauen Margaret tatsächlich durchlebt, das für sie der ganz normale
Wahnsinn geworden ist.
Die Anspielung darauf, dass sich manches im Alltag einschleicht, sehr kleine
Dinge oder geringe Veränderungen, die man gar nicht bemerkt und die man
irgendwie umgehen oder wegstecken kann oder andere Möglichkeiten findet, damit
umzugehen, fand ich sehr interessant. Es wirkte auf mich, als wäre hier der
Bezug zu diesen abstrusen Leben mit dem Horrorhaus und den Geistern eine
Analogie zu unserem Alltag. Auch wir erleben Veränderungen oft nur schleichend
und passen uns an - bis sie uns eines Tages über den Kopf wachsen oder
plötzlich eskalieren. Und erst im Rückblick erkennt man, dass diese
Überraschung sich schon vor langer Zeit angekündigt hat und man den Dreck so
lange unter den Teppich gekehrt hat, bis man auf einmal drüber stolpert.
Eine Szene fand ich allerdings sehr cool, als sie über den Film Der
Exorzist reden. Was die Hintergründe der Thematik sein könnten hab ich so
tatsächlich noch nie betrachtet und das fand ich echt interessant!
Als schließlich ihre Tochter Katherine auftaucht, scheint langsam alles aus
dem Ruder zu laufen. Die schwierige Beziehung droht immer wieder zu eskalieren
und während immer mehr Hintergründe aufgeschlüsselt werden entpuppt sich das
ganze zu einem verstörenden Familiendrama.
Die Autorin hat es geschafft, eine Spukhausgeschichte zu schreiben, die lange
Zeit weniger gruselig als irrwitzig wirkt. Die gesamte Situation hat trotz der
unheimlichen Ereignisse etwas skurril verstörendes, das völlig normal
erscheint. Auch kommen Fragen auf, was tatsächlich real ist und an
Wahnvorstellungen grenzt.
Es mag etwas alles etwas träge wirken und es ist definitiv keine typische
Horror- oder Geisterhausgeschichte, aber gegen Ende bekommt man dafür eine
geballte Ladung an grausamen Erkenntnissen, Schockmomenten und schockierenden
Wendungen, die man so gar nicht erwartet hatte. Hier waren einige Szenen
dabei, die mich total in den Bann gezogen haben und die die Autorin mit viel
Gespür und subtilen Feinheiten großartig in Szene gesetzt hat.
Am Ende musste ich das alles erstmal auf mich wirken lassen, denn dann wird
erst klar, wie genial diese Geschichte insgesamt konstruiert und aufgebaut
wurde.
Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass ich die Geschichte an sich schon
sehr genial finde. Mit einem anderen Aufhänger -> und damit anderen
Erwartungen hätte sie vielleicht auch anders gewirkt von Anfang an.
Dieses Spiel mit dem schwarzen Humor, der in der Rückschau dann eigentlich
sehr tragisch wirkt und der ständigen Frage, was nun real ist oder nicht,
ist ihr schon sehr gut gelungen, aus meiner Sicht.
Meine Meinung
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Ebenfalls rezensiert bei





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