Samstag, 6. Juni 2026

LeserStimmen: Wie glaubwürdig sind Rezensionen?

Die Thematik zu den Bewertungen von Büchern kommt immer wieder auf - warum auch immer. 
Im Mai gab es dazu einen Beitrag in Anjas kleinem Bücherzimmer und ich möchte gerne meine eigenen Gedanken dazu mit euch teilen.

Kurz noch ein Satz zu der "Beurteilung" von Büchern:
Für mich ist im Grunde jede Wahrnehmung subjektiv, weil wir alles durch unsere eigene Erfahrung und Perspektive filtern — vielleicht mit Ausnahme rein mathematischer oder naturwissenschaftlicher Gesetzmäßigkeiten.


Ich möchte heute gerne auf zwei Themen eingehen:

---> Warum gibt es oft auf den Blogs und den social media accounts so viele positive Bewertungen und wenig Verrisse?

Das kann die unterschiedlichsten Ursachen haben und diejenigen einfach ein gutes Händchen für ihre Bücherauswahl. 

Ich selber werde skeptisch, wenn jemand alle Bücher die gezeigt werden mit 5 Sternen dekoriert und jedes Mal gefühlt die selben 3 Sätze schreibt. Das wirkt auf mich nicht authentisch.
Natürlich kann es sein, dass dieser Person einfach nichts anderes einfällt, sie keine Zeit oder Lust hat, oder andere 100 Gründe.
Die Außenwirkung ist aber schon so, dass es unglaubwürdig scheint, denn in der Regel sind bei Viellesern eben auch Geschichten dazwischen die nicht so gut gefallen. 

Wenn ich mir meinen Blog anschaue und meine Rezensionen fällt auf, dass ich auch überwiegend positive Meinungen geteilt habe. 

Da es bei Lovelybooks so schön angezeigt wird, hab ich einfach mal meinen aktuellen Stand kopiert:

5 Sterne - 1.009 Bücher
4 Sterne - 804 Bücher
3 Sterne - 330 Bücher
2 Sterne - 82 Bücher
1 Stern - 77 Bücher

Da ist ein sehr hoher Anteil im oberen Bereich. 

Bei mir kommt es dazu, weil ich z. B. Bücher, die mir nicht taugen, letztendlich abbreche und diese dann in solchen Statistiken gar nicht auftauchen. 
Zum anderen suche ich mir mittlerweile seit Jahren die Bücher wirklich sehr gezielt aus. Viele wandern auf die Wunschliste, aber bis sie dann tatsächlich einziehen kann es eine Weile dauern und einige werden davor schon wieder aussortiert.
Selbst wenn sie dann bei mir zu Hause liegen kann es passieren, dass sie aussortiert werden, wobei das in den letzten Jahren kaum noch vorkam.

Und wie schon gesagt: ich breche Bücher ab und schreibe dann in der Regel keine Rezension dazu. Oftmals fällt es mir schon in den ersten 20-30 Seiten auf, dass mir der Schreibstil absolut nicht zusagt oder so viele Ungereimtheiten enthält dass ich keine Lust zum weiterlesen habe. Da kann ich dann auch nicht wirklich viel schreiben ... 


---> Warum werden Bücher nur mit Sternen bewertet ohne Rezension?

Ich finde es schade, dass das immer wieder angeprangert wird. Dabei rufen die Autoren und Autorinnen selbst dazu auf, dass auch reine Sternebewertungen im Ranking weiterhelfen, damit ihr Buch sichtbar wird. 

Ich denke, das kommt zustande weil viele diese "Buchbubble Blase" fühlen - die sollte man ab und an mal durchpiksen und "nach draußen" schauen, denn es gibt nicht nur solche buchverrückten Menschen wie uns ;) 

Es gibt Menschen, die lesen 3-4 Bücher im Jahr und interessieren sich weder für Verlage, Autoren oder sonstiges, was sich um die Buchwelt dreht.
Ich kenne Menschen, die lesen gerne, vielleicht 1-2 Bücher im Monat, aber denen würde nie einfallen, eine Rezension zu schreiben. Sie können es nicht. Sie wollen es nicht. Und das sollte man akzeptieren. Wenn sie dann immerhin auf die Sterne Bewertung klicken dann ist das doch okay...

Die sind nicht so verankert in unserer Buchwelt und unserem Hobby, die lesen einfach so und warum auch nicht? Warum wird da gefordert, dass sie sich hinsetzen und etwas schreiben sollen? Da ist es doch schön, dass sie zumindest mit einer Sternebewertung ihre Meinung mitteilen. 

Wenn ich mir einen Film ansehe, schreibe ich auch keine Rezension. Da mache ich mich auch nicht schlau, wer den Film produziert hat, wie es den Schauspielern geht, wie sie bezahlt wurden, ob sie meine Kritik vertragen würden, ob der Film jetzt meine Unterstützung braucht usw. 

Wenn ich eine Waschmaschine kaufe setze ich mich ebenfalls nicht hin und informiere mich über technische Details, die Firma, die Mitarbeiter usw. Ein begeisterter Fan für Waschmaschinen würde das vielleicht anders sehen ^^ 

Ich denke ihr versteht, was ich meine. 

Wir Buchmenschen lesen und rezensieren gerne und tauschen unsere Meinungen zu den Geschichten aus.
Andere möchten das nicht und ihnen genügt es, sich alleine mit der Geschichte zu beschäftigen.

Das sollte man doch einfach akzeptieren können :)

Wie seht ihr das denn?

5 Kommentare:

  1. Guten morgen,

    Bei mir sieht die Statistik ganz ähnlich aus, nicht weil alles perfekt ist, sondern weil ich Flops nach ca 50 Seiten einfach abbreche und und nur ganz ganz selten rezensiere. (Wenn es eine Reziexe ist)
    Wenn allerdings ein Account jedes Buch unkritisch mit 5 Sternen feiert, wirkt das auf mich auch eher unauthentisch.
    Und zum Ende hin, kann ich nur noch sagen: Wir in unserer Buchbubble vergessen leider oft, dass Lesen für die meisten einfach nur ein normales Hobby ist. Niemand muss sich wirklich rechtfertigen, warum er nur Sterne anklickt und keinen Text schreibt. Jeder Klick pusht dann am Ende das Buch im Ranking, und das ist doch das, was zählt.
    Danke für den tollen Gedankenanstoß liebe Aleshanee.

    Liebe Grüße
    Sheena

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  2. Ein toller und wichtiger Beitrag!
    Manchmal frage ich mich auch, wieso ich meinen Blog noch betreibe, aber es macht mir Spaß. Ich bin bei weitem nicht so aktiv, wie andere, mir fehlt als Selbständige, mit großem Haus und Garten und Kind einfach die Zeit. Aber ich liebe ruhige Morgende oder Abende, an denen ich in die Buchwelt abtauchen kann.

    Bei mir sieht eigentlich seit Beginn meiner Bloggerzeit 2014 die Statistik etwas anders aus. Zwar poste ich nicht mehr regelmäßig bei LovelyBooks, aber die Statistik stimmt mit meinen Bewertungen auf dem Blog überein.

    5 Sterne - 271
    4 Sterne - 560
    3 Sterne - 221
    2 Sterne - 16
    1 Stern - 1

    Ich gehöre, gerade wegen dem Zeitproblem dann auch zu den Abbrechern.
    Und bei mir dominieren die 4 Sterne, weil mir dann doch oft das i- Tüpfelchen fehlt.

    Zum Thema Rezensionen. Ich bin im Januar/Februar immer sehr gut gut dabei und dann hat mich das Jahr wieder im Griff. Ich höre so viel und da geht zum Rezensieren doch immer viel unter. Denn was ich nicht mehr mache, früher aber von Vorteil war, waren Notizen. So bleiben doch des Öfteren tolle Geschichte unrenzensiert.

    Liebe Grüße,
    Andrea

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  3. Guten Morgen.

    Das scheint immer wieder ein Thema zu sein, das durch die Netzwerke geht. Verbunden damit, ob überhaupt noch jemand ausführliche Rezensionen liest. Weil oft wird eine Sternebewertung vergeben, dazu wenige Sätze oder auch einfach nur 'Das Buch hat mich zerstört' ... womit ja eigentlich niemand etwas anfangen kann.

    Ich bleibe bei meinen ausführlichen Rezensionen, die ich tatsächlich nur auf meinem Blog schreibe. Ich habe keine Zeit dazu die auf allen möglichen Plattformen zu posten, das beschränkt sich dann wirklich nur auf Bücher, die ich als Leseexemplare erhalten habe. Da gehört das dazu, zumal vermutlich eh niemand bei mir vorbei schaut. Aber mir macht es Spaß und so bleiben für mich die Bücher auch länger im Kopf.

    Nun zu den Bewertungen. Ich rezensiere oftmals auch nur Bücher, die mir gefallen haben. Wobei ich auch selten Bücher habe, die ich so gar nicht mag. Wieso sollte ich auch ein abgebrochenes Buch rezensieren? Da kann ich ja dann gar keine wirkliche Aussage zu machen. Und wenn ein Buch mich nicht begeistern konnte, ich es aber dennoch zu Ende gelesen habe, möchte ich mich damit auch nicht länger beschäftigen. Dann wandert es ins 'Kann gehen'-Regal und zieht irgendwann aus.
    Bei reado habe ich mir angewöhnt nun wenigestens ein paar Sätze zu sagen, zu den gelesenen Büchern. Aber auch das fällt mir oft schwer, weil ich mich nicht so kurz fassen kann, dass 120 Zeichen reichen ;o)

    Und dann gibt es da auch noch die vielen Menschen, die weder Lust haben sich mit Bewertungen online auseinander zu setzen oder es schlicht nicht könnten. Ich denke da an die zwei ältere Damen aus meiner Familie, die viel lesen, aber im Leben noch keine Bewertung abgegeben haben. Und das wird auch so bleiben.

    Grundsätzlich muss jeder für sich selbst entscheiden was er machen möchte. Da können Autoren noch so sehr betteln, dass man sie bewerten möge - jeder macht es so wie es gerade passt und derjenige für richtig hält. Und das ist auch vollkommen in Ordnung.

    Liebe Grüße
    nef

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  4. Huhu Aleshanee

    Da ich LovelyBooks nicht mehr nutze und damals auch nur sehr sporadisch alles eingetragen habe, habe ich mir einfach mal meine Bewertungen bei Goodreads angesehen.
    Da ist es jetzt nicht, wie bei dir, dass die 5-Sterne-Bewertungen durch die Decke gehen. Doch die meisten teilen sich auf 3 bis 5 Sterne auf.

    898 Bewertungen (⌀4.08):
    5 ⭐40% (367)
    4 ⭐35% (323)
    3 ⭐16% (144)
    2 ⭐4% (43)
    1 ⭐2% (21)

    Erst einmal muss ich sagen, dass ich auf Sternebewertungen auf Social Media Plattformen überhaupt nicht viele lege. Denn meine Beobachtung ist, dass es den meisten dieser reinen Content Creator NUR um Klicks und Likes geht, aber nicht um den Hype geht. Ich bezweifle bei vielen sogar, dass deren Bewertungen authentisch sind, besonders wenn man sich ansieht in welcher schnellen Regelmäßigkeit sie auf diverse Hypezüge aufsteigen. Denn da bezweifle ich einfach, dass sie all die 10 Bücher in dieser einen Woche gelesen haben.
    Hinzukommt auch oft, dass sie meist nichts über den Inhalt wiedergeben, außer wie "... tolle die Geschichte und die Protagonist*innen waren..." aber ein Erklärung dazu gibt es selten. Hierbei beziehe ich mich hauptsächlich auf Instragram und TikTok.
    Und an die Dunkelziffer jener, die von Verlagen und Autor*innen Bücher zugeschickt bekommen, nur um sie in die Kamera zu halten und hochzuloben, ohne sie gelesen zu haben und dann dafür auch noch bezahlt zu werden, will ich überhaupt nicht denken. Deswegen vertraue ich vielen dieser Videos/Posts nicht!

    Dann bin ich allerdings auch der Meinung, dass auf Verkaufsplattformen wie Thalia & Amazon verstärkt darauf geachtet wird, ob die geschrieben "Rezension" überhaupt etwas mit dem Inhalt zu tun hat. Besonders auf diesen beiden Portalen finde ich immer wieder Negativbewertungen mit einer ordentlichen Portion "Mimimi", weil das Buch nicht pünktlich verschickt wurde oder — welche Tragödie — ohne Farbschnitt geliefert wurde. Verdammt nochmal, dann schick die Ausgabe zurück und schreib eine Mail.
    Bei Amazon kann man direkt auch Versand/Verpackung/Dauer bewerten, das gehört nicht in die Produktrezension. Und Thalia sollte hier genauer schauen, was sie veröffentlichen.

    Meiner Erfahrung nach sind Rezensionen auf richtigen Buchblogs (VLogs), Buchcommunities (Goodreads, LovelyBooks, etc.) am authentischsten, selbst wenn es bei zweiterem nur Sternebewertungen sind. Aber besonders Buchblogs sind für mich am überzeugendsten. Denn hier sitzt ein Menschen nach dem Lesen teils noch stundenlang an der Rezension, nicht zu vergessen am Design des gesamten Blogs (immer wieder). Viele machen sogar noch richtig tolle buchige Bilder, die dann auf den diversen Social Medias genutzt werden können, um die Rezension bekannt zu machen, genutzt werden. In meinen Augen ist das weit mehr Arbeit, als einfach nur in die Kamera zu lächeln und mit einem Buch vor der Nase herumzuwedeln.

    Ich weiß auch überhaupt nicht, warum sich Menschen, die bewerten und rezensieren, über andere, die das nicht machen, beschweren. Mach dein Ding und lass andere ihres machen. Was geht dich das überhaupt an? Nichts!
    Meine Mom liest auch einfach nur Bücher, ohne dann, wo auch immer Sterne und ein paar Worte zu hinterlassen. Sie spricht aber mit mir und anderen darüber, ob es ihr gefallen hat. Dieser Mundpropaganda wird hier auch oft zu wenig Beachtung geschenkt, auch von Autor*innen und Verlagen. Alle sind nur noch GEIL auf Klicks & Likes!

    Cheerio
    RoXXie

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  5. Huhu liebe Aleshanee,

    erstmal ein toller Beitrag von dir.

    Jetzt wenn so darüber nachdenke, ist bei mir Lovelybooks auch auf einem sehr positiven Pfad unterwegs.
    Was ich aber auch teilweise darauf zurück führe, dass mein jüngere Ich niemanden auf die Füße treten wollte.
    Dann doch lieber die 5 Sterne anstatt die 4 Sterne.
    Mittlerweile ist das bei mir anders geworden, und ich finde es auch echt störend das man bei Lovelybooks kein halben Sterne geben kann.

    Habe gerade auch meine Statistik durchgeschaut

    5Sterne -> 291
    4Sterne -> 118
    3Sterne -> 21
    2Sterne -> 14
    1Stern-> 6

    Dabei sind noch nicht mal alle Rezensionen auf der Plattform hochgeladen.

    Ich finde es grundsätzlich okay, wenn Leute sagen, dass sie Bücher nicht bewerten möchte. Ich bewerte ja auch nicht jeden Restaurantbesuch auf Google. Ich wüsste auch gar nicht was ich immer schreiben sollte.

    Was mich mittlerweile aber stört ist, wie lieblos viele Rezensionen geworden sind. Viele "Blogger" sind es für mich einfach keine weil alles nur über Insta läuft. Da werden max 10 Sätze hingeschmiert und man wird dafür gefeiert.

    Ich bleibe da bei der Liebe zum Detail, und lieber nehme ich mir 1-2 Stunden Zeit, lese schöne, gute und ehrliche Rezensionen, wie zu schau gestellte Rezensionen.

    Liebe Grüße
    Teresa

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