Ghosts of Greenglass House von Kate Milford
Mit Illustrationen von Jaime Zollars
Band 2 der Jugendbuchreihe um das Schmugglerhotel
Verlag Clarion
Seitenzahl 447
1. Auflage Oktober 2017
Es wartet ein weiteres Abenteuer auf Milo Pine, der mit seinen Adoptiveltern
im verschneiten Schmugglerhotel "Greenglass House" wohnt. Wieder steht
Weihnachten vor der Tür und wieder scheinen es keine besinnlichen, ruhigen
Tage zu werden, denn obwohl der zurzeit einzige Gast Emerald Syebuck bald
abzureisen gedenkt, trudeln unverhofft Clem und Georgie ein, was für ein
begeistertes Wiedersehen sorgt!
Die beiden gewieften Diebinnen sind allerdings auf der Flucht. Der Coup um
eine ganz besondere Karte ist missglückt und jemand ist ihnen auf den Fersen.
Umso froher sind sie, hier erstmal einen geschützten Unterschlupf zu finden,
doch die nächsten Gäste sind schon auf dem Vormarsch:
Eine Gruppe äußerst mysteriöser Weihnachtssänger ziehen vorbei und Milo lädt
sie aus einem Impuls heraus ein, einzukehren.
Diese Gruppe ist wirklich mit einigen undurchschaubaren und kuriosen
Charakteren bestückt. Hier war es auch für mich etwas schwer, die englischen
Begriffe einzuordnen und die Figuren auseinander zu halten. Die Autorin versteht es aber sehr gut, mit der Zeit ein treffendes Bild von jedem zu zeichnen und dabei ihre geheimnisvolle Aura beizubehalten, so dass man weiter rätselt, was sie alle zu verbergen haben.
Die Tradition dieses Umzugs als Idee fand ich sehr toll, denn sie vermischt
alte Bräuche wie den Perchtenlauf und die Sternsinger mit den Raunächten. Ich
hab hier jetzt die deutschen Traditionen genannt, weil ich nicht weiß, welche
es in den USA gibt. Wobei ich in einigen Filmen auch schon gesehen habe, dass
an Weihnachten Kinder oder auch Erwachsene von Haus zu Haus ziehen und
Weihnachtslieder singen.
Clem und Georgie sind natürlich extrem misstrauisch, was die neuen Gäste
betrifft, schließlich könnte jemand unter ihnen sein, der ihnen nachstellt -
und man merkt schnell, dass hier wieder einige Geheimnisse zu entdecken sind!
Schön fand ich, dass wieder sehr viele zwischenmenschliche Botschaften in den
Dialogen stecken. Fragen, die nicht gestellt werden sollten oder Fragen, die
ehrliches Interesse zeigen? Zu persönlich, grenzüberschreitend? Oder einfach
nur freundschaftliche Neugier? Das scheint heutzutage sehr schwer zu sein. Ich
lese oft entrüstete Kommentare bei Fragen, die ich ganz normal finde; andere
aber anscheinend nicht korrekt. Wobei ich finde, dass es schon darauf ankommt,
welche Intention dahinter steht. Jedenfalls geht die Autorin hier sehr schön
darauf ein und lässt durchblicken, dass man hier mehr Feingefühl entwickeln
sollte.
Milos Identitätskrise kommt auch zur Sprache. Er hat keinen Bezug zu seinen
chinesischen Wurzeln, wird aber von vielen immer wieder damit in Verbindung
gebracht, was ihn in Verlegenheit bringt, und ärgert. Ein schwieriges Gefühl
und sicher oft nicht einfach, aber er findet (erstmal) eine gute Lösung. Denn:
es gibt natürlich ein Wiedersehen mit Meddy und die beiden führen ihre
Rollenspiel-Charaktere wieder weiter. Während Meddy bei Sirin bleibt, kreiert
sich Milo jemand neuem, der besser zu seiner Persönlichkeit passt, denn
natürlich hat er sich ein wenig verändert und weiterentwickelt seit letztem
Jahr.
Sehr schön hier: er kommt gerade nicht so klar mit seinen Gefühlen und würde
sie am liebsten unterdrücken, aber sie kommen zu dem Schluss dass es besser
ist, die Gefühle zuzulassen und zu kanalisieren, etwas aus ihnen zu machen,
das weiterhilft.
Das ganze zeigt auf ganz tolle Art, wie man sich ausprobieren kann in verschiedenen
Rollen - wie man dabei dazu- und sich selbst besser kennenlernt. Was man
alles schaffen kann, ohne vorher darüber nach zu denken und wie man sich
(ver)ändern kann, in dem man erstmal nur so tut als ob und schließlich
tatsächlich in diese Rolle hinein findet.
Der Schlüssel der Geschichte ist die gestohlene Karte einer Meisterdiebin, die
allerdings verschwunden ist und von der man leider auch nicht weiß, wie sie
aussieht. Eine "Karte" kann ja in allen möglichen Variationen dargestellt
werden und so haben Milo und seine Freunde es nicht leicht, diese zu finden
und herauszubekommen, wer noch dahinter her ist.
Es gibt wieder eine illustre Gesellschaft an Personen, die allesamt verdächtig
sind und es stellt sich als wirklich schwierig heraus, mehr von ihnen
herauszufinden.
Sehr bedeutsam fand ich auch den Moment, als Milo bemerkt, wie er selbst in
eine Rolle verfällt, die er überhaupt nicht mag. Von etwas überzeugt zu sein,
etwas zu erzählen, und dann damit konfrontiert zu werden, dass das vielleicht
doch nicht so ganz richtig ist und jemand anderen verletzt, versetzt ihn in
die Lage zu erkennen, wie schnell so etwas geht. Er selbst hat ja diese
Erfahrung mit seinem Lehrer gemacht, der ihm nicht geglaubt hat, was mit
seiner Vergangenheit und dem Greenglass Haus zu tun hat - und das hatte ihn
sehr geärgert. Die Autorin findet hier einen guten Weg, beide Seiten zu
beleuchten, denn manches ist an sich überhaupt nicht böse gemeint, sondern
wird von anderen aus ihrer Perpektive einfach anders aufgefasst und dann ist
es wirklich gut, darüber zu sprechen. Dadurch lösen sich viele Konflikte von
allein.
Die vielen Rätsel und das Herausfinden der ganzen Puzzleteile und schließlich die Lösung am Ende waren perfekt aufgebaut. Ein tolles Abenteuer das richtig Spaß gemacht hat und am Ende einige Enthüllungen bereit hält, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Eine wirklich großartige Fortsetzung!
Meine Bewertung
❄❄❄❄❄❄❄❄❄❄❄❄❄❄
Nagspeake Reihe:
Greenglass House (Greenglass House 1)
Ghosts of Greenglass House (Greenglass House 2)
Bluecrowne (Greenglass House 3)
The Left-Handed Fate (als Fortsetzung zu Bloecrowne)
The Thief knot (Greenglass House 4)
The raconteur´s commonplace book (Greenglass House 5)
The Broken Lands (Arcana 1)
The Boneshaker (Arcana 2)
The Kairos Mechanism (Arcana 3)
ins deutsche übersetzt sind bisher
beim Verlag Freies Geistesleben
Greenglass House
The Raconteur´s Commonplace Book (als: Fireside Mysteries)
Broken Lands
Boneshaker







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