Das Feld der Rosen von Philip Pullman
Im Original The Rose Field
übersetzt von Antoinette Gittinger
Finalband von His Dark Materials
Genre Portal-Fantasy
Schauplatz Oxford / Kleinasien
Verlag Carlsen
Seitenzahl 777
1. Auflage März 2026
Meine Meinung
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Seit die erste Band der His Dark Materials Trilogie 1995 veröffentlicht wurde,
bin ich ein großer Fan! Diese Trilogie hab ich auch mehrmals gelesen und die
Begeisterung dafür hat nie nachgelassen.
His Dark Materials
- Der goldene Kompass
- Das magische Messer
- Das Bernstein-Teleskop
Als dann 2017, also über 20 Jahre später, ein neuer Band erschien, der die
Vorgeschichte erzählt, war ich natürlich mega gespannt, genauso wie auf "Ans
andere Ende der Welt", der nach den Ereignissen ansetzt, als Lyra mittlerweile
Anfang 20 ist. Mit Das Feld der Rosen beendet Philip Pullman jetzt den
Zyklus.
The Book of Dust
- Über den wilden Fluss (Vorgeschichte)
- Ans andere Ende der Welt (spielt nach His Dark Materials)
- Das Feld der Rosen (Finale)
Als Vorbereitung auf das Finale hab ich den Vorgänger nochmal gelesen
und muss gestehen, dass er mich nicht mehr ganz so mitnehmen konnte wie beim
ersten Mal. Er erzählt ja doch eher nüchtern und geht bei den Charakteren
nicht so sehr in die Tiefe - die Handlung und Hintergründe spielen eher eine
Rolle; das wusste ich - aber bei dem Nachfolger fällt es doch mehr ins
Gewicht, als ich beim ersten Lesen wahrgenommen habe.
Vielleicht sollte man da auch in Betracht ziehen, dass der Autor dieses Jahr
seinen 80. Geburtstag feiert und ich könnte mir schon vorstellen, dass in
diesem hohen Alter manches vielleicht nicht mehr so leicht von der Hand geht
wie früher... trotzdem meinen großen Respekt, dass er diese Reihe hier noch
ergänzt und auch fertig geschrieben hat!
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Die Handlung schließt direkt an das Ende vom 5. Teil an. Irgendwo in der Wüste
in Karamakan - ein fiktiver Ort in Asien - an dem es Geisterstädte geben soll,
in denen Daemonen hausen und auch ein verstecktes Gebäude existiert, in dem
Forschungen betrieben werden, die mit dem geheimnisvollen Rosenöl zu tun
haben. Hierhin sind Lyra und Malcolm unterwegs, ohne zu Wissen, welchen
Rätseln und Antworten sie tatsächlich auf der Spur sind.
Philip Pullman hat die Geschichte um Lyra Listenreich geschickt weiter
gesponnen.
Die Welt von Lyra, in der jeder Mensch einen "Daemon" hat, also ein Stück von
sich selbst, von seiner Seele, das in Tierform immer bei einem bleibt - ist im
Umbruch. Das geistliche Machtzentrum des Magisteriums greift zu harten
Konsequenzen, um seinen Glauben durchzusetzen und die Menschen zu zwingen,
sich ihren Glaubenssätzen zu beugen.
Dieses besondere Rosenöl aus der asiatischen Wüste spielt dabei eine wichtige
Rolle.
Ich hab ein bisschen gegoogelt und könnte mir gut vorstellen, dass der Autor
sich hier an der Wüste Karakum in Turkmenistan orientiert hat, die auch
namentlich an der im Buch erwähnten Karamakan hat.
Hier bahnt sich ein Krieg an, Soldaten verbreiten überall Schrecken und der
Strom von Flüchtlingen reißt nicht ab. Inmitten der Unruhen sind die beiden
Protagonisten auf dem Weg, das Geheimnis zu lüften: welche Eigenschaften
besitzt dieses geheimnisvolle Rosenöl, dass sogar das Magisterium sich davon
bedroht fühlt? Und was verbirgt sich hinter dem Gebäude, der einzige Ort, an
dem die seltenen Rosen gezüchtet werden.
Es gibt einige Perspektivenwechel und viele Figuren, die wir begleiten.
Neben Lyra und Malcolm verfolgen wir über Marcel Delamare seinen
rücksichtslosen Feldzug, um an die Spitze des Magisteriums zu rücken. Er hat
dabei ganz eigene Ziele - sowie auch der Alethiometer Leser Bonneville. Er hat
eine neue Methode entwickelt, um den Wahrheitssucher zu gebrauchen, aber seine
Wege decken sich nicht unbedingt mit denen seiner Auftraggeber...
Wir erfahren auch einiges über wichtige Nebenfiguren und neue bzw. alte
Verbindungen werden aufgedeckt und Geheimnisse gelüftet.
Lyra indes kämpft noch immer mit ihren inneren Dämonen. Denn neue
Denkanstöße haben ihren Geist in eine völlig intellektuelle Richtung gedrängt,
die nur auf dem Verstand basiert und alles, was ins Phantastische gleitet als
unwahr und Einbildung abstempelt.
Die Fantasie, die für Lyra als Kind und Heranwachsende noch selbstverständlich
war, ist ihr dadurch abhanden gekommen, aber was wäre die Welt, wenn man nur
noch Berechnungen und Logik folgt?
"Das innere ist größer als das äußere?"
"Das ist der Lauf aller Dinge."
Zitat Seite 53
Der Schreibstil ist, wie anfangs schon erwähnt, etwas trocken und wirkt
manchmal auch etwas holprig und unzusammenhängend. Hier spürt man schon eine
gewisse Unausgeglichenheit. Manches passiert ohne jegliche Verknüpfung oder
scheinbar losgelöst von der Handlung, anderes wird nicht so flüssig erklärt,
dass ich weiteren Hinweisen entgegen fiebere. Ich hatte den Eindruck, dass der
Autor sehr vieles unterbringen wollte und seine Lebenserfahrungen und
Sichtweisen mit einbringen wollte, was am Ende zu viel und nur in Ansätzen
eingeflochten wurde.
Das Thema des Glaubens, des kirchlichen Machtmissbrauchs, der dogmatischen
Lehren usw. hat ihn noch immer nicht losgelassen und werden hier auch wieder
thematisiert. Was ist gut - was ist böse? Woher kommt die Fantasie und trennt
sie die Wahrheit von den Lügen? Ist das, was wir glauben, wahr - oder gerade
aufgrund des "Glaubens" nicht real?
"... Es gibt Zeiten, in denen wir Trost nötiger haben, als Korrektheit."
Zitat Seite 409
Am Ende erfährt man, welcher Grundgedanke Philip Pullman angetrieben hat und
ich kann sehr gut nachvollziehen, was er damit ausdrücken wollte. Obwohl es
meiner Ansicht nach nicht vollends gelungen rübergebracht worden ist. Zu viele
lose Fäden, die in einem etwas merkwürdigen Finale enden, das mich nicht ganz
überzeugen konnte. Etwas weniger und dafür intensiver, das hätte diesen Band
für mich deutlich wertvoller gemacht und die Botschaft deutlicher.
Ich hab die Handlung durchweg mit Spannung verfolgt, hatte aber leider nicht
mehr die Faszination verspürt die mich mit der ersten Trilogie
verbindet.
Meine Bewertung
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