Mittwoch, 2. April 2014

Rezension: Vaterseelenallein von Peter Ballnik



Genre: Sachbuch

Verlag: adeo
Seitenzahl: 288
Hardcover: 17,99 €
ebook: 13,99 €

1. Auflage: März 2014

Website des Autors







Klappentext

Wie viele Menschen sehnen sich nach einem "richtigen Vater"? Mehr als die Hälfte der Kinder wächst mittlerweile in sogenannten "Patchworkfamilien" auf, weil sich die Eltern früh getrennt haben. In anderen Familien ist der Vater kaum ansprechbar, weil er beruflich über alle Maßen eingespannt und ständig unterwegs ist. Vielfach wird die Erziehung der Kinder deshalb den Müttern überlassen.

Jenseits jeglicher Elternromantik analysiert Peter Ballnik den Kern vieler gesellschaftlicher Probleme. Denn wem das väterliche Vorbild fehlt, der hat es schwer im Leben. Und es zeigt sich, dass viele, die ohne einen richtigen Vater aufgewachsen sind, oftmals in große Konflikte geraten – es fehlt ihnen einfach ein Korrektiv, ein Wertegerüst, an dem sie sich orientieren können.

Ein Buch mit hoher Relevanz. Thesenstark zeigt Peter Ballnik, auf welchem fatalen Weg wir uns befinden, weil wir dabei sind, die Vaterrolle mehr und mehr zu vernachlässigen.

Zum Inhalt
 

Das Buch ist in vier Abschnitte aufgeteilt, die jeweils in kurze Kapitel gegliedert sind.

- Fehlt die Väterlichkeit, fehlt der Kitt der sozialen Systeme [...] - Teil 1
- Fehlt Kinder und Jugendlichen der Vater, [...] entwickeln sie ein Abgrundverhalten - Teil 2
- Fehlt dem Kind die väterliche Betreuung [...] kann es sein Gewissen nur unzureichend ausbilden [...] - Teil 3
- Fehlen der Kultur die Väter, erleben wir eine Verlustkultur - Teil 4
Zitat S. 272

Der Autor greift hier die Frage auf, ob unsere Gesellschaft durch die mangelnde Anwesenheit oder unzureichende Betreuung der Kinder durch die Väter keine grundsätzlichen Werte mehr vermittelt bekommt.
Die These, dass vielen Jugendlichen heutzutage das Gewissen fehlt und sie oft nicht mehr unterscheiden können, was gut und böse ist, die Aggressionsbereitschaft zunimmt, Pflichtgefühl und Leistungsbereitschaft fehlen ermittelt er durch seine Erfahrungen in der Jugendtherapie als auch durch die Verhaltensweisen öffentlicher Personen.

Meine Meinung

Ich bin in solchen Themen immer sehr skeptisch, aber die Meinung und Begründungen haben mich hier sehr interessiert. Da ich selber alleinerziehende Mutter von vier Kindern bin und diese ein eher verstörendes Vaterbild erlebt haben, war ich sehr gespannt auf die zugrunde liegenden Antworten, die der Autor hier mit seinen Thesen aufwirft.

Die Basis jeder Erziehung sind Mutter und Vater. Hier stimme ich mit den Ausführungen überein, auch wenn das vielerseits abgestritten wird, um die Verantwortung von sich abzuschieben. Ich bin auch der Meinung, das alles, was sich aus dem Kind entwickelt, auf die Erziehung gründet, die es genossen hat. Natürlich kommen dazu Faktoren aus dem Umfeld, der Familie und dem Freundeskreis.
Auch kann ich der Meinung des Autors so weit folgen, dass ich als Mutter niemals die Vaterrolle komplett übernehmen kann, da Frauen und Männer in ihrer ganzen Art einfach unterschiedlich sind - allerdings bin ich überzeugt, dass ich trotzdem Werte vermitteln kann und meinen Kindern eine gute Basis biete, mit der sie in der Gesellschaft und in ihrem Leben zurecht kommen können.

Der Autor betont zwar desöfteren, dass er die Rolle der Mutter in keinster Weise herunterspielen möchte, aber ich hatte schon manchmal den Eindruck, dass er sie in seinem Denken völlig außen vorlässt.
Die vielen Beispiele negativer Entwicklungen von Jugendlichen und Erwachsenen, die er in dem Buch anführt, gründen alle auf Kindern, denen der Vater gefehlt oder keine grundlegenden Werte vermittelt hat. Hier fehlt mir aber grundsätzlich die Rolle der Mutter, die sehr wohl dazu beitragen kann, genau dies dem Kind zu zeigen. Auch Mütter können Verantwortung und Disziplin weitergeben, ebenso wie Mut, Ausdauer und Frustrationstoleranz, was P. Ballnik hier fast ausnahmslos dem Vater zuspricht. Auch werden in den Beispielen nur die Defizite der Jungs angesprochen, von Mädchen liest man in dem Buch sehr wenig.
Auch die Situation bei Geschwistern, die sich ja oft sehr gegenteilig entwickeln, fehlt hier ganz.

Nicht nachvollziehbar fand ich auch das Thema Gewaltübergriffe und häusliche Gewalt. Hier widerspricht sich der Autor meiner Meinung nach selbst.

Dass in der Erziehung heutzutage viel falsch läuft, kann ich bestätigen, aber das liegt nicht allein bei der Abwesenheit der Väter sondern auch in der Rolle der Mütter, die sehr oft überfordert sind. Das Thema des Feminismus und den Weg der Gleichberechtigung der Frau spricht er im vierten Kapitel an und ich stimme da überein, dass der Anfang ein guter war, die Entwicklung mitterweile aber ins Gegenteil schlägt.
Männer und Frauen sind nunmal nicht gleich und auch wenn Frauen natürlich dieselben Recht wie Männer haben sollten, fehlt ihnen mittlerweile das Recht zu entscheiden. Ich selbst empfinde den Druck der Gesellschaft sehr groß, als Frau "seinen Mann" stehen und alles schaffen zu müssen: Arbeit, Haushalt, Kindererziehung - um dabei allem gerecht zu werden scheitern viele.

Die Rollen verschieben sich und mir ist durchaus bewusst, dass viele Männer gar nicht mehr wissen, was genau einen Mann ausmacht, da sich das Denken der Frauen sehr verändert hat. Aber das ist eine gesellschaftliche Entwicklung, die noch in den Kinderschuhen steckt und ich denke, dass sich diese Definitionen immer wieder verändert haben und das der natürlich Verlauf der Dinge ist. 

Ich hatte das Gefühl, dass Peter Ballnik hier einen leichten Tunnelblick durch die Arbeit als Psychotherapeut bekommen hat, wodurch er nur die schlechten Erfahrungen von Jugendlichen zu sehen bekommt. Die Fixierung auf die Väter dieser Welt ist mir auch zu extrem, denn schließlich, wie er selbst sagt, gehören zur Familie und Erziehung beide - auch die Mutter. Und auch wenn man den Vater nie ersetzen kann, können Mütter doch sehr viel auffangen und den Kindern viel Liebe und Halt mit auf den Weg geben.

Fazit

Peter Ballnik hat hier ein interessantes (Tabu)Thema angeschnitten, meines Erachtens aber auf eine sehr einseitige Weise. Das "zerrüttete" Familien zu einer schlechten Basis in der Erziehung führen mag wohl stimmen, doch die Rolle der Mutter hierbei wurde mir zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Natürlich wollte der Autor hier gerade auf die verschwindende Rolle des Vaters hinweisen, der ich auf jeden Fall zustimme. Doch es liegt nicht nur an den Frauen, die ihre Männer aus der Familie verbannen - es liegt ein allgemein falsches Erziehungsmodell vor, dass durch die zunehmende Unsicherheit in der Frage noch mehr geschwächt wird. Interessante Ansätze und auf jeden Fall ein wichtiges Thema!

Bewertung



Vielen Dank an den Adeo Verlag für das Rezensionsexemplar!

© Aleshanee



Über den Autor: Jahrgang 1960, begleitet als Psychotherapeut seit über 15 Jahren Männer in ihrer Vaterrolle. Neben seiner Praxistätigkeit ist er Autor und Co-Autor von mehr als einem Dutzend Fachbüchern und drei Ratgebern für Väter. Peter Ballnik ist nicht nur ausgewiesener Topexperte zum Thema Vaterschaft, er kann sein Wissen auch glänzend vermitteln. Als gefragter Referent und Seminarleiter überzeugt er mit seinem ganz eigenen, gekonnten Stil.
Quelle: adeo Verlag





Kommentare:

  1. Da stimme ich Dir mal wieder zu. =) Schön geschrieben.

    Liebe Grüße

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  2. Das Thema is in der Tat sehr wichtig, aber auf keinen Fall zu verallgemeinern.

    Ich selbst bin ohne Vater aufgewachsen und ab 13 sogar ohne Mutter. Solange meine Mum für mich da war, hat sie immer alles getan, dass es mir an nichts fehlt. Habe meiner Mutter das Leben nicht schwer gemacht und bin auch weder kriminell noch gewalttätig durch meine Jugend gegangen.
    Vieles muss man wirklich selbst erarbeiten und viel Hilfe is einfach nicht zu erwarten (Is bei manche Kinder, mit Eltern, nicht anders)

    Heute stehe ich auf meinen beiden Beinen fest im Leben und bin stolz auf das was ich erreicht habe. Natürlich kann das ein oder andere durch den fehlenden Vater ausschlaggebend sein, finde aber, es liegt viel am Charakter des Menschen. Ein Glück war ich immer zu ängstlich für dummen Unfug und außerdem hatte ich einen kleinen Bruder, dem ich mich immer verpflichtet gefühlt hatte, auf ihn aufpassen zu müssen. (Nicht wegen der fehlenden Aussichtspflicht meiner Mutter... Eher weil er immer nur Faxen im Kopf hatte und heute immer noch hat ^^)
    So entwickelt man von ganz alleine Selbstbewusstsein und Verantwortungsgefühl, an dem man als Jugendlicher auch wachsen kann und nicht immer nur daran zerbrechen muss.

    Auf jeden Fall is das Buch sehr gut für diverse Diskussionen geeignet und vor allem, sich mal mit dem Thema auseinander zusetzten, auch wenn man nicht unbedingt diese Probleme hat.

    Lg Sassi ;)

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    1. Danke für deine offene Meinung Sasija! Das ist ein sehr gutes Beispiel, dass es auch sehr liebe Menschen gibt, auch wenn sie es in jungen Jahren schwer hatten.
      Dass die Vaterrolle immer mehr verblasst, ist wirklich ein wichtiges Thema, aber wie du auch sagst, der Charakter und viele andere Umstände spielen dabei eine ebenso wichtige Rolle - das darf man einfach nicht außer Acht lassen!

      *fühl dich gedrückt* :)

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