Freitag, 29. August 2025

Rabenthron von Rebecca Gablé



Rabenthron von Rebecca Gablé


Band 3 aus der historischen Saga um Helmsby
Schauplatz England, 11. Jahrhundert

Verlag Lübbe
Seitenzahl 
1. Auflage August 2025




England im Herbst 1013: Um den dänischen Gefangenen Hakon bei Hofe abzuliefern, reist der junge Engländer Ælfric of Helmsby nach London. Die Stadt liegt in Trümmern, denn dem schwachen König Ethelred gelingt es nicht, sein Reich gegen die ständigen Wikingerüberfälle zu schützen. Doch anders als England und Dänemark sind Ælfric und Hakon keine Feinde — während der gefährlichen Reise sind sie zu Freunden geworden. Bald schon gehören sie zum inneren Kreis um die machtbewusste Königin Emma. Aber der Widerstand der Engländer droht zu brechen, und als der dänische König stirbt, steht bald ein noch gefährlicherer Feind vor den Toren ...



Meine Meinung
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Wir reisen hier ins England des 11. Jahrhunderts, in dem die Dänen kurz davor stehen, England für sich zu gewinnen. Angeführt werden diese Angriffe von Sven Gabelbart, gegen die der glücklose König Ethelred wenig entgegensetzen kann. Der englische König wirkt etwas hilflos und unentschlossen, so dass man schon vermutet, dass viele froh sein werden, wenn er endlich abtritt.

In dieser unruhigen Zeit muss Aelfric eine waghalsige Flucht aus seiner Heimat Helmsby wagen, um sich der Entscheidung seines grausamen Onkels zu entziehen. Zusammen mit seinem 6jährigen Sohn Penda und seinem Gefangenen Dänen Hakon macht er sich auf den Weg und gerät unverhofft in die Leibgarde der Königin.
Interessant fand ich hier schon mal, dass Aelfric schon mit 15 Jahren Vater wurde. Die Mutter, im gleichen Alter, starb bei der Geburt, so dass er sich selbst um die Erziehung kümmern muss und das tut er auch tatsächlich. Ich denke, es war ja eher üblich, die Kinder bei den Frauen abzugeben und es ihnen zu überlassen. War ja sogar bei den Müttern so mit den Ammen und Kinderfrauen etc...
Jedenfalls hat Aelfric ein sehr inniges Verhältnis zu seinem Sohn und versucht, ihn gleichzeitig zu beschützen, aber ihn auch auf die schroffe und brutale Welt vorzubereiten, die England in diesem Jahrhundert für sie bereit hält.

Wie immer liest es sich sehr flüssig und es passiert auch ständig etwas, aber mir ist aufgefallen, dass der typische Bösewicht oder wirklich bedrohliche Szenen oder Gegner fehlen. Die Kämpfe gegen die Dänen sind natürlich auch brutal und grausam, auch die Übergriffe gegen die Frauen -  aber ich hab irgendwie auf etwas gewartet, was Aelfric mal so richtig Steine in den Weg legt. Das lief alles doch immer recht "einfach" für ihn ab oder löste sich recht schnell in Wohlgefallen auf. 

Die englische Königin Emma ist 25 und eine starke, durchsetzungsfähige Frau, die weiß was sie will und entschlossen handeln kann, auch wenn ihr das Wasser bis zum Hals steht. Sie muss sich und ihre Kinder schützen,  denn der englische Thron wird mal wieder von einigen beansprucht - und sie tut alles, oftmals mit schwerem Herzen, um ihre Macht, aber eben auch ihr Leben, zu sichern. 
Die wechselnde Sichtweise zwischen Aelfric und Emma hat für viel Spielraum gesorgt und so konnte man gut verfolgen, wie es in England weitergeht, mit den Flüchtenden in der Normandie oder auch auf dem Gut Helmsby.

Wie immer in England - zumindest dem Gefühl nach, wenn man diese Bücher liest - ist es ein ewiges Hin und Her und Auf und Ab mit den Königen ... die Autorin versteht es aber jedes Mal, den Zeitgeist einzufangen und ein lebendiges Bild der damaligen Zeit heraufzubeschwören. Mit Aelfric hat sie dieses Mal einen Hauptcharakter, dem es an sich nie wirklich schlecht geht und man hat hier auch keinen großen Bezug zu der Dienerschaft oder den Sklaven, die nur nebenbei erwähnt werden, oder auch mit einfachen Bauern - so läuft das (Über) Leben neben wenigen blutigen Kämpfen eher ruhig. Natürlich mit den üblichen Intrigen und Machtkämpfen, aber es hat für mich manchmal schon ein bisschen der Biss gefehlt.
Auch bei den Verliebten / Ehepaaren ging es meist glimpflich ab und so wie gewollt. Sonst gibt es ja doch immer wieder den ein oder anderen Umweg oder Rivalen, bei denen man zwar wusste (oder hoffte), dass sie am Ende doch zusammenfinden, aber es war zumindest ein kleiner Spannungsbogen, wie das ganze enden würde. Ich hatte manchmal das Gefühl, als würde die Autorin dieses Mal mehr Botschaften einstreuen, wie die Gesellschaft gut oder besser funktionieren würde: gegenseitige Achtung, Respekt und Verständnis - auch zwischen zwei rivalisierenden Königen.

Friedlich bleibt es allerdings nie lange und es wird immer verbissen um die Macht gekämpft. Ich empfand die Geschichte wieder sehr unterhaltsam und hab wieder so einiges zu dieser historischen Epoche gelernt. Einige witzige Anekdoten werden auf jeden Fall hängenbleiben ;) 

Das Nachwort kann ich bei diesen Romanen immer empfehlen, denn auch wenn vieles fiktiv ist, beruht doch einiges auf überlieferten Fakten und da kommen ein paar zusammen, die man vielleicht für erfunden gehalten hätte ;) 

Ich bin ja prinzipiell kein so großer Freund von dem Hype um die Farbschnitte, aber dieser hier ist wirklich außerordentlich schön gemacht! Zum einen wirkt es ein bisschen wie ein Kirchenfenster - zum anderen sind die Farben so intensiv, das der Schnitt auch irgendwie total weich wirkt, fast wie ein Stoff. Ein ganz toller Effekt!


Meine Bewertung
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Vielen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar.
 Es gab diesbezüglich keinerlei Vorgaben und die Rezension 
spiegelt meine ganz persönliche Meinung wider.


Helmsby Reihe

1 - Das zweite Königreich (2001) - England anno 1064
2 - Hiobs Brüder (2009) - England anno 1147
3 - Rabenthron (2025) - England anno 1013


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