Mittwoch, 3. September 2014

[Kurz]Rezension: Der Name der Rose von Umberto Eco


Genre: Historischer Krimi

Originaltitel: Il nome della rosa
Aus dem Italienischen von Burkhart Kroeber

Verlag: dtv
Seitenzahl: 688
Taschenbuch: 9,90 €

1. Auflage: Apr 1986

Website Special zum Autor




„… da der Leib der Kirche, der jahrhundertelang identisch war mit dem Leib der ganzen Gesellschaft, mit dem Populus Dei, allmählich zu füllig geworden ist, zu dick und zu schwer, da er die Schlacken all jener vielen Länder und Gegenden mit sich schleppt, durch die er gezogen ist, und infolgedessen seine ursprüngliche Reinheit verloren hat …“

Mitten drin in einer der zahlreichen Dispute, hier zwischen dem Franziskanermönch William von Baskerville und seinem Adlatus Adson von Melk.

Klappentext

Kriminalgeschichte aus dem 14. Jahrhundert: In einem italienischen Benediktinerkloster gibt es einen äußerst merkwürdigen Todesfall. Man bittet den für seinen scharfen Verstand berühmten Franziskanerbruder William von Baskerville um Hilfe. Kurz darauf verschwindet ein weiterer Mönch. Und William schafft sich mit seinen Fragen einen ebenso mächtigen, wie unheimlichen Feind in der Abtei …

Meine Meinung

Der Schreibstil war für mich äußerst anstrengend. Ausschweifende Diskussionen über die Kirche, Ketzer und alles, was dazugehört, über die Maßen detailgenaue Beschreibungen und altertümliche Sprachgewalt – nur das letztere hat mir gut gefallen. Leider war es teilweise für mich so kompliziert und ausladend, dass ich immer wieder einige Seiten nur überflogen habe, bis ich gemerkt habe, dass die Handlung an sich wieder weitergeht.
Ich muss dazu sagen, dass ich den Film sehr gerne mag und mich durch das Buch wieder in diese dunklen, rätselhaften Mauern zurückversetzen wollte. Das gelang auch bis zu einem gewissen Grad, aber durch die ständigen Unterbrechungen mit seitenlangen Streitgesprächen ist diese Stimmung immer wieder abhanden gekommen.
Allerdings wird es im Laufe des Buches etwas besser – und es sind manchmal auch sehr schöne „Schmankerl“ dabei.

„Aber sagt mir, wie kommt es, dass Ihr das Rätsel der Bibliothek durch Betrachtung von außen habt lösen können, während es Euch verschlossen blieb, als Ihr drinnen wart?“ „Das ist wie mit dem Gesetz der Welt. Gott kennt es, weil er die Welt, bevor er sie schuf, in seinem Geist konzipierte, also gleichsam von außen ersann. Wir Menschen dagegen erkennen es nicht, weil wir in der Welt leben und sie bereits fertig vorfinden.“

„Und was nützt Euch das Einhorn, wenn Euer Verstand nicht daran glauben kann?“ „Es nützt mir, wie mir die Spur der Füße des toten Venantius im Schnee genützt hat, als sie mir verriet, dass ihn jemand zum Schweineblutbottich geschleppt haben musste. Das Einhorn der Bücher ist wie eine Fußspur oder ein Abdruck im Schnee. Wenn ein Abdruck da ist, muss es etwas gegeben haben, das ihn gemacht hat.“

Die Charaktere standen mir ständig als die Schauspieler vom Film vor Augen, weshalb es mir nicht schwerfiel, sie mir vorzustellen und mich in sie hinein zu fühlen. Auch hier wurden seitenweise Gespräche geführt, die den Charakter der Figuren zum Ausdruck bringen sollte; leider oft zu ausufernd und komplex, dass ich sie manchmal schlichtweg nicht verstanden habe.

Fazit

Ich bin froh, dass ich es endlich geschafft habe, dieses Buch zu lesen – es ist eines der wenigen Bücher, bei dem mich der Film bei weitem mehr überzeugt hat. Trotzdem war es amüsant, diesen Stil tatsächlich bis zum Ende durchzuhalten und dabei noch einige Hintergrundinfos zu erfahren, die im Film abhanden gekommen sind. Allgemein war es mir aber in vielen Passagen zu detailliert und umständlich.

Bewertung


© Aleshanee



Umberto Eco - das Beste aus der Feder des italienischen Meisters
© dtv Verlag
Über den Autor:  Umberto Eco, 1932 in Alessandria (Piemont) geboren, lebt in Mailand und lehrte Semiotik an der Universität Bologna. Er verfasste zahlreiche Schriften zur Theorie und Praxis der Zeichen, der Literatur, der Kunst und nicht zuletzt der Ästhetik des Mittelalters. ›Der Name der Rose‹ (dt. 1982) machte Eco weltberühmt. Seine wissenschaftliche Laufbahn machte ihn zu einem der wichtigsten Vertreter der Semiotik weltweit. Seine Leistungen wurden inzwischen mit nicht weniger als 17 Ehrendoktorwürden aus aller Welt honoriert.
Quelle: dtv Verlag

Kommentare:

  1. Ich schaue den Film auch lieber, als ich das Buch lese. Zwar ist es irgendwie cool, in die Klosterwelt eingeführt zu werden und die Kirchenstreits mitzubekommen, andererseits ist das auch eine große Last. Gemütlich hinsetzen und mit dem Buch die Seele baumeln lassen, klappt nicht so gut. Wenn es einem allein um die Handlung geht, kann ich den Film besser empfehlen, mit dem Buch bekommt man aber einen guten Rundumschlag.

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    1. Das hast du super zusammengefasst ;) Genauso sehe ich es hier auch!

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  2. Hi,
    Ich finde, Der Name der Rose ist so eine Geschichte, die überall auftaucht und die man kennen sollte, ich habe aber immer davor zurückgeschreckt, das Buch zu lesen, weil ich von vielen Leuten gehört hatte, dass Umberto Ecos Schreibstil unwahrscheinlich schwer zu lesen ist. Die erste Zitat hier schreckt mich richtig ab, sowas seitenweise? Da würde ich sehr schnell die Lust verlieren. Da guck ich mir dann doch lieber den Film an. ;)
    lg
    Alesha

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    1. Hihi, ja das ging teilweise Seite um Seite so ... aber ich wollte es einfach gelesen haben und es gab ja auch tolle Szenen und stückweit ging die Handlung auch wieder gut weiter - aber ich bin einfach froh, es hinter mir zu haben :D

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  3. Als wir den Film in der Schule angesehen haben, habe ich mir sofort das Buch aus der Schulbibliothek geschnappt und zu lesen angefangen, weil ich mir fest vornahm, das Buch fertig zu haben, bevor wir den Film in der Woche drauf (Und das im katholischen Religionsunterricht!) zu Ende gucken würden. Hat zwar nicht geklappt, aber mich beim lesen deutlich vorangebracht. Ich war an dem Tag, als ich den Film zu Ende geguckt habe, mit dem Buch auch fast schon fertig. Ich hatte dabei einen sehr direkten Vergleich, aber auch wenn ich den Film richtig gut finde (Mit Abstand einer der besten Buchverfilmungen, die ich je gesehen habe) fand ich das Buch besser. Seltsam, oder? Aber der ganze Quatsch, der alle anderen aufregt (die Ausführungen, die Streitereien, die vielen wunderbaren Details usw.) die liebe ich einfach. Dann noch die Bibliothek und alles war perfekt. Das heißt übrigens nicht, dass ich die Handlung als unwichtig empfinde. Aber ich habe es schon immer geliebt, wenn Bücher mal Riesenabschweifungen machen, sofern es Themen sind, die mich interessieren und ja, *ich bin hier wohl wahnsinnig* das alles hat mich interessiert. Ernsthaft. Ich führe seitdem Selbstgespräche auf Latein... (kleiner Scherz *hust*)

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    1. Abschweifungen mag ich auch, wenn mich das Thema interessiert - aber das war hier leider soviel kirchliches ... keine Ahnung *lach* Aber da sieht man mal wieder, wie unterschiedlich die Meinungen sind. Das Buch wird ja auch von vielen hochgelobt - mir wars definitiv to much ;)

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  4. Der Schreibstil, Seitenlange Ausführungen über einen Portalbau. Ganze 5 Wochen hab ich damals damit zugebracht. Brauch ich nicht noch mal.

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