Mittwoch, 25. Februar 2015

Rezension: Die Entführung der Delia Wright von Lyndsay Faye


Genre: historischer Kriminalroman
im New York des Jahres 1846

Original: Seven for a secret
Band 2 der Reihe "Timothy Wilde Mysteries"

Verlag: dtv premium
Seitenzahl: 464
Taschenbuch: 14,90 €
ebook: 12,99 €

1. Auflage: März 2015





"Ich habe keine sehr hohe Meinung von Menschen im Allgemeinen, 
aber manchmal sehe ich Einzelne ganz unscheinbare Dinge tun, die mir das Herz wärmen." S. 221

Zum Inhalt

Sechs Monate nachdem Timothy Wilde mehr oder weniger freiwillig der neu entstandenen Polizeigruppe im New York des Jahres 1846 beigetreten ist, gibt es einen neuen, Aufsehen erregenden Fall. 
Timothy Wilde ist mittlerweile zum "Sonderermittler" aufgestiegen und hat ein kleines, aber immerhin eigenes Büro in den Tombs, dem Hauptquartier. Just am 14. Februar, am Valentinstag, kommt Mrs. Lucy Adams völlig aufgelöst zu ihm: ihre Schwester Delia und ihr Sohn Jonas sind verschwunden. Doch handelt es sich hier nicht einfach um eine Entführung - Lucy und ihre Familie stammen von Farbigen ab und das bedeutet, dass sie Sklavenjägern in die Hände gefallen sein könnten. Rasches Handeln ist gefragt, so dass Timothy sogar seinen Bruder Valentine um Hilfe bittet. Doch damit spielt er ganz anderen Kreisen in die Hände und ein Mord bringt den demokratischen Parteifreund Valentine in große Schwierigkeiten ...

Meine Meinung

Das Cover ist wieder wunderbar gelungen und ist ähnlich, nur in anderen Farben, wie Band 1 gehalten. Die Autorin lässt auch hier abermals den vom Barmann zum Ermittler aufgestiegenen Timothy Wilde in seiner ganz eigenen Art die Ereignisse erzählen. Nur wenige Sätze werden in der Ich-Perspektive eingestreut, so dass die Erzählung von Timothy noch authentischer wirkt. Auch wenn er hier und da ein bisschen abschweift, wirkt es nicht langatmig, sondern einfach nur interessant, die Facetten des Lebens in New York kennenzulernen.

Timothy Wilde ist ein guter Beobachter und hat sich in dem halben Jahr, seit dem es die Polizeitruppe gibt, gut in seinem neuen Beruf zurechtgefunden. Überzeugt von seinen Prinzipien lässt er auch mal Gnade walten und tritt für die Menschen ein, denen das Leben und die Umstände einfach nur übel mitgespielt haben. Er zeichnet gerne, vor allem, wenn er unter Anspannung steht und versucht, sich damit abzulenken. Timothy leidet sehr unter der Trennung von Mercy Underhill. Auch wenn sie nie ein Paar waren, vermisst er ihre Gespräche und ihre Freundschaft. Auch hat er Hemmungen wegen seinem durch den Brand entstellten Gesicht und Angst davor, dass sich seine größte Furcht, die Abneigung, tatsächlich bewahrheiten könnte. 
Trotzdem stürzt er sich mit Feuereifer und seiner ihm eigenen Hartnäckigkeit auf den besonderen Fall und erhält auch tatkräftigen Beistand von seinem Kollegen Mr. Piest, den wir auch schon im ersten Band kennenlernen konnten.

Timothys Bruder Valentine gefällt sich in seiner Rolle als großer Macher in der Partei der Demokraten, doch zu dieser Zeit muss man noch mehr darauf achten, was man tut und sagt - schnell gerät man in eine Schlägerei, bei der nicht selten ein Messer gezogen wird; und es gibt niemanden, der eingreift, eher steht eine anfeuernde Meute drumherum. 
Auch der Zusammenhalt in der noch frischen Polizeitruppe lässt zu wünschen übrig. Viele sind korrupt, neidisch und nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht - doch kaum einer stört sich daran. Selbst die "reichen" oder "höhergestellten" Persönlichkeiten ziehen durch Hurenhäuser, verspielen ihr Vermögen, kassieren am nächsten Tag Schmiergelder, sind Saufbolde und abhängig von Opium - und auch noch Stolz darauf. Sich aber mit einer Farbigen einzulassen ist ein nicht wieder gut zu machender Skandal! 

Sehr deutlich wird sich hier mit dem Konflikt der Nord- und Südstaaten zu der damaligen Zeit auseinander gesetzt. Während im Süden die Sklaven wie Vieh gehalten werden, zeigt sich der Norden schon "fortschrittlicher" und es leben freie Sklaven in der Stadt, doch werden sie sehr schlecht behandelt. Es gilt auch als Bürgerpflicht, geflohene Sklaven zu verraten und dem Gesetz zu übergeben, was an jeder Ecke die Sklavenjäger hervorlockt.

Lyndsay Faye hat einen ganz besonderen Schreibstil, der wunderbar in diese Zeit passt. Ab und zu verwendet sie Wörter im Straßenslang, wofür es im Anhang extra eine Tabelle gibt. Ich musste allerdings nie nachschauen, weil immer schlüssig war, was sie bedeuten. Das Buch beschreibt eine wirklich raue, grausame Zeit, in der es oft ungerecht und brutal zugeht und trotzdem hat die Autorin einen gewissen Flair erzeugt, dem ich mich nicht entziehen konnte. Auch gibt es viele kleine Andeutungen, die Spannung erzeugen und neugierig machen. Alles wird sehr anschaulich beschrieben, seien es die Charaktere, die damaligen Lebensumstände oder der Fall, das ganze ergibt ein sehr greifbares Bild und ich konnte mir alles sehr gut vorstellen.

Zusammengefasst

Thematik: Macht und Politik in Zeiten des Sklavenhandels in Nordamerika
Schreibstil: authentisch und besonders
Charaktere: sehr gut skizziert und glaubwürdig
Spannung: von Anfang an fesselnd
Umsetzung: perfektes Zusammenspiel der Thematik und dem Krimi-Element, rundum gelungen

Fazit

Ein sehr guter zweiter Teil, von dem es hoffentlich noch Fortsetzungen geben wird. Authentisch, spannend und mit dem typischen, schonungslosen Charme der damaligen Zeit. Ein spannender Kriminalfall, der  mehr als eine Überraschung bereithält.

 Bewertung
 


© Aleshanee



Image
© Gabriel Lehner
Über die Autorin:  Lyndsay Fay wuchs im Pazifischen Nordwesten auf und studierte Englisch und Performance in Belmont, Kalifornien. Lindsay Faye arbeitete einige Jahre als Schauspielerin bevor sie 2005 nach New York zog und mit dem Schreiben begann. Ihr Roman ›Der Teufel von New York‹, der erste einer Serie um Timothy Wilde, wurde für den Edgar Award 2013 (Kategorie Best Novel) nominiert und ein internationaler Erfolg. Lyndsay Faye lebt mit ihrem Mann nördlich von Harlem.
Quelle: dtv Verlag


Website der Autorin





Timothy Wilde Mysteries

1 - Der Teufel von New York
2 - Die Entführung der Delia Wright
3 - The Fatal Flame (original)


Kommentare:

  1. Hey,
    jetzt bin ich echt am Überlegen, ob ich meine Leseliste für März nochmal ändern soll, damit ich "Der Teufel von New York" noch reinquetschen kann :D Aber ich will die anderen Bücher auch unbedingt lesen :D
    Da muss ich nochmal drüber nachdenken :)
    Lg Kerstin

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  2. Das Buch hört sich soooo toll an. Ich muss mir den ersten Teil demnächst unbedingt kaufen und mal wieder eine tolle Rezi :-)

    Liebe Grüße

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  3. Also ich les ja eigentlich lieber Mittelalter und eigentlich lieber in England, aber trotzdem fand ichs wirklich super :)

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  4. Hmm ... Ich gebe zu: Wenn ich das Buch in einer Buchhandlung zur Hand genommen hätte, wäre es dort geblieben. Kann garnicht so direkt sagen, wieso. Aber jetzt, nach dem Lesen der Rezension... joa... Kann ich mir vorstellen. Kommt auf meine Einkaufsliste :) Danke.

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    1. Ich muss zugeben, dass mich das Cover vom ersten Band auch mehr anspricht. Und nachdem das so toll war, musste ich natürlich auch den zweiten lesen ;)

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