Dienstag, 10. März 2026

Das Kalendermädchen von Sebastian Fitzek

Sebastian Fitzek


Das Kalendermädchen von Sebastian Fitzek


Genre Psychothriller
Schauplatz Berlin / Bayern

Verlag Droemer Knaur
Seitenzahl 394
1. Auflage Oktober 2024






Meine Meinung
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Ein Notruf geht bei der Polizei ein, die Frau wünscht, eine Pizza zu bestellen - und der diensthabende Polizist am Telefon merkt sofort, dass diese in einer Notlage ist. 
Als kurz darauf zwei Beamte an dem abgelegenen Haus eintreffen, erwartet sie ein merkwürdiger Schauplatz mit einer bösen Überraschung.

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Ich muss gestehen, dass ich mich schon auf den ersten Seiten von der Logik verabschieden musste. Was mir in letzter Zeit bei den Büchern des Autors leider desöfteren auffällt. Der eine Polizist kommt angetrunken bzw. mit Restalkohol zum Tatort (und zwar in dem Maße dass die Kollegin meint, er wankt) und selbige Kollegin geht dann alleine in den ersten Stock ohne Rückendeckung, obwohl sie überhaupt nicht wissen, mit was sie es hier genau zu tun haben. Zudem fasst sie auch noch Dinge ohne Handschuhe an... 

Jahre später:
Olivia Rauch ist Psychologin und hat eine 11jährige Adoptivtochter, die sehr krank ist. Eine Knochenmarkspende von ihren leiblichen Eltern könnte helfen, doch die Behörden wollen nicht mit dem Namen herausrücken. Auf der Suche nach diesen stößt sie auf gefährliche Ereignisse aus der Vergangenheit
Olivia wird in Verbindung gebracht mit der Aussage, dass gläubige Menschen geistesgestört seien. Was auf die lustige Weiterverbreitung von aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen in unserer virtuellen Welt anspielt.
Außerdem hat sie eine sehr seltene Phobie, die sich im ersten Moment lächerlich anhört. Aber Fitzek schafft hier den Versuch, Verständnis aufzubringen, denn egal, um was es bei einer Phobie geht - diese Menschen sind dieser oft völlig ausgeliefert und nicht in der Lage, "einfach drüber wegzugehen". Hier sollte in der Gesellschaft viel mehr Empathie mitgebracht werden!

21 Jahre vorher
In einem Internat. Valentina ist 16 und ungewollt schwanger geworden. Zusammen mit Ole ist sie über Weihnachten einer bösartigen, streng gläubigen Direktorin ausgeliefert, die ihr sündiges Verhalten bestrafen will. Das sowas leider viel zu oft vorkommt ist tief traurig und erschreckend (mehr dazu unten), aber wie das ganze aufgezogen war, empfand ich doch etwas zu speziell, so dass es einfach nicht glaubwürdig auf mich gewirkt hat. Auch wenn es für den Grundkern der Handlung so sein musste.

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Wenn es so schon anfängt fällt es mir echt schwer, weiterzulesen. Das kommt mir alles so unlogisch und konstruiert vor schon auf den ersten 50 Seiten (ich hab nicht alles genannt), da muss ich mich dann anhalten, sowas nicht mehr zu beachten. 
Was mir hier geglückt ist, denn spannend schreiben kann der Autor ja auf jeden Fall. Die beiden Handlungsstränge um Olivia und Valentina haben von Anfang an etwas verbindendes, aber man hat keine Ahnung, was.

Vor allem die Vorfälle in dem Haus der Bluttat, die im Rückblick erzählt werden, wirken völlig merkwürdig und ich hatte keinen Plan, was das alles bedeuten soll. Was auch gut so ist, das schürt natürlich die Neugier und die vielen Möglichkeiten.
Bei Olivia gerät das ganze in sehr abstruse Bahnen und auch wenn hier wie immer eine gut temporeiche und spannende Handlung gesponnen wird, bei der es einige Überraschungen gibt, bin ich doch immer wieder über Kleinigkeiten gestolpert, die für mich unlogisch waren oder "an den Haaren herbeigezogen". Letztere Redewendung hat der Autor in seinem Nachwort übrigens selbst verwendet und gemeint, dass manche Leser ihm das schreiben. Und er selbst oft nicht so klare Grenzen ziehen kann, was jetzt zu unglaublich ist und was nicht. 
Für mich persönlich überzieht er in den letzten Monaten damit - aber ansonsten war es von Grund auf her schon durchdacht und in sich schlüssig. Im groben.

Was der Autor erwähnt über Verbrechensopfer in Deutschland möchte ich aber definitiv noch hier anmerken, weil es so wichtig ist! Und ich sicher bin, dass er hier gut nachrecherchiert hat:

180 x pro Tag registrieren Jugendämter Fälle von Kindeswohlgefährdung -> heißt über 65.000 verletzte Kinder (körperlich oder seelisch) pro Jahr, die meisten unter 10 Jahre alt
20.000 Kinder in Deutschland werden pro Jahr Opfer sexueller Gewalt

Die offiziellen Zahlen - über die Dunkelziffer mag man dabei gar nicht mehr denken und dennoch sollten wir das nicht totschweigen. Kinder sind völlig hilflos und ausgeliefert und brauchen Schutz und Respekt.

Hierzu hat Sebastian Fitzek übrigens ein Zitat eingefügt aus der Doktorarbeit der Protagonistin:
"Man kann ein gutes Leben trotz der Gewalt führen - oder ein schlechtes wegen ihr. ..."
Zitat Seite 47
Viele Menschen wollen nicht hören, dass Menschen durch die Gewalt in der Kindheit später ebenfalls in diese Muster fallen. Schließlich können andere das ja auch kompensieren und machen es nicht. Die konnten dieses Trauma verarbeiten, die meisten zum Glück. Andere leider nicht. Ich heiße Gewalt niemals gut, aber ich finde es toll dass Fitzek hier Denkanstöße gibt - denn Menschen werden nicht geboren mit der Absicht, anderen Gewalt anzutun. Ohne Ursache keine Wirkung.

Dazu kommt die Thematik, wie viele Kinder gerade in den geschützten Räumen (wie Schulen, Internate) Gewalt ausgeliefert sind, psychischer und physischer und das leider meist über viele Jahre unentdeckt bleibt, während die Zahl der Opfer steigt. 
Auch fand ich den Ansatz über die Familie interessant. Wie viel ist man bereit zu tun, um jemanden zu schützen, der einem nahesteht. Demgegenüber die vielen Schreckensnachrichten, die man abschüttelt, weil die Person oder die Personen nicht kennt. Das muss man natürlich, sonst würden wir durchdrehen bei den vielen schlimmen Dingen auf der Welt. Aber wenn es um jemanden geht, der einem viel bedeutet, würde man auch die Verletzungen anderer riskieren, um ihn retten.


Meine Bewertung
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