Das Kalendermädchen von Sebastian Fitzek
Genre Psychothriller
Schauplatz Berlin / Bayern
Verlag Droemer Knaur
Seitenzahl 394
1. Auflage Oktober 2024
Meine Meinung
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Ein Notruf geht bei der Polizei ein, die Frau wünscht, eine Pizza zu bestellen
- und der diensthabende Polizist am Telefon merkt sofort, dass diese in einer
Notlage ist.
Als kurz darauf zwei Beamte an dem abgelegenen Haus eintreffen, erwartet sie
ein merkwürdiger Schauplatz mit einer bösen Überraschung.
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Ich muss gestehen, dass ich mich schon auf den ersten Seiten von der Logik
verabschieden musste. Was mir in letzter Zeit bei den Büchern des Autors
leider desöfteren auffällt. Der eine Polizist kommt angetrunken bzw. mit
Restalkohol zum Tatort (und zwar in dem Maße dass die Kollegin meint, er
wankt) und selbige Kollegin geht dann alleine in den ersten Stock ohne
Rückendeckung, obwohl sie überhaupt nicht wissen, mit was sie es hier genau zu
tun haben. Zudem fasst sie auch noch Dinge ohne Handschuhe an...
Jahre später:
Olivia Rauch ist Psychologin und hat eine 11jährige Adoptivtochter, die sehr krank ist. Eine Knochenmarkspende von ihren leiblichen Eltern könnte helfen,
doch die Behörden wollen nicht mit dem Namen herausrücken. Auf der Suche nach diesen stößt sie auf gefährliche Ereignisse aus der Vergangenheit
Olivia wird in Verbindung gebracht mit der Aussage, dass gläubige Menschen
geistesgestört seien. Was auf die lustige Weiterverbreitung von aus dem Zusammenhang gerissenen Aussagen in unserer virtuellen Welt anspielt.
Außerdem hat sie eine sehr seltene Phobie, die sich im ersten Moment lächerlich anhört. Aber Fitzek schafft hier den Versuch, Verständnis aufzubringen, denn egal, um was es bei einer Phobie geht - diese Menschen sind dieser oft völlig ausgeliefert und nicht in der Lage, "einfach drüber wegzugehen". Hier sollte in der Gesellschaft viel mehr Empathie mitgebracht werden!
21 Jahre vorher
In einem Internat. Valentina ist 16 und ungewollt schwanger geworden.
Zusammen mit Ole ist sie über Weihnachten einer bösartigen, streng gläubigen
Direktorin ausgeliefert, die ihr sündiges Verhalten bestrafen will. Das sowas leider viel zu oft vorkommt ist tief traurig und erschreckend (mehr dazu unten), aber wie das ganze aufgezogen war, empfand ich doch etwas zu speziell, so dass es einfach nicht glaubwürdig auf mich gewirkt hat. Auch wenn es für den Grundkern der Handlung so sein musste.
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Wenn es so schon anfängt fällt es mir echt schwer, weiterzulesen. Das kommt
mir alles so unlogisch und konstruiert vor schon auf den ersten 50 Seiten (ich
hab nicht alles genannt), da muss ich mich dann anhalten, sowas nicht mehr zu
beachten.
Was mir hier geglückt ist, denn spannend schreiben kann der Autor ja auf jeden
Fall. Die beiden Handlungsstränge um Olivia und Valentina haben von Anfang an
etwas verbindendes, aber man hat keine Ahnung, was.
Vor allem die Vorfälle in dem Haus der Bluttat, die im Rückblick
erzählt werden, wirken völlig merkwürdig und ich hatte keinen Plan, was das
alles bedeuten soll. Was auch gut so ist, das schürt natürlich die Neugier und
die vielen Möglichkeiten.
Bei Olivia gerät das ganze in sehr abstruse Bahnen und auch wenn hier wie
immer eine gut temporeiche und spannende Handlung gesponnen wird, bei der es
einige Überraschungen gibt, bin ich doch immer wieder über Kleinigkeiten
gestolpert, die für mich unlogisch waren oder "an den Haaren herbeigezogen".
Letztere Redewendung hat der Autor in seinem Nachwort übrigens selbst
verwendet und gemeint, dass manche Leser ihm das schreiben. Und er selbst oft
nicht so klare Grenzen ziehen kann, was jetzt zu unglaublich ist und was
nicht.
Für mich persönlich überzieht er in den letzten Monaten damit - aber ansonsten
war es von Grund auf her schon durchdacht und in sich schlüssig. Im groben.
Was der Autor erwähnt über Verbrechensopfer in Deutschland möchte ich aber
definitiv noch hier anmerken, weil es so wichtig ist! Und ich sicher bin, dass
er hier gut nachrecherchiert hat:
180 x pro Tag registrieren Jugendämter Fälle von Kindeswohlgefährdung ->
heißt über 65.000 verletzte Kinder (körperlich oder seelisch) pro Jahr, die
meisten unter 10 Jahre alt
20.000 Kinder in Deutschland werden pro Jahr Opfer sexueller Gewalt
Die offiziellen Zahlen - über die Dunkelziffer mag man dabei gar nicht mehr
denken und dennoch sollten wir das nicht totschweigen. Kinder sind völlig
hilflos und ausgeliefert und brauchen Schutz und Respekt.
Hierzu hat Sebastian Fitzek übrigens ein Zitat eingefügt aus der Doktorarbeit
der Protagonistin:
"Man kann ein gutes Leben trotz der Gewalt führen - oder ein schlechtes wegen ihr. ..."Zitat Seite 47
Viele Menschen wollen nicht hören, dass Menschen durch die Gewalt in der
Kindheit später ebenfalls in diese Muster fallen. Schließlich können andere
das ja auch kompensieren und machen es nicht. Die konnten dieses Trauma
verarbeiten, die meisten zum Glück. Andere leider nicht. Ich heiße Gewalt niemals gut, aber ich finde
es toll dass Fitzek hier Denkanstöße gibt - denn Menschen werden nicht geboren
mit der Absicht, anderen Gewalt anzutun. Ohne Ursache keine Wirkung.
Dazu kommt die Thematik, wie viele Kinder gerade in den geschützten Räumen
(wie Schulen, Internate) Gewalt ausgeliefert sind, psychischer und physischer
und das leider meist über viele Jahre unentdeckt bleibt, während die Zahl der
Opfer steigt.
Auch fand ich den Ansatz über die Familie interessant. Wie viel ist man bereit
zu tun, um jemanden zu schützen, der einem nahesteht. Demgegenüber die vielen
Schreckensnachrichten, die man abschüttelt, weil die Person oder die Personen
nicht kennt. Das muss man natürlich, sonst würden wir durchdrehen bei den
vielen schlimmen Dingen auf der Welt. Aber wenn es um jemanden geht, der einem
viel bedeutet, würde man auch die Verletzungen anderer riskieren, um ihn
retten.
Meine Bewertung
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