Montag, 22. Dezember 2014

Rezension: Die Henkerstochter und der Teufel von Bamberg von Oliver Pötzsch



Genre: Historischer Krimi

Band 5 der Reihe Die Henkerstochter

Verlag: Ullstein
Seitenzahl: 716

Taschenbuch: 9,99 €
ebook: 8,99 €

1. Auflage: Aug 2014




Klappentext

Gemeinsam mit seiner Tochter Magdalena und ihrem Mann Simon reist der Henker Jakob Kuisl im Jahre 1668 nach Bamberg. Was als Familienbesuch geplant war, wird jedoch bald zum Alptraum: In Bamberg geht ein Mörder um. Die abgetrennten Gliedmaßen der Opfer werden im Unrat vor den Toren der Stadt gefunden. Schnell verbreitet sich das Gerücht, die Morde seien das Werk eines Werwolfs. Jakob Kuisl mag sich diesem Aberglauben nicht anschließen und macht sich auf die Suche nach dem »Teufel von Bamberg«.

Meine Meinung
 

Ich mag ja die Reihe um die Henkerstochter echt gerne, aber der fünfte Band hat die vorherigen noch getoppt. Ein bisschen skeptisch war ich vorher schon, weil das Buch um einiges dicker ist, als die Teile vorher, aber ich wurde nicht enttäuscht! Man kann die Bände durchaus einzeln lesen, aber zum besseren Verständnis vor allem zur Familie Kuisl wäre es besser, die Reihenfolge einzuhalten.

Oliver Pötzsch ist sich seinem Stil treu geblieben und man fühlt sich sofort in die damalige Zeit zurückversetzt. Vor allem die Dialoge wirken in ihrer leicht bayerischen Mundart sehr authentisch und nie übertrieben. Die Perspektiven wechseln zwischen den Protagonisten, was mir einen sehr guten Überblick geschaffen hat und vor allem konnte ich auch die Gedanken und Gefühle der Figuren sehr gut nachvollziehen.

Der Henker Jakob Kuisl kommt schön langsam in die Jahre. Er ist immer noch ein bärbeißiger, unwirscher und grober Kerl, der sich durch seine Arbeit eine sehr raue Schale zulegen musste. Trotzdem hab ich ihn schon lange in mein Herz geschlossen, denn das sitzt trotz seinem brutalen "Job" immer noch auf dem rechten Fleck. 
Sein Bruder, Bartholomäus, von dem man in diesem Band zum ersten Mal hört, lebt einige Meilen von Jakobs Heimat in Bamberg. Warum die beiden Brüder sich schon so viele Jahre nicht gesehen haben und was sie damals auseinandergetrieben hat, ist ein wohl gehütetes Geheimnis in Jakobs Familie. Die ständigen Stänkereien sind für alle Familienmitglieder nicht einfach zu ertragen und vor allem Magdalena, Jakobs Tochter, muss oft mit ihrem vorlauten Mundwerk dazwischenfahren. 
Sie ist mittlerweile mit dem Bader Simon Fronwieser verheiratet. Dadurch hat er sich einige Chancen vespielt, denn eine Henkerstochter gilt als niedrigster Stand und somit ist ihm eine hohe Laufbahn als Medicus verwehrt. 

Die Morde, die das Städtchen Bamberg seit einigen Wochen erschüttern, sind mysteriös und lassen viel Spielraum für eigene Vermutungen. Der Autor hat es geschafft, keinen Moment Langeweile aufkommen zu lassen. Die vielen Verwicklungen in der Kuisl Familie, die Schauspieltruppe, die zur gleichen Zeit in Bamberg weilt und die hohen Würdenträger der Kirche, die nur allzu gerne einen Werwolf als Täter verurteilen würden, hat mich lange rätseln lassen, in welchem Zusammenhang die Morde wohl stehen. Es passiert sehr viel und die Spannung steigt gegen Ende immer mehr, während man langsam ahnt, wer tatsächlich dahinter stecken könnte.

Ich mag ja historische Romane oder Krimis vor allem auch deshalb, um hinter die Kulissen der damaligen Zeit zu blicken. Gerade der Beruf des Henkers und der damit verbundene niedere Stand sind hier bemerkenswert vielseitig und unverblümt dargestellt. Wie schwer gerade diese Menschen und Familien es hatten und wie sich das auf ihre gesellschaftliche Stellung ausgewirkt hat, kann man heute gar nicht mehr nachvollziehen.

"Sowohl Scharfrichter als auch Schauspieler waren ehrlose Berufe, ausgeübt von Menschen, 
mit denen brave Bürger nichts zu tun haben wollten. Trotzdem erwartete man von beiden Zünften 
eine handwerklich perfekte und unterhaltsame Ausführung." S. 405

Zusammengefasst

Thematik: Familienzusammenhalt
Schreibstil: flüssig und teilweise derb, genau die richtige Mischung für die Zeit
Charaktere: authentisch, echt und greifbar
Spannung: war immer fesselnd mit einem dramatischen Ende
Umsetzung: die ganze Kulisse perfekt in Szene gesetzt, hier stimmt alles

Fazit

Für Fans der Reihe ein MUSS! Rundum gelungener historischer Krimi, mit viel Spannung, neuen Hintergründen zur Familie Kuisl und einer außergewöhnlichen Mörderjagd.

Bewertung

© Aleshanee


Über den Autor: Oliver Pötzsch, Jahrgang 1970, war jahrelang Filmautor beim Bayerischen Rundfunk und lebt heute als Autor in München. Seine historischen Romane um den Schongauer Henker Jakob Kuisl haben ihn weit über die Grenzen Deutschlands bekannt gemacht. 
Quelle: Ullstein Verlag


Website des Autors



Die Henkerstochter Reihe

1 ~ Die Henkerstochter
2 ~ Die Henkerstochter und der schwarze Mönch
3 ~ Die Henkerstocohter und der König der Bettler
4 ~ Der Hexer und die Henkerstochter
5 ~ Die Henkerstochter und der Teufel von Bamberg




1 Kommentar:

  1. Hey,

    eine sehr schöne Rezension.
    Ich habe den ersten Teil auf meinem SuB liegen, ich sollte die Reihe wohl bald anfangen :D
    Liebe Grüße
    Lena

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