Freitag, 6. Dezember 2013

Tintenhains Adventskalender Türchen ★ 6 ★




Heute öffnet sich hier das 6. Türchen von Tintenhains Adventskalender

 
Ich möchte euch zu diesem Anlass unser Weihnachtsfest einmal etwas anders vorstellen, und zwar wollte ich euch über die Ursprünge unserer schönen Tradition erzählen: 
das Julfest

Wir haben ja mittlerweile unsere eigenen Bräuche zu Weihnachten: die Adventszeit mit der Vorbereitung, das Schmücken der Wohnung/des Hauses und das Plätzchenbacken. Am Heiligabend der geschmückte Weihnachtsbaum, ein schönes Essen im Kreis der Familie und natürlich das Geschenke auspacken.

Aber woher kommt Weihnachten überhaupt?
Ich habe mich ein bisschen durch das Thema geschmökert und hoffe, euch einen kleinen, interessanten Überblick geben zu können. Inwieweit diese Überlieferungen der Wahrheit entsprechen sind umstritten und kann jeder für sich selbst entscheiden ;)




Die Zeit um den 24. Dezember spielte schon bei den keltischen und germanischen Völkern eine wichtige Rolle, lange bevor es das Christentum gab. Zur Zeit der Wintersonnenwende, also dem 21.12., feierte man das Julfest im nordeuropäischen Raum, vermutlich zu Ehren des Göttervaters Odin, der noch heute den Beinamen „Jolnir“ trägt. In Skandinavien heißt Weihnachten noch heute „Jul“, im Finnischen „joulu“ und im Englischen gibt es den Begriff „Yule“.

Die Wintersonnenwende war eine der heiligsten Feiern. Die damaligen Menschen sind sowohl mit der Natur als auch mit dem Kosmos viel verbundener gewesen. Es war wichtig, die Veränderung nach der langen dunklen Zeit zu feiern. 
 Es hieß, in dieser dunkelsten aller Nächte gebiert die Göttin tief in der finsteren Erde das wiedergeborene Sonnenkind. Diesen Mythos findet man überall in allen Kulturen der Welt, am deutlichsten an Weihnachten und dem Christuskind. Die Dunkelheit wird wieder gebannt, die Nächte werden wieder kürzer und die Natur, die tot schien, wird wieder zum Leben erwachen. Das Wiedererstarken der Sonne und das Längerwerden der Tage war früher überlebenswichtig, vor allem für die Saat und Ernte.
Der Vollmond zur Wintersonnenwende wird Julmond genannt. Er kennzeichnete den Beginn des neuen Jahres.  


Mit der Ausbreitung des römischen Reiches wurde die Wintersonnwende dann zum Staatsfeiertag ausgerufen als Geburtstagsfeier des "sol invictus" - der unbesiegbaren Sonne. Also auch die Idee einer Geburtstagsfeier zur Wintersonnwende war keineswegs eine Erfindung des Christentums.

Um den heidnischen Völkern den Übergang zum Christentum zu erleichtern, war es durchaus üblich, wichtige Feiertage in der Nähe der heidnischen Feiertage anzusiedeln.
Papst Hippolytos setze sich für den 25. Dezember als Tag der Christgeburt ein - im Jahre 217. Um 330 schließlich erklärte Kaiser Konstantin das Christentum zur römischen Staatsreligion und funktionierte den alten Sonnengott um in den neuen Christengott, der als "lux mundi" - als Licht der Welt - gefeiert wurde. In Deutschland wurde dieser Feiertag erst 813 anerkannt. In ganz Europa legten christliche Herrscher das Fest auf den 24. oder 25. Dezember, um dem Volk so eine christliche Alternative zu den “gottlosen” Ritualen zu bieten. Denn die Wissenschaftler sind sich einig, dass das Fest zur Wintersonnenwende – so unromantisch und wenig rühmlich das auch klingen mag – in erster Linie ein Gelage war.


Schon die Germanen haben erkannt, dass das Mondjahr rund 12 Tage kürzer ist als das Sonnenjahr. Dieser Zeit zwischen Weihnachten und dem 6. Januar schrieben sie eine besondere Bedeutung zu. Sie glaubten, dass das Tor zur Geisterwelt offenstünde und ließen als Gabe für die verstorbenen Ahnen Essen stehen oder brachten es zu besonderen Kultstätten.

Im Allgäu und den Alpenländern haben diese Nächte noch heute eine besondere Bedeutung, auch hier wurden viele Sagen überliefert: Odin bzw. Wotan auf dem achtbeinigen Ross Sleipnir, die Perchta oder auch Frau Holle, die ihren Ursprung wohl in der Göttin Hel hat, führt ein wildes Heer an und nimmt jeden mit sich, der ein tödliches Unglück erlitten hat und vor seiner Zeit hat aus dem Leben scheiden müssen. Aus diesem Grund sollte man an diesen Tagen keine weiße Wäsche aufhängen, da sie an Leichentücher erinnert, um die wilde Jagd nicht unnötig anzulocken.

Auch spielte in dieser Zeit der Kontakt zu den Nutztieren eine besonders wichtige Rolle. Es hieß, dass die Nutztiere in diesen Nächten in menschlicher Sprache über die Zukunft sprechen, doch jeder, der es wagte, den Stall zu betreten und ihnen zu lauschen, starb kurz darauf. Orakel und Hellsichtigkeit waren begünstigt (heutiges Bleigießen).

Sobald sich die Rauhnächte dem Ende neigen, nämlich zum Jahreswechsel, ist es die letzte Gelegenheit, die Geister, Dämonen und alles schlechte des letzten Jahres auszutreiben. Mit lauten Geräuschen, Feuer und Gejohle werden diese verjagt und der Beginn eines neuen Jahres gefeiert. Statt Sonnenrädern benutzen wir heute die Silvesterraketen aus den Supermärkten, aber auch die Perchtenläufe in den Alpenregionen, bei denen Menschen in schrecklichen Tiermasken den Winter austreiben, sind ein Relikt aus vergangener Zeit.


Die Rauhnächte waren eine Friedenszeit. Die Menschen erfreuten sich an den Festumzügen zu Ehren der Götter und schmückten ihre Häuser mit immergrünen Zweigen wie Buchsbaum, Eibe, Fichte, Tanne, Stechpalme, Kiefer, Efeu oder Wacholder, da man diesen heilende Kräfte zuschrieb.


Außerdem hatte jeder das Recht sich einen Julklotz aus dem Wald zu holen. Hierbei handelte es sich um einen ganzen Baumstamm, welcher mit Stechpalmen dekoriert am "Heiligen Abend" in die damals riesigen Kamine gelegt wurde. Er sollte die ganzen 12 Nächte hindurch brennen und Segen bringen. Das, was von ihm übrig blieb - Holzkohlereste und Asche - wurde aufgehoben, um damit krankes Vieh zu heilen oder es auf den Feldern als Dünger einzusetzen.
Vor allem in Skandinavien sind viele der mittelalterlichen Bräuche erhalten geblieben und werden heute beim
allgemeinen christlichen Weihnachten gepflegt. Sogar der Julbock ist erhalten geblieben, der meist unter dem Weihnachtsbaum aufgestellt wird und die Geschenke trägt. 
Ein Wiederaufkommen dieses Gegenstands gab es in Deutschland, da das schwedische Möbelhaus Ikea den Strohbock zur Weihnachtszeit im Sortiment trägt, weil dieser in Schweden fester Bestandteil des Weihnachtsfestes ist ;) 


Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem kleinen geschichtlichen Rückblick ein bisschen unterhalten. Jedenfalls fand ich es sehr interessant, welche Mythen sich um dieses besondere Fest ranken.
Zum Abschluss gibt es eines meiner Lieblingslieder in der Vorweihnachtszeit



Und morgen öffnet sich das 7. Türchen bei der Literatouristin

Kommentare:

  1. Super geschrieben.
    Vieles was ich noch nicht wusste.
    Vorallem Frau Holle,dachte immer das wäre einfach nur ein Märchen.

    Vielen Dank für diese wunderschöne und interessante Aufklärung.

    Einen wunderschönen Nikolaus wünsche ich dir:-)

    Lg die Zahnfee.(aka Türchen Nr.4)

    www.zahnfeen-welt.blogspot.de

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    Antworten
    1. Dankeschön :) Hab mir auch Mühe gegeben, war gar nicht so einfach, dass alles auf ein kompaktes Maß zu reduzieren, da gibts ja sooo viel, da könnte ich bis Weihnachten weiterschreiben *g*

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  2. Guten Morgen =)
    Das hast Du wirklich schön geschrieben und gestaltet. Wünsche Dir einen schönen Nikolaus Tag!^_^

    Liebe Grüße
    Katie

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  3. Wow, das war echt interessant!
    Danke für diesen Einblick in die Geschichte :)

    Liebe Grüße, MissDuncelbunt

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