Montag, 16. Dezember 2013

Rezension: Die lange Erde von Terry Pratchett und Stephen Baxter


Genre: Science Fiction
Band 1 der Reihe

Verlag: Manhattan
Seitenzahl: 400
Taschenbuch: 17,99 €
ebook: 13,99 €

ISBN: 978-3-442-54727-2
1. Auflage: Okt 2013

Website von Terry Pratchett
Website von Stephen Baxter





„Die nächste Welt ist immer nur den Hauch eines Gedankens entfernt!“ S. 138

Zum Inhalt

2015, Madison, Wisconsin
Eine simple Konstruktion, ein kleines Kästchen, dessen Bauanleitung im Internet auftaucht, verändert die Welt – nein, nicht die Welt, sondern die Welten; unzählige Parallelwelten, deren Pioniere schon in den Startlöchern stehen.

Nachdem die Bauanleitung für den „Wechsler“ im Internet aufgetaucht ist, wechseln immer mehr Menschen auf die parallelen Erden, die sich in westlicher und östlicher Richtung scheinbar unendlich vervielfältigen. Diese Planeten gleichen unsere Erde bis auf kleine oder auch größere Abweichungen, je nachdem, wie sich die äußeren Einflüsse entwickelt haben: die lange Erde.
Sie unterscheiden sich oft nur minimal, doch was allen gleicht: dort leben nirgends Menschen.

Willis Linsay, der Wissenschaftler, der dieses Gerät entwickelt und den Menschen die Möglichkeit zum Wechseln ermöglicht hat, hinterlässt der Menschheit nicht nur dieses Erbe.
Die Polizistin Monica Jansson stellt sich der allgemeinen Aufbruchsstimmung entgegen und erfüllt weiterhin ihre Pflicht auf der „Datums-Erde“.
Joshua, in einem Heim bei Nonnen aufgewachsen, gehört zu den „natürlichen“ Wechslern. Er kann ohne Beschwerden, aber vor allem auch ohne das berüchtigte Kästchen zwischen den Welten wechseln.
Und schließlich Lobsang, der verstorbene Tibeter, der in einer riesigen technischen Konstruktion weiterlebt …

Sie alle erleben die Entwicklung der Gesellschaft auf der Datum-Erde und die Neuentwicklungen der Gesellschaften auf der langen Erde aus unterschiedlichen Perspektiven. Als Lobsang den jungen Joshua überredet, mit einem Luftschiff bis ans Ende der langen Erde zum Zwecke der Forschung aufzubrechen, kann Joshua dieser Herausforderung nicht widerstehen. Die Gesellschaft vieler Menschen war ihm schon immer zuwider und tief im Herzen begehrt er nach der Stille, die seit seiner Geburt eine unstillbare Sehnsucht in ihm geweckt hat.

Meine Meinung
 

Wow, was für eine grandiose Fiktion! Unendliche Parallelwelten unserer Erde, die sich jede auf ihrer Weise etwas anders entwickelt hat. Als ich mit dem Buch angefangen habe, dachte ich nur: In was für eine abgespacte Geschichte bin ich da hineingeraten?
Ich liebe die Pratchett Bücher um die Scheibenwelt und habe mich bewusst unvoreingenommen auf dieses neue Abenteuer eingelassen – und wurde nicht enttäuscht. Zwischendrin gab es einmal eine Phase, die sich etwas ereignislos dahingezogen hat, nahm aber dann wieder umso mehr an Fahrt auf.

Die vielen Zeitsprünge und Perspektivenwechsel zu Beginn waren gewöhnungsbedürftig, aber das ist bei Pratchett ja nichts neues; aber ich musste mich schon konzentrieren, um gut mitzukommen. Allerdings werden die Infos verständlich in die Handlung eingebaut und man beginnt sich wirklich vorzustellen, wie sich dieses Phänomen in der Realität tatsächlich auswirken würde.

Es werden auch hier interessante Fragen aufgeworfen, hauptsächlich mit philosophischem, manche auch mit religiösem Hintergrund. Wie unterschiedlich reagieren die Menschen auf dieses Phänomen der langen Erde, was fangen sie mit ihren neuen Möglichkeiten an und welche Gesellschaftsformen entwickeln sich? Welche Gründe gibt es, auf diesen Parallelwelten neu anzufangen und wie verhalten sich diejenigen, die zurückbleiben? Denn ein geringer Prozentsatz der Menschen kann gar nicht wechseln …

Zwischendrin gab es immer wieder Sequenzen, die mich an den typischen Pratchett-Stil erinnerten und mich zum Schmunzeln brachten, aber allgemein kann man dieses Buch nicht mit der Scheibenwelt Reihe vergleichen. Wer den typischen Pratchett Humor erwartet, ist hier falsch. Es ist wissenschaftlicher und ernsthafter – auf eine anspruchsvolle Art und Weise.

 „Wenn du am Morgen aufstehst, denke daran, was für ein kostbares Privileg es ist, am Leben zu sein – zu atmen, zu denken, Freude zu empfinden, lieben zu können.“ S 244

Fazit

Ein sehr gelungener Auftakt mit einer genialen Idee, die den Leser nicht nur in parallele Welten entführt, sondern auch in abstrakte Gedankengänge, die sich wie die philosophischen Hintertüren gekonnt zwischen den Zeilen verbergen. Zwischendurch einige Längen, ansonsten absolut überzeugend!

 Bewertung
 
 Cover: 4
Schreibstil: 4
Handlung: 4
Charaktere: 5
Prämisse: 5
 

Vielen Dank an den Manhattan Verlag für das Rezensionsexemplar,
auch zu finden auf Facebook.

 © Aleshanee



Über die Autoren:

Terry Pratchett
© Christian Thiel
Terry Pratchett, geboren 1948, fand im zarten Alter von 13 Jahren den ersten Käufer für eine seiner Geschichten. Heute zählt er zu den erfolgreichsten Autoren Großbritanniens und ist einer der populärsten Fantasy-Autoren der Welt. Seit 1983 schreibt er Scheibenwelt-Romane. Von diesen wurden weltweit rund 75 Millionen Exemplare verkauft, seine Werke sind in 37 Sprachen übersetzt. Für seine Verdienste um die englische Literatur wurde ihm sogar die Ritterwürde verliehen. Umgeben von den modernsten Computern lebt Terry Pratchett mit seiner Frau Lyn in der englischen Grafschaft Wiltshire. Quelle: Manhattan Verlag

Stephen Baxter
© Rob Wilkins
Stephen Baxter, 1957 in Liverpool geboren, studierte Mathematik und Astronomie, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. Er zählt zu den weltweit bedeutendsten Autoren wissenschaftlich orientierter Literatur. Etliche seiner Romane wurden preisgekrönt und zu internationalen Bestsellern. Baxter lebt und arbeitet im englischen Buckinghamshire. Quelle: Manhattan Verlag




Kommentare:

  1. Oh ich wollte schon immer mal einen Pratchett lesen, bin aber nie dazu gekommen. Dieses hier klingt aber wirklich reizvoll. Würdest du mir dieses Buch als Einsteiger empfehlen oder sollte man vorher erst was anderes gelesen haben? So weit ich mich erinnere gibts von ihm ja wirklich unzählige Bücher ^^'.

    LG Insi Eule

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    1. Oh, eine Nachteule :)

      Das Buch als Einstieg? Das kommt drauf an, es ist völlig anders, als seine Scheibenwelt Romane. Das hier ist etwas ernsthafter, wissenschaftlicher und philosophischer und Science Fiction.
      Die Scheibenweltromane sind ein geniales Werk mit einem speziellen Humor und Fantasy.

      Ich persönlich tendiere zur Scheibenwelt, wenn ich dir etwas empfehlen müsste, aber es kommt drauf an, ob du diesen Humor magst. Man muss auch 2 - 3 Bücher davon lesen, um sich in dieser Welt und diesem Humor auszukennen ;)

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    2. Wir sind wohl beide Nachteulen... schuhuuuu :D (ganz ehrlich: der Mond ist so hell und ich konnte nicht mehr schlafen, kennst du das?)

      Also das mit dem Humor bei Scheibenwelt habe ich schon öfter gehört, aber ich mag auch sowas ernsteres gerne... Wie viele Bücher gibt es denn von Scheibenwelt?

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  2. Wenn meine Auflistung stimmt unter "Meine Reihen" dann sind es momentan 39 *g*
    Da ist aber jeder Band abgeschlossen, bzw. gibts auch Bände, die zusammengehören, z. B. sind die ersten drei
    1. Die Farben der Magie
    2. Das Licht der Phantasie
    3. Das Erbe des Zauberers
    Da gehts um den Zauberer Rincewind. Mit denen hab ich auch angefangen, fand sie aber anfangs recht schwierig, reinzukommen. Aber das ist bei den anderen Büchern wahrscheinlich genauso. Es dauert eben 2-3 Bücher, bis man sich in der Scheibenwelt zurecht findet. Bis auf eins hab ich alle gelesen, das wartet schon in meinem SuB :)

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    1. 39? Ich kipp aus den Latschen! Das ist ne Menge ^^'... Aber ich werds mal versuchen mit den Büchern :)

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    2. Ja, die sind wirklich toll ♥
      Vielleicht erst die Bücher von Gevatter Tod? Die sind super! Also ein paar einzelne gibts, mit denen würde ich nicht anfangen - kannst ja nochmal nachfragen dann, wenns soweit ist :)

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  3. Oh, Terry pratchett wollte ich mir auch schon lange mal anschauen. Da gibt es ja schon unendlich viele Bücher von, aber irgendwie rauschen die immer an mir vorbei.;-)
    Liebe Grüße
    Katie

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  4. Tolle Rezension auch wenn ich von dem Autor ein bisschen abstand genommen habe ( von Terry pratchett ) weil ich schon ein paar sehr negative Rezensionen zu seinen Büchern gelesen habe :/

    Liebst, Lotta

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  5. Eine schöne Rezension, bei der mir wieder einfällt, dass ich auch seit gefühlten Ewigkeiten mir vorgenommen habe, mal etwas von Terry Pratchett zu lesen ... irgendwann schaff ich es bestimmt noch ;)

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  6. Also die Scheibenwelt Reihe von Pratchett ist einfach nur genial! Wenn man nur ein Buch von der Reihe liest, kann es schon sein, dass man nicht richtig reinkommt, ich hab bei dem ersten Buch auch nicht alles verstanden. Aber in den verschiedenen Teilen kommen oft die Charaktere öfters vor, oder tauchen unvermutet auf, das ist so eine geniale Welt, die er da erschaffen hat, mit einem richtig guten Humor und philosophischen Hintergedanken - ich kann sie jedem nur empfehlen ♥

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